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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-10-29 · 43 (29.10.1915) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
43 (29.10.1915)
Date
1915-10-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seit 810 Kr. Bloch's Wochenschrift Nr. 4?> Wien. In der Vorstandssitzung des Jüdischen Vereines „Einheit", welche Sonntag, den 24. d. M., unv 10 Uhr vormittags, stajtsand, hielt der Präsident Herr Bernhard Hofbauer vor Eingang in die Tagesordnung dem verblichenen Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Landesschulrat Dr. Gustav K o h n s. A., einen mannen Nachruf und hob hervor, daß der Verewigte bei jeder Gelegenheit diese Jnstirution bedacht und immer bestrebt war, dem Vereine ausgiebige Hilfe zuteil werden zu lassen. In den Vorstand wurde Herr- Ludwig Guttmann, 1. Bezirk, Morzinplatz 6, der dem Vereine stets viel Interesse entgegengevracht har, durch Kooptierung gewählt. Wien. (Hebräischer Könversationsklub des I. H.-V.) Samstag, den 30. Oktober, um 8 Uhr abends, findet im Veremslokal, 2. Bez., Obere Donaustraße 65, Hochparterre, ein Vortrag des Herrn Herzberg statt. Thema: „O st und W e st." Gäste willkommen. Krakau. (Die dritte Kriegsanleihe.) Ter Präsident der israel. Kultusgemcinde Herr Dr. Samuel Lilles, im Vereine mit dem ehrwürdigen Rabbinat (stellvertretender Rabbiner Pinkus D e m b i tz e r), erläßt eine Aufforderung an die Judenschaft in Krakau zur Zeichnung auf die dritte Kriegsanleihe. Bad-9Lauhrim. Die hiesige israelitische Kinderheilstätte, eine Gründung Frankfurter Wohltäter, feiert in diesen Tagen ihr 25 jähriges Bestehen. Von den Grüuöern steht Herr Michael Moses Mainz noch an der Spitze der Anstaltsverwaltung. Durch eine Stiftung der Baronin Mathilde von Rothschild erhielt die Heilstätte im Jahre 1898 ein eigenes Heim, das in den letzten Jahren regelmäßig in jeder Kurzeit nahezu 309 Kinder beherbergte. Gegenwärtig dient das Haus, dem Dr. Hirsch schon seit 22 Jahren als ärztlicher Leiter vorsteht, Lazarettzwecken. Kolomra. Advokat Dr. Heinrich Nicolaus Landau, Gutsbesitzer und Vizebürgermeister der Stadt Kolomea, wurde zum Regierungsckommissär für die jüdische Kultusgemeinde in Kolomea bestellt. Zu Beiräten wurden die Herren kaiserlichen Räte Großindustrielle Markus Schiller, Elias K r i ß und David W i e s e l b e r g ernannt. Van. (Verlobung.) Der Hilfsrabbiner Herr Benjamin Glasner, Sohn des Herrn Oberrabbiners Moses Glasner in Klausenburg, hat sich mit Frl. Bella R e i ch, Tochter des Herrn Oberrabbiners Moritz Reich in Ban, verlobt.! Bielitz Am 19. Oktober 1912 feierte Obrrkantor Ignaz Goldmann das fünfundzwanzig.ähr'ge Jubiläum seiner Amtswi.ksamkeit in Bielitz, steht also gerade 23 Jahre im Dirnste der israelitischen Kultusgemeinde, in der er das Amt eines Vorbeters und Vorsängers bekleidet. Es ist ihm durch Gottes Gnade beschielen, bereits das sechste Lustrum seine Stimme zu erheben, herrlich ertönend zum Lob- und Dankpreise Gottes, wie auch geeignet, die Seele des Zuhörers zu gleicher Andacht emporzuheben, zuverlässig in Reinheit und Lauterkeit wie in selbstgrschöpfter Innigkeit und Kunstfertigkeit. Als Kantor Goldmann 1887 seinen Probevortrag hielt, erwarb er sich sofort durch seine wohlklingende Stimme und seinen schönen Vortrag di: Sympathien der Gemeinde- Mitglieder, so daß von jeder weiteren Berufung eines Probekandidaten abgesehen wurde, und nach einem Vterteljahrhundert sprach Prof. Feuerstein namens des Human'tätsve'eines „Austria Bmn B'rith" den Wunsch aus, daß es der Geme'nde vergönnt sein möge, noch durch viele Jahrzehnte an semrr herrlichen Kunst Freude, Genuß und Erhebung zu finden. Der gleiche Wunsch erfüllt auch heute, wo wir seinen 60. Geburtstag vorbereiten, nicht nur die Herzen seiner Glaubensgenossen, sondern viel weitere Kreise, ohne Unterschied der Konfession und unbeschränkt durch Grenzen von Stadt und Land. Denn bas Wirk.n Ignaz Eoldmanns ist nicht auf den Tempel, auf die rituellen und liturgischen Funktionen bei frohen und traurigen Lebenssällen der Judenschaft eingeengt; selbst ein Künstler und lirdersroher Mann, hat er nicht bloß an Gott geweihter Stätte, sondern auch in kunstverständigen Kre'sen sangessreudig die kostbaren Gaben stiner Kunst ausgestreut und sich die liebevolle Zuneigung und aufrichtige Wertschätzung aller Kreise unserer Schwesterstädte erworben und sich der Gunst der Hohen und Mächtigsten erfreuen dürfen, die jemals in ihren Mauern länger geweilt haben. Bekannt ist, wie gern der frühere Statthalter Dr. v. Koryrowsti im Tempel, im Konzertsaale und im Mus.ksaale der Privatwohnung des Oberkantors erschien, um seinen Liedervorträgen mit Andacht und Bewunderung zu lauschen. Mehr als zwei Dezennien-mögen es her sein, als Ignaz Goldmann, der Entdecker der Selma Kurz, mit der Veranstaltung eines Eesangskonzertes seines damals noch ziemlich unbekannten Schützlings und Zögl ngs zum erstcnmate in die Oeffentlichk-eit trat. Dieser sein erster Erfolg bestimmte ihn, sich mit der Veranstaltung von Koyzerten zu befassen. So ward der Oberkanior der Judengemeinde zum Kunstbildner der Bevölkerung unserer Städte und befruchtete reich das Mus kleben derselben. D'Albert, Psaye, Kubelik, Slezak, Schmedes, Burmester, Hubrrmann, N-edbal, Kurz, Demuth, Koczian, Grünfeld und alle d e leuchtenden Sterne am Kunsthimmel der Wel-, s e kamen nach Bielitz, gerufen von Goldmann, der alles aufwendete, um dem Lorbeerkranze der Künstler ein neues Ruhmesblatt einzusetzen. Und wenn der finanzielle Erfolg auch ausblieb! Ein Stück Künstler, war und ist Goldmann immer Optimist. Wir alle, die wir uns an den durch Oberkantor Goldmann vermittelten Kunstgenüssen begeistert haben, stehen tief in der Schuld des bescheidenen Mannes, der am 20. Ok ober l. I. sein 60. Lebensjahr vollendete. Die Kunst des Vaters hat sich auch auf seine Kinder vererbt. Eine Tochter wirkt an der Oper in Dresden, eine zweite ist Konzertsängerin in Wien. Ebenso hat der Sohn des Jubilars, welcher derzeit des Kaisers Rock trägt, sich in unser Herz gesungen. Vodenbach. Eine weit über die Grenzen des Tetschener Bezirkes bekannte Persönlichkeit hat am 6. Cheschwan das Zeitliche gesegnet. Herr Adolf Pächter, Besitzer einer Steinnußkropfsabrik in Bodenbach, durch 33 Jahre Vorsteher der Kultusgemrinde Bodenbach, die unter seiner Leitung mit allen Institutionen einer modernen Gemeinde ausgestaltet wurde. Durch 15 Jahre stellte der Verblichene der Kultusgemeinde auf eigenem Grund und Boden ein Haus kostenlos zur Verfügung, darin der Gottesdienst abgehalten wurde. Dadurch war es der jungen, mittellosen Gemeinde möglich, ein Kapital zum Tempelbau zu sammeln, welcher im Jahre 1907 eingeweiht wurde. Der israel. Friedhof in Rosawitz, war desgleichen seiner Initiative, seiner Energie und nicht zuletzt seiner Munifizenz zu danken. Mit unendlicher Liebe hing er än der Gemeinde, es verging kein Tag, und das will viel sagen bei einem vielbeschäftigten Großindustriellen, wo er nicht neues für die Gemeinde, den Tempel ersann und meistens von seinen Handwerkern aus der Fabrik Herstellen ließ. Ein so treuer Jude er auch war, er wußte sich die Achtung der weitesten Bevölkerung zu erringen. Wurde er doch in die „antisemitische Stadtvertretung" vor Jahren gewählt und seiner tüchtigen Arbeitskraft, seinem besonnenen pflichttreuen Schaffen waren viele Referate anvertraut. Er war auch Mitglied der Bezirksvertretung, des Orts- und Beznk>schulrates, Zensor der Ocsterreichisch-ungarischen Bankfiliale und bekleidete noch vi le Ehrenämter. Sein Hinscheiden betrauern außer seiner Gattin Frau Minna, geb. Stein, noch drei Söhne und fünf Töchter. Sein Leichenbegängnis, das Sonntag bei herrlichstem Sonnenschein stattfand, gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Beliebtheit des Verblichenen. Das große Tempelgebäude war bereits voll von Trauergästen, als die vielen offiziellen Persönlichkeiten erschienen. Wir sahen den Herrn Statthaltereirat Varvitius, Herrn Josef Umlauft, Obmann der Bezirksvertretung mit mehreren.Mitgliedern derselben, den Direktor der Oesterr.-ungar. Bankfiliale Herrn Ritter v. Hartlieb, Dir. Puchen, die Herren Bürgermeister Parthen, Stadlrat Reinisch und andere Stadträte und Gemeinde- Vertreter, Postdirektor Tamon, Forstmeister Prinzen Direktor Dittrich, Direktor Polancky, Oberlehrer Fied'er, Pastor Fröhlich Rabbiner Morgenstern-Leitmeritz, Abordnungen der evang. Kirchengemeinde, der israel. Kultusgemeinden Aussig. Leipa, Leitmrritz, Brür, Prag, Tcpl-tz, der Bna'-Brith Loge-Bo'e nia des Militär- Veteranenvereines Bodenbach, d'e Arbeiterschaft der Fabrik und viele andere. Die Ansschmückung des sonst so freundlichen Gotteshauses trug einen ernsten und düsteren Gharak er. Rabb 'ner Fr rund, der durch jahrelange Freundschaft mit dem Verblichenen verbunden war, setzte in seiner Rede auseinander, daß das öffentliche Wirken des Verstorbenen ihm selbst Religion gewesen, denn er hielt das

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