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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-01-21 · 4 (21.1.1916) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
4 (21.1.1916)
Date
1916-01-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 54 Tr. Bloch's WochMschrift Nr. 4 loseste aller judenfeindlichen Blätter in Rußland, ist seit 1912 im Besitze des' von Northclisfe geleiteten englischen Zeitungstrustes, der nach und nach sämtliche Aktienanteile des verbreitetsten russischen Blattes erworben hat. Auch mit dem schlimmsten Pariser Hetzblatt, dem „Matin", ist der Besitzer der „Times" eine enge Verbindung eingegangen, indem er ihm seinen gesamten 'internationalen Nachrichtendienst zur Verfügung stellte. „Times", Matin" und „Nowoje Wremja", dieses Zeitungstriumvirat, stellt die ungeheuerlichste aller Lügenfabriken in der Welt dar, von der aus unablässig seit Jahren der internationale Haß gegen Deutschland geschürt wird. In gleichem Maße aber wie der Deutschenhaß wird von diesen Blättern auch der Judenhaß gepflegt; die „Times" verteidigen nicht bloß die russischen Judenpogrome, sie sind auch unablässig bemüht, den russischen Antisemitismus in England tzu verbreiten und populär zu machen. In bezug auf Judenpolitik sind „Nowoje Wremja". „Times" und „Matin" mit Herrn Prof. Bartels ganz eines Sinnes. Ueber das Verhältnis der Juden zum Deutschtum bemerkt Herr Bartels:. „Das; die Juden uns Deutschen, weil wir zurzeit die Macht in Händen haben, bis zu einem gewissen Grade gewogen sind, ist nicht verwunderlich. Das bedingt aber noch keineswegs, datz sie überall zu uns halten; im Gegenteil, sie gehen auch mit den anderen Völkern, wenn es ihnen zuni Vorteil gereicht. Der eigene Vorteil ist es überhaupt einzig und allein, nach welchem die Judenschaft ihr Verhalten einrichtet, blinde Zu- und Abneigungen spielen nicht mit. Wenn auch im allgemeinen die deutschen und österreichischen Juden auf seiten der Kernmächte stehen, so ändert sich diese Haltung doch sofort, wenn die „deutschen" Juden unsere Grenzen verlassen haben. Die sogenannten eingebürgerten „Deutschen" in England, die in Einzel- und Sammelerklärungen in der Presse nicht nur ihre „Treue" zu ihrem neuen „Vaterlande" versicherten, sondern dies meist auch unter gemeinen Ausfällen und Verleumdungen gegen das Land ihrer Geburt taten, tragen fast durchwegs jüdische Namen. Und die deutsch-amerikanischen Juden? Nach der Mitteilung von Georg Bernhard in der „Vossischen Zeitung (4. Oktober 1915) haben sich an der englisch-französischen Anleihe in Amerika die dortigen deutschjüdischen Bankhäuser Kuhn, L ö b & C o., La - denburg, Thalmann & Co., Hallgarten & Eo., Heidelbach, Jckelheimer & Co. beteiligt und das Haus Seligmann & Co. betont sogar öffentlich, , echt englisch-amerikanisch" zu sein." Zunächst eine kleine Konstatierung. An der englisch-französischen Anleihe sich zu beteiligen, haben alle Mitglieder der Firma Kuhn, Lob u. Co. durch ihren Chef streng abgelehnt und mit einem Brief an die Londoner „Times" motiviert, den dieses Blatt unverkürzt abzudrucken sich geweigert. Wohl aber hat dieses Bankhaus auf die deutsche Kriegsanleihe mehrere Millionen gezeichnet. ^Indes meint Herr Bartels, die Juden seien den Deutschen bloß gewogen, „weil wir zurzeit die Macht in Händen haben". Allein in Amerika dürfte doch das nicht der Fall sein, und man kann Hinweisen auf den freudigen Bekennermut des deutsch gebliebenen Harvardprofessors Hugo M ü n ste r b e r g, der mitten im Kugelregen einer feindlichen Presse hiebtund stichfest blieb. Sein jüngstes' Buch „Amerika und der Weltkrieg" zeigt aus jeder Seite den glühenden Patrioten, der sein Deutschtum dann und dort am rückhaltlosesten bekennt, wo es am gefährlichsten ist. In den deutschfeindlichen „Newyork Times" („Magazine Section") vom 19. September 1915 schrieb noch Münsterberg das stolze Bekenntniswort: ,.I am a German and have never intended to be any tbing eise.“ Wer demgegenüber führen wir den Professor an der Harvard-Universität in Cambridge bei Boston, Dr. Küno Francke, an, der in Kiel geboren, in München promoviert und 1884 an die Harvard-Universität berufen wurde, wo er sich dann naturalisieren ließ. Er ist seinen Landsleuten, die in ihrer Adoptivheimat das alte Vaterland nicht vergessen haben, in den Rücken gefallen. Auf den 30. Januar 1915 hatte, wie der „Voss. Ztg." berichtet wird, ein Mitglied des Kongresses und des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Richard B a r - tholdt, eine Versammlung nach Washington berufen, „zur Bildung einer nationalen Organisation, um die wahre Neutralität Amerikas wiederherzustellen und sie sreiZuhalten von kommerzieller, finanzieller und politischer Willfährigkeit gegen fremde Mächte". Zu dieser Versammlung hatte er auch Knno Francke ein geladen. Kuno Francke hat nicht nur seine Beteiligung abgel e Hst t, sondern er hat seine Ablehnung in einem ausführlichen Schreiben motiviert, das' er am 3. Februar in den „Newyork Times" veröffentlichte, einer Zeitung; die in jeder Nummer die gehässigsten Angriffe gegen die Deutschen bringt. Während Münsterberg den deutschen Charakter in Amerika tapfer bewahrt hat, gab Sir Edgar S p e y e r, Baronet, für England das würdige Beispiel, wie ein jüdischer Deutschs-Engländer von Feingefühl in der heikelsten aller Lagen sich würdig zu benehmen hat. Ungeachtet seiner engen Freundschaft mit dem Premier A s q u i t h, legte er freiwillig alle seine englischen Ehrenstellen nieder, trat aus dem „Privy Council" aus und zog sich vom öffentlichen Leben völlig zurück. Die nationale Gewissensfrage war damit für ihn und seine Standesgenossen vorbildlich gelöst. Leider blieb Sir Edgar in England ein „weißer Rabe". Schon sein Stammes- und Standesgenosse Sir- Ern est Cassel beging den unverzeihlichen nationalen Taktfehler, ein Ueberengländertum provozierend zur Schau zu tragen, das zu seiner ganzen Persönlichkeit ' und ihrer Vergangenheit in peinlichem Widerspruch stehr. Allein wir dürfen nicht vergessen, daß die Erzarie r Alepander S i eMen s, 'Sir 'Crnest I.' S'ch nste r, Sir Felix Schuster (Schwiegervater Harald Spenders, des - Intimus von Lloyd George), Baron v. S ch r o e d e r, Sir Francis Trippel u. a. die Casselsche Erklärung an nationaler Würdelosigkeit überboten haben. So schrieb z. B. der sich als „Hannoveraner" entschuldigende Alexander Siemens am 1. Februar 1915, also vordem „Lusitania"-Fall, der erst das eigentliche Losungs-- wort zur nationalen Fahnenflucht gab, folgendes: „Meine Sympathien sind in diesem Kriege ganz und gar auf der Seite der Verbündeten, und ich kann meine Empörung über die Art und Weise, mit der Deutschland internationale Verträge und Abmachungen verletzt hat, nicht scharf genug zum Ausdruck bringen." Das war der Auftakt zum nationalen Abfall. Sogleich sekundierte der „Major" Sir Francis Trippel, ein geborener Rheinländer, den Kitchener mit der Durchführung der Armeereform „ehrenamtlich" betraut hat. Vor zwei Jahren noch schrieb Trippel, der sich rühmte, den Kaiser in den norwegischen Gewässern wiederholt getroffen zu haben, von Kaiser Wilhelm: „Vor allem ist er ein guter Deutscher. . . . Durch seine Taten hat Kaiser Wilhelm 41. gezeigt, daß er ein Friedensfürst ist, denn der Versuchungen zum Kriege waren nicht wenige." Wer erst nach dem „Lusitania"-Fall setzte das widerliche Wettrennen des nationalen Ueberläufertums recht eigentlich ein. Zuerst kamen die arischen Professoren deutscher Abkunft an die Reihe: K. H. Breul (Cambridge), H: G. Fiedler (Oxford), R. Priebsch (London), A. W. Schüddekopf (Leeds) und K. W i ch;- . iii a n it (Leeds) gaben die öffentliche Erklärung ab: „Mit Rücksicht auf die Ereignisse der letzten Zeit fühlen wir uns veranlaßt, unserer unerschütterlichen Treue und Liebe für unsere Adoptiv-Heimat Ausdruck zu geben." Diese Professoren hätten sich an ihrem deutschen Kollegen

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