Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 9 (25.2.1916)
- Date
- 1916-02-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 138 Dr. Bloch's Wochenschrift J»r. 9 Auszeichnungen iw KriegsverLeßrsdienst. Je. Majestät der Kaiser hat verliehen: das goldene Berdicnstkreuz am Bande der Tapserkeitsmedaille für vorzügliche Dienstleistung vor den: Feinde dem Postoffizial Abraham W o l l i s ch, dem Postassistenten Josef R o s enkranz, recte Rosler, das silberne Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille dem Postamrsexpedienten Leiser Tepper, alle drei aus dem Bereiche der Post- und Telegraphendirektion Lemberg. Züdische Iamitten im Ielde. Friedrich Skutetzky, Kohlenhändler in Wien, hat sieben Söhne im Felde stehen: 1. Richard, bei der Artillerie, kämpft in Galizien: 2. Hugo, beim Jnf.-t Regiment Nr. 8, kämpft an der Südwestfront: 3.Oskar, beim Infanterieregiment Nr. 14, kämpft in Galizien; 4. Artur, bei der Artillerie in Polen; 5. Robert, beim Infanterieregiment Nr. 47, kämpft gegen Italien, derzeit krank im Spitale; 6. Viktor, eingeteilt bei der Kriegsmarine in Pola; 7. Otto, beim Infanterieregiment Nr. 8, auf dem südwestlichen Kriegsschauplätze verwundet. Ingenieur Gustav Fantl, derzeit Fähnrich des Infanterieregimentes Nr. 35, Sohn des Herrn David Fantl aus Wollin, erhielt die große silberne Tapserkeitsmedaille; sein Bruder, Oberleutnant Robert Fantl, das Signum laudis; ein dritter der Genannten, Dr. Artur Fantl, dient gleichfalls als Fähnrich beim Infanterieregiment Nr. 35 in der Front. Ein Cousin derselben, k. u. k. Offizial Erneft Fant l, Divisionsbäckerei 48, Sohn des verewigten Herrn Jak. Fantl in Pisek, erhielt das goldene Verdienstkreuz am Bande der Tapferkeitsmedaille. Sieben Söhne beim Militär. Aus Gay a wird berichtet: Unter den Müttern unserer Stadt, die ihre Söhne im Felde haben, befinder sich Frau Fanni Singer. Sechs von ihren Söhnen stehen schon seit Kriegsbeginn vor dem Feinde — zwei sind bereits ausgezeichnet —, während der siebente seiner Militärpflicht im Dienste eines Reservespitals nachkommt. Auf dem Ielde der Ehre gefallen. K. u. k. Kadett Theodor Fruchter, Besitzer der silbernen Tapferkeitsmedaille, hat am 8. Januar 1916 auf dem südöstlichen Kriegsschauplätze den Tod gefunden. Er war der Sohn frommer Eltern und selbst auch ein treuer Anhänger des Judentums; von Kindheit auf am Studium der Thora und des Talmuds gewöhnt - er besuchte die Wiener Talmud- und Thoraschule —, beschäftigte er sich auch während seiner Gymnasial-, und Hochschulstudien noch eifrigst damit. Wie in der Volksschule, war er auch, im Gymnasium der Liebling aller seiner Lehrer und selbst auf der Hochschule stand er mit den Herren Professoren in näherer Beziehung. Aus feine Gratulation an Herrn Professor Dr. Wilhelm Jerusalem zu seinem sechzigsten Geburtstage erhielt er z. B. folgenden Brief: Lieber Herr Fruchter! Daß Sie im schweren Dienste der Artillerie sich so liebevoll Ihres akademischen Lehrers erinnern, hat mich innig gefreut. Der Beweis tatsächlicher Wirksamkeit hat für den Dozenten etwas innerlich Befriedigendes, wie es äußere Ehrenzeichen nie bieten können. Lassen Sie sich herzlich dafür danken, daß Ihre Gefühle den Weg vom Herzen zur Feder zu finden imstande waren. Wenn Sie, was ich aufrichtig wünsche und hoffe, gesund aus dem Kriege zurückkehren, dann kommen Sie, bitte, einmal zu mir. Mit herzlichem Gruß und nochmaligem Dank, Ihr fehr ergebener Dr. W. I c r u s a l e in. Wien, 10. November 1914. Als der Rus des Vaterlandes erscholl, meldete er sich begeistert freiwillig znm Heeresdienst, obwohl er Mediziner war. Trotz des schweren Dienstes bei der Artillerie hatte er sich darauf beschränkt, um seinem Glauben getreu zu bleiben, solange es möglich sei, bloß das zu essen, was ihm die Eltern in die kleine böhmische Garnison neun Monate lang nachsandtelr. Und um ins Feld gehen zu können, meldete er sich wieder freiwillig zum Frontdienste bei der Infanterie und wurde auch als Kadett auf den italienischen Kriegsschauplatz abgesandt, schrieb jedoch von alledem nichts nach Hause, sondern betonte in seinem täglichen Schreiben, daß er mit seiner Lage äußerst zufrieden sei. Auch im Felde hat er, wie sein Hauptmann schrieb, mehr getan als seine Pflicht gewesen wäre. Trotzdem hatte er noch immer Muße, sich um die Angelegenheiten seiner Verwandten zu bekümmern. Er leitete vom Schützengraben aus während der größten italienischen Offensive, als ältester Sohn seiner Eltern, das ganze Haus- und Fantilienwesen, nichts geschah, ohne daß er befragt wurde; aber er unterstützte seine Eltern auch, indem er den größeren Teil seines Gehaltes monatlich nach Hause sandte. Die Eltern, die alle ihre Hoffnung auf ihn setzten - er hatte auch schon früher verdient —, haben an ihn nicht nur ihren Sohn verloren, sondern auch ihre ganze Stütze, sowie seine Geschwister mit ihm mehr als einen Bruder verloren haben. Wie eifrig er im Felde war, läßt eine kleine Episode, die ein Kollege aus dem Felde mitteilt, erkennen: ,,Als einmal in seiner Abwesenheit ein anderer Kadett einen Patrouillengang machte, und er es später erfuhr, wurde er sehr böse und sagte: „Das Patrouillengehen gehör: mir allein!" Aus anderen, den Eltern zugekommerien Beileidsschreiben sei ^.folgendes ^aiMführti........ Ihr Sohn Theodor war ein mustergiltiger Offizier, der zu den Besten zählte. Hat sich jederzeit hervorragend tapfer verhalten, insbesondere bei der dritten großen italienischen Offensive. Für sein damaliges hervorragend tapferes Verhalten wurde er mit der fi.bernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Ihren guten Sohn, den ich seines Fleißes, seines bescheidenen Wesens und seines tapferen Verhallens vor dem Feinde wegen hochschätzte, hatte ich sehr lieb gewonnen. An Ihrem braven Sohn haben wir einen allseits geschätzten Kameraden und Mitkämpfer verloren und alle werden wir Ihrem Sohne, der der Stolz seines Bataillons und Kompagniekommandanten war, ehrendes Andenken bewahren. Ich bitte <^ie nochmals, in diesen schweren stunden und ob des schmerzlichen Verlustes, mein aufrichtigstes Beileid entgegenzunehmen. Hochachtungsvoll P a n z n e r, Hauptmann, Bataiilonskommandant. Ueber das Leichenbegängnis schreibt Herr Kadett Franz Secky: Am 9. Januar 1916 war es, an einem wunderschönen Sonntag, als ich nachmittags von den Stellungen herunterging ins Dorf. Vor dem Hause waren schon alle versammelt, die dem Begräbnis beiwohnen sollten. Der Herr Regimentsarzt persönlich, ein Herr Leutnant und eine Menge Kadetten, alles Kameraden, welche eigens heruntergekommen waren. Etliche 50 Mann waren ebenfalls kommandiert worden, so daß es ein richtiger Militärkondukt war. Um 4 llhr wurde der einfach gezimmerte Sarg von sechs Soldaten aus dem Hause getragen und nachdem sich der Zug formiert hatte, ging es zum Friedhof. Der liegt etwas außerhalb des Dörfchens und ist neu eingeweiht. Ein stilles Plätzchen, umgeben rings von Bergen. Die Gräber sind wohlgepflegt, jedes mit Rasenziegeln bedeckt und mit Namentafel versehen. Ein großer Kranz aus Efeu oder Fichtenzweigen schmückt jedes. Die Helden und ihre Angehörigen mögen rrchig sein, wir denken in Treue unserer toten Kameraden. Der Feldkurat war schon hier und segnete die Leiche ein, nachdem sie ins Grab hinabgelassen worden war. Die Berge leuchteten in blutigem Not herunter: die untergehende Sonne warf baue Schatten über das Tal; der Feind schoß das Salut über das Grab, Ein kurzes Gebet und jeder warf eine Handvoll Erde auf den Sarg hinunter. .Und wir gingen langsam und tief erschüttert wieder, unserer Pflicht gehorchend, den Berg hinan, jeder in Gedanken versunken. F. S.