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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-10-15 · 41 (15.10.1915) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
41 (15.10.1915)
Date
1915-10-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 41 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 767 Jer neue Bürgermeister von Minsk. Graz, 12. Oktober. Die „Tagespost" meldet aus Posen: Ingenieur Lurie wurde von den deutschen Behörden Zum Bürgermeister von Pinsk ernannt. Kapellmeister Kerh und der Kaisermarsch. Kapellmeister Alfred Hertz hat schon bei seinem Abschied von Newyork bewiesen, daß er für sein Teutschtunr jederzeit einsteht, und das Absingen des „Heil Dir im Siegerkranz", das er und einige gefeierte deutsche Opernkräfte im Speisesaal des feinsten Newyorker Hotels dem „Tipperary" entgegensetzten, mar seine letzte künstlerische Leistung in Newyork. Jetzt ist er Dirigent des Symphonie-Orchesters in San Francisco, und er hat zum Schlüsse eines Konzertes den Kaisermarsch spielen lassen, gerade an dem Tage, da die Deutschen in Warschau einmarschieren sollten. Daran haben die Engländerfreunde Anstoß genommen. Sie verlangen die Absetzung von Kapellmeister Alfred Hertz, und zwar zugunsten von Mr. Henry Hadley, dem früheren Dirigenten der San Francisco Music Association. Der Kaisermarsch hat die Musikfreunde von San Francisco in zwei Lager geteilt, die sich nun heftig bekämpfen. Kapellmeister H e r tz selbst verweist die Kämpfenden an die Musiker, die sich weigerten, eine angesetzte Komposition ohne Extravergütung zu spielen, und denen der Kaisermarsch eben ein würdiger Ersatz war. Die Inden unter deutscher Kerrschast in Molen Die „Köln. Ztg." berichtet: Eine der größten jüdisch-amerikanischen Zeitungen .in Newyork ist „Die Wahrheit", die in einer Auflage von mehr als 120.000 Abzügen erscheint. Sie berichtete in ihrer Ausgabe vom 29. August d. I. über die Stellung der deutschen Regierung zu den Juden Polens. Der „Wahrheit" zufolge hat der Direktor der Reichskanzlei, Unterstaatssekretür Wahnschafse, sich gegenüber dem Komitee für den Osten, das sich mit der Lösung der Ostjudenfrage beschäftigt, folgendermaßen geäußert : „Es ist selbstverständlich, daß wir alle Teile der poluischeu Bevölkerung gleich b e h a n d e l n. Unsere Behörden wurden angewiesen, die Juden nach den Grundsätzen der Gleichberechtigung und Menschlichkeit gleich den anderen Nationalitäten zu beschützen. Wer die deutsche Staatsverwaltung kennt, weiß, daß wir Gegner der Ausnahmebehandlung und der unmenschlichen Verfolgung sind, denen die Inden in Rußland ausgesetzt sind. Wir haben aus den besetzten Provinzen keine Beschwerden, im Gegenteil, wir erhalten Tausende von D a n k b r i e f e n für die Loyalität und Unparteilichkeit unserer Verwaltung." * In den Friedensvertrag mit Rußland Klauseln aufzunehmen, die die Befreiung der Juden von den bisherigen Beschränkungen in Rußland ein für allemal sicherstellen, diesen Wunsch haben der Handelsvertragsverein, der Hansabund und der Verein deutscher Fabrikanten und Exporteure für den Handel mit Rußland in einer gemeinsamen Eingabe dem Herrn Reichskanzler unterbreitet, und zwar s'nd es namentlich folgende drei Punkte, bei denen Gleichstellung der Juden verlangt werden muß: 1. Geltungsdauer und Kosten des Passes, 2. Erteilung der Gewerbelegitimationskarten, 3 Einwanderung, Niederlassung und Erwerb von Immobiliarrechten. Der Mief eines Kriegsgefangenen aus Sibirien. Arnold Siegelmann, Korporal im 57. Infanterieregiment, Besitzer der silbernen Tapferkeitsmedaille, schreibt aus seiner Gefangenschaft in Stretensk (Sibirien) an seinen Onkel Leo Frucht er, Wien, 1. Bezirk, Rudolfsplatz 4: Stretensk, 2. August 1915. Meine Lieben! Habe schon ziemlich lange kein Schreiben erhalten. ' Uns geht es jetzt sehr gut. Man fühlt sich in die Sommerfrische S t e i n a. d. T o n a u versetzt. Wir sind hier einige Wiener und sind einige von ihnen entschlossen, zur Erholung von den Strapazen des Krieges nach S t e i n h o s zu gehen. Wir haben ziemlich viel vom I o m-Kippur hier. Grüßt alle bekannten und seid herzlichst geküßt von Eurem Arnold. Korrespondenzen. Zeichnet die dritte Kriegsanleihe! Die dritte Kriegsanleihe wird zur Zeichnung aufgelegt werden. iZum drittenmale im Laufe des Krieges ergeht die Aufforderung, dem Staate die Mittel zu geben, die zur Erfüllung seiner großen Aufgaben notwendig sind. Ruhmvolle Siegestaten des Heeres und der Flotte berechtigen uns, mit vollstem Vertrauen in die Zukunft zu blicken: aber auch die Beweise unserer wirtschaftlichen Stärke haben die Kraft eines Sieges. Es ist, als ob sich die Macht des Reiches unter dem "Ansturm der Feinde gewaltig gehoben hätte. Ties und der große Erfolg der ersten Anleihen sowie die stetig fortschreitende Kapitalserneuerung, daun der patriotische Geist und das Pflichtbewußtsein des Volkes sind Gewähr für vollen Erfolg der dritten Kriegsanleihe. Unsere Brüder im Felde weihen ihr Leben und Blut dem Vaterlande. Wer daheimgebliebeu ist, hat die Ehrenpflicht, bis zur äußersten Grenze von Können und Veruwgen mit allen Kräften die Mittel für den Kampf zu sichern. Wer dafür sorgt, sorgt mit Einsicht für sich: denn seine Sicherheit fußt auf der Stärke des Gemeinwesens. Die zielbewußte Gegenwart ist die Grundlage der Zukunft des Friedens. Am Erfolg ist jedermann, wer immer es fei und wieviel oder wie wenig er besitzen mag, unmittelbar und persönlich beteiligt. Wer über Bargeld, Einlagen oder Bankguthaben verfügt, wer Werte besitzt, die in Geld umgetvandelt werden können, für den ist es ein Gebot der vaterländischen Ehre, er hat die Pfliclft, die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen, auf die das Vaterland, durch die Feinde in seinem Bestände bedroht, das Vorrecht hat. Alle Bürger, die durch Ansehen und Stellung Einfluß haben, müssen dafür in unentwegter Kleinarbeit durch Belehrung und Aufklärung in ihren Kreisen wirken. Es ist keine schwere Pflicht, die der Staat hier von seinen Bürgern fordert, kein Opfer oder Gewinnentgang, nur die. Bereitwilligkeit, die finanziellen Mittel dem Staate zur wirtschaftlichen Kriegsrüstung zu leihen, somit beizutragen zum endlichen siegreichen Abschlüsse des Weltkrieges. Die finanzielle Kraft unseres Staates verbürgt den Zeichnern der Kriegsanleihe die Sicherheit ihres Kapitals und eine höchst vorteilhafte Verzinsung. Mögen daher alle Kreise der Bevölkerung, Landwirtschaft und Industrie, Kapital und Handel, Private und Gesellschaften, alle ihre Mittel für den Dienst der großen Sache zur Verfügung stellen durch Zeichnungen auf die dritte Kriegsanleihe. Wien, im Oktober 1915. Der k. k. Statthalter: Tr. Richard Freiherr v. B i e n e r t h.

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