Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 47 (26.11.1915)
- Date
- 1915-11-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette^Ü75 gäbe mit der Widmung des Ortsschulrates. Pfarrer G ö l l e s aus Gloggnitz feierte in anerkennenden Wor en das segensvo.l.' Wirren des scheidenden Lehrers. Zwei Schüler trugen den Tank der Schulkinder in Form von Festgedichten vor. Nach den Daniesworten des Oberlehrers Zeiner für die durch 38 Jahre zum Nutz und Frommen der Schule geleistete Mithilfe und echte Kollegialität dankte der gefeierte Schulmann in gerührter Weise für die sinnige und herzliche Ehrung und schloß mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser. Zu Beginn und Schluß der Feier sang die Schuljugend einen Festchor mit Harmoniumbegleitung. Eine Festtafel beschloß die schöne Feier, wodurch Herrn Lemberger eine seltene Belehrung gezollt wurde, die aber auch ein echte: Kidusch Haschem war. Vinlovci. Der königl. ung. Honvedminister hat deii Obe.- rabbiner von Binkooci, Tr. Moritz Frankfurter, mittels Dekretes vom 21. Oktober 1913, Nr. 2a 1332/2, zum Landwehr-Feldrabbiner i. d. R., in Evidenz des Osijeker Bezirks-Landwrhr-Ergänzungskommandos, wiederernannt, unv zwar mit dem Range vom 1. Dezember 1909 und der Rangnummer 0.5. Feuilleton. Kaiser Ferdinand II., und die Anden von Triest, Gärz und Gradiska. Die Schlachten am Jfonzo sind die blutigsten dieses Krieges, opferreiche Zeugnisse österreichischen Heidentums. In der Verteidigung von Görz, und Triest wetteifern die Völker Oesterreichs in todesmutiger Hingeoung ,üe Kaiser und Reich. Schulter an Schulter mit den anderen Söhnen des Vaterlandes stehen der jüdische Soldat und der jüdische Reserveoffizier, die alle den Tod nicht scheuen in Erfüllung der Pflichten gegen den geliebten Kaiser.: Börz und Triest sollen Oesterreich erhalten bleiben, nicht eine Beure des Verrates werden. Diese Städte hatten von altersher ansehnliche Judengemeinden, deren Mitglieder bereits im dreißigjährigen Kriege Gut und Blut für Kaiser und Reich Hingaben und für ihr aufopferndes, ja heldenmütiges Verhalten von Kaiser Ferdinand, der von 1619 bis 1637 regierte, mit hervorragenden Privilegien ausgezeichnet wurden. Die Dokumente darüber befinden sich in den Wiener Staatsarchiven, welche der verstorbene Wiener Historiker G. Wolf veröffentlicht hat, u. a. ein Aktenstück vom Jahre 1624, in dem der Kaiser einigen Juden der genannten Städte bezeugt, daß sie ihm „sehr nuze Diei st gelaistet, sonder.ich aber in negstvergangenen Venedischen Krieg erzeigte sonderbare threue, in dem Sie ieib Guett vndßluett wider Vnsein Vheind vngesparten VIeiß dargestrekht vnd sich in allen Fällen guetwillig (haben) brauchen lassen . . u Der Schutzbrief ist von Ferdinand II. ausgestellt für Josel Piinkherle von .Görz, Moises und Jakob Marburger von 'Gradisch und Ventura Pa rente von Triest „für sich selbst und anstatt ihrer Kind vnd Bluetsverwehnten" und räumte ihnen die ausgedehnteste Handelsfreiheit bei sicherem Geleit zu Wasser und zu Lande ein. Ferner sollten sie „jüdische Zeichen (das ist: Tragen des gelben Fleckens) zu fuehren vnd sich an die Zohl (Zoll-) vnd Mauthstetten für Juden anzuzaig (anzuzeigen) nit schuldig sein", sondern „die Zohl und Mauth von Ihren Kaufsmannsguettern allein wie andere Christen reihen". Sie durften auch „sambt ihren Kindern, Vettern und Brodtgesindt ungeachtet der publicierten Generalien in Crain, Grafschaft Görz, Gradisch, Triest und anderen daselbst einraimenden Stätten und Flekhen außer (außerhalb) des Judenzeihen wohnen, handeln vnd wandeln" und wurden nebst ihren Kindern „zu Hoff-Juden vnder Bnsern Schuz und Schirm an vnd ausfgenommen." Ter Schutzbrief schließt mit dein von Strafandrohungen begleiteten Befehl an »alle vnd yeden nachgesetzlen Geistlichen vnd weltlichen Obrigkeiten-, öy nie Juden von Görz, Gradisch vnd Trust, auch Ihre Kind und brodtgesmdi bey solch i'reynaiten vestignch handtzubaben, zu schiuzen vnd zu schumeil .... Mit Vrkhung uiess Briell's besiegelt mit Vnserem kayserlich anbacgciiden Jnsiegel. Geben zu Wien, den 12. lebruur 1624*. Also schon in der Zeit Katstr Zero: nands 11. zeigten sich die Inden aus dem Schlacht feide als würoige Rachkommen der Matradüer. Mir Recht bemerkt der Historiker: „Wir haben nicht nur die Kraft zu dulden und zu leiden, wir haben auch die Kraft und den Mut zu kämpfen, mit Gut und Äinl und Leben für die heiligsten Güter des Menschen einzustehen." Tie Familien Parente, Morpurgo und Pintherie haben noch in späteren Epochen zum Ausuutk’u des Handels tu der Triefter Hafenstadt viel bergetragen. Das erste österreichische Schiff, das Rio de Janeiro amu-'j, gehöree einem Aron Parente in Triest. Ueberhaupt scheinen viele Juden dem Kaiser in den venetianischen Kriegen Dienste geleistet zu haben. iss wird dieses Momentes insbesondere erwähnt in den Freiyeiisbriefen für Emanuel, Sohn des Samson in Bozen, dessen Ahnen ebenfalls dem Kaiser Maximilian in veuetianischen Kriegen Dienste geleistet, Libermann Hebräer, ebenfalls in Bozen rc. lleberaus interessant ist die Tatsache, das; Kaiser Ferdinand II., der Katholische, die Juden auch in Schutz nimmt gegen einen geflissentlich verbreiteten Aberglauben, sie. wären die Schuldtragenden an den langen Kriegswirren. In einem der in den Wiener kaiserl. Archiven ausbewahrten Arten heißt es: „die Eltiften der Hofijudenschstst" zu Wien nahmen sich der unglücklichen Juden zu Hanau an, mit denen sie „blutverwandt" wären und beklagten ,ich beim Kaiser darüber, dag man den Juden dort verbiete, Sonntags auszugehen ec., und zwar wie esin dem Bittgesuche heißt „ausvervrsachen derjenigen Prediger, so daselbst wohnen. So seynt auch diese Prediger in allen ihren öffentlichen Sermonen und Predigen lvider die Juden also ergist, daß sie khein abscheih nehmen zu melden, daß die iezt wehrenden Kriegsleuff (aus göttlicher Straff) sich vmb deswillen erzeugen, weilen die Juden nit allein zu Hanaw, sondern auch andern Orten des h e y l i g e n römischen Reichs gelitten werde n." Kaiser Ferdinand wendet sich hierauf an den Grafen zu Hanau und verlangt, daß die Verfügung getroffen werde, „damit besagte vnrer seinem gepiett wohnhafte Judenschaft wieder Ihre Privilegien nit beschwert und keine occasion zu aufwiglung des gemainen Volkhs bey diesen ohnedies ge (ehrlichen Leuchen gegeben werde." Trotz des damals herrschenden Vorurteils, als würden die Juden den Krieg verschulden, wie man sie für Pest und Seuche verantwortlich machen wollte, nimmt sich der Kaiser der schwer Bedrängten und Bedrohten an. Bedenkt man, daß ein Kaiser, der ein glühender, eifriger Katholik war, in solcher Weise für die Rechte der Juden eintritr und gegen die Prediger, die Judenhetzen organisieren, auftritt, so wird man ihm die gebührende Anerkennung nicht versagen. Näheres darüber findet man bei G. Wolf „Die Juden unter Ferdinand II.". Nach Aktenstücken in den Archiven der k. k. Ministerien des Innern und Aeußern.