Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 48 (3.12.1915)
- Date
- 1915-12-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Yr. 48 Dr. Bloch’s Jahrgang XXX11 Zentraloroan für die gesamten Unteressen des Zudentums. Wien, 3. Dezember 1915 Lrscbelnt Zeven FreLtsg. Brief-Adresse: Wien, H/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. OG O . ... -OO Vr;ugsprris für Vefterrrirh: C* Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Äür Las Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Dis 2mal gespaltene Petitzeile 48 Heller. ÖO—.- . Q O K. k. Postsxarkrassenamt Slearing-Verkebr Nr. S10.97S. Redaktion und Administration: wir» o II/i, Praterstraße 9. Telephon 45.859. Inhalt: Leitartikel: Burgfrieden in Israel. — Dr. Franz T:ri, Bizebnrgerineister von Bndapeft. — Friedrich Nanmaiin über das Ende des Antisemitismus in Deutschland. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Ein tapferer Fähnrich. — Oberst Julius Bauer. — Oberleutnant Ferdinand Schön. — Oberstabsarzt Feder. — Weitere Auszeichnungen. — Und dennoch . — Indische Familien im Felde. — Der Heldentod des Handelsschülers Jakob Mitternacht. — Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Ecsernen Kreuze. — Beförderungen. — Sonstige Auszeichnungen. — Er hart' einen Kameraden ... — Korrespondenzen: Aktion zur Befreiung der als Geisel nach Rußland verschleppten Rabbiner. — Vorsorge für Mazzoth. — Generalversammlung der Chewra-Kadischa Innsbruck. — Die Juden im italienischen Senat. — Professor Moise Cohen, Konslantinopel. — Vermischtes. — Feuilleton: Was ist Chanukka'? — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Burgfrieden in Israel. Bon Rabbiner Gedalje Schmelkes aus Przemysl. Sehr geehrter Herr Redakteur! Für die Veröffentlichung meines Artikels: „Tie Notlage der Juden im Osten unserer Monarchie" in Ihrem geschätzten Blatte, Nr. 43 vom> 29. Oktober l. I., Ihnen verbindlichst dankend, bitte ich Sie, folgenden Zeilen Raum zu geben, die als Ergänzung desselben und Präzisierung meiner vielleicht zu allgemein gehaltenen Ausführungen dienen, doch auch bei denjenigen Interesse finden mögen, welche jenen nicht gelesen haben. Es sei vor allem freudig konstatiert, daß in der Zwischenzeit, möglich oder vielleicht wahrscheinlich, unabhängig von meinen Anregungen, gar manche bedeutenden Fortschritte nach der von mir angegebenen Richtung gemacht wurden. Bedauerlich für mich ist jedoch die Wahrnehmung, daß wir noch immer ein weites Stück vom Wege entfernt sind, der zum Ziele führt, und doch sind es bei einiger Kraftanwendung und Selbstüberwindung nur einige beherzte Schritte, die noch zu machen sind. Ich resümiere und präzisiere. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die jüdische Bevölkerung im Osten bedeutend mehr als alle anderen durch die Kriegsereignisse gelitten hat, daß Privathilfe, möge sie auch aus den reichsten Quellen fließen, bei weitem flicht ausreicht, um die geschaffene Notlage auch nur zum Teile zu lindern; daß einzig und allein der ^-taat zu einer großen Hilfsaktion berufen und vermögend ist; daß die hohe k. k. Regierung Sr. Majestät, dieses Prinzip anerkennend, eine solche Aktion eingeleitet hat; daß wir Juden das Recht haben, des Segens dieser Hilfe nicht minder als die anderen teilhaftig zu werden: daß aber die Befürchtung nicht unbegründet ist, daß — beim besten Willen der hohen k. k. Zentralregierung und der anerkannten Objektivität Sr. Exzellenz des Herrn Statthalters Seiner? Majestät — von der zur Wiederaufrichtung des unglücklichen Landes huldvoll gestreuten Aussaat für uns kaum wenige und winzige Körnchen bleiben loerden. Und dies ans dem Grunde, weil uns der richtige Mund fehlt, für unser Recht und unsere Interessen vorzusprechen, heute, wo sehr viel vom Fordern abhängt. Woran wir eigentlich leiden, möge mit dem kurzen Satze bezeichnet werden: 28 ft-ri ITT! E'EUT Wir sind Waisen ohne Vater. Tiefe Bemerkung, von mir in einer sehr achtbaren Gesellschaft gemacht, hat, mißdeutet, manchen Unwillen erregt. Aber ich bleibe dabei, ohne nach irgendwelcher Seite hin irgendeinen Anstoß erregen zu wollen. Es sei mir geftatter, das Bild dieses Gleichnisses aus einen Moment sestzuhalten. Ein leiblicher und legitimer Vater wird, das Wohl seines Kindes mir Leib und Seele wahrnehmend, sein ganzes Fühlen, Denken und Wollen diesem seinem Kinde widmen. Er wird nicht nur sein Augenmerk auf die Pflege und Erziehung seines Kindes im Hause lenken, er wird es auch nach außen beschützen und, wenn es nottut, sich für es einsetzen mit ganzer Kraft und ganzem Vermögen. Er wird auch nicht warten, bis es ihm sein Leid klagt, er wird dies vielmehr vom Gesichte seines geliebten Kindes herablesen und in es sogar dringen, daß es freimütig und offenherzig mitteile, was ihm nottut. Das Kind soll wissen, daß es zu jeder Zeit und zu jeder Gelegenheit ohne Zagen und ohne Zögern sich bei zugesügtem Unrecht an seinen Vater wenden kann. Aber auch die Außenwelt soll wissen, daß es in ihm gegen jede Unbill einen Beschützer hat. Es genügt eben nicht, bereits erlittenes Unrecht gutzumachen; viel wichtiger ist's, es zu verhüten. Der Vater wird dabei auch nicht viel spekulieren und studieren, wird auch nicht untersuchen, ob er seinem Kinde damit nützt oder vielleicht gar schadet — keinesfalls wird er das Licht unter den Scheffel stellen. Er wird ohne Scheu und ohne Furcht für sich und sein Kind, sich und der Welt offen und frei sagen: ich bin sein Vater: ich muß es in Schutz nehmen.. Hat die jüdische Gemeinschaft in Oesterreich — man nenne sie eine nationale, eine konfessionelle, oder gebe ihr welchen Namen immer einen solchen nota bene menschlichen — fürsorglichen und umsichtigen Vater? Fleisch von ihrem Fleische und Blut von ihrem Blute? Wenn wir ehrlich und aufrichtig sein wollen, müssen