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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-11-05 · 44 (5.11.1915) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
44 (5.11.1915)
Date
1915-11-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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jtr. 44 Dr. Bloch's Wochenschrift Seile 815) Teil des Judentums wurde n i ch t nur ein t r e u e r Pfleger des ungarischen nationalen W e - sens, sjo nd er n auch apu f d e m! Gebiete d e r Lite r a t u r u n d d e r W i s s e n s ch a f t, der Industrie und des Handels, ja der zeitgemäßen Laudio i r t s ch a f t ein mächtiger Förderer unseres nationalen Wesens. Es war also eine nationale Notwendigkeit, jener Forderung der Gerechtigkeit zu entsprechen, die sich auf die Rezeption der jüdischen Religion richtete. Die zwanzigste Wiederkehr dieser Tatsache feiern wir heute. Alexander Wekerle. Es schreiben noch unter anderem: Geheimrat Verwaltungsgerichtspräsidenr Dr. Julius v. W l a s s i c s (Studie über die Kirchenpolitik 1895); der evangelische Bischof Geduly (über die Autonomie der ungarischen Juden), die Geheimräte Dr. Szekelt) und Dr. Lukacs, Universitätsprofessor Marcali, Reichsrarsabgcordneter Kozma, Kurialrichter Fodor, die Führer der ungarischen Juden Präsident Moriz Mezei, Hofrat S z e k c l y, kön. Rat Franz Mezei, Pester Oberrabbiner Dr. Kohn, Ministerialrat Dr. Lederer u. v. a. Uolrerl Karany. Ein Wiener Arzt, ein Privatdozent an der Wiener Universität, Dr. B a r a n y, dem in Wien die gebührende Würdigung versagt blieb, hat den Nobel-Preis für Medizin erhalten. Das ist die höchste Auszeichnung, die im Rahmen der exakten Wissenschafteil verliehen wird, und unseres Wissens hat kein österreichischer Arzt vor Barany den Nobel-Preis besessen. Tie Nachricht von seiner Auszeichnung traf ihn nicht daheim. In TranSkaspien sitzt Dr. Barany kriegsgefangen; er gehörte zu denen, die im belagerten Przemysl waren, und er teilte das Schicksal der Helden, deren Namen mit goldenen Lettern verzeichnet sein werden im Buche der Weltgeschichte. So ist der Held des Tages ein zweifacher Held: im friedlichen Wettbewerb fortschreitender medizinischer Forschung, im Kriege ein Arzt, der auch unter den furchtbaren lPrzemysler Ereignissen der letzten Belagerungszeit seine Pflicht tat. Ueber Dr. Barany schreibt Professor Dr. Heinrich N eu m ann: Es ist als eine Ehrung nicht nur der Wiener Ohrenheilkunde und speziell der Schule Pollitzer und Urbantschitsch, sondern der gesamten österreichischen Medizin zu bezeichnen, daß in diesem Jahre der Nobelpreis, die höchste Auszeichnung, die einem Forscher zuteil werden kann, dem Wiener Dozenten Dr. Barany verliehen wurde. Dozent Dr. Barany, der mit besonderem Fleitz und mit bewundernswürdiger Ausdauer an die Lösung der schwierigsten Probleme auf dem Gebiete der Physiologie herangetreten ist, hat sich durch die grötzten Hindernisse nicht abschrecken lassen, Klarheit zu bringen in höchst komplizierte Fragen, dir schon viele vor ihm beschäftigten, ohne datz ein Resultat erzielt werden konnte. Barany, ein Schüler von Pollitzer und Ur b autsch it sch, war durch die glänzende Schule in besonderem Matze befähigt, auf dem Gebiete der Vestibularlehre bahnbrechend zu wirken. Seine ausgezeichnete Vorbildung sowie seine schon früher erwähnten persönlichen Eigenschaften haben jedermann schon frühzeitig ahnen lassen, datz die von ihm inaugurierten Forschungen von der gesamten wissenschaftlichen Welt Anerkennung finden mühten. Von seinen Leistungen sind besonders hervorzuhebsn, die Nystagmuslehre, das ist ein Augenrefler, der uns Aufschluß gibt über den Zustand des „Gleichgewichtsorgans", eines höchst komplizierten Apparats, der die physiologische Funkcion hat, uns im Raume zu orientieren. Dis ersten Anregungen zum Studium der Funktion des Eleichgewichtsapparats sind vom Wiener Arzt Josef Breuer und dem Wiener Phys.ker Mach ausgegangen. Die Wiener otologische Schule, speziell die jüngere Generation, hat die Physiologie und Pathologie ausgearbeitet, und Barany hat durch seine diesbezüglichen Arbeiten die krankhaften Zustände dieses Organs und seine normalen Funktionen in einer grundlegenden Arbeit niedergelegt. Unterstützt wurde er hierin durch die ausgezeichneten Tierversuche des ungarischen Pathologen H ö g i e s. Durch die innigen Beziehungen des Eleichgewichtsnrroen zum Gehirn wurde Barany in das Gebiet der Neurologie gelenkt, und die Arbeit seiner letzten Jahre bestand in der Ausarbeitung der Grenzgebiete zwischen Ohren- und Nervenheilkunde. Vor allem beschäftigte er sich mit der Diagnostik des Kleinhirns, und so erhielt er, obgleich Ohrenarzt, am Kongretz der Nervenärzte den Erb-Preis, die höchste Auszeichnung für einen Neurologen. Durch emsige Arbeit gelang es ihm, dis Funktionen einzelner Teile der Kleinhirnrinde festzustellen und den Beweis zu erbringen, datz die Bewegungen der Arme und Beine in der Kleinhirnrinde durch eigene Zentren vertreten seien. Ein vom Ohr auszulösender Reflex, der in bestimmten Augenbewegungen besteht und mit einer bestimmten Fallrichtung des Körpers einhergeht, wurde von Barany für die Erkennung gewisser Erkrankungen des Gleichgewichtsapparates klinisch verwerte". Sein Verdienst ist es, die verschiedenen Arten der Blicklähmungen analysiert und die Beziehungen zwischen Auge und Ohr studiert zu haben. Auch in technischer Hinsicht verdankt ihm die Ohrenheilkunde manche Neuerung. Vor allem ist da der nach ihm benannte Lärmapparat zur Feststellung einseitiger Taubheit hervorzuhebsn. Dies ist nur jener Teil seiner wissenschaftlichen Leistungen, der allgemein akzeptiert wurde. Die Probleme, dieer noch nicht vollkommen zum Abschluß gebracht hat, sind unzählige, und mit ihnen beschäftigt sich noch die sachwissenschastliche Literatur. Tr. Barany, der jetzt im 39. Lebensjahre steht, ist der älteste Sohn eines hiesigen angesehenen Kaufmannes, Herrn Ignaz Barany, und hat zwei Brüder, von denen der eine als Oberleutnant bei einer Haubitz-, division im Felde steht, während der andere in leitender Stellung in der Mac Garveyschen Petroleumfabrik wirkt. Eine Schwester Tr. Baranys ist!an den hiesigen bekannten Anwalt Dr. Joh. Pollitzer verheiratet, der gleichfalls eingerückt ist und beim Auditoriar dient. Die Gattin Doktor R. Baranys, eine Wienerin, geborene Berger, ist als eine überaus feinsinnige und geistvolle Dame in den besten Kreisen der Gesellschaft bekannt. Das Ehepaar besitzt zwei Kinder im Alter von vier und zwei Jahren. Unter den bisherigen Nobel-Preisträgern zählte man fünf Juden, Robert Barany ist der sechste. Die erwähnten fünf sind: Albert Michelson in Chicago, Gabriel Lippmann in Paris, Paul Ehrlich in Frankfurt a. M., sowie die Träger des Friedenspreises Asser und Fried. Staatsminister Asser, der 1911 den auf ihn entfallenden Betrag des Nobel-Friedenspreises für Arbeiten zur Förderung des internationalen Rechts gewidmet hat. ist, wie bekannt, vor einigen Jahren verstorben. "Auch Paul Ehrlich iveilt nicht mehr unter den Lebenden. Ein siebenter Nobel-Preisträger, Elie M e t s ch n ik o w, ist der Sohn einer Jüdin. Kriegsdekoralionen jüdischer Offiziere und Soldaten. Se. Majestät der Kaiser hat verliehen: das Ritterkreuz des Franz Josefs- Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes für vorzügliche und aufopferungsvolle Dienste dem Stabsarzt Dr. Cäsar K o r n h ä u s e r, Kommandant des Feldspitals Nr. 1/4; dem Regimentsarzt Dr. Alexander Rauch, Kommandant des Reservespitals Jlidze; das Signum l a u d i s am Bande des Militärverdienstkreuzes (kaiserliche belobende Anerkennung) für tapferes Verhalten den Oberleutnants d. R. Ignaz S ch a nz e r, Feft.-Art.-Reg. Nr. 3; Ernst R o b i t s ch e k und Bertold O st e r s e tz e r, Eisenbahnregiment; Joses G e - d u l d i g e r, 2. Armee-Et.-Kommando; Paul Grün - bäum, Infanterieregiment Nr. 89; Alfred Schwarzkopf, Traindivision Nr. 2; Samuel Deutclbauin', Infanterieregiment Nr. 71; Rudolf L ö w, Feldspital 6/7; Heinrich Reiner, Jnf.-Div.-Sanitätsanstalt 22; Siegfried Zwieback, Traindivision Nr. 2; den Leutnants d. R. Alexander F i f ch b e i n, ungar. Landw.-Jnfanterieregimenl Nr. 29; Karl Kleinberg, Jnfanteriebac.

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