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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-12-03 · 48 (3.12.1915) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
48 (3.12.1915)
Date
1915-12-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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:/lr. 48 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 679 sind als solche materieller Natur. Es liegen dazwischen Berge jahrelang angehäufter Vorurteile, Borei-ngenommenheiten und "Wertunterschätzungen, ganze Haufen eingebildeter Schwächen, Fehler und Untugenden des anderen Lagers. Nicht zuletzt spielt auch die Ambition eine Rolle: nicht so sehr die persönliche, als vielmehr die Ambition einer Partei, eines Standes, eines bestimmten Kreises. Man hat vielleicht gegeneinander ein gewisses Mißtrauen und empfindet eür gewisses Unbehagen, zusammen zu arbeiten. Es find dies, oftmals unter der Schwelle des Bewußtseins liegende Schwierigkeiten, deren Ucberwindung manches Opfer erheischt, wozu eine gewisse Stärke des Geistes gehört. Lasset uns, liebe Brüder, stark sein für unser gedrücktes, leidendes Volk. ">>'2 rrptnrül 1pT-i Lasset uns jede Kluft zwischen uns überbrücken, jede Scheidewand durchstoßen, alle gegenseitigen Spitzen aöbrechen, alle Unebenheiten glätten. Es soll alles in den Hintergrund treten und ruhen, das uns von einander trennt, und tzur Geltung kommen, was uns verbindet: die Liebe!zum jüdischen Volke, die doch entschieden unser aller gemeinsames, teuerstes Kleinod ist. Es muß niemand auf seinen Standpunkt verzichten; aber auch für uns soll es einen Burgfrieden geben, bei welchem alles Scheidende zurückzustellen ist. Reichen wir uns brüder-, lich die Hände zur gemeinsamen Arbeit. Wir werden uns finden. Sie wird uns auch lehren, einander zu begreifen, zu verstehen. Wir werden zu einander Vertrauen gewinnen, wir werden einsehen, daß wir doch nicht so schlecht sind, wie wir uns eingebildet haben, wir werden einander schließlich auch achten und lieben trotz so mancher Vielartigkeit und Verschiedenheit, ohne welche übrigens ein gesundes, lebenskräftiges Volk nicht existiert. Das hier vor Augen geführte vorläufige Ziel — die kollegiale Vereinigung aller für das Wohl der östlichen Judenheit tätigen Gruppen zu gemeinsamer Arbeit — als Standpunkt für das weitere Ziel — die erfolgreiche Linderung der ostjüdischen Not — ist deutlich genug gezeichnet. Es ist nach Meiner Auffassung bei weitem noch nicht erreicht, jedenfalls wünschenswert und durchaus erreichbar. Da ich bis nun einen anderen Weg zur Verwirklichung meines Gedankens — wie ich glaube, durchaus keine Don Quichotterie — leider nicht gefunden habe, sehe ich mich gezwungen — durch einen kategorischen Imperativ getrieben —, mich wieder öffentlich an die Herren, die in den verschiedenen Gruppen sitzen und dort Einfluß und Ansehen haben, mit der flehentlichen Bitte zu wenden: sie mögen nach Kräften innerhalb ihres Kreises und ihrer Gruppe für die Erreichung dieses vorläufigen Zieles tätig sein, das wie gesagt, bloß eine Vorstufe ist für die Erreichung des uns allen teueren, weiteren Zieles. Meine schwacher: Kräfte, soweit sie nützlich sein können und erwünscht sind, stelle ich gerne in den Dienst der guten Sache. Bei ernstem; Willen — an diesem soll ja nirgends gezweifelt werden — wird mit Gottes Hilfe alle§ gelingen. Ihnen, geehrter Herr Redakteur, für die Veröffentlichung auch dieser Zeilen bestens dankend, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung Rabbiner Gedalje Schmelkes aus Przemhsl, z. Zt. Wien, II., Vorgartenstr. 186/18. Wien, 14. Kislew 5676 (21. November 1915). Dr. Fra«; D6ri, Nizrbürgrrmeistrr von Kndapkst. Aus Budapest wird uns berichtet: Bei den letzten städtischen Neuwahlen wurde an Stelle des in den Ruhe stand getretenen Vizebürgermeisters Julius Rozsa v ö l y i der Magistratsrat Tr. Franz T ö r i zun: Vizebürgermeister gewählt. Vizebürgermeister Döri pehc feit zwanzig Jahren in den Diensten der ungarischen Hauptstadt. ' Er hatte vorher das Diplom ^als Mitreffchulprofeffor erlangt und außerdem Jus absolviert und das Doktorat der Rechte er worben. Bei der Verwaltung der Hauptstadt begann er seine Laufbahn als Diurltist im Unterrichtsdepartement, lvv seine Fähigkeiten, sein unermüdlicher Fleiß und sein tiefes Wissen bald auffielen mld ihm rasch einer: großer: Wirkungskreis sicherte::. Nach zehnjähriger Tätigkeit im Unterrichtsdeparternent, wo er inzwischen das Referat irr der Unterrichtskommiffion zugewiesen erhielt, kam er in das Rechtsdepartement, wo ihn: die Ausarbeitung des neuen Mietzinsregulativs übertragen wurde, eine 'Arbeit, die ihm allgerneine Anerkennung eintrug. Seine Hauptarbeit in diesem Departement war eine Studie zur neuen Gewerber:ovelle, welche sowohl in Juristen wie auch in Kreisen des Gewerbes und der Industrie 'Aussehen erregte. Für diese 'Arbeit rvurde ihm die besondere Anerkennung des Bürgermeisters und der Regierung zuteil. Im Jahre 1910 wurde Dr. Döri zum Ma giftratsrat gewählt; er war der erste Jude, der dieses Amt bekleidete. Als Magistratsrat bekarn er zunächst die Leitung des Rechtsdepartements. Als solcher waren ihm auch die kirchlichen Patro::ntsangelegenhleiten zugewiesen. Dr. Sigmund Bodor erinnert nur: im „Egyenlöseg". daß der Bürgermeister damals mit Rücksicht auf die konfessionelle Empfindsamkeit einzelner Mitglieder die Absicht haltg, diese Agenden aus dem Wirkungskreise des jüdischen Magistratsrates auszuschei den. Als dies bekannt wurde, sprach beim Bürgermeister eine Abordnung der katholischen Pfarrer, derer: Redner, Pfarrer Johann H o ck, ihn bat, hiervor: abzusehen, da sie angesichts der Objektivität und der Gerechtigkeitsliebe Dr. Doris die Patronatsangelegenheiten sich in keinen besseren Händen als in den seinigen denken könnten. Später kam Dort an die Spitze des hauptstädtischen Unterrichtswesens und es bleibt sein unvergängliches Verdienst, dasselbe auf das heutige hohe Niveau gebracht zu haben. Vizebürgermeister D e r i ist ein überzeugter Jude und hat daraus niemals ein Hehl gemacht. Vor neun Jahren wurde Tori ml hon^res als Mitglied in die Budapester Chewra-Kadischa ausgenommen. Ir: seiner Erwiderung auf die Begrüßungsrede erklärte er, sich stolz als Jude zu bekennen und niemals seinem Volke untreu zu rverden, welches seit uralten Zeiten mit seinem Blute, seinem Wissen und seinem Können auf dem Altäre der Kultur der Menschheit Opfer gebracht hat. Welch' großer Anerkenr:ur:g und Beliebtheit sich Dr. D ö r i erfreut, geht daraus hervor, daß seine Wahl zum Bürgermeister von allen mit ungeteilter Befriedigung ausgenommen wurde. Friedrich Ua«ma«» «der da« G«de de« Antisemitismus in Deutschland. Das Werk des deutschen Reichstagsmitgliedes Friedrich Naumann: „Mitteleuropa" (Verlag von Georg Reimer, Berlin) hat in Deutschland sowohl als auch in Oesterreich wegen seiner grundlegenden Gedanken zur Aufrichtung und Herstellung eines geeinten, unterem,- ander verbundenen Mitteleuropa berechtigtes Aufsehen erregt. In diesem Werke spricht er auch von der: Juden und von den antisemitischen Bestrebungen, und was er nach

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