Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 42 (22.10.1915)
- Date
- 1915-10-22
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 42 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 795 Der jüdische Rektor der Prager deutschen Universität. Wie die „N. F. Pr." und das „Prager Tagblatt" mitteilen, hat der am 23. Juni dieses Jahres zum Rektor der deutschen Universität in Prag gewählte ordentliche Professor deS Handels-, Wechsel- und Bergrechtes Otto Frankl, der allen bestimmten, auch vorzeitig in der Presse geäußerten Erwartungen zum Trotz, die aus ihn gefallene Wahl a n n a h m, jetzt r e f i g n i e r t. Kaiser Franz Josefs-Ferienheim. Frau Dr. Zins, welche sich bei den diesjährigen Aktionen des Ferienheim, namentlich bei der Galizischen Ausspeisung, mit unermüdlichein Fleiße betätigte, mußte wegen Uebermüdung ihr Schriftsühreraint, welches sie durch eine Reihe von Jahren innehatte, niederlegen, bleibt aber nach wie vor im Verbände des VereinSvorstandeS tätig. Frau Bergrat Lily Bauer wurde in den BcreinSvorstand berufen und übernimmt daS Amt der Schriftführerin. Amtsleiter und Inspektor Julius Braun s. A. Am Dienstag, den 19. d. M., wurde von der großen israel. Zeremonienhalle des Wiener Zentralfriedhofes aus die irdische Hülle Julius Brau n's, des wohlverdienten Amtsleiters im Kultus- und Unterrichtsamt der Wiener Gemeinde, zu Grabe getragen. Die letzten Wochen erst erkrankte Herr Julius Braun ernstlich und entschlief am 16. d. M. abends bei ^abbatausgang im 71. Jahre seines Lebens, zum Schmerze seiner Verwandten und zahlreichen Freunde in unserer Gemeinde. Herr Gemeinderabbiner Dr. T a g l i ch t gab dem Verluste, der unsere Gemeinde und die Schule betroffen, in sehr warmen Worten beredten Ausdruck und ihm folgte Herr Bethausvorsteher S. A. Masse rv o g l, der die trefflichen Eigenschaften des Verblichenen hervorhob. Herr Inspektor Prof. Kanitz schilderte das Wirken B r a u n's im Schulamte und als Inspektor der hebräischen «prach- und Bibelschulen und wie er die Jugend für die Erlernung der heiligen Sprache besonders begeisterte, und Herr Direktor I. Mautner sprach namens des Vereines „Tefillas han'orim" dem Verewigten den Dank aus für seine Förderung der 'Feiertags- Andachten für unsere Jugend. Herr Oberkantor Schleifer trug ergreifend die Trauergebete, assistiert vom großen Tempelchor, vor. — In den Trauerreden wurde auch hervorgehoben, daß Inspektor Braun durch Schaffen von trefflichen Lehrbehelsen zur Uebersetzüng unserer Gebete auch für die Zukunft unserer Jugend segensreich gewirkt habe. Eine sehr stattliche Anzahl illustrer Trauergäste (u. a. Oberrabbiner Dr. Güdemann, Rabbiner Dr. R o s e n m a n n, die Oberkantoren Fuchs und Morgenstern, die Bethausvorsteher Anton Beck und Rudolf K o h n, die Vorsteher der „Chewra- Kadischa" Karl Lemberger und S. Steiner, Sekretär Doktor Emil Adler, zahlreiche Kultusbeamte und viele Lehrer ic.) gab dem Verewigten das Geleite bis zum Grabe, das nun die Reste eines wahren Jugendfreundes und eines um das Religionsschulwesen wohlverdienten Mannes birgt. Sein Andenken sei gesegnet! A. _ Wien. (Hebräischer Konversationsklub des Jüdischen Handlungsgehilfen - Verbandes.) Samstag, den 23. d. M„ 8 Uhr abends. Vortrag des Herrn jur. Bittner über: „Erlebnisse unter russischer Herrschaft." Der Vortrag findet in hebräischer Sprache statt. (2. Bezirk, Obere Donaustraße Nr. 65, Hochparterre.) Anmeldungen für den vom Jüdischen Handlungsgehilfen-Verband veranstalteten hebr. Sprachkurs werden noch diese Woche -von 8—9 Uhr abends entgegengenommen. Wien. Samstag, den 23. Oktober, findet beim Morgengottesdienste, halb 8 Uhr, im Schiffschul die Barmizwah des Daniel Freund, Sohn des Angestellten der Chewra-Kadischa, Heinrich F r e u nd und seiner Gattin Gisela, statt. Wien. (T h e o l o g i a.) Die in der letzten Generalversammlung am 12. d. M. vorgenommenen Ausschußwahlen für das Wintersemester 1915/16 ergaben folgendes Resultat: Präses: Doktor Julius Augapfel; Vizepräses: CH. S. S ch u l s i n g e r; Kassier: Hirsch Koretz; 1. Schriftführer: Salo Baron; 2. Schriftführer: Josef Flesch; Nfd. K.: W i I l m a n n. Austritte ans dem Judentum vom 10. bis l6. Oktober 1915. Theresia Brunner, Private, geb. 31. August 1884 in Wien. 2. Bez.. Stuwerstraße 33. Egon Engelmann, Beamter, geb. 30. November 1886 in Wien. 6. Mollardgasse 17. Marianne Fröhlich, Lehrerin, geb. 14. Mai 1896 in Wien. 9. Bez.. Porzellangasse 10. Laszlo Fuchs, Kaufmann, geb. 15. August 1874 in H.-M.-Vasarhely, 3. Bez., Boerhavegasse 8. Margarete Geisler-Mandel, Private, geb. 11. Dezember 1887 in Jägerndorf, 18. Bez., Gentzgasse 127. Cäcilie Klug, Kontoristin, geb. 15. Mai 1885 in Szered, 2. Bez.. Nestroygasse 6. Moisi Minerbi, Ingenieur, geb. 14. August 1875 in Triest, 8. Bez., Langegasse 11. Wilhelmine Sokal, Private, geb. 28. Oktober 1895 in Stanislau. 5. Bez., Spengergasse 3. Julius Lühs, Hilfsarbeiter,g eb. 3. März 1888 in Brünn. 12. Bez.. Eichenstraße 76. Rosalia Tauber, Hadernsammlerin, geb. 24. Jänner 1859 in Sec bei Pilsen, 12. Bez., Schönbrunnerstraße 195. Richard Wahringer, Hilfsarbeiter, geb. 25. November 1893 in Wien, 12. Bez., Fockygasse 30. Wihorschau (Böhmen). Hier verschied am 13. Oktober Frau Katharina Schnur macher im 90. Lebensjahre und wurde am 15 d. M. unter großer Beteiligung zur letzten Ruhestätte gebracht. Unter den Anwesenden bemerkte man: als Vertreter der israel. Kultusgemeinde Neuern Herrn Eduard Vogel; als Vertreter des israel. Tempelvereines Glofau die Herren S. Brandeis und L. Hutter: als Vertreter der israel. Kultusgemeiude Janowitz a. d. Angel Herrn S. Feld mann und Herrn k. k. Postmeister Hugo Klein u. a. Ter Rabbiner der israel. Kultusgemeinde Klattau Herr Tr. S. B r e t h hielt oer Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf: sodann rezitierte Herr Kantor und.Religionslehrer der israel. Kultusgemeinde Janowitz a. d. Angel Hermann 0i e l b stimmungsvoll den Trauerpsalm 91 Die Leiche wurde auf den israel. Friedhof nach Lautschin überführt. München. Kommerzienrat Fränkel - München, Rechtsanwalt Dr. Feuchttvanger-München, Abr. Hirsch- Halberstadt, Rabb. Dr. Kohn - Ansbach und Jacob Rosen he im-Frankfurt weilten in Warschau, um sich Wer die Lage der dortigen Juden zu unterrichten. Wer weiß? Hölzer Michael, k. k. Landwehr-Infanterieregiment Nr. 14, 4. Ersatzkompagnie, in Hall (Tirol), sucht seinen Bruder Markts Höher» k. u. k. Infanterieregiment Nr. 89, 4. Feldkompagnie, da Genannter seit Oktober 1914 von sich nichts hören ließ. Feuilleton. Gin deutscher Jude. Wie ein Roman liest sich der folgende Bericht der „Straßburger Post" über eine Kriegsgerichtssitzung, die dieser Tage vor Hem Kriegsgericht der Landwehrinfpektwn Straßburg stattfand. Dem Gericht wurde in französischer Jrffanterkeuniform der 21 Jahre alte Kaufmann Moritz Weil aus Straßburg vorgeführt, gegen den die Anklage wegen Fahnenflucht und Kriegsverrats erhoben worden war. Der Angeklagte stellte den Fall also dar: Nachdem er die Oberrealschule in Straßburg und die Lehranstalt in Sasbach besucht hatte, trat er 1911 in ein Londoner Geschäftshaus ein und meldete sich 1912 zu freiwilligem Eintritt in die deutsche Kriegsmarine. Zurückgestellt, begab er sich zu Verwandten nach Newport, wo er am 31. Juli vom bevorstehenden Kriegsausbruch erfuhr. Schon andern Tags und später noch mehrmals suchte er mit vielen hundert jungen Leuten das deutsche Generalkonsulat auf, um durch dessen Unterstützung auf. dem raschesten Wege in die Heimat zurückzukcchren, was nch aber nicht bewerkstelligen ließ, da alle neutralen Schiffslinien die Beförderung wehrpflichtiger