Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 5 (28.1.1916)
- Date
- 1916-01-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 5 T r. Bloch's Wochenschrift Sette 63 Lemberg. (Todesfall.) Zu den unzähligen Todesopfern auf dem Felde der Ehre gesellen sich fast täglich solche, die, wenn auch nur mittelbar, unter dem Eindrucke der schweren Zeiterlebnisse dähingerafst werden. Unübersehbar ist die Zahl jener Gemeindemitglieder, die fern von der Heimat starben, und nun ist uns hier wieder einer unserer Besten jäh entrissen worden. Es ist der am 17. d. M. an der Stätte und mitten in feiner stets rast^ losen humanitären Tätigkeit einem Herzschlage erlegene Handelskammerrat Hermann Hainbach. Der Verewigte hat sich Mehr als Zwanzig Jahre lang mit seltenem Eifer und außerordentlicher Gewissenhaftigkeit aus verschiedenen jüdisch^humanitären Gebieten betätigt. Es gibt kaum einen wichtigeren Wöhlrätigkeitsverein, den er nicht materiell oder moralisch gefördert, mehreren aber hat er die besten Jahre seines Lebens gewidmet. Musterhaft war seine Arbeit im.Rate des jüdischen L-pitales, segenbringend in den Ausschüssen der Vereine „Cheset Weemet" und „Tomche Sekeinim", aber geradezu unersetzlich ist sein Tod für den jüdischen Ferienkolonienverein,^ den er jahrelang mit geradezu väterlicher Liebe und Sorgfalt betreut hat, zunächst als Kassier und Vizepräsident, nach dem Ableben des unvergeßlichen Dr. Adolf Lilien als Vereinspräsident. Dem Schreiber dieser Zeilen war es gegeben, dem Verewigten in dieser Tätigkeit längere Zeit zur Seite zu stehen und seine unermüdliche Tätigkeit im Dienste dieser Institution beobachten zu können. Die Zerstörung des schönen Ferienheimes in Debina durch die Russen hat ihm noch in der letzten Zeit viel Kummer bereitet. Das Leichenbegängnis des Verewigten, dessen Hingang auch ein musterhaftes Familienleben auf das schwerste betroffen hat, fand unter großer Beteiligung aller Kreise statt. Gemeinderabbiner Doktor Guttmann hielt eine ergreifende Gedenkrede, außerdem sprachen noch Vertreter verschiedener Vereine. B. Feuilleton. Kriegsmarginalien. Von Dr. B. Plaezek (Brünn). Januar 1913. Pater Bauchinger war jüngst in der österr. Delegation so offenherzig und auch freisinnig genug, die sensationelle Erklärung abzugeben: „Wir stehen dem Islam näher als d^em Schisma" — mit anderen Worten: Die Römisch-Katholischen haben für die Mohammedaner mehr Sympathie als für die russische Orthodoxie, die der Mönch I l i o d o r vor einigen Tagen in grelle Beleuchtung geruckt. Pater Bauchinger wußte wohl, warum er sich jenen merkwürdigen Ausspruch leisten konnte. Die russische Orthodoxie ist gegen alle anderen Christen viel unduldsamer und exklusiver, sie fühlt weit stärkeren Missionsdrang, sie besitzt auch eine größere expansive Gewalt und Werber kraft als der römische Katholizismus, gegen den sich der Islam seit Jahrhunderten sehr konziliant, wohlgesinnt und entgegenkommend erweist. — Islam bedeutet eigentlich „G o t t e r g e b e n h e i t" und nicht bloß die Re-z ligion, die Mohammed verkündet hat, sondern jede frühere monotheistische Religion, die jüdische wie die christliche. (Koran, Sure 2.) Dieser Koranspruch gewinnt noch an Bedeutsamkeit, wenn man ihn beispielsweise mit folgenden Koransprüchen zusammenhält: „Fromm ist, wer da glaubt an Gott und an den Tag des Gerichts, an die Schrift und die Propheten, der da trotz aller Liebe zu seinem Vermögen es doch den Angehörigen gibt, den Waisen und Unglücklichen, den Wanderern und den Bittenden,' der da Sklaven loslauft, das Geber verrichtet und die Armensteuer gibt; der da sesthülr an Vertrügen, wenn sie abgeschlossen sind, und ausharret im Unglück, in der Not und zur Zeit der Gefahr. Das sind die Gerechten, das sind die wahrhaft Gottesfürch-, tigen." ... P. Bauchinger hat mit seinem lapidaren Satze einen neuen Beweis für die bekannte Tatsachse geliefert, daß ein Zwiespalt, der selbst aus einer geringfügigen Ursache auf dein selben Boden gemeinsamer Anschauungen entstanden, unversöhnlicher sich gestaltei als ein Widerstreit auf zwei entfernten Standpunkten. Selrsamerweise stimmte die Enunziarion Bauchingers über das Schisma mit der Denkweise der S u n - n i t e n (Mohammedaner, Anhänger der mündlichen Ueberlieferung außer dem Koran, die das Khatifat des türkischen Sultans anerkennen) überein: „Am Tage des Gerichtes", sagen nämlich die Sunniten, „werden die Schiiten die Esel sein, auf denen die Ungläubigen in die Hölle reiten." — Schia bedeutet nämlich ungefähr dasselbe wie Schisma: Trennung, Spaltung, und Schiicen (Sektierer, zumeist in Persien) sind die Mohammedaner, die nur den Koran, allerdings nach ihrer Interpretation, heilig halten und den vierten Khalifen Ali-ben-Abi-Taleb, Mohammeds Schwiegersohn, für den rechtmäßigen Nachfolger des Propheten erklären. Katholische Mächte, wie Oesterreich-Ungarn und Jtalieil, vielleicht auch Frankreich, sowie Deutschland mit seinen zahl- und einflußreichen Katholiken und, abgesehen davon, mit seinem untrüglich scharfen politischen Ausblick, werden eine g e s ch i ch t l i ch e Be r u f e n heit darin erblicken, die Türkei vor gänzlicher Zertrümmerung zu bewahren, und der Welt den Frieden zu erhalten. . . . 27. Juli 1913. Wer weiß, wie bald es sich auch offenkundig erweisen wird, wo die stählernen Fäden sich zu einem Netze von Rücksichten verflochten, in welchen sich selbst geschickte, von reinem Wohlwollen geleitete Diplomaten hände verfingen, verfangen mußten. Ungeheuerlichkeiten solcher Art fordern ein allgemeines Aufgebot heraus, einen Generalweltsturm. . . . Wie bald wird man erkennen, was unser atlgeliebter alter Kaiser für die Erhaltung des Weltfriedens zu ringen und zu kämpfen hatte, er, dessen Herzkanrmern wahre Schatzkammern sind der herrlichsten Regententugenden, von unerschütterlicher, mit den Jahren sich steigernder Friedensliebe, von der Kunst zu vergebett und zu vergessen, von unwiderstehlichem Drange, nur moralische Eroberungen zu machen, so erfüllt, daß darin kein Raum geblieben für Groll und Vergeltungstrieb, von Schadenfreude, Scheelsucht und expansiven Gelüsten. . . . Oktober 1915. „Der europäische Krieg naht seinem Ende!" (Zar Ferdinand von Bulgarien, * 14. Oktober 1915.) Welch eine Verkündung! — „Das Wort eines Fürsten sei ein Fürst der Worte!" (Arabisch.) — Welch ein Krieg! Rings umher viel Not und Tot, Soviel Ströme von Blut und Tränen, Soviel Stürme von Jammer und Stöhnen, Soviel Meuchelmordgebot! — Drei Wanderer schrieben in ein Fremdenbuch. Der eine: „Jeder Tag hat seine Plag'!" Der andere: „Jede Stunde hat ihre Wunde!" Der dritte: „Jede Minute trieft vom Blute!" (Hieronymus Lorm.) Hat sich das tiesschmerzliche Tichterwort jemals so ergreifend als Motto angekündigt wie zurzeit?