Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 41 (15.10.1915)
- Date
- 1915-10-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 768 Dr. Bloch'S W-chenfchrift Nr. 41 80 Bittgesuche armer Kinder, die wegen Mangel an Schuhen nicht zur Schule gehen können! Die Brockensammlung für jüdische Arme verteilt an jedem Dienstag, von 2—3 Uhr (Alserstraße 42), die ihr im- Laufe der Woche zugekommenen Spenden. Groß mar bei der letzteit Verteilung die Frage nach Stiefeln; mehr als 80 Bittgesuche liefen ein; nur di? Hälfte konnte erledigt werden. Herzergreifend sind die Briefe mancher Kinder, die sich km den Vorstand wenden. Fritz W. schreibt: „Ich möchte so gern zur Schule gehen, aber Mutter hat kein Geld, mir Schuhe zu kaufen; Vater ist seit zehn Monaten im Krieg. Ich bitte alle Tage zum lieben Gott, daß er mir zu einem Paar Schuhe verhilft; ich bin ja Vorzugsschüler." —' Die Lisi N. schreibt: „Wenn ich doch wieder zur Schule gehen könnte! Mer meine Stiefel haben keine Sohlen mehr. Bitte sehr, sagen Sie den reichen Mädels, sie sollen mir ein Paar spendieren; mein guter Vater ist in Serbien im Spital, Mutter ist krank, weil sie sich so sehr grämt. Bitte, bitte!" — Der zwölfjährige Joses S. bittet um ein Gewand; er schreibt: „Mein guter Vater ist vorige Woche in Stry an der Cholera gestorben; wir sind vier Geschwister und gehen noch in den dünnen Sommerkleidern; Mutter hat nur Geld für Brot und Erdäpfel. Gibt es nicht noch gute Menschen, die uns ein paar abgelegte Sachen schenken?" Ein Blick in das Elend dieser Armen genügt wohl, um edle Menschen zu veranlassen, was ihnen entbehrlich, unserem Verein zu senden. Pakete wolle man an bcn Obmann des Vereines Herrn S. Bauer, Lerchenfelderstraße 71, senden. I. B. Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Airbeiterinnenheim. Vor einigen Tagen fand unter dem Vorsitze des Präsidenten, Herrn kais. Rat Dr. S. Krüger, die erste Vorstanössitzung dieses Vereines nach den Ferien! statt. Die in derselben erstatteten Referate konnten mit besonderer Befriedigung konstatieren, daß das Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim ungeachtet der Kriegsereign'isse seine Tätigkeit arff dem Gebiete der Jugendfürsorge in ungestörter Weise fortsetzen konnte uuo daß alle 'Schützlinge des Vereines, sowohl die älteren, als auch die während der Kriegszeit, insbesonders aus Galizien neu hinzugekommenen, der Fürsorge des Vereines in vollstem Maße teilhaftig geworden sind. Auch die Tätigkeit des Vereines hinsichtlich des im Heime untergeblachten Reservespitales konnte als eine äußerst segensreiche und allseits anerkannte bezeichnet werden und mit großer Genugtuung konnte der Präsident nicht nur auf die vorzügliche Pflege uito Verpflegung, welche allen im Spitale untengebrachten verwundeten und kranken' Soldaten zuteil wird, sondern insbesonders auch auf die im Spitale erzielten außerordentlichen Heilerfolge Hinweisen. Dem Berichte über die Spitalstätigkeit wurde mit lebhaftem Beifalle auch die Mitteilung entnommen, daß auch für das religiöse Empsinden sämtlicher im Spitale untergebrachten kranken und verwundeten Soldaten stets in entsprechender Weise gesorgt wurde und daß insbesondere unseren füdischen Soldaten Gelegenheit geboten wurde, sich an den zu den hohen Festtagen Veranstaltern Feierlichkeiten zu beteiligen und daß namentlich der Versöhnungstag von unseren verwundeten Kriegern und unseren Heimschützlingen in würdiger und weihevoller Weise begangen wurde. Mit einem Appell des Präsidenten an die Vorstands- Mitglieder, sich wie bisher auch fernerhin unentwegt und unverdrossen für das Heim und seine Interessen zu betätigen, wurde die zahlreich besuchte Sitzung geschlossen. W. Militärgottesdienfte in Krakau. Dank der Initiative der jüdischen Militärseelsorge, die hiebei vom jüdischen Kultusvorstand tarkräftigst unterstützt wurde, konnte an den abgelaufenen Festtagen für die religiösen Bedürfnisse der zahlreichen jüdischen Mannschaft ausreichend gesorgt werden. Die jüdischen Soldaten waren an den Jomim Nauroim vollständig, am Laubhüttenfeste nach Tunlichkeit vom Dienste befreit. An den .erstgenannten Tagen fand der Festgottesdienst in dem von der Gemeinde zur Verfügung gestellten großen Sitzungssaale statt. Neben einem Berufsvorbeter fungierte auch ein zur militärischen Dienstleistung einberufener Opernsänger. In die rabbinischen Funktionen teilten sich die beiden Festungsseelsorger Dr. Golinski und Dr. W eins b erg. Der Kultusgemeinde Pilsen, die nun schon das zweite Jahr ihren verehrten Seelsorger 'Rabbiner Dr. Golinski entbehren muß, mag es zur Befriedigung gereichen, daß dessen oratorische Leistungen diesmal mehreren Hundert braven Soldaten, unter denen sich viele mit Tapferkeitsmedaillen Ausgezeichnete befanden, zugute kamen. Ohne vom aktuellen Kriegsthema abzugehen, verstand es Dr. Golinski, seine Zuhörer, wenn auch nur für Augenblicke, aus der ernsten Wirklichkeit in eine religiös erhobene Stimmung zu versetzen. Er gedachte auch bei der Seelenfeier am Versöhnungstage der gefallenen Offiziere und Soldaten, während bei demselben Anlässe am Schemrm Azerot Herr Dr. W e i n s b e r g fungierte. — Dem Andenken unlerer roten Helden war auch die sehr eindrucksvolle Jomkippurpredigt des Gemeinderabbiners Dr. Thon gedeiht. — Auch im russischen Kriegsgefangenenlager in Dabie bei Krakau wurde an den Festtagen Hn feierlicher Gottesdienst abgehalten. Me Krakauer Kultusgemcmde sorgte in munifizenter Weise für die rituelle Bespeisung ber Gefangenen. 'Feldrabbiner Dr.'G o l i n s k i wohnte dem Mincha-Gottesdienste Erev Jomkippur bei und hielt bei diesem Anlaß eine Predigt. B . . . Hilferuf aus Gaya! Die große Not, in der sich über dreitausend ostgalizische Flüchtlinge befinden, an deren Rückkehr in die Heimat vorläufig nicht zu denken ist, zwingt das gefertigte Komitee, an die breite Oeffentlichkeit abermals mit der Bitte heranzntreten, zur Linderung der großen Not derselben mit einer Spende gütigst beitragen zu wollen. Durch zahlreiche große Unterstützungen im Laufe eines vollen Jahres sind die Mittel des Komitees völlig erschöpft und steht es am Ende seiner Kraft, wenn nicht edle Mitmenschen helfend eingreifen, um das traurige Los jener Elenden einigermaßen zu verbessern. Mit wärmstem Danke an alle edlen Spender, zeichnet ergebenst Flüchtlings-Hilfskomitee Gaya (Mähren). Leopold Klein, Bürgermeister. Wien. In schwerer Kriegszeit kämpfen unsere heldenhaften Soldaten todesmutig für den unversehrten Bestand unseres teuren Vaterlandes und alle Völker Oesterreichs stehen, zu jedem Opfer bereit, begeistert ein für Kaiser und Reich. Eine düstere Folge dieser ernsten .Zeit ist aber die furchtbare Teuerung aller Lebensmittel und die zunehmende, oft unsägliche Armut zahlreicher Bevölkerungskreise, zumal in Wiens 20. Bezirke. Hier helfend einzugreifen und armen Schulkindern ohne Unterschied der Konfession, deren Zahl leider eine sehr große ist, für den Winter gute Schuhe und Kleider zu verschaffen, um dieselben gesund zu erhalten und ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen, ist die Aufgabe unseres humanitären, gemeinnützigen Vereines „Die Brüder".