Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 51 (24.12.1915)
- Date
- 1915-12-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 51 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 941 auch unserem Zugsführer Guttmann herzlichst dankbar sein für seine Mühe, denn er ist die einzige Charge — ein Jude — im Bataillon und sorgt für uns, als ob er unser Vater wäre, und tut sein Möglichstes, um uns das Beste zu verschaffen. Ersuche auch, ein Zeitungsexemplar mit diesem Berichte an uns einzusenden, wofür wir im Voraus danken. Hochachtungsvoll Oskar Rohatin, 2. L.-JM., II/XV. Marschbaon, Im Felde, 12. Dezember 1915. Löbliche Redaktion! Für die im Bereiche eines' Korps auf dem südwestlichen Kriegsschauplätze kämpfenden Soldaten fanden in der Chanukkawoche mehrere feierliche Gottesdienste statt. Es war eine Festwoche für die Soldaten, in der sie — die HasMonäersöhne — die Lichter zum feierlichen Andenken an die heldenmütigen Makkabäer anzünden durften. Von der Schwarmlinie oder vom Lager kamen sie in Reih' und Glied; als im mehrstimmigen Chor das Chanukkalied (Moaus zur jeschuati) erscholl, fühlten alle den Zusammenhang zwischen diesen bewährten Kriegern und den alten Heldensöhnen Judas und eine erhebende, von edlem Stolz erfüllte Stimmung bemächtigte sich aller Festgenossen. In einer feierlichen Ansprache suchte Feldrabbiner Dr. M. Tauber die Bedeutung dieses Chanukkafestes', das so viele Juden als Krieger im Felde feiern, zu würdigen und den Zusammenhang der berechtigten Mwehrkämpfe der Makkabäer mit dem Abwehrkriege zweier verbündeter Kulturstaaten gegen ruchlose Anschläge auf ihre Existenz zu verdeutlichen. „Du, Herr, in Deinem großen Erbarmen standest ihnen bei zur Zeit ihres'Drangsals, führtest ihren Streit, entschiedest ihre Sache . . : unterwarfest Viele der Gewalt Weniger, Ungerechte der Gewalt Gerechter". Dieses Gebet gewann durch die schweren Kämpfe, die wir siegreich führen, an frischem, lebendigem Inhalt. Nach den Gottesdiensten fand die Verteilung von Chanukkageschenken statt, die die Freunde unserer braven Krieger ins Feld geschickt haben. Besonders feierlich gestaltete sich ein Gottesdienst, an dem der Sanitätschef einer Division, Dr. Karl Brenner, teilnahm und durch eine Ansprache an die Soldaten seiner Freude Ausdruck gab, daß er mit ihnen zusammen ein jüdisches Fest feiern kann, und daß sie,- dank der fürsorglichen Tätigkeit des Feldrabbiners, im Felde öfters zusamMenkommen können, um nach den harten Kämpfen den Worten ihres Seelsorgers zu lauschen. Der Sanitätschef nahm auch selber die Verteilung der Liebesgaben vor, wofür ihm alle Soldaten herzlichen Dank wissen. Dem Andenken eines heldenmütigen Lehrers. Wachtmeister F r i t s ch, der, wie aus diesen Daten ersichtlich ist, tzu den ungarischen Helden gehört, weilte, wie „Egyenlöseg", dem wir diese Daten entnehmen, berichtet, vor kurzem in seiner Heimat in Maros- Vasarhely. Am Sabbat wurde er zur Thora gerufen, wo er den nach Errettung aus großer Gefahr üblichen Segensspruch — Birchathchagomel — sprach. Der Lehrkörper der staatlichen Knabenbürgerschule in Maros-Vasarhely hat in feiner Sitzung vom 10. Nov. 1915 den Beschluß gefaßt, „auf den Namen des Heldensohnes der Stadt Maros-Vasarhely. des unvergeßlichen Lehrers und gesetzestreuen Mitgliedes' der israelitischen Status quo Gemeinde, unseres lieben Berufskollegen Moritz K e m e - nes, Kriegsanleihe in Nominale Kr. 100.— anzukaufen und als Stiftung zu verwalten, um auf solche Weise den Geist unseres im Heldentode verstorbenen Kompatrioten innerhalb der Mauern der Schule und von hier aus wirkend, in der bürgerlichen Gesellschaft unserer Stadt ewig fortlebend und sein edles Andenken zu einem Faktor zu gestalten, welcher auch in den Herzen der Nachkommen segensreich fortwirkt". Moritz Ke men es ist beim Uzsoker Paß gefallen und daselbst begraben worden, wie wir seinerzeit auf Grund eines Berichtes des ,. Egyenlöseg" meldeten. Er gehörte dem Lehrkörper der staatlichen Bürgerschule in Maros-Vasarhely nicht an, desto lobenswerter ist der iobem erwähnte Beschluß, welcher als leuchtendes Beispiel Erwähnung verdient. Der Direktor dieser staatlichen Bürgerschule ist Karl Tamas, von dessen bekannten liberalen Gesichtspunkt auch diestr Beschluß Zeugnis ablegt. Ehrung gefallener jüdischer Hekden! Man muß das Verdienst des Kultusvorstandes und seines Präsidenten Herrn Nathan Gelberin Brody anerkennen, daß er für Hie gefallenen jüdischen Helden einen besonderen Heldenhain errichtete, wo leider so viele Helden ihre letzte Ruhestätte finden. Bei der Bestattung sämtlicher Militärpersonen sind alle Funktionäre der Kultusgemeinde mit dem Präsidium an der Spitze anwesend und ehren an* diese Weise das Andenken der auf dem Felde der Ehre Gefallenen. Dieser Tage fand die Einsegnung des Grabes für den gefallenen Kadetten Andor Rose nt hat statt. Auf Veranlassung des Kultusvorstandes erschienen ein Husaren-Tetachement, an der Spitze der Kommandant mit mehreren Offizieren, mehrere Aerzte und zwei katholische Feldkuraten. Die Einsegnung des Grabes fand nach folgendem Programm statt: 1. Psalm 130, gesprochen von Ehrwürden k. k. Feldrabbiner Tr. Albert S ch w e ig e r; 2. a) Largo, von Händel, gespielt von der Mililitärkapelle; 3. b) Das Gebet aus der Oper „Freischütz", El mole rachamim l Trauergebet). gesungen vom Kantor Heilpern; 4. Nachruf, gehalten von Ehrwürden Doktor Albert Schweiger; 5. Niederlegung des Kranzes durch den Kultuspräsidenten Nathan Gelber; 6. a) Oesterreich ische Volkshymne; b) Ungarische Volkshymne, Militärkapelle. Fritz B a l t i n e st e r hat als Fähnrich am 23. Oktober 1915 im Alter von 22 Jahren auf dem nördlichen Kriegsschauplätze den Heldentod erlitten. Wie der Kompagniekommandant den schwergeprüften Angehörigen mitteilte, beklagen auch die Kompagnie und das ganze Regiment den Tod des junaen Fähnrichs, der sich bei seinen Kameraden und der Mannschaft der größten Beliebtheit erfreute, als schweren Verlust. In Trient ist am 2. Dezember Assistenzarzt Dr. Rosenfeld aus Wien im militärischen Dienste plötz-- lich gestorben. Am 5. Dezember fand das Leichenbegängnis unter großen militärischen Ehren in Anwesenheit des gesamten Kommandos statt. Tie Herren Rabb. Dr. Josef Link aus Innsbruck und Dr. Adolf Attm a n n aus Meran hielten ergreifende patriotische Nachrufe und die Zeremonien ab. Der Gesang des Kantors gestaltete sich sehr wirksam. Ter Kondukt bewegte sich vom Festungsspital durch die ganw Stadt zum Bahnhof, w!o die Ueberführung nach Wien erfolgte. Der kommandierende General 'drückte den Herren Rabbinern seine warme Anerkennung unb den besten Dank aus. Aekbrabbiner Dr. Voferrzweig. Laut Verordnungsblatt der k. k. Landwehr vom 18. Dezember hat Seine k. u. k. Apostolische Majestät allergnädigst geruht, den Seelsorger der isr. Kuttusgemeinde Aussig, Rabbiner Dr. Arthur Rosenzweig, zum k. k. Feldrabbiner zu ernennen. Derselbe wurde beim Landwehr-Infanterieregiment Nr. 9 (Leitmeritz) eingeteilt.