Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-10-22 · 42 (22.10.1915) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
42 (22.10.1915)
Date
1915-10-22
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022185--24573-3049828
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 792 Dr. Bloch,'s Wochenschrift Nr. LS Rabbiner Dr. Julius Fischer schilderte in ergreifenden Worten den großen Verlust, den das ungarische Ilnterrichtswesen durch das Ableben a r m a n's erlitten. Im Namen der ungarischen Pädagogen sprach Universitätsprofefsor Ernst F i n a c z y, im Namen des Mustergymnasiums Universiiätsprofessor Dr. Elemer Csaßar, namens des Mittelschulprofessorenvereines Univer'itätsprofessor Doktor Ladislaus N e g y e s s y. Die Beisetzung erfolgte im neuen israelitischen Friedhofe. Dr. Jakob Schächter s. A. Einige Tage nach dem Hinscheiden des verdienstvollen Ersten Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Wien, wurde der in weiten Kreisen des In- und Auslandes hochgeschätzte Erste Vizepräses der orthodoxen Gemeinde Budapest, Dr. Jakob Schächter ins Jenseits abberufen. Diese zeitliche Aufeinanderfolge ist nicht ohne inneren Zusammenhang. Wohl gingen die Lebensanschauungen dieser Männer auseinander. Allein grenzenlose Wohltätigkeit und unermüdliches Schaffen im Dienste der Gesamtheit drückten dem segensreichen Leben das eine wie das andere das Gepräge auf. Von Beiden gilt das Schriftwort: „Sie sah, daß er gut war und verbarg ihn." Dr. Schächter erfreute sich auch in Wien zahlreicher Sympathien. Seine dem öffentlichen Wohle gewidmete Wirksamkeit verdient der Nachwelt als Vorbild ausbewahrt zu werden. Im Jahre 1373 ließ er sich als Arzt in Budapest nieder. Alsbald hatte er eine weit ausgedehnte Armenpraris. Der damalige Oderrabbiner R. Chajm Sofer, Verfasser der bekannten Responsen 71 erkannte den tief religiösen Ernst und das organisatorische Talent des „frommen" Doktors. Das herrschende Mißtrauen gegen „Studierende" überhaupt, mußte ausnahmsweise verstummen. Der Orthodoxenraw vrranlaßte die Berufung des akademisch gebildeten Mannes in den Vorstand seiner in Auflösung begriffenen Gemeinde. Sein erstes dauerndes Werk war die Gründung der Chewra-Kadischa, deren Präsident er bis an sein Lebensende blieb. Sodann organisierte er einen alle ungarländischen orthodoxen Gemeinden umfassenden Bikur-Cholimverein. Es gibt in Budapest fast keine Wohltätigkeitsinstiiution, deren Vorsitzender oder förderndes Mitglied er nicht gewesen wäre. Sein Sinnen und Sehnen galt allerdings in erster Linie den Interessen der Orthodoxie. Im August d. I. erzählte er mir in Luhatschowitz, welchen Kampf er nach allen Richtungen führen mußte, um den von ihm entworfenen Ergänzungsstatuten für die orthodoxe Landeskanzlei die ministerielle Bestätigung zu sichern. An Anfechtungen und Anfeindungen im eigenen.Lager fehlte es ihm, dem „Doktor", nicht. Seine Tatkraft erlahmte doch nicht. Von jedweden persönlichen Motiven frei, trat er für das gesteckte Ziel mit stählerner Energie ein, unbekümmert um die Angriffe von rechts und links. Und in der Tat begegneten ihm Freund und Feind mit Achtung und Wertschätzung. Allem Extremen abhold, suchte er immer und überall ausgleichend zu wirken. Ein tiefgebildeter und gesetzestreuer Jude stand er gleichsam an der Erenzscheide zwischen Neologie und Orthodoxie, als erhabenes Wahrzeichen, daß Kultur und religiöse Ueberlieferung in schönster Harmonie sich vereinen können. Sein Streben war nicht vergeblich. Das am 14. d. M. stattgefundene Leichenbegängnis, bei welchem alle Schattierungen vertreten waren, gab hievon ein beredtes Zeugnis. Die Förderung des Thorastudiums lag dem Verewigten besonders am Herzen. Groß war stets die Zahl der Bachurin, denen er durch monatliche Geldsendungen das Lernen an der Jeschiwah ermöglichte. Manche sind inzwischen achtbare Kaufleutc, andere Rabbiner geworden. Zu den letzteren gehöre auch ich. Groß ist die Zahl der Talmide-Chachomim in Ungarn, wie im heiligen Lande, deren Not er gelindert. Sie alle trauern um ihren Wohltäter, unter dessen Ausstrahlungen sie sich einst sonnen dursten. Mit Anspannung seiner ganzen Kraft strebte er, dem Elend der galizischen Flüchtlinge zu steuern. In das von Orthodoxen und Neologen gemeinsam geleitete Hilfskomitee gewählt, erwies er sich als ein Vater dieser Unglücklichen, denen er sich ganz widmete. Während des verflossenen Jahres war es allgemein bekannt, daß Dr. Schächter für seine ständigen Patienten keine Zeit hatte. Seine herzenstreue Gattin stand ihm verständnisinnig und tatkräftig zur Seite. Aber diesen Anstrengungen war der 66jährige, opferfreudige Arzt nicht mehr gewachsen. Sie machten feinem tatenreichen Leben jäh ein Ende. Die biedere Frau verlor plötzlich den idealen Gatten, die frommen Kinder den besten Vater. Möge das Licht der Lehre, das er in der dürftigen und düsteren Stube der Talmudjünger entzündete, als TEn “u immerdar seine Seele umfluten. Albert Farlas rr? Vor einigen Tagen trugen sie in Budapest eine lichtvolle Persönlichkeit, di: unter den größten Zeitgenossen der Scchziger- und Siebzigerjahre bestehen tonnte, zu Grabe. Albert Farkas war ein Publizist von Rang, dabei bekannte er sich mit aller Ueberzeugung zur orthodoxen Partei Ungarns. Er begründete das dazumal leitende Organ der ungarischen Orthodoxie, den in deutscher und ungarischer Sprache erscheinenden „Magyar Zsido". Durchglüht von Begeisterung, welcher Farkas die flammende Sprache lieh, so daß die Gegner die ehrliche Ueberzeugung dem kühnen Bannerträger der orthodoxen Judenheit nicht versagten. Albert Farkas, geboren im Jahre 1842, vollendete in seiner Vaterstadt Budapest seine Studien. Im jugendlichen Aller von zwanzig Jahren weckte er die Aufmerksamkeit des literarischen Ungarns durch sein aus die Bühne des ungarischen National- Theaters mit seltenem Erfolge aufgeführtes Drama „Johanna von Neapel" und der unsterbliche Maurus I 0 k a i verpflichtete ihn für die Redaktion seiner politischen Tagesblätter. Dann redigierte er das großangelegte Werk „Eedenkbuch des Parlaments", welches nebst der illustren Mitarbeiterschaft von Maurus I 0 k a i, des ungarischen Just Ministers Baltasar Horvath, des großen Parlamentariers und Lehrers weil. Ihrer Majestät Königin Elisabeth Dr. Mar Falk u. a. starke Wirkung auf die Gesinnung der damaligen politischen Kreise ausübte. Nebstbei fand er Zeit und Muße, eine ganze Reihe fremder Werke in mustergiltiger Uebertragung dem ungarischen Leserkreise zu vermitteln, und als er aus privaten Gründen sich von dem Budapester orthodoxen Lager, welches sich dem Schwingenschlage der Zeit verschloß — so gestattet dieses Lager nicht, auf den Denkstein des Verklärten eine selbstverfaßte Inschrift, weil sie in u ng arischer Sprache geschrieben, zu setzen — zurückzog, widmete er den restlichen Teil seines Lebens der Ausarbeitung seines großangelegteu, 5 Bände umfassenden, religiös-philosophischen Werkes, dessen deutsche Uebersetzung und Veröffentlichung ein Gebot der Pietät des Sohnes des Verblichenen des Schriftstellers Emil Farkas nächste Aufgabe bilden wird. Den Verstorbenen beweinen seine einzige Tochter, drei Sühn, der Direktor der Handels- und Transport-Aktiengesellschaft Sigmund Farkas, der Kaufmann Ludwig Farkas und der bekannte Schriftsteller und Heineübersetzer Emil Farkas. Prof. Ed. N. Vermischtes. Jüdischer Schulverein für den 9, Bezirk 9. Bez., Seegasse!16. Der Vorstand veranstaltet Sonntag, den 24. Oktober d. I., präzise 10^/2 Ahr vormittags, in seinen Vereinslokalitäten, zum Andenken an seinen hochverehrten. langjährigen Ehrenpäsidenten sei. Herrn Dr. Gustav K 0 h n, eine Trauerversammlung. Spenden für Palästina. Großrabbiner Israel Hager aus Wiznitz, derzeit Nagyvarad, Sammlung, H. K. Kr. 6000.—; Israelitische Kultusgemeinde Mißlitz, H. K. 281.—; Bürgermeister D. Spitzer, Leipnik (übermittelt durch Herrn kaiserl. Rat Ad. Schramek), H. K. 150.—; Frau Heinrich Mandl, Wien, 1. Bez., L. K. 100.—, H., K. 100.—; David Fanto, Wien, 1. Bez., H. K. 100.—; Synagogengemeinde zu Osterode, Ostpreußen, H. K. 67.56; Israel. Kultusgemeinde. Krizevci, Kroatien, H. K. 50.—; Israelitische Kultusgemeinde. Brünn, L. K. 50.—; Jsak M. Schapira, Rabbiner aus Gwozdziec, derzeit Wien, 2. Bez., H. K. 38.92; Josef Gelber, Wien, 2. Bez., H. K. 30.—; Bürgermeister D. Spitzer, Leipnik, H. K. 60.—; L. Gestetner, Prehburg, L. K. 25.—, H. K. 25.—; Israel. Kultusgemeinde Tulln-Klosterneuburg (Tempelspenden) H. K. 25.—; Dr. M. Lewin, Rabbiner, Nikolsburg, Samlung, H. K. 23.—; Rabbiner S. Löwi, Jechnitz (Sammlung in der Kultusgemeinde) L.K. 23.—; Artur Nascher, Wien, 3. Bez., L. K. 20.—. H. K. 15.—; Oberrabbiner Nathan Jakob Dym aus Sanok, derzeit Wien, 2. Bez. (Spenden an den heiligen Tagen), H. K. 14.—; Erben und Eerstenberger, Prag, H. K. 10.—; Dr. H. Flesch, Stadt Kanitz, L. K. 20.—; Dr. Jakob Deutsch, Wien, für die Chewra-Kadischa im 16. und 17. Bezirk, L. K. 10.—; Mechel Goldschlag, Wien, 20. Bez.. H. K. 6.—; M. O. Prag, H. K. 5.—; Spendensammlung durch Herrn Rabbiner Mor. Friedmann in Linz: Von den Linz-Urfahrer Mitgliedern d. Bne-Br. in Wien, H. K. 105.—; Heinrich Kronberger, Lederhändler, Linz, H. K. 40.—; Jüdische Einjährig-Freiwillige der Traindivision Nr. 14, Linz, H. K. 100.—, L. K. 20.—; Herr und Frau Josef Töpfer H. K. 20.—; Oberleutnant Fantl, durch Herrn B. Schwager, Fabrikant, Linz, H. K. 10.—, L.K. 10.—; Isidor May. H.K. 10.—; Egon Basch, Bankdirektor, H. K. 10.—; Sigmund Sonn, Produktenhändler, L.K. 5.—; Albert Gans, Kohlengroßhändler, H. K. 5.—; Mar Tandler, H. K. 5.—; Oskar Pollak, L. K. 5.—; Frau Charlotte Klein, H. K. 5.—; Eduard Stein, Staatsbahninspektor, H. K. 5.—; Richard Kafka, Kohlengroßhändler, H.K. 5.—, L.K. 5.—; Leopold Piskaty, H. K. 5.—; Albert Stern schein, H. K. 5.—; Korner, H. K. 5.—; Rabbiner Moriz Friedmann, H. K. 5.—; David Hirschfeld, Konfektionär, H. K. 4.—; Morpurga, H, K. 3.—; Friedrich Sternschein, H. K. 2.—; Joses Pollak, L. K. 2—;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.