Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 7 (11.2.1916)
- Date
- 1916-02-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 7 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 107 Jüdische Toynbeehalle .(im Jose sine Mendl-Wohlfahrtshause), XX., Denisgasse 33. Mittwoch, den 2. Februar, fand in den Räumen des Humanitären Vereines „B'nai B'rith" die G e n er a l v e r s a m rn l u n g des Vereines I ü d i s ch e Toynbeehalle statt. Der Obmann Dr. I. 3 a m uelY bei grüßte die Anwesenden, insbesondere den Vertreter des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Doktor H. Schreiber, den Präsidenten der Verbandes der B'nai B'rüh-Vereine in Oesterreich Pros. Ehrmann sowie den Präsidenten des isr. Humanitätsvereines „E i n t r a ch t" Herrn Ernst Simon und den Schulinfpekror Professor Kani tz. .In dem hierauf erstatteten Tätigkeitsberichte konstatierte Dr. Samuely zunächst mit Befriedigung, daß es ihm gelungen sei, trotz der durch die Kriegslage begründeten Schwierigkeiten neunzig Vortragsabende zu veranstalten, darunter 27 Konzerte, 47 freie Vorträge aus jüdischer Geschichte und Literatur, aus sozialen Gebieten und Hygiene, ethische und zeitgemäße Kriegsthemen und 16 Bibelabende, die seit diesem Herbste von den Mitgliedern des Vereines „Theologia" abgehalten werden. Die Konzerte standen auf hoher künstlerischer Stufe, da Meister im Gesänge und Instrumentalmusik sich in den Dienst der edlen Aufgabe stellten. Begünstigt wurde die Wirkung der Konzerte durch die treffliche Akustik des neuen geräumigen Konzert- und Vortragssaales, den die Toynbeehalle im herrlichen Jose fine Mendl-Wohlfahrtshause zur Verfügung bekam, lieber 22.000 Hörer fanden an diesen Abenden Belehrung und edle, freudvolle Erhebung. Der Tee, der an allen Abenden gereicht wird, bildet eine angenehme, willkommene Zugabe. Einen besonderen Wert legte die Vereinsleitung auf die Pflege der Lehrkurse. Es wurden für 250 Schüler 5 Kurse für deutsche Sprache und Stenographie von Direktor Bissau, Dr. Samuely, Frl. Margit Klein und Frl. Jan kl mit besten! Erfolge abgehalten. Besonders hervorzuheben ist der fleißige Besuch dieser Lehrkurse von Seite der polnischen weiblichen Flüchtlinge. Besonderer Dank gebührt der umsichtigen und rastlosen Mitarbeiterschaft des Obmannstellvertreters Herrn .Karl F r e n n d, sowie der Vorstandsmitglieder Prof. Dr. R o t h, Dr. S ch o r r uitd B. G l ü cf und des neuen, sehr eifrigen Sekretärs Dr. Jakob Bronn er. Der isr. Kultusgemeinde, die dem Vereine eine Jahressubvention von 1200 Kronen widme, sage Redner einen speziellen Dank: ebenso dem Vereine „Wien" (B'nai B'rith > für die Subvention von 200 Kronen und verschiedenen Spendern des Vereines „Eintracht" (B'nai B'rithch die durch Sxjendcn im Betrage von 1600 Kronen das Gebarungsdefizit der Toynbeehalle deckten. Endlich gebührt besonderer Tank der Wiener jüdischen Presse für ihre freundliche Mit-! Hilfe durch Aufnahme der eingesandten Publikationen. Der Obmannstellvertreter Herr Karl F r e u n d, dem die ganze innere Leitung und Wirtschaft im „Josefine Mendts Wohlfahrtshaus" befindlichen Vereine anoertraut ist, berichtete nun über die Verwaltung, daß er sichbemühe, die größte Sparsamkeit walten zu lassen, ohne die Entwicklung und Ordnung der Vereinsagenden im geringsten zu beeinträchtigen. Er finde in dieser mühevollen Arbeit gute Unter-; stützung in dem tüchtigen Verwalterpaare Klein. Auch die Damen Prof. Roth, Marie Freund, Jda Glück und Borges leisten vortreffliche und dankenswerte Mitarbeit. Eine besondere Institution, deren Führung ihm allein obliege, bilden die Kindernachmittage, von denen im Berichtsjahre vier veranstaltet wurden, darunter eine Purimjause, eine Chanukkajause und eine Kaiserfeier. Vorträge von Hortkindern, kleine Singspiel- und Reigentänze, durch die Lehrerin Fr. Z w i r n und Verwalterin K l e i n vortrefflich einstudiert, sowie die nachfolgende Jause und die daran geknüpfte Beschenkung der Kinder mit Obst, Süßigkeiten, Wäsche- und Kleidungsstücken brachten den glückstrahlenden Kindern Freude und Nutzen. Die Ausgaben für diese Kindernachmittage werden durch besondere Spenden edler Kinderfreunde, die HerrF r cunb für die schöne Sache gewonnen har, zur Gänze gedeckt. Der Präsident der Kultusgemeinde Dr. S reru hat diesen Veranstaltungen öfters durch seinen ehrenden Besuch Anerkennung gezollt. Der Kassier Dr. Schor berichtete, daß die Ausgaben des Vereines rund 8000 Kronen betrugen und das Defizit von 1600 Kronen durch die bereits erwähnte Spende der „Eintracht" gedeckt sei. Nachdem noch Dr. Schreiber im Namen des Kultusvorftandes, Prof. Ehr mann und Herr Ernst Simon im Namen der „B'nai B'rith"-Vereine und Prof. K a n i tz als Schulinspektor der Leitung in schwungvollen, ehrenden Worten ihre Anerkennung und besonderen Tank für ihre iverkf tätige, erfolgreiche Arbeit ausgesprochen hatten, gedachte der Obmann der im Berichtsjahre verstorbenen Vorstandsmitglieder Jonas Weil und Josef O u i t t n e r, die sich durch ihr reges Interesse und ihren verständnisvollen Eifer auch im Vereine ein ehrendes Andenken gesichert haben. Zürn Schlüsse erfolgte die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes durch Akklamation. Lesehalle für unsere Kriegsftüchtlinge. Wien. Die unter Leitung des GemeinderatesDr. Rudolf Z ch w a r z - H i l l e r stehende Zentralstelle der Fürsorge für Kriegsflüchtlinge eröffnet am 10. d. M. ihre Sektion XXXV: Flächtlingsbibliothek- und Lesehalle im Mezzanin des Hauses, 2. Bez., Praterstraße Nr. 9. Die Lesehalle ist an Wochentagen wie an Zonn- und Feiertagen von 8 Uhr morgens bis 9 Uhr abends ununterbrochen geöffnet. Flüchtlinge erhalten Monatskarten gegen Zahlung von 30 Hellern in der Zentralstelle der Fürsorge für Kriegsflüchtlinge, 2. Bez., Zirkusgasse Nr. 5. Der Lesehalle ist eine Bibliothek von derzeit 2500 Bänden augeschossen, welche Bibliothek in kürzester Zeit außerordentlich vermehrt werden wird. Bücherspenden werden mit größtem Danke angenommen. Mir der Schöpfung der Flüchtlingsbibliothek- und Lesehalle ist ein weiterer Schritt auf dem Wege der kulturellen Förderung der Flüchtlinge infolge der großmütigen Unterstützung seitens des hohen k. k. Ministeriums des Innern möglich geworden. Die Leitung der Flüchtlingsbibliothek- und Lesehalle har Herr Gemeinderat Dr. Rudolf S chw a r z - H i l l e r perjönlich übernonunen. Ein jüdisches Jnvalidenhaus. Wien, 2. Januar 1916. Löbliche Redaktion! Ich bitte um Aufnahme folgender Anregung in Ihrem gesch. Blatte, wofür ich im vorhinein bestens danke: Wie bekannt, haben die Juden in diesem Kriege an Gur und Blut ihren entsprechenden Anteil. Es wird ja allerdings für die Hinterbliebenen, Invaliden usw. witens der Regierung gesorgt. Es werden auch für die Invaliden Jnvalidenhäuser gebaut. Könnte nicht auch ein jüdisches Jnvalidenhaus mir Unterstützung der Regierung für jüdische Invaliden errichtet werden? Diese Aktion sollte von der Wiener israelitischen Kultusgemeinde gemeinschaftlich mit anderen maßgebenden jüdischen Organisationen ausgehen. Ein Teil der jüdischen