Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 6 (4.2.1916)
- Date
- 1916-02-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Yr. 6 Dr. Bloch’s Jahrgang XXXIII Lentralorgan kür die gesamten Ilnteressen des Judentums. Wien, 4. Februar L916 LrscDelnt;eden freit*#, -—- Brief-Adresse: Wie». II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie«. OG= =DO P Bezugspreis für Vesterreirtz: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplars 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gefpal tene Petitzeile 48 Heller. ÖO- - -OÖ O Cr--— ■ -~DO p K. k. Postsparkrasserrarnt ^s Sleartng-Verkebr Nr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien II/i, Praterstraße 9. Lj Teleplton 45.359. oO" - - —Oo Inhalt: Leitartikel: Die kulturelle Annäherung der Türkei an die Zentralmächte und unsere türkischen Stammesgenossen. — Mädchenheime. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Goldene Tapferkeitsmedaille. — Mehrfach ausgezeichnet. - Weitere Auszeichnungen. — Außertourliche Beförderung. — Fähnrich Kornel Deutsch. — Aus den Mitteilungen des Feldrabbiners Lemberger. — Eine besondere Auszeichnung. — Auszeichnung eines 58jährigen Kriegsfreiwilligen. — Jüdische Familien im Felde. — Dr. Karl Sternbach. — Neuerliche Auszeichnung des Oberst Mändl. — Kriegsauszeichnungen von Angehörigen der israelitischen Kultusgemeinde Linz. — Dekorierte Militärrichter. — Dekorierung von Lebensrettern. — Auszeichnung zweier Brüder. — Oberleutnant Ludwig Liebermann. — Nach dem Tode ansgezeichnet. — Vor dem Feinde gefallen. — Die goldene Tapferkeitsmedaille für den Sterbenden. — Auf dem Felde der Ehre gefallen. — Beide Söhne in einer Schlacht verloren. — Zwei Brüder. — Auszeichnungen jüdischer Krieger mit btfm Eisernen Kreuze. — Russische Greueltaten. — Samuel. Onkel und Neffe. — Gewaltstreiche des englischen „Sammeleifers". — Korrespondenzen: Einlauf für die Plenarsitzung des Kultusvorstandes. — Sammelstelle für Soldatenlektüre an der k. k. Technischen Hochschule in Wien. — Die Mazzosversorgung der jüdischen Bevölkerung in Deutsch-Polen. — Generalgouverneur von Beseler in der Warschauer Synagoge. — Vermischtes. — Feuilleton: Ein „erfasteter" Sieg. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Dir kulturelle Annäherung der Türkei a« die Deutralmächte und unsere türkische« Stammrsgrnoffen. Eine der begründeten Hoffnungen, die sowohl bei uns iüic auch in Deutschland alt dem Ausgang des Krieges geknüpft werden, ist, daß unser polirisches und militärisches Bündnis mit der Türkei im Frieden zu einer dauernden Annäherung aus wirtschaftlichem und kulturellem Gebiete führen werde. Das aufstrebende türkische Volkstum steht noch ganz im geistigen Banne Frankreichs, die Bildung der modernen Türken ist eine französische. Die vornehmste Bildungsanstalt der Türkei, das Lyzeum von Galata-Serai, har bis ans den heutigen Tag Französisch' als Vorrragsspräche. Mer die Türken haben es bereits eingesehen, wie sehr ltützlich es gewesen sein Mag, bei den Franzosen in die Schule zu gehen, wenn es galt das Alte niederzureißen und eine Revolution bovzubereiten; so kanir, wenn es ausbauen heißt, nur der deutsche Knlturkreis das geeignete Vorbild abgeben. Und die Türken sind jetzt emsig beim kulturellen Ausbau. Deutsche Lehrer und Gelehrte sind ebenso wie deutsche Soldaten und Ingenieure an der Arbeit im Orient. Es siegt die deutsche Kultur mit der deutschen Waffe zugleich. Diese Wandlung interessiert uns nicht nur als Oester^ reicher und als Handelsvolk, das einen ansehnlichen Teil des wirtschaftlichen Austausches mit dem Orient besorgt, sondern auch als Juden vom kulturell-jüdischen Standpunkte, denn wir haben in der Türkei nicht nur politische Freunde und militärische Kameraden, sondern auch viele Tausende von Stammesbrüdern. Die AnnäHsrüng der Türkei an den deutschen Kulturkreis wird auch die Sephardim der deutschsprechenden Judenschast näher bringen. Der spaniolisch sprechende Zweig unseres Volkes blieb uns bis nun recht fremdwir kiHnmerren uns gegenseitig um einander recht wenig. Isoliert lebt das türkische Judentum und weiß recht wenig von den großen jüdischen Problemen, die uns beschäftigen. Diese Isoliertheit ist nicht von gestern, es har seine Wurzeln tief im Mittelalter, als das französische Judentum, das Bindeglied zwischen Aschkenas und Sepharad, vernichtet wurde. Wohl wurden auch später sephardische Schöpfungen Gemeingut des ganzen Judentums, aber selten drangen aschkenasische Schöpfungen zu den Sephardim. Die Kabbala mit allen ihren Auswüchsen gelang wohl zu den Aschkenasim, aber die friedliche Lösung des Gegensatzes zwischen Talmud und Kabbala, der Chassidismus fand nicht den mindesten Ankiang auch bei den Sohar lesenden orientalischen Juden. Die Haskala und die Reformbewegung haben bei den Sephardim kein Gegenstück gesunden. Ohne Kampf und ohne theoretische Erwägungen wurde im Orient die alte Tradition verlassen. Leer sind die Synagogen und Jefchiwoth geworden und kein Hirsch, kein Hildesheimer regte sich, sie wieder zu füllen. Die modernste Form der Rückkehr zum Judentum, der Nationalismus, har im Orient, wohl nicht aus politischen Gründen allein, nur geringe und recht seichte Verbreitung gefunden. Der Eintritt der türkischen Judenschast in die europäische Kultur har ihre Isolierung nur noch gesteigert, den gemeinsamen geistigen Jnrere senkreis mit dem stbrigen Judentum noch verringert. Tie Kenntnis des Hebräischen ist ebenso selten oder noch weit seltener als bei den Westjuden, die europäische Sprache, die Kultur, spräche ist aber das Französische, und somit die Verständigung mit dem Gros des jüdischen Volkes noch mehr als früher erschwert. Tie spaniolische Intelligenz ist französiert, ebenso wie die unsrige deutsch assimiliert ist, der Sprache nach wenigstens. Tie Vertiefung dieser Spaltung Zwischen dem sephardifchen und dem aschkenasischen Judentum hängt enge mit der Tätigkeit der „Alliance JsrmKite Universelle" zusammen. Dieser Verein, den edelsten Intentionen entsprungen, hat sich große Verdienste um die Förderung des materiellen Wohlstandes der orientalischen Juden erworben. Tausende verdanken