Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 51 (24.12.1915)
- Date
- 1915-12-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 944 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 51 sprödesten Stein Gold entlockt, ist, eben im richtigen Moment stets das richtige Bedürfnis in der Bevölkerung herausznspüren und den richtigen Weg zu dessen Befriedigung zu gehen, ein Geheimnis, das sich theoretisch erklären, aber, wie bei einem richtigen Rutengänger, nicht nach machen läßt. Wer. Arme mit Schuhen versorgt, gibt ihnen Geld, Gesundheit, Erwerbstnöglichkeit, Möglichkeit, Unterricht Zu genießen, mit diesen Worten He-' grüßte Regine Ulmann in ihrer zündenden Ansprache namens der „Weiblichen Fürsorge" ihre hochgeschätzte Kollegin. Zu dem charitativen Moment kommt in der Schuhzentrale noch das ethische, daß der Arme nichts geschenkt bekommt, weil er seine schlechten Schuhe dort lassen muß behufs Erneuerung für andere, wodurch einigen uralten Meistern, wahren Ostadegestalten, ermöglicht ist, ihr geliebtes Handwerk im Dienste der Wohltätigkeit und zur Verbesserung ihres Greisenloses nochmals auszusüben. Warteraum, Umtauschstelle, und Werkstätte befinden sich im Palais Königswarter (1., 4., 5., 10. Bezirk), für die übrigen Bezirke spendete Fabrikant Rappaport sein Lokal und seine Mitarbeit, Herr Theodor Klein und Fabrikant Strakosch ihre Fachkenntnisse und Fachspenden, Frau Bergrat Lilly Bauer ihr Maltalent für das originelle ReklaMebÜd (eine sehr weltliche Modedame tauscht ihre Modeschuhe gegen die Schuhe eines Bettelknaben), der Vorstand des Ferienheims und des Seehospizes, vor allen Sofie Quittner, Adele Zins und alle anderen ihr Organisations- und Arbeitstalent. Bei der Eröffnung sprach Gemeint erat und Bezirksausschuß Stary namens! der Stadt Wien den Frauen für ihr Wirken im Dienste der Menschheit ohne Unterschied der 'Konfession in launiger, vielverheißender Rede den Dank aus; Dr. Moriz Löwy sprach im Namen der Zentralstelle, die sich wie die „Fürsorge" rühmen darf, Sofie Grünfeld zu ihren Begründerinnen zu zählen, während Frau Dozent Grünfeld in ihrem Schlußwort in ihrer warmen, temperamentvollen Art an alle Anwesenden die Aufforderung richtete, die Idee der Umtauschzentrale in weitere Kreise zu tragen und sowohl für Geldmittel als alte Schuhfpenden zu sorgen. Unter den Anwesenden bemerkte man noch Herrn Amtsleiter Kraus, den Gesamtvorstand des Ferienheims und Seehospizes, Generaldirektor Porges, Herrn K.Freund (Brigittenauer Horte). Fräulein Schur und Frau Rechne Mayer („Weibliche Fürsorge"). Rechne Bettelheim („Frauenhort"), Rechne May (Kaiserin Elisabeth- Lehrmädchenhort), Herr und Frau Albert Schleifer („Gute Herzen"), Josefine König und Aliee WenIgraf (Hietzinger Verein), Frau Generaldirektor Herczegh. Frau Dr. Tischler („Pestalozzi"), Frau Dr. Frischauer („Franz Josefs,-Kinderhort"), Jda Berliner („Jubiläumsi-Kinderhort"), Sofie Walltuch („Bikur Ehaulim"), Bertha Donreich („Flüchtlings!- Obwohl es meine mütterliche, verehrte Freundin Grünfeld ärgert, wenn ich in klein'icher Art in unseren Sitzungen Jllustrationsbeispiele anführe, mutz ich zu ihrer Schuhaktion doch ein Jllustralionsfaklum anfüh^en. Ich kannte einen berühmten jüdischen Arzt. Sohn einer Witwe in Böhmen, der mit drei Brüdern so arm war. datz sie alle viere nur ein Paar Schuhe zum Gymnasiumbesuch hatten. Ein weniger talentierter Bauernjunge, dem dafür die Schu'a-beiten gemacht wurden, lief nun mit den Schuhen des ältesten täglich den Weg dreimal vom Gymnasium zum Haus der «Witwe, damit so langsam im Lauf einer Stunde alle vier ins Gymnasium konnten. Diese Mutter erlebte, datz alle vier Söhne in Wien eine glänzende Laufbahn erreichten a's Universitätsprofessoren. Bankdirektor und Grotzindustrieller; aber alle vier starben in relativ jungen Jahren noch vor der Mutter an den Entbehrungen der Kinderjahre. Es ist mir *tit wehmütiges Gefühl. datz diese vier bedeutenden Menschen hätten länge' erhalten werden können, wenn in jener böhmischen Kleinstadt eine Gutsherrin oder Fabrikantin mit dem Herzen und Geiste einer Sofie Grünfeld gewesen wäre. jause"), Frau Regierungsrat Wien und die Leiterinnen fast sämtlicher Frauenhilfsaktionen der Bezirke, welche nebst dem Settlement an die von ihnen recherchierten Armen die Anweisungen ausgeben werden, auf deren Vorweisung der Schuhanstausch erfolgt, während Herr Rabb. Dr. G r u n w a l d und Frau, Frau Notar Dr. B e rmann, Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang und Frau, Frau Dr. Kahn (Döblinger Verein) und andere schon bej einer Vorbesichtigung anwesend waren. C. Benedikt. Löbliche Redaktion! Ich quittiere dankend den nicht unverdienten kleinen Peitschenhieb in Form von drei Ausrufungszeichen in meinen: Artikel über Hardt's „Salomo" in der letzten Nummer Ihres Blattes. Empfindlicher wäre mir aber bei meiner durchaus friedfertigen Natur ein Zusammenstoß im Elysium mit den gewaltigen Kriegshelden Saul und Jonathan wegen Beschimpfung ihrer Nachkommenschaft. Ich hatte mich verschrieben und wollte über Metz chisboseth nicht „schwachsinnig", sondern ein „Schwächling" sagen. In Verehrung _ N. N. Brigittenauer isr. Frauen-Wohltätigkeitsverein. Sonntag, den 19. b. M., fand in der Tempelkanzlei des 20. Bezirkes 'die zwanzigste Generalversammlung des Brigittenauer isr. Franen-Wohltätigkeitsvereines statt. Unter den Anwesenden sah man Frau Clotilde!Benedikt als Vertreterin des Frauenhortes, Frau Bi er mann (Hietzinger Frauenverein), Frau Dir. U llmann (Weibliche Fürsorge), Frau Dr. Feuchtwang (Frauenverein für den 18. Bezirk), Frau Therese S P i r a, eine der Proponentinnen des Brigittenauer isr. Frauen-Wohltätig,- keitsvereines; Herrn Kultusvorsteher Dr. Heinrich Schreiber als Vertreter der Kultusgemeinde; Herrn Rudolf Kraus, Amtsleiter des Wohltätigkeitsamtes; Herrn Rabbiner Professor Dr. Rosenfeld; Herrn Heinrich Weiner und Hern: Lehrer Josef Faltitschek als Vertreter des Vereines „Die Brüder"; Herrn Karl Freund als Vertreter der Toynbeehalle und des Kinderhortes; Herrn Dr. M. Löwy für die Zentralstelle; Herrn B. Beck für den Brigittenauer Unterstützungs- Verein u. a. nt. Nachdem die Vorsitzende, Frau Präsidentin Doktor Emilie Weiß, diese Ehrengäste und die Anwesenden alle auf das freundlichste begrüßt hätte, ergriff Herr Beirat Josef Kohn das Wort zur Berichterstattung. Derselbe führte aus, daß der Verein seit seinem 'Bestände 263.368 Kronen eingenommen, davon 215.364 Kronen für Unterstützungen, 20.816 Kronen, d. s. zirka 8 Proz. von der Einnahme, für Inkasso, Porti, Drucksachen rc.. verausgabt und an Barvermögen rund 27.000 Kronen erworben hat, und zeigte an einer zu diesem 'Behufe aufgestellten statistischen Tabelle, daß der Verein von Jahr zu Jahr einen steigenden Aufschwung genommen hat. Der Redner führte sonach in kurzen Worten aus, wie rigoros der Vorstand, entsprechend den Grundsätzen der rationellen Armenfürsorge, voraeht, erwähnte, daß der Verein im letzten Jahre an 952 Personen 16.192 Kronen verteilt hat, dankte allen Mitgliedern, Spendern und Korporationen im Namen des Vereins für die demselben erwiesene Förderung und schloß mit den Worten Rückerts: . Wenn die Wässertem kommen zu Häuf, Gibt es wohl einen Fluß. Wenn jedes nimmt seinen eig'nen Lauf, Eins ohne das andere vertrocknen mutz." Sodann referierte die seit dem Bestände des Vereines als Kassierin wirkende Frau Anna G o l d n e r über den Gebarungsausweis und hob die ansehnlichen Einnahtnen