Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 50 (17.12.1915)
- Date
- 1915-12-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 50 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 925 Im Felde, 4. Dezember 1915. Anläßlich des 67. Gedenktages der Thronbesteigung des Kaisers versammelten sich die im Verbände des 7. Korps aus dem südwestlichen Kriegsschauplätze kämpfenden israelitischen Soldaten zu einem F-eftgottesdienste inl Felde. Feldrabbiner Dr. M. Tauber richtete, an-, knüpfend an der: Königspsalm 21, an die Soldaten eine Ansprache, worin er die Siege unserer verbündeten Heere aus allen Kriegsschauplätzen als die Krönung der langen, segensreichen Regierung unseres erhabenen Monarchen feierte. In einem Schlnßgebete wurde der heiße Herzenswunsch aller ausgesprochen, daß unser Friedenssürst die „Prachtkrone des Greisenalters, die aus dem Wege der Gerechtigkeit erreicht wurde", noch lange Jahre zum Heile und Wöhle aller Völker der Doppelmonarchie ans seinem Haupte trage. Hofrat S. Ritter von Hahn gestorben. Nach langen!, schwerem Leiden ist am 14. d. M, um halb 2 Uhr früh, der Mitbegründer und gewesene Generaldirektor der Oesterreich rschen Länderbank Hofrat S. Ritert v. Hahn im 79. Lebensjahre in seiner Wohnung, 4. Bezirk, Operngasse 8, aus dem Leben geschieden. Dem Verblichenen war es gegönnt, iiacheinander aus zwei wichtigen Gebieten unseres Wirtschaftslebens eine schöpferische Tätigkeit zu entfalten. Zu Ungarisch -Ostra in Mähren geboren,-kam Hahn in jungen Jahren Zuerst zur Staatsbahn und hierauf zur Südbahn-Gesellschaft, bei welchem T'.ansporiunternehmen er es durch seine eminente Tüchtigkeit, speziell in der Handhabung einer modernen Tarifpolitik, zunr kommerziellen Direktor brachte. Er hat durch feine neue Auffassung des Verhältnisses von Bahn zu Produktion und Handel sowie zunr reisenden Prrblikum der Entwicklung des Verkehrs einen außerordentticheir Impuls gegeben. Ende der siebziger Jahre wurde H a h n zur obersten Leitung der von ihm mitgegründeten Länderbank berufen. Volle 17 Jahre hat Hahn die Stelle des Generaldirektors der Länderbank! bekleidet, in der er von allenr Anfänge an in großem Stile fremdes Kapital,, namentlich französisches, heimischen Zwecken dienstbar zu machen wußte. Seiner Initiative oder Förderung sind eine Reihe großer Transaktionen und eine ungenreine Beleburrg des österreichischen Finanzgeschäftes überhaupt zu zuschreiben. Mit dein Jnslebentreten der von ihm geleiteten Bank kam Jo recht Eigentlich erst ein Wettbewerb um die Uebernahme der inländischen Staatsanleihen zustande, der in einer kräftigen Höherbewertung und sohin der Hebung des Staatskredits Ausdruck fand. H a h n hat sich weiters große Verdienste erworben um die Ausgestaltung des Lokalbahn wese ns in Oesterreich und Ungarn, welche Tätigkeit ihn dazu brachte, mit der Frankfurter Eisenbahnrentenbank die Institution des Trusts auf dem Kontinente einzuführen, und hat auch in der Schaffung größerer industrieller Vereinigungen vorbildlich gewirkt. Die Länderbank unter Hahn war es, die hier zwei Neuerungen einführte, die seither dem Wiener Bankbetriebe ihr Gepräge gaben: die Errichtung von Filialen in den Bezirkerr vorr Wien und die Vermietung von Schrankfächern (Safe Deposits) an das Publikum. Die Mitarbeit an der wirtschaftlichen Erschließung^ des Balkans, die auf dem Berliner Friedenskongreß proklamiert worden war, und in Verbindung mit dieser Aktion die Stärkung des politischen Einflusses der Monarchie bildeten Postulate in dem Programm der Länderbauk, die in H a hü einen eifrigen, ideenreichen Vollstrecker fanden und dessen Tätigkeit in öieser Richtung an der zuständigen amtlichen Stelle voll gewürdigt ward. Die Durchführung der Bahnverbindung von Budapest aus über Belgrad nach Sofia und Konstanintonopel,, respektive nach 'Saloniki, die Ausgabe der ersten serbischen und der ersten bulgarischen Staatsrente und deren Einbürgerung ans den bedeutendsten europäischen Märkten, die Errichtung einer Handelsbank in Belgrad und Äofia sind Marksteine dieser Tätigkeit. In seinen letzten Lebensjahren gehörte der Verblichene unter anderem der Verwaltung der Reichenberg—Gablonzer Eisenbahn als Präsident an. Er war weiters Mitglied der Verwaltung der Lemberg —Czernowitz—Jassy-Eisenbahn, der Rima- Murany-Salgo-Tarjaner Eisenwerksgesellschast und Aufsichtsrat der Nationalbank für Deutschland in Berlin. Hofrat Ritter von Hahn war längere Jahre hindurch Vorstandsmitglied der isr. Kultus gern ein de und hat sich durch vielfache Akte der Wohltätigkeit als ein guter Mensch mit jüdischem Herzen bewährt, der das Leid der Mitmenschen empfindet und bemüht rvar, zu helfen und zu lindern. Für seine öffentliche Wirksamkeit war Hahn wiederholt von Sr. Majestät denr Kaiser ausgezeichnet worden. Noch bei der Südbahn war ihm der Titel eines Regierungsrates verliehen worden, einige Jahre später wurde er mit dem Orden der Eisernen Krone ausgezeichnet und einige Jahre vor seinem' Ausscheiden aus) der Länderbank erhielt er den Titel eines Hofrates. An der Bahre des Verblichenen trauern seine Witwe und drei Töchter: Baronin Hermine Povper v. Podhr a gy, Frau Klara v. Marscha ll-Hah n und Frau Margarete P a n z e r. Vermischtes. K anzablöfnngsspenden zugunsten der Chewra Kadifcha in Wie» Seitenstetlengaste 4 für arme kranke Gtanbensgenoffen. Anläßlich des Ablebens der sei. Henriette Bach: Gustav Jaeger Kr. 15.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Josef Wellisch: Kaiserl. Rat Dr. Josef Weiß Kr. 10.—, Familie Wellisch 40.—; zusammen Kr. 50.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Thercsie Fuchs: Mar Fleischner Kr. 10.—. Moriz Fleischner 10.—. Dr. Julius Schon 10.; zusammen Kr. 30.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Markus llnterberg: Familie Major Kr. 5.—, Heinrich Chromek 5.—; zusammen Kr. 10. . Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Albert Ullrich: Fanny und Stanislaus Löwenberg Kr. 20.—, Dr. Georg Weiner 10.—; zusammen Kr. 30. -. Anläßlich des Ablebens des sel. Julius Kopstein: Emil Leopold Kopstein Kr. 20.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Therese Ehrenreich: Karl Oplatka Kr. 5.—. Oesterreichisches Landeskomitee und Hilfslommifsion 1915 für Palästina. Unser Andachtsbiichlein 'TX Trauerandachten- und Friedhofsgebete) ist soeben erschienen. ES wird ans Wunsch von unserer Hilsskommission, Wien, lV., Frankenberggasse 14, kostenfrei zugestellt. Alle jüdnchen Opfer des Krieges aus nnserer Monarchie und den verbündeten Staate», deren Namen uns mitgeteilt werben, lasten wir nnentgeltlich zn dauerndem Andenken in Synagogen des heiligen Landes auf besonderen Ehrentafeln verzeichnen, damit der Ruhm ihres Heldentums auch an de« Statten nachhalle, die durch die Heldentaten unserer Altvordern für «lle Zeiten geweiht sind. An allen Maskirtaqe» (möw'S mm) wird daselbst für sie ein S elengebet verrichtet werden Wir bitten die Familienangehörigen der Ge fallenen, sowie die Herren Feldrabbiner und die löblichen Kultusgemciuden uns von den Verewigten den jüdischen Namen und den des Vaters anzrrgelen Für wertere Gedächtnisfeiern (Kaddeschim, Jahrzelten und Mischnajaus-Lernen an den heiligen Stätten) wird eine Spende zugunsten unserer Aktion eingehoben, über die unser Buch £*§3*7 .TH Auskunft erteilt. '