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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-10-29 · 43 (29.10.1915) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
43 (29.10.1915)
Date
1915-10-29
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 812 Dr. Bloch s Wochenschrift Nr. 43 Ehr« zuteil, als besondei’s wichtige Militärpersonen vom Feinde betrachtet zu werden. Zwei wohlgezielte Schüsse, die vor den Fußspitzen der erbleichenden, neben uns marschierenden Offiziersdienern einschlugen, waren uns zugedacht worden. Der nationalliberale deutsche Abgeordnete Major Bassermanu, der am nächsten Tage die Stelle passierte und aufmerksam gemacht wurde, verstärkte deshalb seine Bewachung. Um Iwangorod herum, gab es natürlich recht viel Hochinteressantes. Das hat aber mit den Feiertagen im Felde nichts zu tun, die ich schildern wollte. fiteratttr. Dr. Nathan Birnbaum. Den Ostjudrn ihr Recht! Wien, Verlag R. Löwit, Preis Kr. 1.—. Der geschätzte Verfasser so vieler Abhandlungen über die Judenfrage konnte natürlich nicht stumm bleiben, wo es sich um das Schicksal von neun Millionen seiner engeren Volksgenossen handelt. Der Verfasser will die große Anhänglichkeit der Ostjuden an Deutschland und Oesterreich erklären, wobei er eine psychologische Verwandtschaft der Deutschen zu den Juden findet, in Oesterreich aber, weil die Juden instinktiv fühlen, daß sie hier, wo nirgends eine kompakte Volksmasse einer Rasse besteht, sondern die Größe des Staates eben darin liegt, daß so verschiedene Völker hier ihr Heim gefunden haben, am besten hintaugen. Oesterreich sollte daher diese Stimmung der Juden nach dem Frieden noch mehr wie Fisher pflegen, da sie das einzige Volk in Oesterreich sind, das naturgemäß weder über eine Grenze schielen, noch an Errichtung eines eigenen Staates denken kann. Daß Deutschland judenfreundlicher werden sollte, wurde neulich an dieser Stelle auseinandergesetzt und auch Birnbaum bezieht sich aus das von uns besprochene Buch von T r i e t s ch. Doch ist er vielfach anderer Meinung, wie dieser. Auch will er das Jiddisch durchaus nicht als deutschen Dialekt, sondern als eigene Sprache, die sich au£ dreien zusammensetzt, wie das Englische, gelten lassen. Doch gleich viel, wenn es dem Deutschen doch so nahe verwandt ist, daß es als deutscher Fühler nach dem Osten verwendet werden kann. Auch Birnbaum erblickt in dem Ostjuden einen deutschen Kulturerponenten, will aber durchaus ihn nicht als Anhängsel des Deutschen oder Objekt einer künftigen Eermanisierung angesehen wissen. Er warnt beide Teile davor, daß man etwa glaube, daß die Ostjuden sich so werden aufsaugen lassen, wie seinerzeit die Westjuden, da letztere in kleinen Gruppen lebten, religiös gleichgiltig waren, .Gelehrte und Kaufleute waren, während in den frommen, sehr kompakten Massen des Ostens, all: Berufsschichter, viel Proletariat vertreten sei. Ihre Mission sowohl im Judentum als im Deutschtum als Zw fchcnglied zu den geistig erst zu erobernden Slawen können sie eben nur spielen, wenn sie voll und ganz Juden bleiben. Der. Verfasser würde wünschen, daß im künftigen Frieden die Zentralmächtes ich auch des Schicksales der in Rußland verbleibenden Juden annehmen, hält das aber selbst für zweifelhaft. Sehr beachtenswert ist übrigens seine Ansicht von den Ursachen des Krieges und der welch.storischen Aufgabe Deutschlands und Oesterreichs, die beweist, daß Deutschland in den von ihm nicht gerade am besten behandelten Söhnen die glühendsten Verehrer hat. Hoffen wir, daß das glänzend geschriebene Büchelchen nicht etwa zu früh kommt, das heißt, daß wirklich die Millionen Juden Polens zwischen unseren beiden Kulturstaaten aufgeteilt werden. Die unsanfte Berührung mit der Westkultur kann ja für das Judentum nicht ohne innerliche Gährung bleiben, wie sich die beiden Zentralmächte werden gewöhnen müssen, mit dem Judentum als einen Faktor zu rechnen, von dessen Zufriedenheit im Staatswohnhause auch ein Teil ihrer künftigen Weltstellung Zusammenhängen wird.! L. Benedikt. Zwei neue Kompositionen von Aron Friedmann, königl. Musikdirektor und Oberkantor der jüdischen Gemeinde zu Berlin. In sturmbewegten Tagen, wo die Waffen des Weltkrieges klirrend aneinander geraten, in dieser hochernsten und düsteren Zeit, hat sich Kollege Friedmann noch ein Friedensplätzchen jn seiner sangerfüllten Brust gelassen, um uns ein Produkt seiner noch immer regen Schaffenskraft zu bieten. — Friedmann, der große Kenner, des Traditionsgesanges, verwandelt sich heute unter günstigen Auspizien in einen Komponisten des religiös-deutschen Liedes. Seine sechs erschienenen Trauungsgesänge, gewidmet seiner geliebten Gattin Johanna, sind in ihrer einstimmigen Form mit Orgel- oder Harmoniumbegleitung dem fungierenden Kantor zugedacht, der sich der feierlichen Stimmung eines Trauungsaktes gemäß, mit denselben auszeichnen kann. Als besonders dankbar ini Vortrag erweist sich das Lied nach der Trauung: „Zu dir, o Herr!", in E-Dur, wo daselbst die schöne Wendung nach F-Dur bei den Worten: „Allmächtiger für heut' und alle Zeit!" charakteristisch den Wunsch und die Bitte beinhaltet, daß das vor Gott verbundene Paar einer glückverheißenden Zukunft entgegengehen möge. — Ein 2. Heft, benannt „Rebo" („Auf Jordan's grünen Borden"), gewidmet seinen geliebten Kindern. Hier bemächtigt sich der Verfasser, des der jüdischen Geschichte entnommenen Freiligrat'schen Gedichtes. — Wir haben es hier mit einer Neuerscheinung aus dem Gebiete der hebräischen Balade zu tun, deren erste zwei Sätze bis zum Anrlnntr non i,<>,>i >> lebhaft an Löwe erinnert, während der übrige Teil im Geiste Franz Schuberts gehalten erscheint, jedoch so, daß in der Verwebung beider Meister die Individualität Meister Friedmann's originell über dem ganzen sich verbreitet und sein fromm-religiöses Fühlen überall zum Durchbruche gelangt. So sehen wir zum Beispiel die erhabene Schilderung des Sterbens Mosis auf bergiger Höhe, 'wo der große Lehrer und Führer mit freudiger Genugtuung nach dem gelobten Lande blickt, mit dramatischer Treue musikalisch wiedergegeben. Möge auch dieses Heft, welches mit Klavierbegleitung geschrieben ist, und allen, die die religiöse Hausmusik mit Liebe pflegen, zu sympatischer Anregung wärmstens empfohlen fein. Jungbunzlau. Oberkantor V. Singer Vom Tode errettet und andere Geschichten. Von H. Rippel. Der Verfasser der unter diesem Titel vereinigten Erzählungen lebt hier als Czernowitzer Flüchtling. Er ist ein gereifter Mann und besitzt trefflich die Gabe des Erzählers. Seine Schilderungen sind Momentbilder aus dem Leben, dir viel Wahrheiten enthalten und sehr lehrreich sind. Fließend geschrieben, zeichnet sich das Büchlein durch packende Erzählungen aus, die gelesen zu werden verdienen. Wir empfehlen dieses Buch gerne. Zu beziehen von Herrn H. Rippel, Wien, 15. Bez., Palmgasse 3. Vinjamin Segel. Morija und Golgatha. 4. Tausend. Verlag von M. Poppelauer, Berlin E. Catalog. Hebrew Union College. Cintinnati. 5633. U. A. H. C. 1873. 1915-16. Series A. No. 8. Kriefkasten. An die Herren Feldrabbinen. Herr Rabbiner Dr. Grunwald in Wien erhielt folgende Zuschrift aus der Front: „18. Oktober 1915. Euer Ehrwürden! Es ist mir und wahrscheinlich auch der anderen Mannschaft unseres Glaubens nicht bekannt, welcher Fcldrabbiner den Rayon des Feldpostamtes 222 innehat. Vielleicht wäre eine Zusammenstellung nach Feldpostnummern angezeigt. Mit den ergebensten Grüßen G. Freudmann, Maschinengewehr-Jnstr., Kurs 56, Eebirgsbrigade, Feldpost 222. A. H. Es ist gewiß ein schöner Beweis echt kameradschaftlich« Gesinnung, daß die christlichen Soldaten des Reserve-Infanterieregiments Nr. 39 dem gefallenen jüdischen Sanitätsunteroffizier Albert D r e y f u ß aus Straßburg einen so schönen Grabstein errichteten. Aber der Vorgang steht erfreulicherweise durchaus nicht vereinzelt da. M. S. in B. Es ist erwiesen, daß an den Befreiungskriegen vor über hundert Jahren eine ganze Reihe von jüdischen Kriegern am Kampf gegen Frankreich teilgenommen und es vielfach zu höheren Chargen gebracht hat. . Dr. K. N. Der in der letzten Nummer erschienene Nekrolog zum Andenken an den verewigten Dr. Jakob Schächter stammt aus der Feder des Herrn Rabbiners Dr. K. Nürnberger aus Ung.-Brod. In dem Aufsatz findet sich übrigens ein Druckfehler, der richtiggestellt werden soll: Statt „seiner in Auflösung begriffenen Gemeinde" soll es richtig heißen: „seiner im Aufblühen begriffenen Gemeinde". Notiz. Jüdische Bühne. Wien, 2. Bez. Taborstraße Nr. 12 (Hotel Stephanie). Direktion: S. P o d z a m c z e. Es gelangt zur Aufführung : Freitag, den 29. Oktober 1915: „I schu Ra h" (Die schlechte Frau), Operette in vier Auszügen von I. Lateiner; Samstag, den 30. und Sonntag, den 31. Oktober zum erstenmale: „Mammon der Eeldgott", Operette in vier Aufzügen von I. Finkelstein; Sonntag, 3*/» Uhr nachmittag;, ermäßigte Preise: „Das jüdische Herz." Montag, den 1. November, 372 Uhr. nachmittags: „S u l a m i t h", Operette in vier Auszügen von A. Goldfaden. Montag, den 1. November, 8 Uhr abends: „Rabbi Joselman". Operette in vier AuMgen von A. Goldfaden. Dienstag, den 2. November: Gordin Abend: „K ö n i g Lea r." Mittwoch, den 3. November: „Der Deser 1 eur." Donnerstag, den 4. November: „Kol Nidre", Operette in vier Auszügen non I. Scharkansky. ITnüfiOll mit klangvoller, kräftiger Stimme, im Alter von AJlaUcU 8 bis II Jahren, werden für den Chor des Leopoldstädter Tempels aufgenommen. Prüfung: Montag und Mittwoch von 6 bis 7 Uhr abends, II., Tempelgasse 3 (Cborzimmer). Qn0>70l«oi.l ohl*Hnfl mit sanzer Verpflegung wird auf- OpCaCICl JjuillllUy genommen. Grünwald, XXI., Schlosshoferstrasse 25. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Dr. Josef S. Bloch — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VII.

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