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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-12-03 · 48 (3.12.1915) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
48 (3.12.1915)
Date
1915-12-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 890 Dr. Bloch's Wochenschrift »ir. 48 Chanukka-Feier im Joseftne Mendl-Wohlfahrtshrms (Toynbcehalle, Kinderhorte) 20. Bez., Denisgasse Nr. 33. Sonntag, den 5. Dezember 1915, Mittwoch, beu 8. Dezember 1915, an beiden Tagen präzise 3 Uhr nachmittags, findet diese Feier für mehr als 700 zum Teil Flüchtlingskindern, zum Teil armer Kinder der Brigittenau statt. Wien. Das Leichenbegängnis der in so jungen Jahren verstorbenen Frau Hedwig Kohn fand am 24. November unter imposanter Beteiligung vom' Hause aus, 8. Bez., Wickenburggasse, statt. Am Döblinger Friedhof, wo die Leiche beigesetzt wurde, haben sich außer dem tiefgebeugten Gatten Herrn Oberleutnant Felir Kohn, dem Schwiegervater Bethausoorsteher Herrn Theodor Kohn, viele Trauergästc aus den vornehmsten Wiener jüdischen Kreisen eingefunden. In der Leichenhalle sang Herr Kantor Josef Grob voni Josefstädter Tempel stimmungsvoll das Hazur tomim, worauf Herr Rabbiner Dr. Bach eine tiefergreisende Trauerrede hielt. Austritte aus dem Judentum vom 21. bis 27. November’1915. Bosebas Heinrich Leopold, B. v-, Privat, geb. 28. August 1881 in Wien, III., Jacquingasse 11. Fritz Theodor, Offizier, geb. 7. September 1889 in Wien, VI., 'Kasernengasse 21. Hamburger Pani, Einjährig-Freiwilliger, geb. 18. August 1898 in Proßnitz, I., Renngasse 15. Herschmann Grethe, Private, geb. 14. April 1895 in Brünn, IX., Mariannengasse 2. Horowitz Antonia, geb. 12. Oktober 1901 in Wien, derzeit Traudorf 28. Klein Rudolf. Staatsbahnbeamter, geb. 26. Mai 1879 in Wien, IV., Favoritenstraße 41. Kramer Alfred Hau, Dr., geb 19. September 1872 in Prag, I, Stubenbastei 10. Steinberg Marion, geb. 14. April 1889 in Birmingham, England, IV., Hauptstraße 53. Mayer Elisabeth; geb. Deutsch, Private, geb. 14. März 1882 in Wien, II., Valeriestraße 12. Rosenberg Wilhelm, Dr., Hofu. Gerichlsadvokat, geb. 1893, I., Am Hof 11. Seligmann Albert, Dr., Hofu. Gerichtsadvokat, geb. 14. März 1859 in Wien, I., Riemergasse 1. Theumann Friedrich Karl, k. u. k. Oberleutnant außer Dienst, geb. 2. Juni 1873 in Wien, I., Neuer Markt 2. Zangen Rechume vel. Adelioe, geb. Chodrower, Staatsbahnratsgattin, geb. 28. September 1875 zu Czernowitz, VIII., Josefstädterstraße 14. Baden. Das seltene Doppelfest einer Bar-mizwah von Zwillingen, welches am Samstag, den 27. November, die Söhne unseres ehrwürdigen Herrn Oberrabbiners W. Reich — Ernst und Sigmund — gefeiert haben, hat sich ,infolge der besondern Verehrung, der sich der Herr Oberrabbiner nn seiner Gemeinde wie auch in weiten Kreisen außerhalb derselben erfreut, zu einem solennen Feste der ganzen Gemeinde entwickelt. Die Konfirmanden trugen selbst den Thoraabschnitt vor und hielten vor der Thora eine Ansprache an die Versammlung, die sim ganzen bis auf das letzte Plätzchen gefüllten Tempel Bewunderung erregte. Hieraus betrat der ehrwürdige Vater den Almemor, um - seinen Kindern mjt einer zu Herzen gehenden Ansprache den Segen zu erteilen. Dann fand im Hause die iFestlichkeit statt, bei der die Konfirmanden einen Charifus--Vortrag hielten. Gratulationen und kostbare Geschenke kamen in außerordentlicher Zahl; von Frau Baronin Königswarler, Baronin Mathilde von Gutmann, von Herrn Baron Mayer-Ketschendorf, Marimilian Paul-Schiff, Oberrabbiner Dr. Güdemann, dem Präsidenten Dr. Stern, Rektor Dr. Schwarz, Dr. I. S. Bloch, kais. Rat Dr. Lieben, von Rabbinern vieler Gemeinden wie auch von verschiedenen Vereinen. Hervorragend unter den Geschenken waren die des Herrn Präsidenten, Direktor M. Leitner für den Kultusvorstand, wie der beiden Gevatter, des Beirates Herrn Anton Schneider und des Vizepräsidenten Herrn Sigm. R a u s n i tz. Wiener-Neustadt. Der Protektor-Stellvertreter der Oesterr. Gesellschaft vom Roten Kreuz, Herr Erzherzog Franz Salvator, hat dem hiesigen Arzte Dr. Ch. Oskar Wilder für vorzügliche Dienstleistung aus dem Gebiete der militärischen Sanitätspflege das Ehrenzeichen zweiter Klasse vom Roten Kreuze mit' der Kriegsdekoration verliehen. Dasselbe wurde Herrn Dr. Wilder am Sonntag, den 26. November, in der Festversammlung des Roten Kreuzes feierlich überreicht. Dr. Wild e r, der seit Beginn des! Krieges sowohl hier als auch im Rekonvaleszenteuheim der Redemptoristen in Katzelsdorf tätig ist, ist der Schwiegersohn des Herrn Reli»- gionslehrers M. A. Landau. Krakau. Vor einigen Tagen wurde am hiesigen jüdischen Friedhofe die Mutter des Kommei^ienrates und bulgarischen Konsuls in Berlin, Jakob Mandelbaum, zur ewigen Ruhe gebettet. Aus diesem Anlasse spendete letzterer, der als gebürtiger Krakauer schon oft der hiesigen Gemeinde gedacht hat, für die jüdischen Armen 3000 Kronen, für verschiedene Vereine 1000 Kronen. Eine Abordnung des Kultusvorstandes unter Führung des Vizepräsidenten Dr. Rafael Landau hat Herrn Mandelbaum das Beileid ausgesprochen. Feuilleton. Was ist Chanukka? Bon M e n d e l e M o che r S e f o r i m (S. I. A b r a m o w i t s d)\ aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt von Dr. Julius Augapfel, Wien. „Ein großes Wunder geschah mir an Chanukka." „Dir allein?" „Gewiß, mir und nicht dir, lieber Freunds" „Es ist immer eure Art, ihr Juden alten Schlages, euch über uns durch euer Judentum erhaben zu fühlen, als ob das Judentum euer alleiniges Monopol wäre." „Wir wollen jetzt nicht streiten, Ignatz, da du als Gast zu meinem Chanukkafest gekommen bist.. Ich will dir aber, da du einmal begonnen hast, und die anderen Gäste, die ich erwarte, noch nichjt da sind, die Antwort nicht schuldig bleiben. Du hast wohl recht: Wir alle sind Juden, ob orthodox, oh aufgeklärt, modern oderkonservativ. Ich z. B., der ich von meiner frühesten Jugend an in den verschiedensten jüdischen Lehrhäusern ausgewachsen, — bin ein Jude wie auch du, der du fremde Schulen besucht hast. Aber Zwischen mir und dir besteht ein gewaltiger Unterschied. Ich und meinesgleichen, denen unsere Thora und unser Judentum ins Fleisch und Blut übergegangen, wir empfinden in den jüdischen Dingen und Gebräuchen ganz unbewußt etwas Besonderes, selbst wenn wir später —; was Gott behüten möge — Atheisten werden. Diese Empfindungen kannst du und deinesgleichen nie haben." „Samuel, du sprichst wie ein wahrer Batlan, der Zeit seines Lebens im Beth-Hamidrasch hockt, lauter halü lose Dinge, für die dir die Beweise fehlen." , „Beweise willst du? Ich habe Beweise in Menge." „Guten Abend! Guten Abend!" rufen die inzwischen eingetretenen Gäste. „Was habt ihr, Freunde, daß ihr euch so aufgeregt unterhaltet, daß ihr nicht einmal unfern Gruß erwidert?" „Ah, ah! Willkommen, Freunde! Willkommen, Herr Todroß, Herr Serach, Herr Herr. . . ." „Am Chanukka sagt man nicht „Herr", sondern Rabbi, wie man an Sabbat und Feiertagen nicht „Magdil", sondern .Migdol" sagt. . . . Haben wir etwa gestört?" „Ich habe keine Geheimnisse; wenn ihr wollt, könnt ihr zuhören. Ich habe gerade meinem Freunde von dem großen Wunder zu erzählen begonnen, das mir an Chanukka geschah." „Laß uns hören, aber fasse dich kurz, denn die heutige Nacht ist nur dem) Spiele und der Unterhaltung gewidmet." „Meine Geschichte ist ganz kurz und hat für mich wegen ihrer Folgen große Bedeutung und deshalb rufe ich sie mir immer in dieser Nacht ins Gedächtnis'. —

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