Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 45 (12.11.1915)
- Date
- 1915-11-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 45 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 835 Sonstige Auszeichnungen. Apolda. Die Großherzogliche Verdienstmedaille m. Schw. Mar Metzler, Ritter des Eisernen Kreuzes. Baisingen. Adolf Haarburger erhielt die Württembergische Silberne Militär-Verdienstmedaille. Bingerbrück. Dem Sanitätssoldaten Moritz Wolf i'l die Hessische Tapferkeitsmedaille und außerdem die Rote Kreuz-Medaille verliehen worden. Breslau. Zahnarzt Fritz Marcus, Leutnant bei einer Telegraphenabteilung und Inhaber des Eisernen Kreuzes, erwarb sich das Oesterreichische Verdienstkreuz. Darmstadt. Die Preußische Rote Kreuz-Medaille 3. Kl.: Hcirrich Rosenberg, freiw. Krankenpfleger b:i der 7. Et -Insp:k i)n, cand. phil. Spreviae; Walter Dur, freiw. Krankenpfleger, Di.rdrinae. Euskirchen. Ersatzreservist Oscar Aron, beim Reserve-Infanterieregiment Rr. 118, verdiente sich die Hessische Tapserkeitsmedaille. Frankfurt a. M. Den Eisernen Halbmond 1. Kl. und die Türkische Tapferkeitsmedaille: Edgar Stern, im türkischen Heeresdienst stehend. Großeicholzhrim. Julius R o s e n t h a l, Unteroffizier der Reserve beim bayerischen Feldartillerieregiment Rr. 21, erhielt das Bayerische Verdienstkreuz mit Krone und Schwertern. Hattingen-Ruhr. Dem Leutnant der Reserve Josef G u m - perz, Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse, ist der Oesterreichische Verdienstorden mit der Krone in Gold verliehen worden. Marktbreit a. M. Assistenzarzt der Reserve Otto Schwab, Inhaber des Eisernen Kreuzes, ist mit dem Bayerischen Militär- Verdienstorden vierter Klasse mit Krone und Schwertern sowie mit dem Sanitäts-Orden zweiter Klasse ausgezeichnet worden. München. Das Bayerische Verdienstkreuz 3. Kl. mit Schw. erhielt Emanuel Lemmie. Niederweisel (Oberhessen). llute-oschi r Löwenheim erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille. Offenbach a. M. Oscar Schiller, Gefreiter der Reserve im Infanterieregiment Nr. 163 und Inhaber des Eisernen Kreuzes, erwarb sich die Hessische Tapferkeitsmedaille. Oppenheim a. Rh. Stud. med. Willy Schiff, Eefreier im Fußartillerieregiment Nr. 8, verdiente sich die Hessische Tapserkeitsmedaille. Regensburg. Das Militär-Verdienstkreuz 3. Kl. mit Krone und Schwertern: Selmar Neuburger. Wellersweiler. Reservist David Meyer ist mit dem Badischen Silbernen Militär-Karl-Friedrich-Verdienstorden am Bande ausgezeichnet worden. Wien. Frau Hermine I a n o w i tz, geb. Freund, aus Hamburg, Verwalterin im Rekonvaleszentenhaus „Philanthropia", ist das Oesterreichische Ehrenzeichen zweiter Klasse des Roten Kreuz's mit der Kriegsdekoration verliehen worden. Worms. Karl Tribus, Gefreiter im Fußartilerieregiment Rr. 8, erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille. Würzburg. Das Bayerische Militär-Verdimstkreuz 1. Klasse mit Schwertern: Leonhard Wertheimer, Proviantamts-Inspektor. Großfürst Nikolai und die Juden. Vor der Räumung der jetzt von den verbündeten Armeen besetzten russischen Gebiete haben die russischen Truppen Zahlreiche jüdische 'Einwohner aus ihren Wohnorten vertrieben, ohne sich um ihren weiteren Aufenthalt Zu kümmern. Diese auf solche Art heimatlos gemachten eigenen Untertanen werden nun von den russischen Behörden als Kriegsflüchtlinge bezeichnet und dabei buchstäblich von Ort zu Ort gejagt. Aus ihrer rastlosen Flucht sind zahlreiche Juden auch im K a ukasus angekommen. Großfürst Nikolai Nikolajewitsch hat nun einen Erlaß herausgegeben, demzufolge alle jüdischen Flüchtlinge sofort den Kaukasus Zu verlassen haben. Wohin sie sich begeben sollen, wird in dem Erlaß nicht gesagt, offenbar uM diese Sorge auf den nächsten Generalgouverneur abzuwälzen, in dessen Rayon die Juden wieder Halt machen sollten. Kie russische Trommel aus Wora-Wergamerrt. „Egyenlöseg" schreibt: Zwei Zugsführer, und zwar Stefan Sirmai und Franz Weisz, überbrachten dieser Tage dem Pester Rabbiner Dr. Elias Adler eine Kriegsreliquie, welche selbst unter den an Erinnerungsgegenständen dieses an Ereignissen und wunderbaren Wendungen so reichen Weltkrieges sicherlich einen der ersten Plätze einzunehmen verdient. Es ist das eine russische Trommel, welche einen der charakteristischesten^Beweise echt russischer Kultur darstellt. Das Leder der Trommel besteht aus Pergament, und zwar aus solchem Perga- .'uent, welches aus einer Thorarolle der auch den Christen heiligen Schrift herausgerissen wurde. Der heilige Text, und zwar der im zweiten Buch Moses geschilderte Auszug aus Aegypten, ist deutlich darauf zu lesen, und' bloß an jenen Stellen, wo der Tambour auf die Trommel schlug, ist die Schrift etwas verblaßt und verwischt. Da der aus der Thorarolle herausgerissene Teil nicht so breit war wie der Durchmesser der Trommel, wurde er auf beiden Seiten angestückelt. Laut Informationen der Ueberbringer, wurde diese Kriegsreliquie bei Ravaruska erbeutet. Rabbiner Tr. Adler beschloß, dieses Andenken an den Weltkrieg dem ungarisch-jüdischen Museum zur Aufbewahrung zu überweisen. Professor Hermann Cohen Geheimer Regierungsrat usw. Bon Heinrich?)ork-Steiner. Hermann Cohen zu feiern, bietet sich immer wieder Gelegenheit und Veranlassung. Vor einigen Monaten veröffentlichte er ein Werk „Deutschtum und Judentum", das-kurz gesagt zu dem allerbedeutendsten gehört, das je über dieses Thema gesagt wurde, und dem nur heute möglichst nahe kommen wollen. Kurz vorher erschien in dritter Auslage seine Arbeit „Ueber das Eigentümliche des deutschen Geistes", in wenigen Tagen wird ein wichtiges philosophisches Werk aus seiner Feder herauskommen. Am 26. November wird der berühmte Gelehrte, als Gast der Soziologischen Gesellschaft, in Wien lesen. Und dieser rege Mann, dessen Geist sproßt, blüht und Früchte trägt wie ein junger Wunderbaum, feierte vor einigen Tagen sein 50 jähriges Doktorjubiläum. Vielleicht gelingt es einer der großen jüdischen Korporationen, Professor Cohen zu bestimmen, daß er in Wien über seine letzte Arbeit „Deutschtum und Judentum" öffentlich spricht. Dieses Werk stellt sich äußerlich als eine Broschüre von 48 Seiten Text dar. aber jeder Satz ist durchtränkt von stupendem Wissen, jede Periode bedeutet eine Stufe zu hoher Erkenntnis und das Ganze ist eingehüllt in ein tiefes Wissen vom Deutschtum und vom Juden-- tum in ihren geheimsten Zusammenhängen und fernsten Grundlagen. Hermann Cohen wurde bei feinem Doktorjubiläum von maßgebendster Seite als hervorragende Leuchte der Wissenschaft gefeiert, als Vollender der Lehre Kants und als Gründer der Marburger Schule. Sein Rang als Gelehrter ist unbestritten, er ist aber nicht nur ein Hohepriester der abstrakten Wissenschaft, er ist ein wahrer Cohen, ein echter Priester des Judentums. Kant und seine Lehren gelten mit Recht als die Grundlage der deutschen Weltanschauung und nur ein Mann, der diese kennt wie Cohen und das Judentum so innig und untrennbar liebt wie er, konnte dieses Buch schreiben, das aus dem geistigen Besitz des deutschsprechenden Judentums nicht mehr wegzudenken ist. Nach Cohen hat das Judentum durch Philo eine Selbstverwandlung durchgemacht, die den griechischen Geist durch die neue Lehre von Logos zum Christentum vorbereitet. Damit bereitet sich das Griechentum auch als» eine Grundquelle des Deutschtums vor. So liegt schon nach Cohen die Verwandtschaft in der Geburt.