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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-02-11 · 7 (11.2.1916) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
7 (11.2.1916)
Date
1916-02-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Aahrgang XlXi'I Dr. Bloch’s Zentcaloroart kür die gesamten Ilnteressen des Zudentums. - -OOC-- Stcii, 11. Februar 1916 Brscbetnr jeden FreLtsg. Br-ef-Adccj^: Wir«, Il/r, Praterstrafte 6. Telegrauu-.c- Adresse: Llcch's Wochenschrift. Wien. Inhalt: Leitartikel: Zur Erpresserpolitik der Entente in Griechenland. — KriestSdekorcttiviieil jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Leutnant Alois Frankl. — DaS Schreiben des Erzherzogs Josef an den Jiife.nteripeu Kai/ - Auf dem Felde der Ehre gefallen. - Liste der in den Militärspitälern von Miskolrz verstorbenen jüdischen .Heldcii. — Ein bcheizigei swerter Befehl. — Ein Feldpostbrief. — Das Grab eines Rabbinersohnes. - Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Korrespondenzen: Israelitischer Humanitätsverein Leopolis Bnai-Brirh, Lemberg. — Zur Frage des Religionsunterrichtes. — Indische Toynbeehalle, XX., Denisgasse 3». — Ein jüdisches Invalidenhaus. — Vorträge zur Aufklärung über vftjüo.sch.' Fragen. — Josefstadter Tempelbauverein. — Tempelverein für Wieden-Margarethen. — Fürsorgekomitee des Roten Kreuzes für Kriegsgefangene. — Indische .Kriegslandspende. — Aus dem amerikanischen Judentum. — Newyork.— China. — Vermischtes. — Feuilleton: Im k. u. k. Kriegsgefangenenlager bei Salzburg. -- Literatur. — Briefkasten. - I u i e r a t e. OO ■■ -- =oo De;ugsprris für Oesterreich: Q Halbjährig 8 Kronen. Etn-ekerempkare ,'U Heller. Für dss Ausland: Halbjährig >i> Krone». (Arai-jührig Ä 5lro»en. Anzeigen: 2ie 8mal gesxaltene Petikzeile 48 Heller. pp-- — -On O o- - o? N. Ir. Postl'jrarlrassenanil Eleartng-Verkebr Nr. 610.976. Nedaklion und Ndnrinisirr.Uon: IO i e ir H/i, Praterftralie 9. Telepiion 45.869. O C±r - ■ O O Zur Grprefferxolitik der Entente in Griechenland. Aus Sofia rvird uns geschrieben: Bor kurzem hat sich in der große« Synagoge in Saloniki eine Szene abgespielt, welche aus vielfachen Gründen zu den bedeutsam-/ sten Ereignissen dieses Krieges gezählt werden kann und sicherlich ein äußerst wichtiges Datum in der Geschichte der Jubelt bilden wird. Die Bemühungen der Entente, Griechenland aus seiner Neutralität zu einer offenen Parteinahme für den Bierverband hinüberzudrängen, wobei sie in den Mitteln zur Erreichung dieses Zieles durchaus nicht wühlerisch ist, sind zur Genüge bekannt. Ganz besonders schwer lastet der Druck der Entente auf Saloniki, wo sie sich — hofsent-- licf) nicht mehr für lange Zeit — häuslich niedergelassen hat. Auch die Juden von Saloniki sollten in das Jntriguennetz der diplomatischen Agenten der Bieroerbandsmächte eingesangen rverden. Die Juden in Saloniki stellen trotz der umwälzenden Ereignisse der letzten fünf Jahre noch immer ein numerisch und politisch nicht zu verachtendes Gewicht dar, und es ist nur allzu begreiflich, daß ihnen gegenüber die ausgesuchtesten Mittel in Artwendung gebracht wurden, um sie den Zwecken des Bierverbandes gefügig zu machen. Man scheute auch Drohungen nicht, die durchaus nicht im Einklänge stehen mir dem vielgerühmten Liberalismus der westlichen Mächte. Aber die Juden von Saloniki blieben unerschütterlich aus ihrem Neutralitätsftandpunkte. Bei den jüngsten griechischen Kammerwahten vereinigten sie sich mit ihren natürlichen politischen Verbündeten, den Mohammedanern, und wählten geschlossen für die Gunarislpartei, um auch aus solche Weise zu bekunden, daß sie sowohl für das Land im allgemeinen ivie auch für die Juden im beson-/ deren, das Verharren in der Neutralität die gesündeste und ehrlichste Politik bedeute. Die Haltung der Juden in Saloniki hat denn auch, den Wahlsieg der Nentralisten herbeigesührt und den Benizelisten eine moralische und effektive Niederlage bereiter, ivelche auch für die weitere Entwickelung der inneren Politik Griechenlands von aus schlaggebender Bedeutung war. Bald daraus ereignete sich in Saloniki etwas Sensationelles. Der Chef des Pariser Hauses Rothschild erschien in Saloniki, roo er seine Jacht als Hospital für Verwundere installierte. Aus diesem Anlasse machte er eine Spende von 30.000 Francs für die arme jüdische Bevölkerung der Stadt. Baron Rothschild begnügte sich jedoch nichmit diesem Akt der Wohltätigkeit. Er machte bei 'den führenden jüdischen Persönlichkeiten Besuche, bemühte sieh, sie für die Politik der Emenre zu gewinnen, und als aus diesem Wege der Erfolg sich nicht einstellen wollte, da schriet er zu dem äußersten Mittel: er lud die jüdische Bevölkerung von Saloniki in die Hauptsynagoge ein, um ihr von der Kanzel herab die Notwendigkeit auseinanderzusetzen, daß die Inden in den neutralen Ländern und ln Saloniki im besonderen sich zugunsten der Entente betätigten. Es ist nur selbstverstäildlich, daß die Juden dem Ruse des Barons Rothschild Folge leisteten. Dem Ernste des Augenblickes entsprechend, waren sie im Festgewnnde gekommen, um zu hören, was ihnen ihr angesehener Glam bensbruder aus Paris für Botschaft zu entbieten hätte Es ist gar kein Zweifel, daß Baron Roth s ch i 1 d während seines ganzen Lebens vor keinem so interessanteli Auditorium gesprochen hat. Er war sich auch der Trag weite und der historischen Bedeutung seiner Missivll bewußt. Dementsprechend ivandte er seine ganze Bered samkeit aus, um den versammelten Glaubensbrndern mit Hinweis ans die historische Stellung Frankreich/- zur Inden-Emanzipation die Ueberzeugung behzubringen, daß die Juden in diesem Kriege ihr Heil nur an der Seite der Entente finden können. Baron Rothschild hatte in lautloser Still:' Hm' Rede geendet. Da ging eine Bewegung durch die Ber sammlung in der großen, an historischen Ereignissen so

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