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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-11-12 · 45 (12.11.1915) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
45 (12.11.1915)
Date
1915-11-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 45 Dr. Bloch's Wochenschrift Se'te 841 71 Jahre war Frau THeumann eine der eifrigsten Mitarbeiterinnen der „Weiblichen Fürsorge"', in der sie die Präsidentin vertrat, in der sie dreißig Jahre ersprießlich wirrte. Beim Begräbnis am 7. d. Ri. waren F-rau Dr. Herzl mit dem Gesamtvorstand der „Providentia", Frau Dozent G r ü n f e l d, Frau Dr. S t e i n, Dr. K a h n, Benedikt und Frl. L-chur von der „Weiblichen Fürsorge", Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. A b e l mit Gattin anwesend. Herr Rabbiner Tr. Feuchtwang hielt die Trauerrede, während Frau Sofie G r ü n f e l d dieser wahrhaft vornehmen Frau in der Sitzung der „Fürsorge" am 8. Oktober einen ergreifenden Machruf hielt. Der Vorstand des Vereines „Providentia" hat eine Trauersitzung abgehalten und die Präsidentin Frau Mathilde Herzl widmete der Verewigten Worte innigen Gedenkens. Wien. Zur Ehrung des Andenkens des vor wenigen Tagen Heimgegangenen Beihausvorstehers der Israel. Kultusgemeinde Herrn S. A. W a s s e r v o g I sei noch zum Ausdrucke des Pietätsgefühles für den Verewigten besonders hervorgehoben, mit welch inniger Liebe derselbe zeitlebens an seiner Heimaisgemeinde Mährisch-Ausfee gehangen, wie er im Verein der Mähr.-Ausseer ir Wien tatkräftig für das Wohl seiner Heimaisgemeinde gewirkt hat. 'Schreiber dieses hatte als früherer Rabbiner der Kultusgemeinde Mühr.-Aufsee wiederholt Gelegenheit, diese Tugend des Verewigten kennen zu lernen. S. 21. Wasservogl stammte noch aus der Glanzzeit jener Gemeinde, da Rabbiner wie R. Mose Duschak, R. Josef und Aron Guggenheimer segensreich dort wirkten, und als der frühere Alt-Vorsteher Salomon P o l l a k s. A. vor ungefähr elf Jahren das Zeitliche segnete, da eilte W a s s e r v o g l an die Bahre des Verblichenen, um dem verdienten Manne die letzten Ehren zu erweisen. W a s s e r v o g l schöpfte seine treu bewährte altjüdische Gesinnung aus dem reichen Quell des fromm religiösen Thorageistes, der durch Tradition in den jüdischen Gemeinden Mährens fortlebt und dem eine Reihe angesehener, als Vorsteher in den Eroßgemeinden tätiger Männer ihr warmes Interesse für die Kultus- und Religionseinrichtungen verdankt. Rabbiner Dr. M. E. P r o tz n i tz. Toynbeehalle, 20. Bez., Denisgasse Nr. 33. Das Eröffnungskonzert am 6. d. M. nahm einen glänzenden Verlauf. Die ausgezeichneten Klaviervorträge der bereiis anerkannten Pianistin Frl. K o g am, die schönen Liedergaben, die Frau Neuhauser mit prächtiger Stimmentfaltung ihres pastosen Alts und geschmackvoller Vortragsweise zu Gehör brachte, fanden lebhaftesten Beifall. Den Höhepunkt des Konzertes bildeten die Liedervorträge des Meistersängers Herrn Victor Heim, die hier wie überall, wo die unübertreffliche Kunst dieses in Oesterreich in a l l e r e r st e r Reihe stehenden M e i st e r s des Liedergesanges erklingt, einen vollberechtigten Enthusiasmus bei der begeisterten Zuhörerschaft auslösten. Die Begleitung besorgte Kapellmeister B l ümel in kongenialer Art. Das nächste Konzert, das am Samstag, den 13. d. M., staltfindet, veranstaltet die Gesangsmeisterin Frl. Alice E o I d b e r g. Sonntag, 0en 14. d. M., spricht Oberlehrer Riesenseld über „Streiflichter aus der englischen Geschicht e", Mittwoch, 17. d. M., der neu gewonnene Sekretär der Toynbeehalle Herr Dr. B r o n n e r über „Reis eein drücke aus Palästina und Kleinasie n". Freitag, den 19. d. M., findet der zweite Bibeloortrag statt. Austritte aus dem Judentum vom 31. Oktober bis 6. November 1915. Dautsch Rosa geb. Pollak, geboren am 22. Juli 1888 in Wien, XIX , Billrothstrasse 21. - Kirsch Arthur, Privatbeamter, geb. 10. Juli 1894 in Welhartilz, Böhmen, XIII., Versorgungsheimstrasse 26. Pollak Otto, k. u. k. Oberleutnant, geb. 20. März 1883 in Brünn, IV., Wiednergürtel 14. Sßhimmorl Bertha, Beamtin, geboren am 4. Mai 1894 in Wien, XIII., Auhofstrasse 8. Schwarz Rosa, Bedienerin, geb. 21. Oktober 1883 in Wien, XVI., Wichtelgassi 16. Sprecher Alice, Private, geb. 15. April 1893 in Prag, II. Bezirk Untere Donaustrasse 25. Weinberger Hanns, Bankbeamter, geb. 25. April 1890 in Wien, III., Pfefferhofgasse 6. Baden. Ein tapferer Jüngling ist Montag, am 8. d. M., auf dem israelitischen Friedhofe zu Baden zu Grabe getragen worden. Und dieser Jüngling namens Oskar K o h n war ein Kind aus unserer Kultusgemeinde, dessen Vater, Herr Jakob Kohn, eines der angesehensten Mitglieder derselben ist. In seinen Jugendjahren war der Hingeschiedene Vaterlandsoerteidiger ein liebevoller Sohn seiner Eltern, ein treuer Kamerad seiner Mitschüler und später eine hilfreiche Hand seines Gefchüftsherrn. Im 21. Jahre rief ihn die Bürgerpflicht zu den Waffen und er fand am 3. Mai 1915 in Galizien auf dem 'Felde der Ehre seinen frühen Heldentod. In Janowicze bei Tarnow wurde er mit noch ci>iem gefallenen Kameraden in einem Garten begraben, was seinen tiefdetrübten Ellern erst nach Monaten behörd.ich mikgehilt wurde. Der fromme, greise Vater fand keine Seelenruhe, sein gutes Ki:d in fremder, ungeweihter Erde begraben zu wissen, und so machte er sich in Begleitung mehrerer Familienmitglieder zu dieser beschwerlichen Reise auf, um seinen inniggeliebten ^>ohn hierherzubringen und in unserem Friedhofe begraben zu lassen. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer patriotischen und tiefergreifenden Kundgebung. Die Vorstände der Kultusgemeinde und der Chewra-Kadischa waren korporativ vertreten und eine immens große Anzahl der Gemeindemitglieder beteiligte sich an demselben. Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner W. Reich hielt dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, der alle Trauergäste zu Tränen rührte. In seinen geistreichen Wendungen verglich er den Trauersall mit dem unseres Erzvaters Jakob, der den Tod seines angeblich von einem wilden Tiere zerfleischten Sohnes an seinem Hemde erkannte, so hat der greise Vater Jakob Kohn die Leiche seines Sohnes an dem Ta'ith-Katan, das er noch am Leibe anhatte, erkannt. Den gesanglichen Teil erekutierte Herr Kantor Ferdinand Jura in der von diesem tüchtigen Sänger zu erwartenden Weise. Am Grabe sprach noch Herr Ob.-Lt. Dr. Oppenheim, ein Bruder des gewesenen Chefs des Dahingeschiedenen, woraus die Musikkapelle die Volkshymne im Trauerton intonierte. Dritte österreichisch? KriegL..mleihc der Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde in St. Pötten. Ueber eine von dem Kultusvorsteher genannter Gemeinde, Herrn Albert Leich t, eingeleileten Aktion be' trefss ,Sammelzeichnung bei der Filiale der Angto-Oesterr. Bank in St. Pölten unter den Mitgliedern, wurde bei reger Beteiligung an derselben die Summe von ungefähr 300.000 Kronen gezeichnet. Prag. jT o d e s f a l I.) Am 2. November fand hier die Beerdigung des Herrn M. I. G o l d b a u nt, Hausbesitzers aus Lemberg, statt. Mit ihm ist eine liebenswürdige, imponierende Persönlichkeit jäh und unerwartet aus dem Leben geschieden. Er war ein kluger Mensch, ein umsichtiger Geschäftsmann und ein hochbegabter hebräischer Schriftsteller: auch als deutscher Fachschriftstellcr hat er sich erfolgreich betätigt. Er hat ein hebräisches Versdrama und einen Band hebräischer Gedichte herausgegeben, die viel Anklang fanden. Er starb hier am 30. Oktober fm 79. Lebensjahre, in der Fremde, ein Kriegsflüchtling aus Galizien, dem es nicht mehr vergönnt war, seine geliebte Heimatstadt wiederzusehen. Bei Ausbruch des Krieges befand er sich mit »seiner Gattin, der einzigen Tochter und ihrem Gatten, dem Apotheker Dr. Julius Franzos aus Tarnopol, in Franzensbad, von wo si: nach Prag übersirde'.ten. Herr G o l d b a u m kam als junger Mensch nach Jassy, wo er eine segensreiche Tätigkeit entfaltete und ir allen Wohltätigkeitsvereinen wirkte. Er war Kurator des Neuscholz'schen Waisenhauses, Vorsitzender der „Alliance Israelin", Richter im österreichischen Konsulat in Jassy k. Die Jassyer Oesterreicher schickten ihn als Abgesandten zur Krönung unseres Kaisers zum König von Ungarn nach Budapest. Eine Gedenkmünze, ki: aus diesem Anlasse geprägt wurde, trägt auch di: Namen der Jassyer Deputierten. Zur Silberhochzeit des Kaiserpaares befand sich Herr G o l d b a u m ebenfalls in der Deputation, welche zur Beglückwünschung entsendet worden war. In dieser Audienz befragte ihn auch Seine Majestät über das Befinden dessen Vaters Osias M. G o l d b a u m, des Vizepräsidenten der Lemberger Handelskammer, dessen markante, allehrwürdige Erscheinung sich seinem Gedächtnisse eingeprügt hatte. Seine Majestät ließ ihm seine Grütze entbieten. S. M. G o l db a u m war stets ein guter österreichischer Patriot geblieben und lehnte seinerzeit das rumänische Bürgerrecht ab, das man ihm verleihen wollte. Als Obmann der Allianz kam er in Paris mit Cremieur in Verkehr und im Verein mit diesem war es ihm gelungen, den Juden in Rumänien manche Wohltaten erweisen zu können und ihr Los zu verbessern. In den Achtzigerjahren verließ Herr E o I d b a u m Jassy und übersiedelte nach Lemberg, wo er ebenfalls ersprießlich wirkte. Dort redigierte er mit anderen Schriftstellern das Blatt „Der Israelit". Er hatte auch Fühlung mit vielen hervorragenden Persönlichkeiten des Balkans und wurde vom König Milan mit dem Komturkreuz des Jakowaordens ausgezeichnet. Der Verblichene hat sich in der kurzen Zeit seines Hierseins viele Freunde erworben, die ihm tiefgerührt das letzte Geleite gaben. Herr Rabbiner Dr. Deutsch hielt einen ergreifenden Nachruf, der die bedeutende Lebensarbeit des Entschlafenen eingehend würdigte. Die kantorale Funktion versah Herr Oberstäntor M i r s k y. Die Leiche wurde hier provisorisch beigesetzt und wird später nach Lemberg überführt werden.

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