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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-01-21 · 4 (21.1.1916) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
4 (21.1.1916)
Date
1916-01-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mr. 4 Dr. Bloch’s Jahrgang XXXUI Zenttalorgan kür die gesamten Ifnteressen des Judentums. Wien. 21. Januar 1916 LrstLeLnr ieöen Freitag. Brief-Adresse: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. OG...—- =00 Vrrugsxrris für Vrstrrrrirh: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Dis 2mal gespaltene Petitzeile 48 Heller. oO—...OP OG P DO C| V. kr. PostlxarkraÜenarnt Llearlng-Verkebr TRv. 810.976. Redattion und Administration: Wir» II/i, Praterstraße 9. Telephon 45.859. _ nO —On Inhalt: Leitartikel: Prof. Adolf Bartels (Weimar) gegen „Ein deutsch-jüdisches Weltbnndnis". — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und i Soldaten. — Leutnant Richard Husi. — — Goldenes Verdienst kreuz. — Neuerliche Auszeichnung des Wachtmeisters Schapira. — Neuerliche Auszeichnung eines heldenmütigen Unteroffiziers. — Zum zweitemnale ausgezeichnet. — Wiederholte Auszeichnung. — Jüdische Familien im Felde. — Bier Brüder ausgezeichnet. — Oberst Mestitz. — Auszeichnung. — Sechzehn Helden von der Jsonzo-Front. Generalingenieur Siegfried Popper. — Auszeichnung der Präsidentin Frau Sofie Grünfeld. — Das Jomkippur-Mochsor. — Auf dem Felde der Ehre gefallen. — Ein Feldpostbrief. — Menagegelder für rituell lebende jüdische Soldaten. — Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Die Lage der Juden in Tarnopol Ein Jude amerikanischer Gesandter in Sofia. — Ein Millionenlegat an die New-4)orker jüdische Gemeinde. — Antisemitische Vorwürfe gegen die englischen Juden. - Die Auswanderung der „Ostjuden" nach Deutschland eine Phantasie. — Verhaftungen von Juden in Saloniki. — Aus dem Leben der russisch-jüdischen Kriegsgefangenen. — Korrespondenzen: — Komitee zur Aufklärung über ostjüdische Fragen. — Siebenter Tätigkeitsbericht des Armen-Ambulatoriums des Zionistischen Zentralkomitees. — Eine Ehrung des Sultans für Prof. Israel. — Budapest. — Professor Dr. Pahuda. — Vermischtes. — Feuilleton: — Kciegsmarginalien. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen — Inserate. •f Professor Adolf Kartelo (Weimar) gegen „Gin dentsch-fndisches Weltbnndnis^. s In der Wiener „Ostdeutschen Rundschau" Dom* 1 9. Januar glaubt Professor Adolf Bartels einen geharnischten Artikel publizieren zu müssen gegen die Gefahr eines deutsch-jüdischen Weltbündnisses. Wenn er versichert, er sei sich „vollkommen bewußt, daß es kein Bruch des Burgfriedens, kein Angriff" sei, was er in dem Artikel vorträgt, so maßen wir uns nicht darüber ein Urteil an, weil solche Erwägungen in dieser Kriegszeit lediglich den berufenen Faktoren der Zensur zustehen. Umsomehr darf eine Kritik seiner Ausführungen jüdischerseirs nicht unterlassen werden. . Herr Professor Bartels bemerkt zunächst einleitend, daß er wisse, daß die Deutschen so viele Feinde in der Welt hätten, und daß deswegen in einflußreichen Kreisen die Meinung Vertretung finde, die Stellung des Deutschtums zu den Juden müsse eine freundlichere werden. „Das einzige Hindernis sei die starke antisemitische Strömung in Deutschland, die stärker und grundsätzlicher als in allen anderen Ländern sei". Tatsächlich bemerkt ein hervorragender deutscher Patriot: „Eine der großen Ueberraschungen dieses Krieges ist der allgemeine Haß, mit dem die Gesamtheit aller Völker Deutschland bedenken. Es gibt kein einziges Land, das in seiner Gesamtheit seiner Neutralität einen irgendwie für Deutschland wohlwollenden Charakter verleiht. Genau genommen, kann man es nicht einmal von dem deutschredenden Teil der Schweiz sagen. Je nach der Kulturstufe des betreffenden Landes äußert er sich in angemesseneren Formen, in Norwegen und Holland anders als in Argentinien und Südamerika. Wer in der ganzen weiten Welt ist auch kein einziges Land, das nicht wenigstens in einer großen, vielleicht überwiegenden Zahl seiner Bewohner dem Hasse gegen das Deutschtum frönt, indem es den Erfolgen der Gegner zujubelt und Deutschlands Siege verkleinert, die verbündeten Feinde erhöht und Deutschland erniedrigt." Herr Professor Bartels vermeidet es wohlweislich, nach den tieferen Ursachen dieses Deutschenhasses zu fragen. Denn es ist notorisch, daß nichts so sehr diesen allgemeinen Haß und dieses unberechtigte Mißtrauen gegen Deutschland in allen Ländern geweckt hat, als das Treiben jener alldeutschen Chauvinisten und Rassenfauatiker, denen Professor Bartels parteimäßig verbunden ist. Man macht sogar die erstaunliche Wahrnehmung, daß alle erlogenen Anklagen gegen das Deutschtum, die von unseren Feinden ersonnenen Verleumdungen und fabrizierten Fälschungen ganz genau nach der Methode hergestellt sind, deren sich die Antisemiten seit vielen Jahren gegen die Juden bedienen. Sämtliche Behauptungen der Rassenantisemiten, die nur je eine überreizte Phantasie über Juden ersonnen, kehren wörtlich wieder in den blödsinnigen Schmähungen, mit denen jetzt Franzosen die Deutschen bedenken, Selbst die Parallele zum „Judengeruch" fehlt nicht. Die „Münchener mediz. Wochenschrift" Nr. 28 bringt den Artikel einer angesehenen medizinischen Zeitschrift in Paris (,.Gazette medicale de Paiis". Nr. 267 vom 24. Juni 1915), daß „zweifellos von den Deutschen ein spezifischer, merkwürdig stinkender, durchdringender, festhastender G e r u ch ausströmt". — Der Haß verdirbt nicht bloß' die Köpfe und die Herzen, sondern auch den Geruchssinn und die literarischen Erzeugnisse des Rassenhasses machen durchweg den Eindruck von Phantasien eines Irrsinnigen. In dieses Genre gehört die Behauptung des Herrn Prof. Bartels, daß Sir Alfred Harmsworth, Baron of Northclisf, Haupteigentümer der „Times", der „Daily News" und „Leader" und etwa dreißig anderer Zeitungen, ein „deutscher Jude" wäre.*) Lord Northcliffe hat nicht nur nahezu ein halbes Jahrhundert konservativer Blätter in (Ärgland angekauft — auch die „Nowoje Wremja", dieses skrupel- *) Die „Times" brachten dieser Tage die hetzerische Meldung: „Die Juden Salonikis bewachen jeden Schritt und jede Bewegung der verbündeten Armeen und erstatten den Deutschen über alles Bericht."

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