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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-02-25 · 9 (25.2.1916) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
9 (25.2.1916)
Date
1916-02-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 9 Dr. Bloch s Wochenschrift Seite 149 Keine Herren! Im Fropheken Daniel, zum Schlüße seiner bedeutungsvollen Weissagungen, heißt es: »Und um dieselbe Zeit wird Michael, der größte Schutzengel, der für die Söhne deines Volkes steht, aultreten; denn es wird eine Zeit der Drangsale sein, dergleichen nie gewesen, seit dem Völker gewesen bis zu dieser Zeit; aber zu derselben Zeit wird dein Volk errettet werden, alle die im Buche aufgeschrieben _ stehen. Und viele von den im Erdenstaube Schlafenden werden erwachen; diese zum ewigen Leben: jene zur ewigen Schmach und Verabscheuung. Die Denker aber werden glänzen wie der Glanz des Firmamentes und die Viele zur Gerechtigkeit geleitet, wie die Sierne immer und ewig!« Die Weissagungen des Propheten Daniel sind solche, die sich auf die spätesten Zeiten beziehen, denen die Welt entgegengeht und die wir selbst gegenwärtig zum Staunen und zur Verwunderung mitansehen und miterleben. Die Ereignisse, die im Okzident begonnen haben, werden zuletzt sich im Orient entscheiden und dort ihr Endergebnis für die letzte Gestaltung der Weltsituation finden. In jener Zeit — sagt uns hier Daniel — wird der Erzengel Michael auftreten und wieder jene seine alte Stellung einnehmen, die er vor den Zerstörungen des Heiligtumes vor Gott, dem Herrn, innehatte; es ist dies seine Stellung, die als zur »Rechten Gottes« von den alten Kabbalisten, bezeichnet wird. Dort stand er von jeher dem jüdischen Volke, seinen Schutzbefohlenen zur Seite als Fürsprecher und Schutzengel vor dem Throne des Allmächtigen. Es wird eine Zeit der Not sein, wie solche noch nie gewesen, seit dem Völker auf Erden wandeln. Das jüdische Volk wird jedoch, nach Beendigung dieses großen Weltkampfes, den großen Stützbalken gleichen, auf dem die anderen des Weltbaues ruhen; es werden nämiich die Juden von sämtlichen Königen und Fürsten des ganzen Weltalls wieder als Nation anerkannt werden! Zwei Gruppen werden die sich bekämpfenden Völker der Welt bilden; die der einen Gruppe werden hassen, auch die der andern werden es. Jedoch die der Zentralmächte werden nur auf Gott, als auf ihre Hilfe im Kampfe, hoffen; daß er ihnen das Leben geben werde, das ewige, glückliche Leben mit allen Anforderungen des höheren Geisteslebens. Jedoch die der andern Gruppe, die unter den Mächten der Entente verstanden werden, ihre Hoffnung zum Siege wird eine anders geartete sein. Sie werden stolz sein auf ihre Kampfmittel, daß sie genügend Brot und Fleisch, Herden und Felder zur Verfügung haben werden, die sie befähigen, in der längsten Ausdauer auszuharren und zu siegen. Diesen wird prophezeit, daß sie werden: »Le-dia-on-olon«, d. h. sie werden wie das Vieh verrissen, zerstossen und zerschmettert werden. Jedoch den andern, die sich um Gott, dem Herrn, mit ihren Hoffnungen und Zielen scharen — die hebräisch mit dem Ausdruck »maskilim« bezeichnet sind, diese werden leuchten im Himmelsglanze; und die neutralen Mächte, welche gut gesinnt den Gotteskämpfern, den Zentralmächten, sich verhalten, werden wie die Sterne am Himmel ihren Glanz bewahren. Daher spendete ich nach der hebräischen Zahl »chai«, d. h. »das Leben«, für die gekrönten Häupter der Zentralmächte je 18 K, in der Summe 72, der hebräischen Zahl des Wortes »Chessed«, Gnade entsprechend, daß Gott, der Herr, sie zum Siege führe, auf den wir im Vertrauen auf Gottes Worte und seines Zukunftspropheten Daniel bestimmt und sicher hoffen, in der festen und sicheren Ueberzeugung, daß wir Juden nur im Siege dieser Mächte siegen können und in ihrem Zeichen einer gesicherten Zukunft entgegengehen. Dies möge sich uns und der Welt baldigst erfüllen! Amen! Hierauf sandte Herr Peisach T h a u folgende Depesche an Allerhöch st dessen Kabinettskanzlei nach Berlin: „An die Allerhöchste Kabinettskanzlei Seiner Majestät Kaiser Wilhelm I., Berlin. Königliches Schloß. Ein Flüchtling aus Stanislau (Galizien), treuer Untertan seines Kaisers, bittet, zum Allerhöchsten Geburtstage seines treuesten Verbündeten die ehrfurchtsvollsten Glückwünsche entgegenzunehmen. Derselbe hat aus der heiligen Schrift und der Prophetie Daniels den sicheren, großen Sieg in diesem Weltkriege verkündet gefunden, der unter Führung Eurer glorreichen Majestät glanzend durchgeführt sein wird für immer und ewig. Amen. Peisach T h a u, Vöslau-Gainfarn, Obsrkirchsnstraße. Baden, am 27. Januar 1916, 5 Uhr 40 Min. 74 Worte." Darauf kam nachstehende Antwort: „Kaiserlich Deutsche Botschaft in Wien. Men, den 10. Februar 1916. B. 984. , Auf das von Ihnen an Seine Majestät den Kaiser und König, meinen Allergnädigsten Herrn, anläßlich des Allerhöchsten Geburtstages gerichtete Glückwunschtelegramm, spreche ich Ihnen auftragsgemäß den Allerhöchsten Dank aus. Der kaiserlich deutsche Botschafter: v. T s ch i r s ch t y. An Herrn Peisach Thau in Böslau-Gainsarn." Innsbruck. In der vor einigen Wochen stattgefundenen Generalversammlung der „Chewra-Kabischa" wurde einstimmig be schlossen, den aus Gesundheitsrücksichten scheidenden langjährigen Präsidenten der „Chewra-Kadischa", Herrn Michael Brüll, zum Ehrenmitgliede des Vereines zu ernennen. In Durchführung dieses Beschlusses erschien am 14. Februar der Vorstand der „Chewra Kadischa", die Herren Wilhelm Adler, Leopold D u d s k y, Salomon Baum in Begleitung des Herrn Landesraboiners Tr. Link, in der Wohnung des Herrn Brüll und überreichten demselben ein künstlerisch ausgestaktetes Diplom und eine von Herrn Landcsrabbiner Dr. Link verfaßte, in hebräischer Sprache ge haltene Urkunde, in der die Verdienste des Herrn Brüll um die Entwicklung des Vereines in poetischer Form gewürdigt werden. Herr Micheal Brüll hat über ein Jahrzehnt das ihm anvertraute Amt in zielbewußter, echt jüdischer Weise geleitet und sich infolgedessen das einmütige Vertrauen und die aufrichtige Wertschätzung a.ler Kcei e unsrer Gemeinde zu erringen gcwußt. Durch seine gewinnenden Ilmgangsformen und die Lauterkeit deines Charakters hat sich Herr Brüll bei allen, die Gelegenheit hatten, ihm persönlich oder beruflich näher zu treten, ungeteilte Sympathien erworben. Es wird daher jeder die wohlverdiente Ehrung, die Herrn Brüll, in Anerkennung feines langjährigen, humanitären Wirkens zuteil wurde, mit Genugtuung begrüßen. Marienbad. Am 16. Februar wurde Herr Alois K o h n. Redakteur der „Marienbader Zeitung" ins kühle Grab gebettet. Die ungewöhnlich zahlreiche Beteiligung und das distinguierte Publikum, das dem Sarge folgte, sprach beredt für die Sympathien, deren sich der Verklärte im Leben erfreuen konnte. Im Trauerhause war der Sarg in einen Palmenhain gebettet; daselbst fanden sich ein: der k. k. Bezirkshauptmann Ritter v. Brech- 1 e r und Frau, Herr Vizebürgermeister Josef Hammerschmid, der gesamte Stadtrat unter Führung des Herrn Caspar Ott. Oberlandesgerichtsrat Adam, Oberleutnant Dr. Wanke, Dozent Dr. Zörkendörfer, Primarius Dr. Z i ck 1 e r, Hochwürden P. C i z e k, Hochwürden Pfarrer Dr. Bauer, zahlreiche Abordnungen, Kollegen und Vertreter der Presse. Nachdem Herr Obertäntor G o 1 d b e r g den Trauerpsalm angestimmt, verrich^ tete Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Diamant ein tief zu Herzen gehendes Gebet/ woraus der hiesige Männergesangverein und die hiesige Liedertafel das herrliche Lied „Es ist bestimmt in Gottes Rat" als ergreifenden Abschiedsgruß an den teuren Toten gesungen. Der Traucrzug bewegte sich sodann zur letzten Ruhestätte des Verklärten. In der Zeremonienhalle des Israel. Friedhofes ergriff Herr Dr. Diamant nochmals das Wort und hielt dem Verstorbenen einen überaus ergreifenden, tiefempfundenen Nachruf und schloß seine Rede mit einem Gebet um Trost für die zahlreichen um ihn Trauernden. Im Namen der israel. Kultusgemeinde sprach Herr Bankier F. Burbaum dem ehemaligen Vorsteher-Stellvertreter Worte des Dantes. Am offenen Grabe ergriff Herr S ch w a p p a ch e r, der Vertreter des städtischen Pressebureaus das Wort, um seinem Kollegen den Abschiedsgruß zu entbieten. Nachdem zum Schlüsse noch Herr Dr. jur. Friedrich Fisch! aus Wien einige Worte in dankbarem Ge- . denken an seinen väterlichen Freund gerichtet hatte, wurde der Sarg ins kühle Grab gebettet. F. Posen. Herrn Professor Ul rotte, Baugewerksschuloberlehrer, ist der Rang der Räte vierter Klasse verliehen worden. Newyork. Dr. Cyrus Adler, Präsident der Dropsic College in Philadelphia, ist mit der Präsidentschaft des Newyorker Jüdisch-theologischen Seminars betraut worden, bis ein Nachfolger für den verstorbenen Dr. Salomo n 2 ch e ch t e r gewählt ist. Die Ausweisung von S. Dubnow. Dem bekannten jüdischen Historiker S. M. D u b - n o w, der seit zehn Jahren in Petersburg wohnte, wurde das Wohnrecht außerhalb des Ansiedlungsrayons entzogen. S. Dubnow, der^ als Redakteur der in Petersburg erscheinenden Vierteljahrsschrist der jüdischen Historisch-Ethnographischen Gesellschaft, als Dozent der von Baron David Ginzburg gegründeten Petersburger Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und als

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