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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-02-04 · 6 (4.2.1916) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
6 (4.2.1916)
Date
1916-02-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 6 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 87 gießenden Menschenlawine gab es auch. Hunderte von ,a)utzlo)en, scywaeyen, junge.c und unerfayrenen Maochen, die, enpvurzetr vonc Elternhause, von liebenden, sorgenden RLutteraugen nicht mehr oehmet, in der großen sreinden Weltstadt mit au ihren lauernden Gefahren umherirrten, von Angst und Not geschüttelt, ohne Führer, ohne Aufsicht, ohne Heim. — *j;a fand sich ein Menschenfreuno, Herr Baumeister Schweinburg, der ein zur Demolierung verurteiltes Haus, die Lomoard- und vLskompte-Bank, 1., Kärntnerstr. 4, unentgeltlich zur Verfügung ftellre, und da fand sich ein ausgezeichnetes junges Wiener Bürgermädchen, Frl. Rosa G u ß m a n n, vie, in Wohlstand ausgewachsen, der ötot ihrer armen Mitschwestern aus dem Nordosten durch werktätige Nächstenliebe zu steuern sich rasch und resolut enrschwß. Ulld sie pflanzte erst eine kleine und dann immer größere Zahl von lieblichen Menschenblüten (derzeit 110 Mädchen) in den Garten ihres Heimes. Als später der Menschenstrom durch die unermüdliche Schaffenskraft des hervorragenden Organisators Gemeinderat Dr. Rudolf Schwarz- Hill e r in 1)as geordnete Bett der „Zentralstelle der Fürsorge für Kriegsflüchtlinge" geleitet wurde, entstanden in kurzer Focge, gefördert ourch das hohe Ministerium des Innern unv insbesondere durch Herrn Sektionsrat Dr. Louis v. Marguet, nacheinander vier Aiädchellheime, die alle unter der liebevollen, inan kann sagen, fast mütterlichen Leitung der Frau Bezirksrat Marie Rübner stehen.' Ueber 300 verlassene Mädchen stehen unter dem Schutze dieser braven, tüchtigen, energischen und seelensgütigen Bürgersfrau, die dabei noch das Kunststück zusammenbringt, zwei Kinderheime mic je 100 Kinderm und außerdem eine Nähstube mit zirka 45 Maschinen und 300 Heimarbeiterinnen mustergiltig zu leiten. Wahrlich, in diesem Weltkriege leisten nicht nur unsere unvergleichlichen Helden cm der Front, sondern auch die Kämpfer gegen Not und Elend im Lande Uebermenschliches, über alles Erwarten Imponierendes und Staunenswertes. Und nun bitte ich die freundlichen Leser, mir in eines dieser Heime, 2. Bezirk, Schüttelstraße 11, zu folgen. Ein Bau iit stiller Vornehmheit, das Palais des auf dem Felde der Ehre gefallenen Prinzen Heinrich von Liechtenstein, beherbergt neunzig arme Mädchen aus Galizien und der Bukowina, die der Weltorkan hierher getrieben hat, wo sie nach oft fürchterlichen Erlebnissen sich in diesem Märchenschlosse mit seinem 12.000 mgroßen, herrlichen Parke und seinen 22 lustigen, freundlichen, glänzend parkettierten, mit prachtvollen Kaminen versehenen Prunkräumen sicher und geborgen fühlen und, irgendeinem Berufe — als Schneiderin, Modistin, Weißnäherin, Friseurin, Kontoristin oder Studentin — nachgehend, in der wohltuenden Wärme eines wirklichen Heimes wieder aufblühen und sichtlich gedeihen. Die Kost in diesem Mädchenheime besteht aus Kaffee und Brot zum Frühstück, 10 Uhr-'Jause (Obst und Brot), zu Mittag Suppe, Reis mit Zucker und Zimmet, abwechselnd mit Kartoffeln, Bohnen, Erbsen, zweimal die Woche Mehlspeisen und Fleisch, zur Jause Tee mit Brot, zum Nachtmahl Suppe mit Gemüse, Brot mit Marmelade. Durch die überaus sachkundige ökonomische Haushaltung ' und den selbst besorgten Einkauf im Großen, sowie durch das rühmenswerte Entgegenkommen des Magistrates der Stadt Wien kann dieser Aufwand inklusive des Zinses aus dem seitens der Zentralstelle zur Verfügung gestellten Betrag vom 90 Heller per Kopf und Tag bestritten werden. Eine bei den jetzigen Lebensmittelpreisen gewiß bewundernswerte Tatsache! Und wenn nach der Tagesarbeit diese durch die Aufsichtsdamen, die fürsorgliche Leiterin, den gestrengen Herrn Bezirksrat S. M. Rübner und den als „Kriegspapa" titulierten Armenrat S. Lemberg e r zur Ordnung, Pünktlichkeit, Sparsamkeit, Woylanständigkeit und Reinlichkeit stets angehaltenen Riad chen sich in ihren blütenwe iß gedeckten Betten zur Ruhe begeben, dann denken wohl die meisten in Dankbarkeit ihrer selbstlosen Wohltäter, die ihnen in ihrer traurigen Verlassenheit dieses wunderbare Asyl geboten staben. Daß der Leiter der Zentralstelle, dessen erste Sorge der fortlaufende Ausbau alter von ihm ins Leben gerufenen Institutionen bildet, nicht nur ein großer Menschenfreund, sondern auch ein guter Menschenkenner ist, erhellt aus der Tatsache, daß er auch auf das Freudebedürfnis dieser Schützlinge entsprechend Rücksicht genommen hat, und deshalb verfügt jedes Heim über einen Gesellschafrsraum mit Klavier und werden auch größere Beträge für kleine Vergnügungen, Kino- und Theaterbesuch, Ausflüge usw. zur Verfügung gestellt, und so konnte der Schreiber dieser Zeilen kürzlich einer Akademie anwohnen, bei der das künstlerische Programm (Tänze, lebende Bilder, Gesangsvorträge und sogar ein einaktiges Lustspiel) ausschließlich von Schützlingen des KärnMerftraßen-Heimes mir sehr viel ehrlichem Bemühen und sehr viel Talent bestritten wurde. Wenn auch die deutsche Sprache der einen oder der anderen' Darstellerin manche Schwierigkeit machte, war doch der Gesamreindruck ein ungemein erfreulicher und bot die von vier reizenden zwölf- bis vierzehnjährigen Mädchen — Anna Iosefsberg, Sara Korn, Regine Grünspann und Ernaj Zang e it — in weißen Kleidchen und Strünipfen, ohne Schuhe entzückend getanzte Csardas-Phantasie ein äuge- und herzerfreuendes Bild kindlicher Anmut und Unschuld. Die übrigen größeren mitwirkenden Mädchen mögen sich, um nicht etwa Eitelkeit und Neid hervorzurufen, mit einem Pauschallobe begnügen. Und nun noch einen kurzen Blick in das Mädchen heim, 2. Bezirk, Kleine Stadtgutgasse 0. im vorderen Trakt des „Römerbades", wo 80 Mädchen liebevolle Aufnahme gefunden haben. Ein großer Konversationsraum, vier riesige Schlafsäle, ein Wasch- und Garderoberaum stehen zu ihrer Verfügung; die sehenswerte Küche und reichlich dotierte Vorratskammer spenden chre wohlschmeckenden Gaben den hungrigen Magen und Herr Direktor Augustin bietet ihnen in rühmenswerter Munifizenz allwöchentlich einmal die erfrischenden Freuden eines „Römischen Bades", während der täglich inspizierende _ Hausarzt Herr Tr. M. old w ci s s e r für ihre Gesundheit oder ihr Gesundwerden selbstlos sorgt. In den anderen Heimen üben die Herren Doktoren Julius Weiß und Heinrich W e r t h e i m e r diese menschenfreundliche Tätigkeit aus. Zum Schlüsse kann ich es nicht unterlassen, edle Frauen zum Besuche eines dieser Mädchenheime oder des Kinderheimes in der Kaiser Josefstraße 29 einzuladen, und sie werden mir für dieses neuartige Erlebnis, das jedem guten Menschen in dieser großen Zeit des allgemeinen Mitgefühles unvergeßlich bleiben wird, dankbar sein. ' Dr. A. L. Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Sotdaten. j3eine Majestät der Kaiser hat verliehen.- das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes für vorzügliche und aufopferungsvolle Dienstleistung vor dem Feinde dem Regimenrsarzt d. R. Dr. Zlbraham Preistm a n n, mob. Res.-Spital 1/7; dem O ber ve rp fl eg s v ern-alter 2. Klasse Michael T a n s i g, Vorstand des Ver-

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