Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-11-19 · 46 (19.11.1915) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
46 (19.11.1915)
Date
1915-11-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022189--24636-3049895
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

oG Nr. 46 Jahrgang XXXJ1 Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. ü- ■ ———D o A. kr. Postsparkr-rsserr-rnit Q ClearingsslDerftebr 1Wr. S10.976. Redaktion und Administration: Wien ® II/i, Praterstraße 9. Telephon 45.359. £ Q 0 _ -0 o --ooc- Wie». 19. November 1915 Brscöeint jeden Freitag, i Brief-Adresse: Wien, H/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Oo -- -■ - =DO F De;ugsprris für Oesterreich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gefpaltene Petitzeile 48 Heller. £ Q O—~ - —Oo Inhalt: Leitartikel: Die Not der Juden in Galizien. — Der Nobel-Preis der Chemie 1915 für Willstätter. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Generalmajor Austerlitz. — November-Avancement. — Generalstabsarzt Weil. — Weitere Auszeichnungen. — Artilleriebeobachter. — Haupt manu Alfred Löweustein, Ritter des Eisernen Krouenordeus 3. Klasse mit der Kriegsdekoration. — Der ausgezeichnete Patrouillenführer. — Silberne Tapferkeitsmedaille erster Klasse. ■— Die Bitte des Salamon Federbusch. — Aus dem Tagebuche des Feldrabbiners Freudiger de Ovuda. — Die jüdische akademische Verbindung „Anitas" im Felde. — Ein jüdischer Artillerist. — Kadett Simon. — Jüdische Familien im Felde. — Leutnant Mayer. — Dr. Fritz Hochwald. — Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Eisernes Kreuz für einen österreichischen Krieger. — Beförderungen. — Sonstige Auszeichnungen. — Der bayerische Kriegsminister über die Juden im Heeresdienst. -- Der heilige Synvd gegen die Zulassung der Juden zum Offizierskorps. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes voni 14. November 1915 unter dem Vorsitze des Präsidenten Tr. Alfred Stern. Beginn Voll Uhr vormittags. -- Wien. — Kaiser Franz Josefs-Kinderhort. — An die jüdischen Frauen und Mädchen. — Eine Rednerin aus Lemberg am Vortragstische. — Vermischtes. — Feuilleton: Das Niederländische Tankgebet und sein Verfasser. — Literatur. — Briefkasten. — Noti z. — Inserat. Die Uot brr Jude« in Galizien. Dieser Tage fand im Saale der Handelskammer eine Versammlung statt, die sich durch ihren Verlauf außerordentlich eindrucksvoll gestaltete. Eine Dame auS Lemberg, Frau Marie Goldfarb, erschien am Vortragstisch, um vor einem eleganten und distinguierten Publikum von ihren Erlebnissen während der rilssischeu Invasion in Lemberg Zu erzählen. Die Dame erzählte von dem namenlosen Märtyrin ui der Juden während der galizischen Russenherrschast, von deri Leiden der unglücklichen Internierten und endlich auch von der Tätigkeit jüdischer Rettnngskomitees. Sie fügte aber Zuln Schluffe hinzu: Es kam aber doch der 22. Juni. Ich wagte mich in die Studt hinaus. Da begegnete ich dem Automobil, welches den letzten Gouverneur Grafen Szeremetiew entführte. Eine Stunde später war ganz Lemberg dekoriert; aus allen Fenstern, von allen Balkonen wehten österreichische, ungarische, polnische und deutsche Fahnen, Kaiserbildei prangten in jedem Fenster. Fässer mit erfrischenden Getränken standen in den Straffen, Süffigkeilen in groffen Körben, Blumen ohne Zahl. Endlich erblickten wir die ersten österreichischen Vorposten; ein Jubelrausch ergriff die Menge; ein Blumenregen bedeckte die Soldaten; man überschüttete sie mit Geld, Gold und Juwelen; man kützte ihre Hände, ihre Füße, ihre Pferde. Mit dem siegreichen Einzug unserer Armee nach dem Jubelrausche der glücklichen Befreiung versiegten aber die Quellen zur Erhaltung unserer Anstalten; wir stehen vor der niederdrückenden Gefahr, sie schlietzen zu müssen, wenn wir nicht andere Hilfsquellen ausfindig machen sollten. Schon, erhielt ich in den letzten Tagen die traurige Botschaft, daff einer der Kinderhorte geschlossen werden muhte. Hunderte von verlassenen Kindern lungern schütz- und brotlos in den Straffen. Lembergs. Die Mütter tot, die Väter verschleppt oder im Felde; die Kinder in der Fremde, sich selbst überlassen! . . Meine Damen und Herren! Gibt es ein beschämenderes Bild für die Menschheit als dieses, das hohnlachend der Kultur entgegengrinst? And so stehen wir vor einer der schwersten Aufgaben! Was hier von Lemberg erzählt wird, das gilt von zahlreichen Gemeinden Galiziens; da sind Tausende der bittersten Not ausgesetzt, dem Hunger in seiner primitivsten grausigsten Form. Ein hoher christlicher Offizier von humaner Gesinnung wendet sich an den Samborer Rabbiner mit der Anregung, daß von Wien aus Hilfe geschaffen werden soll. Der Notruf lautet: Hochwohlgeboren kais. Rat Oberrabbiner L e w i n Sambor (Galizien). Euer Hochwohlgeboren! In aller Eile, daher diese Form! Hier sehr viele Israeliten, dem Verhungern nahe. Selbe wurden früher durch russische Regierung unterstützt. Könnte nicht für diese Armen etwas durch das Komitee, welches die Sammlungen einleitet, gemacht werden? In Wien laufen auch viele Beiträge ein. Der hiesige Bürgermeister (in Radzillow'> ist sehr vertrauenswürdig. (Adresse: Gemeindeamt Radzillow, oder noch besser: An Etappenbezirkskommando, Feldpost 158.; Wollen Sie entschuldigen, daß ich schreibe. Die Not ist aber groß. Sonst momentan keine Hilfe. Mit besten Grüßen hochachtungsvoll Oberst S ch ö b i n g e r, Etappenbezirkskommandant, Feldpost 158. Der Herr Rabbiner aus Sambor schreibt uns dazu: Sambor, den 1. November 1915. Sr. Wohlgeboren Herrn Dr. I. S. Bloch Herausgeber der „Oesterr. Wochenschrift" Wien. Eiappenbezirkskommandant Oberst Schöbinger - ein überaus zuvorkommender und nobel gesinnter Herr — zu dem ich während seines hiesigen Wirkens in näheren Beziehungen stand, hat an mich beigeschlossene Feldpostkarte gerichtet. Es ist wahrlich ergreifend und in den schweren Zeiten, die wir Juden speziell jetzt hierzulande durchmachen, auch wohltuend und ermunternd, das warme Mitgefühl, das dieser in hoher militärischer Stellung fte-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.