Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 45 (12.11.1915)
- Date
- 1915-11-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 45 Dr. Bloch's Wochenschrift Seitc 833 das Ehrenzeichen zweiter Klasse mit der Kriegsdekoration taxfrei zu verleihen geruht. Dasselbe Ehrenzeichen erhielt in der Zensur auch von -Juden der Oberleutnant Arthur S ch ü tz. Die silberne Medaille mit der Kriegsdekoration erhielten folgende Herren: Hermann Safi-er, Jakob Pivoati, Heinrich Stern, Dr. Schiffer, Julius ^Salzer nnd Jsak Gor s k i. Die bronzene Medaille mit der K'riegsdekoration erhielt Frau Pauline Safier. Auch in Deutschland ist jüdische Abstammung kein Hindernis, die höchsten militärischen Ehrenstellen zu bekleiden. Wie die gutunterrichteten „Leipziger Neuesten Nachrichten" mitteilen, ist Admiral B e n d e in a u it, einer der hervorragendsten deutschen Admirale, gestorben. Die „Leipziger Neuesten Nachrichten" bemerken in ihrer Nummer vom 4. November ausdrücklich, daß er ein Sohn des bekannten Historienmalers Bende m a n n gewesen ist. Dieser aber war Jude. Kor dem Keinde gesaüen. Am 16. Mai fiel der 21 jährige Kadettaspirant Maxiunlian Kammer, tapfer kämpfend bei Pawlosiow, in per Nähe von Jaroslau. Die Eltern ließen die provisorisch bestattete Hülle nach Krakau überführen und fand bns Leichenbegängnis am 30. Oktober vom Bahnhofe auf den jüdischen Friedhof in Podgorze statt. Den Kondukt bildete ein Zug des Landsturmbataillons unter Kommando eines Offiziers. Dem Sarge folgten nebst den Verwandten eine zahlreiche Offiziersabordnung, mit einem Stabsoffizier an der Spitze. Die religiöse Funktion versah Feldrabbiner Dr. W e i n s b e r g. Allgemeine Teilnahme erregt der Tod des k. k. Epidemiearztes Dr. Hugo Leo Lazarus, welcher auf dem nördlicheil Kriegsschauplatz seinem ärztlichen Berufe zum Opfer gefallen, Dienstag, den 9. November, auf dem israelitischeil Friedhof in Lemberg zur ewigen Ruhe bestattet worden. Der Heimgegangene ist ein Sohn des' verstorbenen Philanthropen Direktor Lazarus in Lemberg. Am 21. Oktober fiel auf dem Schlachtfelde iin Süden Biktor Neu m a ir n, k. k. Oberleutnant des Ldst.-- Jnfanterieregiments Nr. 32. Im Zivilberuf Chemiker, ivar er Fabriksbesitzer in Bielitz und mit der Tochter des angesehenen Tuchfabrikanten Artur R i e s e n f e l d aus Bielitz verheiratet. Als tapferer, schneidiger Offizier und lieber Kamerad wurde er von allen geschätzt und geliebt. An der Spitze seiner Kompagnie wehrte er so manchen feindlichen Angriff ab, bis er, von einer feindlichen Granate getroffen, den Heldentod fand. Seine Leiche konnte geborgen werden und wurde aus einem Soldatenfriedhofe begraben. Am 22. Oktober 1915 fiel als Held fürs Vaterlaud k. k. Oberleutnant des Landst.-Jnfanterieregiments Nr. 31 Dr. Rudolf Jellinek, Rechtsanwalt in Olbersdorf in Schlesien. Als tapferer Offizier war er von allen hochgeschätzt und geliebt, sein Verlust wird auch vom gairzen Offizierskorpssehr schmerzlich empfunden. Trotz großer Schwierigkeiten wurde seine Leiche eingebracht -und auf einem Soldatenfriedhof beigesetzt. - Am 29. Oktober erlag in der Sanitätsanstalt einer auf dem südwestlichen Kriegsschauplätze erlittenen schweren Verwundung k^u. k. Leutnant des Infanterieregiments Nr. 61^Bonis S a m u e l, Advokaturskandidat aus Temesvar. Seine Leiche wurde auf einem Syldqtenfriedhof beigesetzt. Am 29. Oktober erlag in der Sanitätsanstalt einer auf dem südwestlichen Kriegsschauplätze erlittenen schweren Verwundung Kadett Eugen Engel des k. u. k. Jnfan' terieregiments Nr. 61 aus Temesvar und wurde auf einem Soldatenfriedhofe begraben. Am 31. Oktober erlag im Spital einer auf den», südwestlichen Kriegsschauplätze erlittenen schwereit Verwundung k. k. Oberleutnant des Infanterieregiments Nr. 87 Oskar Münz, Kaufmann aus Wien. Der Kommandant der Anstalt, Stabsarzt Dr. M o l i n s k i, veranstaltete dem im Regiment so sehr beliebten Offizier und Kameraden ein ehrenvolles Begräbnis. Unter der Anführung einer Ehrenkompagnie wurde die Leiche von einer Abordnung des Regiments, dem Spitalskommando und der Familie auf den Soldatenfriedhof begleitet. An den Gräbern dieser letztgenannten Helden hielt Feldrabbiner Dr. M. Tauber die Trauerrede. Oberbeamter des Giselavereines, Herr Dr. Heinrich Deut s ch, hat als Kadett des Landsturm-Jnfanterieregi lnentes Nr. 30 den Tod aus dem Felde der Ehre gefunden. Herr Dr. Heinrich D e u i s ch, der erst im 30. Lebensjahre stand, war der Sohn des allgemein bekannten und geachteten Religionslehrers der israelitischen Kultusgemeinde Max Deutsch, der vor zwei Jahren gestorben ist. Dr. Deutsch, "in überaus pflichteifriger, bescheidener, stiller und herzensguter Charakter, war mit allen Fasern seines Herzens seinem'^ Judentum treu er-' geben, und ist der plötzliche Tod dieses edlen Mannes, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigen konnte, für alle, die ihn kannten, doppelt schmerzlich. Dr. Fritz Hochwald, ein zu den schönsten Hoffnungen berechtigender junger Arzt, geschätzt und geliebt von allen, die thn kannten, fand unlängst in Ausübung seines Berufes den Heldentod. Fünfzehn Monate stand er als Arzt im Felde, unermüdet tätig, stets bemüht, den Verwundeten hilfreich zu sein. Metten im Kugelregen sah man ihn seines Amtes walten. Viele Hunderte, denen er in der langen Kriegszeit ein Retter gewesen, indem er ihre Wunden verbunden, sie aus dem Schlachtgetümmel ins Lazarett befördert, sich dort gewissenhaft ihrer Pflege gewidmet, nennen seinen Namen mit Begeisterung. In den Tagen, da die Kämpfe um tobten, traf eine Kugel den aufopferungsvollen Arzt, als er auf dem Verbandsplatz tätig war, mitten ins Herz. Dr. Hochwald war erst 26 Jahre alt: um ihn trauern die alten Eltern, seine Geschwister, die große. Zahl der Freunde, die das Glück hatten, dem edlen, hochbegabten Menschen, der seinen Beruf von der idealsten Seite auftaßte, nahe zu sein. Ein Regimentskamerad, Leutnant Engel, schreibt an die Schwester des gefallenen Arztes, Fräulein Nellp Hochwald u. a.: „Jung und lebensfroh, geliebt und geachtet gesund und heiler bis zum Schluß, ging Ihr Bruder mit.einem Male, wle vom Blitz getroffen, von uns, ohne Schmerz, ohne Todeskampf. Das Unglück geschah am 28. Oktobrr, um halb 2 Uhr nachmittags. Der Fritz war unter in und stand in seinem bombensicheren Unterstand. Er sah zu, wie die Leute die Felsen heraussprengten, um seine Kaverne zu vergrößern. Da brachten 'sie einen Verwundeten hinunter und der Gute eilte zum ''Hilfsplatz, zirka 150 Schritte entfernt, um den Mann zu verbinden. Da kam ein Schrappnell geflogen und eine Füllkugel traf ihn mitten ins Herz. Er ist wie ein Held gestorben. Er ging hin, um andere zu retten und rannte in den eigenen Tod." „Wir haben ihn am jüdischen Friedhof in ein schönes Gras oeretten lassen. Die vielen Blumen waren die letzten Grüße, die wir ihn nachsenden konnten. Auch von den höheren Kommanden waren viele Herren dort. Der Brigadechefarzt hat allen aus der Seele gesprochen, als er herzliche, treugemeinte Worte des Abschiedes sprach. Unser Bataillon hatte an diesem Tage heftiges Gefecht, so konnte ich zu meinem Schmerz nicht am Friedhof sein. Am ersten ruhigeren Tage bin ich dann zu ihm hinaus, ein Berg von Blumen bedeckt sein Grab . . . ."