Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 46 (19.11.1915)
- Date
- 1915-11-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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kr. 46 Dr. Bloch's Wochenschrift Lerle 855 Hievon beehre ich mich das geehrte Präsidium mit der Versicherung meiner ausgezeichneten Wertschätzung in Kenntnis zu setzen. Bienerth m. p." Miser Franz Josess-Kinderhort. Am 11. Nov. fand in den seit zwanzig Jahren von der Gemeinde Wien dem K a i s e r F r a n z Josefs- Kinderhort (2. Bez., Augartenstraße 38) zur Verfügung gestellten Horträumen in würdig schlichter Weise, dem Ernst der Zeit entsprechend, die 20 jähr. Gedenksitzung des Vereines iin Anwesenheit der Kinder (44 Mädchen, 48 Knaben) statt. Die Kinder, welche der Kinderhort^zum großen Teile in munifizentester Weise verflossenen Sommer der „Weiblichen Fürsorge" in Neulengbach auf vier Wochen in Pension gegeben hatte, sahen sehr guc aus und wurden nach dem Absingen patriotischer Lieder von Frau Hermine K a d i s ch und Herrn Kantor durch eine Jause erfreut. Frau Präsidentin Charlotte Frischauer hielt die Festrede, in der sie der Förderung durch den jeweiligen Bürgermeister der Stadt .Wien, der Verdienste des verstorbenen Frl. Goldhammer und des verstorbenen Regierungsrates Hi'vterwaldner gedachte und Mit dem Ausblick aus eine bessere, friedliche Zukunft schloß. Ob ermagiftratsrat Dont begrüßte den Verein namens des Bürgermeisters, Direktor Ortsschulrat Pichler namens des Orts- und Bezirksschulrates, Inspektor Kanitz namens der Kultusgemeinde, Frau K a d i s ch namens der ^Volksküche und „Weiblichen Fürsorge", Frau Jda Berliner namens des Franz Josefs-Kinderhortes im 45. -Bezirk, Frau Clotilde Benedikt gedachte ihrer unvergeßlichen Frauenhortpräsidentin Rosa Ziffer er, welche den Verein gefördert hat und weibliehe Fürsorge kollegial Zwischen den Vereinen trieb, bevor Name und Begriff in Wien auftauchten. Zum Schlüsse rezitierte noch Frau Rechnungsrat L ö w i t ein selbstverfaßtes launiges Gedicht. Außer den Rednern bemerkten wir unter den Anwesenden die bekannten Philanthropinnen Reichsgräfin von und zu M i r b a ch, Frl. Rosa S ch u r, Antonie Hartmann - Löw Y, Frl. Jenny Löwi, Frau Jda Diamant, Piovatti, Direktor L ö w i t und Oberstabsarzt kais. Rat Krüger im Namen der Zentralstelle für jüdisches ArMenwesen. Der Verein hat seine Notwendigkeit nie mehr erwiesen als jetzt, wo der Vater der Kinder im Kriege steht, die Mutter ins Erwerbsleben getrieben wird und die Kinder unbeaufsichtigt und ungenährt zu Hause lassen mußten, während hier eine der ersten Stätten in Wien war, wo Kinder ohne Unterschied der Konfession ausgezeichneten Unterricht und schmackhafte Nahrung finden. Möge der Verein wachsen und gedeihen und die materielle Unterstützung glücklicher Kriegsfrauen und -Kinder finden, deren Heim durch Abwesenheit des Vaters und Garten wohl verdüstert, aber nicht non materiellen Sorgen getrübt wird. Ain dir jüdischen Frauen und Mädchen. Anitta Müller. Dieser Name, vor Kriegsbeginn gewiß nur leinem kleinen Bekanntenkreise geläufig, bedeutet heute in Wien, ja in ganz Oesterreich ein Programm. Ein Programm werktätiger Nächstenliebe. Aufgerusen durch das Elend und die Leiden, die der gegenwärtige Krieg über Tausende von Familien verhängt hat, und -von dem Wunsche beseelt, das Los dieser Un- , glücklichen nach Kräften zu mildern, hat sich Frau Anitta Müller spontan an die Spitze einer ganzen Reihe von Hilfsaktionen gestellt und Teestuben, eine Wöchnerinnensürsorge, ein Mütterheim, eine Säuglingsfürsorge und endlich auch eine Arbeitsschule für Frauen und Mädchen aus Galizien und der- Bukowina ins Leben gerufen. Zur Erstattung eines Berichtes über die genannten Institutionen, die alle im kräftigsten Betriebe stehen und von außeroroentlichen Erfolgen begleite: sind, zur Besichtigung von Arpeitsproben, die aus oer schon zehn Monade bestehenden und von fast 800 Frauen und Mädchen besuchten "Arbeitsschule hervorgegangen sind, zur Besprechung endlich einer für die Zeit vom 28. Novevlber bis 15. Dezember geplanten Ausstellung der "Arbeitsresultate dieser Schule wurde auch mir die Ehre zuteil, von Frau Anitta Müller für Mittwoch, den 10. November l. I., zu einer Sitzung in den Spiegelsaal des Hotel Continental eingeladen zu werden. Bon dem dort Gesehenen und Gehörten erfüllt mich noch heute eine so hohe Genugtuung, daß ich durch Veröffentlichung meiner Eindrücke gerne neue Anhänger und Anhängerinnen für die Institution der Arbeitsschule Werber: möchte. Die Flüsterwoge, welche durch den Saal des Hotel Continental strömte, verebbte sofort, als Frau Anitta M ü l l e r, von lebhastenr Beifalle begrüßt, erschienen war. In einfacher, sachlicher und kristallklarer Darstellung berichtete die Einberuserin über ihre Tätigkeit auf den oben genannten Gebieten und kam endlich auch aus die Arbeitsschule zu sprechen, der ja die Sitzung vorzugsweise gewidmet war. Sie wies auf die aufliegenden Arbeitsproben hin, aus denen man ersehen könne,, welch' große Resultate auch auf diesem Gebiete erzielt wurden. Sie sprach von der für die Zeit vom 28. November bis Mitte Dezember (im Hause Wien, 1. Bez., Stubenring 6) stattfindenden Ausstellung der in der Arbeitsschule hergestellten Arbeiten und forderte die anwesenden Frauen und Mädchen auf, für diese Ausstellung und für den Ankauf der dort auszulegenden Arbeiten irr allen Kreisen Wiens nach Kräften Propaganda zu machen. In schlichten, aber aus dem Herzen kommenden, innigen Worten dankte eine der Flüchtlingsfrauen der Einberuferin für ihre humane, selbstlose und erfolgreiche Tätigkeit. Sichtlich erfreut dankte Frau Anitta Müller für die ihr ausgesprochene Anerkennung. Sie könne, sagte sie, nur einen Teil des Lobes, das ihr ausgesprochen wurde, für sich in Anspruch nehmen: ein sehr großer Teil dieser Anerkennung gebühre ihren unermüdlichen Mitarbeiterinnen, ohne deren rastlose, menschenfreundliche Mithilfe sie außerstande gewesen wäre, das Vorgesetzte Ziel zu erreichen. Insbesondere verdiene die unausgesetzte, stets freundliche und von Erfolg begleitete Mitwirkung des Fräuleins Emmy K o h n, Tochter des irr weiten Kreisen ob seines Wohltätigkeitssinnes hochgeschätzten und verehrten Herrn Rudolf K o h n, eine besonders auszeichnende Erwähnung. Wenn man bedenkt, daß es der Frau Anitta Müller durch Gründrmg dieser Arbeitsschule gelungen ist, einige hundert Frauen und Mädchen aus den Flüchtlingskreisen einem ungewollten Müßiggänge, der an sich eine große Gefahr bedeutet, zu entziehen; wenn man bedenkt, daß. diesen Frauen und Mädchen mit der Ausbildung in der Arbeitsschule eine neue Erwerbsmöglichkeit und damit auch eine neue Waffe für den Lebenskampf gelben wurde, mit der sie zukünftig in ihrer Heimat sich den Lebensunterhalt werden beschaffen können; wenn man schließlich auch noch bedenkt, daß die Absolventinnen dieser Schule als Sendboten bürgerlicher Frauentätigkeit die hier empfangene Lehre in ihrer Heimat wieder weiterverbreiten werden, dann ergibt sich ein froher Ausblick in die Zukunft, und die Tätigkeit der Frau Anitta Müller erscheint dann von so hohem sozialem Werte, daß aller Dank zu gering und die wohlverdiente öffentliche Anerkennung ehrlich erworben erscheint. Diese energievolle, tatkräftige Frau hat den Mädchen und Frauen aus Gallien und der Bukowina, welche