Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 3 (14.1.1916)
- Date
- 1916-01-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 44 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 3 Kaiser Josefs I. aus den Eingängen der seinerzeit bestandenen „Jüdischen Fleisch- und Lichtfteuer" (der sog. Pacht) ausbrachte, und der für jüdische Schulzwecke verwendet werden sollte. Mangels Energie seitens des Guberniums sowie Uneinigkeit Zwischen den Gemeinden wegen der Verwendungsart desselben, liegt der Fonds, der sich inzwischen durch Verzinsung vielfach vergrößerte, unangetastet bis dato in Verwahrung der galizischen Landeskasse. Jetzt ist es also an der Zeit, Mittel und Wege zu finden, den Fonds flüssig und solchen obenangcsührten Zielen raschmöglichst nutzbar zu machen. Ich bitte Sie im Interesse der jüdischen Oefjentlichkeit um Verweildüng meiner Anregung. Wien, 2. Bezirk. Josef Perlberger. Versammlung der „Agudas Iisroel". Auf Einladung des. Vorstandes der galizischen Landesorganisation „Agudas Iisroel", der Herren Jsak Jakob T h u m i m , David F a st. Abraham Rapaport, fand am 4. Januar 1916 im Turnsaale der hiesigen Talmud-Thora, 2. Bez.. Malzgasse 16, eine sehr zahlreich besuchte Versammlung statt, die einen erhebenden Verlaus nahm. Der Einladung folgten über 500 Personen, darunter die angesehensten, einflußreichsten Persönlichkeiten aus Galizien: außer den weltbelannlen Eroßrabbis aus Czortkow, Bujan. Drohobycz, Grodzisk, Husiatyn Kopoczynce, Krosno, Neu-Sandez, Sadagora, Stanislau waren erschienen fast alle hier weilenden Rabbiner der größten Gemeinden, mit dem Senior der galizischen Rabbiner Steinberg, Brody, an der Spitze. Der Vorsitzende Herr Jsak Jakob T h u m i m eröffnete um 6 Uhr die Sitzung mit einer Begrüßung der Anwesenden, betonte das Verdienst der „Agudas Iisroel", daß alle Schattierungen der Orthodoxen sich di: Hände reichen, um die Thora zu erhalten. Der Vorsitzende forderte die Versammlung auf. rpr Allem unseres allergnädigsten, heißgeliebten Kaisers zu gedenlen, woraus die Versammlung in ein brausendes Hoch ausbrach. Der Vorsitzende beantragte, cs möge der älteste von den Rabbinern, Ehrwürden Rabbiner Steinberg, Brody, das Hanofsen Tschüoh vortragen unv den Kaisersegen sprechen. Die Versammelten erhoben sich von ihren Sitzen und die Kaiser-Andacht, vom Brodyer Rabbiner verrichtet, übte einen mächtigen Eindruck aus. Nach Absendung einer Huldigungs-Depesche an den Kaiser, erteilte der Vorsitzende das Wort dem Herrn S ch m e l k e s zur Berichterstattung über die hier größtenteils auf Kosten der „Agudas Iisroel" aus Frankfurt erhaltenen Schulen. Der Redner stattet den Dank ab an die hervorragenden ehrwürdigen Persönlichkeiten für deren Erscheinen sowohl in der vorigen Versammlung im Hotel Continetal als auch heute. Nur durch deren Mitarbeit ist es gelungen, das Geld für die Chadurim zu bekommen. Die große Wohltat dieser Thora-Schulen ist, abgesehen davon, daß dir Fiüchtlingskinder das in Galizien früher Gelernte nicht ganz vergessen haben, vielmehr ihr Wissen hier große Fortschritte gemacht hat, auch darin zu suchen, daß die Kinder unter Aufsicht waren. Redner teilt mit, daß aus Frankfurt bisher 14.000 Kronen eingingen und hier 5257 Kronen zu diesem Zwecke gesammelt wurden. Davon wurden in Wien 10 Lokale erhalten, wo über 26 Lehrer den Unterricht in der Thora an einer Anzahl von über 1100 Kindern erteilen. Die kleine Anzahl der Lehrer genügt deshalb, weil die Kinder nicht alle zu gleicher Zeit die Chadurim besuchen, indem sie auch in die öffentlichen Schulen gehen müssen. Redner erwähnt mit Dank jener geehrten Herren aus Frankfurt. die dieses große Werk durch reichliche Geldmittel ermöglichten, namentlich des Herrn R o s e n h e i m, Herrn Straus, insbefonoere . Herrn Abr. Grünbaum aus Nürnberg; letzterem wünscht die Versammlung baldige Genesung, da er leider durch ein Unwohlsein an der Teilnahme hier verhindert wurde. Angenommen. Redner ersucht die Versammlung zu beschließen, diese Schulen so lange zu erhalten, so lange eben hier Kinder aus Galizien anwesend sein werden. Die Versammlung faßte diesen Beschluß einstimmig. Herr Berison Steinberg, Rzeszow, ersucht auch nach Rückkehr in die Heimat an diese Schulen zu denken, da nur die „Agudas Iisroel" dazu berufen fein kann, diese ins Leben zu rufen. Jeder Private wird mit seinen eigenen Sorgen genug in Anspruch genommen sein, und dürfte diese wichtige Angelegenheit außer der ...Agudas Iisroel" keinen Anwalt haben. Dazu bemerkt der Rabbi aus Czortkow: es fei die heilige Pflicht eines jeden aus EaliziM. an dem Wiederaufbau dieser Landes- Talmud-Häufer zu arbeiten, auch ohne die auswärtige Hilfe. Die Versammlung beschließt diesen Antrag. Ferner erinnert Herr Steinberg an die Notwendigkeit, für Pessach-Mehl zu besorgen. Eine lebhafte Debatte knüpfte sich hieran. Es sprechen die Herren Hofbauer, Pappen heim, Eroßberger, Budapest. und Rabbiner SchmeIkes, Przemysl. Letzterer ersucht, insbesondere unserer Brüder und Söhne in der Armee zu gedenken und für Mazzes für sie zu sorgen. Bemerkung des Czortkower Rabbi: Ueberhaupt für die Soldaten Koscherkost. Es wird nach diesem Antrag beschlossen. In die Kommission für Pessach-Mehl wurden gewählt: Die Rabbiner S t e i n b e r g, Brody, A r a k, Buczacz, Engel Krakau, Sch melk es, Przemysl, Thumim, Przemysl, Steinberg. Rzeszow, F a st, Tarnow, Rapaport, Lemberg, aus Wien die Herren Hofbauer, Aler. Landau, Pappen heim und Frommer. Der Rabbi aus Drohobycz beantragte, die hier weilenden Rabbiner sollen zu einer Organisation zusammentreten. Dieser Antrag wird wärmstens vom Rabbiner S ch m e l k e s, Przemysl, unterstützt. Beschlossen wird, die „Agudas Iisroel" soll! diese Organisation veranlassen. In diesen Debatten nehmen mit trefflichen Bemerkungen sowohl der Großrabbi aus Czortkow als auch der Vorsitzende lebhaften Anteil. Als letzten Punkt der Tagesordnung beantragt der Vorsitzende Herr Thumim, die Synode soll ihre Mitglieder veranlassen, durch Zeichnung aus die österr. Kriegsanleihe ihre Teilnahme an der Arbeit zum Schutze des Vaterlandes zu betätigen. Mit Akklamation wurde dies beschlossen und dazu folgendes ~ Komitee gewählt: Jsak Jakob Thumim, Lipe Türkei, David F a st, Isidor Frommer, Hersch L e w i n, Moses B a - hob. Rabbiner Steinberg, Przemysl, Leiser Löwin Hersch P r e m i n g e r, Abraham Rapaport, Bensen Steinberg, Noa Zaborski, Hersch Rapaport, Joses Schwager, Simon K o r n i tz e r. Chaim Ochs und Samuel G o l d m a r k. Gegen 11 Uhr nachts schloß der Vorsitzende Herr Jsak Jakob Thumim mit einer ergreifenden Ansprache die Sitzung. Als Dank für die Leitung wurde dem Vorsitzenden allseits gratuliert und u. a. an Spenden zu gleichen Teilen für die Wiener Schulen der „Agudas Iisroel", als auch für die Aktion für Pessach-Mehl gezeichnet worden: Rabbi aus Czortkow Kr. 200.—; Rabbi Husiatyn 200.—; Rabbi Kopoczynce 200.— : Herr Lipe Türkei 200.—; Rabbi aus Sadagora 100.—; Rabbi Salomon aus Sadagora 100.—; Rabbi Martus aus Sadagora 100.—; Herr K. Schweizer 36.—; Herr Hersch Preminger 36.—; Herr Goldmark 36.—; Herr Hersch Lewin 20.—; Rabbi Moses Heschel, Kopoczynce, 11.20. Protestreden gegen die russischen Judenverfolgungen. In einer von der „Fabian Society" am 1. Dezember in London veranstalteten Versammlung sprach Israel Zangwill gegen die Verfolgungen der nichtrusfischen Nationalitäten und besonders der Juden in Rußland. Zangwill schilderte die gegen die russischen Juden begangenen Grausamkeiten und erklärte, daß es das eigenste Interesse der Verbündeten erfordere, daß sie zugunsten der Juden intervenieren und den Verfolgungen ein Ende machen, demr sonst könnte Deutschland mit Recht auf die Unrichtigkeit jener Meinung Hinweisen, die Verbündeten kämpfren für die Freiheit der kleinen Völker. Mr. Cecil C h a st e r t o n erklärte darauf, daß, wäre Zangwill nicht Jude, er für eine derartige Rede erschossen werden müßte. Da er aber Jude ist, so ist es natürlich, daß er für seine Brüder eintritt. Er bestritt entschieden, Antisemit Zu sein. Allein als Engländer interessieren ihn ausschließlich englische Angelegenheiten. Bernhard Shaw meinte, daß er, als Nichrjude. eigentlich erschossen werden mußte, weil er in allem mit Zangwill übereinstimme. Aehnliche Erklärungen gaben die soZialistischen Führer Hy dem an und andere Redner. Der letzte Saöbatäer. Hochverehrter Herr Redakteur! Zu der in Ihrem geschätzten Blatte, Nr. 2, gebrachten Notiz: „Der letzte Sabbatäer gestorben", möchte ich mir die Bemerkung erlauben, daß es, meiner bescheidenen Ansicht nach, sich bloß um! den letzten dieser Sekte