Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 9 (25.2.1916)
- Date
- 1916-02-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 9 Jahrgang XXX11I Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. -- " -QOC-' Wien, 25. Februar 1916 Erscheint jeöen Freitag. Brief-Adresse: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. O0-- - - =0Q p Vrrrrgsprers für Vrftrrrrirtz: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjähng IQ Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespaltene Petilzeile 48 Heller. p O0- - - -OP OG Q K. ft. Pofllxnrftasserrnmt Clearing sIDerhebr Br. 610.976. NedaMon und Administration : Wien II/i, Praterstraße 9. Telephon 45.859- DO C| oG= £>o Inhalt: Leitartikel: Russische Verordnungen in Lemberg. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Ehret unfere gefallenen Helden. — Weitere Auszeichnungen. — Hauptmann Dr. Siegmund Desries. — Ein ruhmreicher Tag der Brrdapester Honveds. — Grosse silberne Tapferkeitsmedaille. — Auszeichnungen im Kriegsverkehrsdienst. — Jüdische Familien im Felde. — Sieben Söhne beim Militär. — Auf dem Felde der Ehre gefallen. — Oberleutnant Richard Fischer. — Verzeichnis der auf dem Zentralfriedhofe (ifrael. Abteilung) beerdigten Offiziere und Mannschaften. — Der Brief eines ukrainischen katholischen Pfarrers. — Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Ein tapferer Jude. — Militärkommandobefehl Nr. 38. — Korre- - spondenzen: K. k. Landesschulrat Dr. Markus Spitzer. — Bürgermeister Dr. S. v. Weisselberger. — Flüchtlings-Lesehalle und Bibliothek. — Rabbiner Dr. Adolf Frankl-Grün. — Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag. — Lemberg. — Ein neuer jüdischer Abgeordneter in Ungarn. — Die Not der serbischen Juden. — Vermischtes. — Feuilleton: Kriegsmarginalien. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Kirsiisch» Verordnungen in Hemberg. Von Prof. Dr. Majer Balaban. . Ein Buch in Quarto liegt -vor mir,*) welches vor einigen Tagen der rührige ^Buchhändler Herr Mfred Altenberg (Lemberg) herausgegeben hat. Das Buch — einzig in seiner Art-— enthält Photographien fast sämtlicher Kundmachungen und Befehle, die von der russischen Regierung während der zehnmonatlichen Invasion an die Lemberger Bürger erlassen wurden. Ohne viel Gerede, ohne Kommentare läßt der Herausgeber die großen und kleinen, die russischen und polnischen, wie auch die russichspolnisch-deutschen Plakate an uns vorbeihiehen und mit ihnen malt er das Martyrium der armen Bevölkerung, und besonders unserer Glaubensgenossen, vor dem Auge unserer Phantasie. Die furchtbaren Tage der Flucht (Ende August 1914) waren zu Ende, wer nicht fliehen konnte oder wollte, der mußte für die Dauer bleiben und sich mit dem Schicksal versöhnen. An diese Unglücklichen ist das Plakat der drei Stadtpräsidenten (R u t o w s k i, Ä t a h l und Schleicher) mit der Aufforderung, Ruhe und kaltes Blut zu bewahren und der Bürgerwache Gehorsam zu leisten, gerichtet. Lemberg hatte immer eine Militärpolizei und diese mußte zusammen mit dem Heere abhiehen, die Bürger bildeten daher eine eigene Bürgermiliz, die bis zur Ankunft der russischen Polizei und Gendarmerie die Ordnung in der Stadt erhielt; der Miliz gehörten auch mehrere Juden an. Kaum war die Wache konstituiert, als ein großer Maueranschlag des Stadtpräsidiums die Bürger von dem bevorstehenden Einmarsch der russischen Truppen verständigte. „Bürger!" — lesen wir dort — „Die Heere der Monarchie haben sich nachdem Westen zurückziehen müssen, bald werden die siegreichen russischen Truppen *) Odezwy i rozporzadrenia z czasow okupacyi wsyjskiej Lwowa 1914 -1915. Lemberg 1916. H. Altenberg, Seysarth, ©. Wende u. Comp. 40. 49 Seiten und Tafeln. in Lemberg einziehen. In einem solchen Augenblick fordern wir die Stadtbevölkerung zur Wahrung ihrer Würde, zur größten Rühe und zum Verhüten einer jeden Provokation seitens unverantwortlicher oder schlecht ter Elemente auf. Die Stadt ist offen, es droht ihr keine Gefahr, die ganze ernste Bürgerschaft erwartet das Kommende mit Ruhe. Die kleinste Ausschreitung eines unvorsichtigen oder wahnsinnigen Individuums kann ein Unglück Hervorrufen.Lille Geschäfte, besonders die Konsumwarenhandlungen, müssen geöffnet sein. Lemberg, am 2. September 1914, nachts." Schon am nächsten Tage früh wurde vom Lyczakover (östlichem) Ltadtschranken aus „Ter Befehl" des Kommandanten der 42. russischen Brigade, Generalleutnants von Rode, publiziert und an allen Straßenecken angeschlagen. „Ich befehle." schreibt der General und gibt der Bevölkerung den Vorgeschmack des russischen Regimes, „daß die Bevölkerung alle in ihrem Besitze sich befindenden Waffen bis morgen, um 6 Uhr früh, im Rathause abliefere. Zuwiderhandelnde werden kriegsrechtlich behandelt." Am nächsten Tage rückten die Truppen ein und eine Kundmachung .des ersten Kriegsgouverneurs, des Obersten Sergius v. Cheremetieffs, ordnete „freundlichen Empfang . der russischen Armee", Sperren sämtlicher schenken und Bierhallen an und setzte den Rubelkurs mit 3 Kronen 30 Heller fest. Gleichzeitig wurde ein 'Appell des Generalissimus Nikolai N i - ko l äse witsch an die Polen, in dem sie des weitgehendsten Wohlwollens versichert werden, publiziert. „Hundertundfünfzig Jahre sind verstrichen," schreibt der Generalissimus, „von der Stunde an, als der lebende Körper Polens in Stücke zerfleischt wurde, Polens Seele ist aber nicht zugrunde gegangen, Polen lebt in der Hoff-! nüng, daß die Zeit der Erlösung, die Stunde der Ber brüderung mit dem großen Rußland kommen wird. Die russischen Heere bringen Euch die gesegnete Eintrachtsbotschaft, es mögen verschwinden die Grenzpfeiter, die das polnische Volk trennen, ein Ganzes entstehe unter dem