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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-01-01 · 1 (1.1.1916) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
1 (1.1.1916)
Date
1916-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 1 Axt und Knute seine Raubgier und Blutgier ungestraft stillen konnte. Die russischen Generale hatten zum Schluß kaum Zeit zur Flucht, aber vorher hatten sie noch Muße genug, um einen surchtbaren Zug des Elends aus Juden zusammenzustellen und in Bewegung zu setzen. Von Bajonetten und Nagaikas wurden die Juden wie Herdenüber die grundlosen Straßen ins Innere von Rußland gejagt, Weiber. Kinder und Greise brachen vor Hunger und Schwäche zusammen, in vollgevsropften und streng verschlossenen Waggons brachten Wöchnerinnen Kinder zur Welt, brachen Seuchen aus und die Lebenden mußten mit deit Sterbenden weiterfahren in Winter unb Grauen. Folter und Galgen waren die Begleiter der Russen in oen jüdischen Vierteln, Folter und Galgeit bedrohten oft Familien, deren Ernährer in den Reihen der Russen kämpfte. Ein bekanntes Bild zeigt, wie ein verwundeter russischer Soldat, ein Jude, auf Krücken in fein Heim zurückkchrt und Hier fassungslos Weib und Kind voit den Kosaken erschlagen, feinen Hausrat geplündert und zertrümmert borfindet. Dieses Bild ist im vergangenen Aahre tausend- und tausendmal an die Wirklichkeit übersetzt worden, ebenso wie alle anderen Bilder von jüdischer Wanderschaft ins Elend. Was wird mit den Juden in Zukunft geschehen? Wie werden sie aus ihrer Not und Verwüstung tvieder ausgerichter werden? Wie werden sie sich selbst zu den Ereignissen stellen, welche- Politik werden sie treiben, wer wird chr Anwalt sein gegen ihre Feinde, welche auch jetzt noch nicht schweigen wollen? Die Antwort auf diese Fragen, welche eine große Sorge ist, hat uiüs den Mut und die Kraft gegeben, unser seit seinem Bestände dem Judentum dienendes und ihm gewidmetes Blatt über die ungeheuren Schwierigkeiten des vergangenen Kriegsjahres in das neue Jahr hinüberzusteuern. 'Es wäre rechnerische Klugheit und unser Vorteil gewesen, wenn wir es nicht getan hätten. Ueber Hunderte und Hunderte unserer Monnenten waren ins Feld gezogen; dann kam die schauerliche Zerstörung und Verwüstung des Gesamtjudenmmes in Galizien und der Bukowina: alles zusammen hat die Eingänge unddie Ressourcen des Blattes auf den vierten Teil herab-' gcnrindert und seinen Fortbestand schwer gefährdet. Korporationen und Organisationen, berufen, einem jüdischen Organ, das dreiundeinhalb Jahrzehnte erfolgreicher Arbeit Himer sich hat, in Momenten der Krisis helfend beizuspringen, haben in unseren Zeiten allgemeiner Bedrängnis dringlichere Ausgaben und Pflichten. Wie soviele andere Blätter hätten auch wir uns aus die Zwangsverhältnisse der jetzigen Zeit berufen und das Nichterscheinen unseres Blattes entschuldigen können. Wir haben es jedoch mit unserem Gewissen nichi für vereinbar gesunden, ein Blatt einzuftellen, dessen Nachrichten und Ausführungen ein jüdisches Dokument vor der gesamten Oeffentlichkeit bilden und jedem judenfeindlichen Anwurf und Vorwurf sofort die Spitze bieten. Wir wollten die Arbeit nicht verlassen, welche beharrlich! den patriotischen Wetteifer der Juden in diesem Weltkriege zeigt, ihre Lei-- stungen im Kriegsdienste und in der Kriegshilfe und den Juden selbst die notwendigen Behelfe zu ihrer eigenen Verteidigung bietet. In großen und entscheidenden Angelegenheiten des jüdischen Lebens hat die „Oesterreichische Wochenschrift" schon oft entscheidend eingegriffen. Wir sind der Ansicht, daß solche Zeiten noch kommen können und werden, -und daß dann die Juden alle Ursache haben, einen entschiedenen Anwalt zu besitzen, der selbst spricht und — wie auch früher immer — weite Kreise beeinflußt. Mit einem Wort: Wir sind und bleiben jetzt an unserer Stelle als die Zähl-i und Erzählstelle der jüdischen Leistungen im Kriege, als die Anwälte ^vor den Behörden und vor dem Gericht der öffentlichen Meinung, als die Mahner und Dränger unserer eigenen verantwortlichen Führer, als eine Zentralstelle und -Kritik des jetzt so ernsten wirtschaftlichen, Lebens. Der Frieden wird nicht geschlossen werden, ohne die jüdischen Verhältnisse schwer zu beeinflussen. Dann wird eine besonders wichtige Zeit auchfür die „Oester-, reichische Wochenschrift" kommen, welche auch jetzt eine höchst wichtige und dringende Aufgabe trotz größter Bedrängnis erfüllt. Der weitere Bestand der jüdischen Zeit- und Streitschrift „Oesterreichische Wochenschirist", welche mit berechtigtem Stolz aus ihre stete Wirksamkeit und ihre Erfolge Hinweisen kann, wird jedoch durchaus von unseren Freunden abhängen. Da wir soviel verloren haben, daß wir ohne die schwersten Besorgnisse nicht Weiterarbeiten können, so müssen uns unsere Freunde tragen und arbeiten helfen. Nicht bloß sollte jeder von ihnen im eigenen Wirkungskreise das Möglichste tun, sondern auch Überall bei seinen Freunden und Kollegen für uns werben, uns neue Freunde zuführen. Wir fordern das nicht für uns, weil es Personen angeht, sondern weil es eine allgemein jüdische Sache betrifft. Wir haben schtss den bittersten Haß der Antisemiten gefunden, den tvir uns durch unsere Arbeit zu gezogen haben, weil wir die Sache der Juden am entschiedensten von allen Blättern vertreten haben. Wir wollen das im neuen Kalenderjahre. 1916 genau so halten, aber wir glauben, daß wir aus diesem Grunde um rasche, tatkräftige und ausreichende Unterstützung unserer Freunde nicht nur ersuchen dürfen, sondern die Hilfe sogar, pochend auf unsere Vergangenheit und Gegenwart, fordern können. Die Juden im Weltkriege. In der „Neuen Freien Presse" publiziert der k. u. k. Konteradmiral d. R. Göza dell' Adami v. Tarczal folgende Zuschrift: „Euer Hochwohlgeboren! Mit diesen Zeilen möchte ich die Anregung geben jzur Herausgabe eines Werkes, be-i titelt „Die Juden Oesterreich-Ungarns im jetzigen Weltkriege". Die Juden haben heldenwütig in der Front ge-, känrpft, gls Aerzte Außerordentliches geleistet, in Gas lizien hla't die jüdische Bevölkerung einen nicht genug! hochzuschätzenden Patriotismus bewiesen, wofür nur, um einen Beweis desselben hier anzuführen, die Hilfe erwähnt sei, welche sie versprengten Ofsizieren unserer Armee,angedeihen ließ, indem sie denselben in ihren Heimstätten eine Unterkunft gewährte, ihnen Zivilkleider gab und denselben zur Flucht verhälf.

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