Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 50 (17.12.1915)
- Date
- 1915-12-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3022142-3022193--24719-3049982- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Homer 1× ep/1025156
OCR text
Seite 924 Dr. Bloch's abgeordneter Dr. Ofner Nachrufe. Die Redner Priesen die seltene Bescheidenheit des Verblichenen, seinen unentwegten Pflichteifer und seine nie wankende Freundestreue. Eine Tr. Gustav Kohn-Brographie. Achill, dem Götterliebling, neidete man vor allem, daß er seinen Sänger in Homer gefunden. Was immer der Held Großes leistet, es stirbt mit ihm, wenn nicht aus gleichgestimmter, hochsinniger Seele ihm der Nachruf ersteht, der den der Zeitlichkeit Entrückten zur E w i g k e i t auferweckt. Das Spectrum des nachschaffenden Genius zerlegt die Erscheinung seines Helden in alle die bunten, mannigfaltigen Ausstrahlungen seiner Persönlichkeit, scheidet im Filter seiner Betrachtung snb spede aeterni alles Zufällige. Schlackenartige, aller: Niederschlag des Alltäglichen aus und läßt so alle seine Vorzüge und leuchtenden Eharakterzüge voll austönend zur Geltung kommen und die gebührende Würdigung finden. Die Kunst und Konzeptionskraft des' Biographen bildet aber zugleich auch den Brennspiegel, der das Bild des Gefeierten mit aller Intensität und Eindrucksfähigkeit konzentriert, in unauslöschlicher FlaMmenschrist deu Herzen der Mit- und Nachwelt ein prägt. „Die Gerechten leben erst nächstem Tode," so sagten unsere Alten. Vom Wesen und der Wirksamkeit eines Ewigkeitswert bergenden Menschendaseins enrpfangen wir nur zersplitterte und verwirrende Sinneseindrücke, solange es sich vor unseren Augen abspinnt, das Unwandelbare, Unvergängliche an ihm «verhüllt sich in den Staubwirbeln der Monrentenfolge. des raschen Flusses und Wechsels der Lebenserscheinungen. Kraftvoll wirksam, eine edle Idee verkörpernd, Herzen erwärmend und begeisternd und zur Nachfolge aneifernd, so leben — und nur dies heißt wahrhaft leben —, das kann der Held so recht erst, wenn über sein Erdendasein der Vorhang gefallen ist. Diesen Gedankengang regte ein Nachruf aus unseren verewigten Doktor Gustav Kohn an, der dieser Tage (26. November) in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" erschienen ist und schon durch die willkommene Beigabe, das lebensvolle Bild Dr. Kohns, die Aufmerksamkeit jedes Wiener Lesers auf sich ziehen muß. Der Verfasser ist unser Kultusvorsteher Dr. Heinrich Schreiber. Es sind nur wenige Spalten, die uns das Lebensbild des Mannes wieder vor die Seele rufen, in dem das jüdische und das berühmte goldene Wiener Herz sich in einer ganz einzigartigen Gipfelung verschmolzen zeigten. Wessen ein ^einzelner gütiger Mensch mit seinem edlen Wollen fähig ist, welche Riesenleistungen ein solches Tagewerk ausweisen kann, welcher Segen von diesem einen Krastzentrum ausströmt, das ausführlich darzustellen, lohnte sich in mehr als einem Belang. Im wohlverstandenen Interesse unserer Juaend sollte aus Akten und Herzensärchiven eine kleine Biographie zusammengestellt werden, anschaulich darstellend, was in unserem Dr. Gustav Kohn an Idealem, an Ewigkeitswert, an Zündstoff zur Begeisterung — vielleicht ihM selbst unbewußt — lagerte. Unsere Gemeinde würde mit dieser Festgabe an unseren Nachwuchs sich selbst ein Ehrendenkmal setzen. Denn Dr. Kohn war ihr Wahrzeichen und soll es bleiben. Wir wüßten keine Feder, die dieser Aufgabe so gewachsen wäre wie die Dr. Schreibers. Es wäre eine Leistung, die weit Wer das Gebiet eines Einzellebens, ja über den Rahmen einer Einzelgemeinde hinausgreifen würde. „Aus der Werkstatt eines jüdischen Herzens" könnte der Titel lauten, oder etwa „eines Vorstehers. wie er sein soll" oder ähnlich. Jedenfalls ein Werk, des Schweißes der Edlen wert! Wochenschrift Nr. 50 Kaiser Franz Joses-Kinderhort zur Ausspeisung armer isr. Schulkinder des 12—15. Bezirkes. Chanukkaseier und Generalversammlung. Auch der „Ausspeisungsverein", wie unser Verein trotz seines offiziellen Titels immer noch genannt wird, hatte seine Makkabäerfeier, so schön und ergreifend, wie alle die Jahre seines Bestehens. In diesen: Jahre war sie vielleicht etwas imposanter durch die Mitwirkung der Zöglinge der „Heimstätte", der wir gerne einmal den Vortritt ließen. Die turnerischen Exerzizien dursten sich sehen lassen Und die Gesäuge, die religiösen beim' Anzünder: der Chanukkalichter durch Herr:: 1. Kantor Schleifer wie auch die weltlichen Lieder, zeugten von ernstem Streben der Hortleitung, auch hier der militärrischen Vorbildung gerecht zu werden und durch sie der Disziplin nachzuhelsen. Das wurde auch durch den Vorstand des Kuratoriums Herrn Dr. S a m u e l Y voll und ganz anerkannt. Herr Rabbiner Dr. Taglicht sprach zu den Kindern und Erwachsenen in der ihm eigenen Art und Weise über die religiöse und politische Bedeutung des Chanukkafestes, indem er die Makkabäerkämpfe mit den: jetzigen Völkerringen verglich. Und dann gab's die obligate Chanukkajause mit „Packerle", allerlei nützliche Sachen enthaltend. Auch für die Vorstandsmitglieder des Ausspeisungsvereines war eine Jause gerichtet, und sie hatten sie redlich verdient, denn das ganze Arrangement der Feier lag ja in den bewährten Händen jener Damen, die — man kennt sie ja — jahraus, jahrein sich, um den Verein bemühen. Es kann nicht oft genug gesagt werden: unsere Schöpfung ist vorbildlich geworden. Wir treten jetzt in das 14. Vereinsjahr, und was wir alle die Jahre leisteten, dürfen wir mit Stolz verzeichnen. An: 18. d. M. findet nun die diesjährige Generalversammlung statt. Der Rechenschaftsbericht befindet sich in den Händen unserer Mitglieder und auch unsere Freunde und Gönner möchten wir zu einem Studium desselben einladen. Es dürste kaum einen Verein geben, der feine Einnahmen aus einer so aroßen Anzahl von Barbeträgen erhält, die gespendeten Viktualien nicht inbeariffen. Kr. 24.000.— wurden eingenommen, Kronen 28.000.— ausgegeben, d. h. wir haben aus unserem vorjährigen Barvorrat Kr. 4000.— geopfert. Wenn nun in Betracht gezogen werden Muß. daß wir von jeglicher Veranstaltung 'absahen, so dürfen wir mit voller Befriedigung auf das abgelaufene Jahr zurück-, mit aller- Hoffnung der Zukunft entgegenblicken. Das walte Gott! Hermann Berliner. gg ma Aus einem Briese des Feldrabbiners Dr. Tauber. (Vom südwestlichen Kriegsschauplatz.) ...... Vielen Dank für die Zeitschristen, für die ich ebenso wie für die sonstigen Liebesgaben viel Verwendung habe. Ich bin setzt sehr in Anspruch genommen, da ich die indische Seelsorge bei 'zwei Korps übernommlen habe. Ich bin fast täglich unterwegs, uM die Trupven- und die Spitäler 'zu besuchen. Auch eine russische Gefanaenenabteitung besuche ich öfters. Im' Monate November habe ich 13 Feldgottesdienste. alle mit einer Ansprache verbunden, ab gehalten. Wir hatten auch eine schöne Kaiserfeier ans 2. Dezember und konnten wir bei dieser Gelegenheit unsere Erfolge an der italienischen Front feiern. Auch gelang es mir, einen Chanukkaabend zu veranstalten. Leider sind die Chanukkaliebesgaben nicht rechtzeitig eingetrosfen. Ich habe in einer unserer vorgeschobensten Sanitätsan^atten eine Labestatton eingerichtet .und muß jede dritte Nacht dortselbst verbringen. Unser /Landsmann Assistenzarzt Dr. Cz. versieht seinen Dienst . in meiner Nähe und sendet Ihnen beste Grüße, denen ich ^mich anschließe. Dr. M. Taub er, Feldpost 6." X'f