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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-02-25 · 9 (25.2.1916) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
9 (25.2.1916)
Date
1916-02-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Serie 134 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 9 Szepter des russischen Zaren. Unter diesem Szepter wird der Glaube, die Muttersprache und die Selbstverwaltung Polens erstehen. . . . Mit offenem Herzen und ausgestreckter Bruderhand geht Euch das große Rußland entgegen, es glau'bl, daß das Schwert, welches den Feind am Tannenberg geschlagen, vom Roste noch nicht zerfressen wurde." „An die Völker Oesterreichs" wendet sich der zweite Ausruf, der von den Soldaten bei ihrem Einmarsch verteilt wurde. „Rußland hat wohl manchmal sein -Blut vergossen", lesen wir dort, „um Völker vom fremden Joch zu befreien, nun geschieht dasselbe, die russischen Heere bringen den Völkern Oesterreichs Freiheit und Gerechtigkeit. . . ." Der Feldherr verlangt, daß man seine Soldaten als Vorkämpfer für die Freiheit und die Ideale der Menschheit unterstütze. Schon am 23. September empfing der neuernannte Generalgouverneur, Generalleutnant Graf Bobrinski, die offizielle polnische Deputation und erklärte ihr wörtlich wie folgt: „Vor allem bildete Ostgalizien von alrersher einen integralen Teil des einigen, einzigen, großen Rußlands, in diesem Lande war die Urbevölkerung immer russisch und daher soll hier alles russisch werden. Ich werde hier russisches Gesetz und Recht wie auch russische Staatseinrichtungen einführen. . . ." Um aber die Versprechungen des Generalissimus nicht Lügen zu strafen und den Polen die bittere Pille zu versüßen, stellte der Generalgouverneur in Aussicht, daß, wenn die russischen Heere auch Weftgalizien „befreien", dann wird man den Anforderungen der Polen gerecht werden. Die Rede Bob rinskis wurde sofort durch Maueranschlag zur allgemeinen Kenntnis gebracht und verursachte bei den Polen eine gewaltige Erbitterung. Damit aber auch die Juden „keine Illusionen" haben, veranstalten' der Gradonaczalnik (Polizeipräsident), Generalleutnant Eiche, am 27. September einen ganz regelrechten Pogrom. Es ist hier nicht der Ort, die Einzelheiten dieses Pogroms zu erzählen — ich behalte es mir für den nächsten Artikel vor —, es sei nur bemerkt, daß der Pogrom von der Behörde in Szene gesetzt ward und daß die Zahl der Opfer zwischen 27 und 50 sich bewegt. Am jüdischen Friedhöfe wurden die wenigsten beerdigt, die meisten wurden von den Soldaten verscharrt, ohne daß man weiß, wo und wer. Die Rettungsgesellschast intervenierte in 11 Fällen, hinter dem Lyczakower Schranken wurden 11 Juden erschossen, der Wagen der Rettungsgesellschast überhaupt nicht zugelassen und ein zweiter Wagen mit den Aerzten Dr. Starzewski und Dr. Volt mußte vom Schützenplatz umkehren und konnte das Ghetto nicht erreichen, da die Kugeln nach allen Seiten umhersausten. Für dies alles wurden die Juden verantwortlich! gemacht, ihre Repräsentanten, darunter die Rabbiner Br au de und Religionsprofessor Dr. Hausner, mehrmals vom General Eiche verhört und mit Drohungen gequält; am Ende wurde am selben Tage folgender Befehl publiziert: „Infolge der Schießerei aus den Fenstern verkünde ich wie folgt allen Inwohnern Lembergs: 1. Ohne besondere Erlaubnis ist es verboten, nach 9 Uhr abends die Straßen zu betreten. 2. Es wird verboten, irgendwelche Waffen zu führen oder zu verbergen. 3. Für das Uebertreten des § 1 gebührt die Strafe von. 3000 Rubel oder 3 Monate. Arrest. 4. Für das Uebertreten des § 2 wird man vom Feldkriegsgericht bestraft werden." Bald finden wir einen Befehl, sämtliche Bodenfenster binnen 5 Tagen zu vermauern, und am 3. Oktober publiziert Herr Eiche einen weiteren Erlaß „für den Fall einer Wiederholung, der Schießerei oder einer Unordnung, wie dies am 15./27. September gewesen ist". Dem Herrn Gradonaczalnik waren, wie es scheint, noch zu wenig Opfer gefallen, denn er gebietet für den'Fall derartiger Unruhen das sofortige Schließen der Häuser und Läden, damit die Unruhestifter sich nickst wo zu verbergen haben. Die Hausbesorger sollen mit den Hausschlüsseln vor den Toren stehen und sie sollen entscheiden, wer in das Haus hineingehört und wer nicht. Hier war der Anfang der Herrschaft der Hausmeister, wie sie nachher von der Ochrana ihnen verliehen wurde, so daß Leben und Tod des Inwohners, besonders des jüdischen Inwohners, in der Hand dieses rohen Gesindjels lagen. Sehr viele Hausmeister sind auch mit den Russen entflohen. Am 4. Oktober kam der Epilog des Pogroms. Gegenüber dem Platzkommando in der Wallgaffe stehen' drei schöne Häuser, die dem Herrn Gradonaczalnik sehr gefielen. Aus ihnen mußten daher während des Pogroms die Täter geschossen haben, und daher wurden diese Häuser konfisziert. Folgender Maueranschlag verständigt davon die Bevölkerung: „Vom Gradonaczalnik der Stadt Lemberg. Kundmachung. Die genaue Untersuchung stellte fest, daß aus den Häusern Nr. 9, 11 und 11 a geschossen wurde. Daher befahl der Kriegs-Generalgouverneur, diese Häuser zu konfiszieren, und nun erhalten die Parteien eine einmonatige Kündigung, nach der sie ihre Wohnungen räumen müssen. Den Zins für diesen Monat sollen sie im Amt des Gradonaczalnik bezahlen." Das Haus Nr. 9 gehört einer Bank, Nr. 11 dem jüdischen Kaufmann Finkle r, Nr. 11 a dem Dr. Julius L e v i n. Gleichzeitig wurden drei andere Judenhäuser am Krakauer Platz, also im Ghetto, konfisziert. Es würde uns zu weit führen, alle die interessanten Befehle zu wiederholen, auf folgende Plakate wollen wir aber noch die Aufmerksamkeit des freundlichen Lesers lenken. Am 21. Januar 1915 wurde folgender Maueranschlag in polnischer, russischer und deutscher Sprache veröffentlicht (wir zitieren wörtlich' den deutschen Text) : „Befehl des Militärkommandanten des LembergerFestungsrayons, betr. die Asterr. Sanitäre. Das alltägliche Sichentsernen der österreichischen Sanitäre erachte ich als unzulässig. Das eigene mächtige Sichentsernen der Sanitäre wird unter Androhung der sofortigen körperlichen Strafe und Transportierung als Kriegsgefangene nach dem Innern Rußlands untersagt. Ich, verlange, daß Personen, welche dem Spiialspersonal angehören, ihr eigenmächtiges Sichentfernen auch unterlassen. Lwow, am 21. Januar 1915. Der Militärkommandant des Lemberger Festungsrayons. General A r t a m a n o w. Mit dem Original gleichlautend. Stadtkommandant von Lemberg, Oberst Graf Adlerberg." Hier sei bemerkt, daß Artamanow, der nachher Kommandant von PrzeMysl war, sofort seinen Uebergriff bemerkte und Soldaten in die Stadt schickte, die Plakate herunterzureißen. Langsam begannen sich die Juden Galiziens in die neuen Verhältnisse einzuleben und ihren Handel wieder aufzunehmen. Das Leben ist stärker als jeglicher politischer und sozialer Druck und der arme Jude mußte handeln, um leben zu können. Aber die russische Verwaltung wollte nicht, daß der Jude lebe, und zu diesem Zwecke sollte ihm jeder Lebensnerv unterbunden werden. Anr 27. Februar 1915 finden wir folgendes Plakat an den Mauern Lembergs: „Die Oberste Heeresleitung der südwestlichen Front bemerkte, daß die Juden in der letzten Zeit Spionage treiben, und daher ordnete sie folgendes an: 1. Personen jüdischer Nationalität (wörtlich) wird verboten, die Grenzen Galiziens zu betreten. 2. Personen jüdischer Nationalität ist verboten, von einem Bezirk in den zweiten sich zu begeben. Für die Uebertretung dieses Verbotes wird man mit 3000 Rubel oder mit drei Monaten Kerker bestraft werden."

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