Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 41 (15.10.1915)
- Date
- 1915-10-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 41 D^r. Bloch's Wochenschrift Seite 765 sturm das durch monatelanges Anrennen an den Karpathenwall zermürbte Russenheer durch Galizien vor sich herfegte, erwarb sich Wachtel, kaum wieder hergestellt, bei den Kämpfen um die Wiedereroberung von Lemberg neue Lorbeeren. Bei Mosciska gelang es ihm, bei einem Sturm einen feindlichen Bataillonsstab im Schützengraben gefangenzunehmen. Einen Monat später wurde er bei Krasnik durch einen Lungenschuß schwer verwundet und harrt nach einer schweren Operation im obigen Spital seiner Genesung. Hier erreichte ihn die frohe Kunde von den ihm neuerdings verliehenen Auszeichnungen, der goldenen Tapferkeitsmedaille und der deutschen Krieger-Verdienstmedaille, deren feierliche Ueberreichung sich für das Spital zu einer erhebenden Feier gestaltete. Im dekorierten Saale feierte Abteilungschefarzt Regimentsarzt Dr. Robert Bauer am blumengeschmückten Bette, in Anwesenheit sämtlicher Aerzte und Offiziere, vor den versammelten Verwundeten und der kommandierten Mannschaft des Spitals, in markigen Worten die großen Verdienste des jungen Heldeil. Hierauf nahm der Kommandant des Spitals nach einer tiefempfundenen, den anwesenden Gästen und in Pflege befindlichen Soldaten zil Herzen gehenden Ansprache die Dekorierung vor und heftete dem Kranken die Auszeichnungen an die Brust. Mit einem Hoch, das der Kommandant auf die verbündeten Monarchen ausbrachte, welches die Anwesenden und die aus der Mannschaft gebildete Kapelle mit der Volkshymne und der deutschen Hymne begleiteten, schloß die Feier. Die aufmerksame Pflege, die Aerzte und Pflegerinnen dem Verwundeten angedeihen lassen, werden hoffentlich bald zur Wiederherstellung des Zugsführers Wachtel führen. Den in Skalat bei Tarnopol ansässigen Vater Salomon Wachtel konnte der Verwundete zu seinem Bedauern nicht verständigen, da seit einem Jahre jede Nachricht über den Verbleib feiner Eltern fehlt. Wichaet Schönberger. Im isr. Krankenhause der orth. isr. Kultusgemeinde am Zuckermandl (Maria Theresia-Straße) in Preßburg fand vorige Woche eine erhebende Feier statt. Dortselbst wird der 20 jährige Feldwebel des 72. Infanterieregimentes Michael Schönberger als schwerverwundet gepflegt und dieser wurde nun im Rahmen eine,' durch freiwillige Pflegerinnen veranstalteten solennen Festes mit der ihm vom k. u. k. Armee-Oberkommando verliehenen goldenen Tapferkeitsmedaille dekoriert. Michael S ch ö nb e r g e r ist erst 20 Jahre alt. Als Sohn eines armen Tempeldieners wuchs er in den uralten Gasten des Pozsonyer Judenviertels auf. Als die Zeit kam. da das Vaterland auch an die Jung.m mit seinem Rufe herantrat, da wurde Michael selbst einer von den „Kriegsknechten" und. wie sich nun herausstellte. keiner von den letzten, denn die Verhältnisse erzogen ihn zum Helden. Als das Bein, das im wochenlang andauernden Stehen im verschneiten Schützengraben eingefroren war, durch die aufgewandte Pflege wieder gebrauchsfähig wurde, kehrte er neuerdings zur Front zurück. Diesmal kam er in die heißesten Frühjahrskämpfe hinein. Und an einem dieser schauerlich-schönen Tage, die unsere Truppen von Graben zu Graben unaufhaltsam vorwärts führten, kam das Heldenhafte, das sich in der Erzählung so schlicht und einfach gibt, als wäre es die gleichgiltigste Wiedergabe einer alltäglichen Episode, zum Vorschein. Der Graben der Ünsrigen lag am Fuße eines Hügels, auf dessen Höhe der russische aufgeworfen war. Michael Schönberger, das Kind der Judengasse, war während einer Gefechtspause mit einem Kameraden in den rechts an den Graben anschließenden Wald gegangen, wie die ahnungslose Seele nachträglich angab, Erdbeeren zu sammeln. Diese angenehme, aber unter den obwaltenden Umständen nicht ganz gefahrlose Beschäftigung nahm die zwei Suchenden doch nicht so ganz in Anspruch, daß sie nicht wahrnehmen konnten, daß sie dem russischen Schützengraben unbemerkt in die Flanke gekommen waren. Das sekundenlange Aufblitzen ihrer Augen verriet den in Zwei Köpfen zu gleicher Zeit auftauchenden Gedanken: Die Gewehre von den Schultern gerissen, schießen die zwei in rascher Anfeinanderfolge im Einzelfeuer auf die Insassen des Grabens. Die in vollständiger Ahnungslosigkeit befangenen Russen verwirrt das plötzliche, unerklärliche Seitenfeuer derartig, daß sie in Verkennung der Zahl ihrer Angreifer die Mützen und die Hände in die Höhe werfen und aus dem wildbeschossenen Graben herausspringen. Die zwei Hechtgraues stoßen nun die waffenlosen achtzig Russen mit den Kolbenenden der Gewehre den Abhang des Hügels herunter, wo sie von den verständnislos dreinblickenden Soldaten in Empfang genommen werden. Trotzdem das ganze Gelände unter ständigem Artilleriefeuer der Unseligen stand, kehrte Michael Schönberger nochmals in den nun leerstehenden russischen Graben zurück, holte das von den Russen daselbst zurückgelassene Maschinengewehr und erstattete nach vollbrachter Tat die Meldung. — Der für diese kühne Tat vom Infanteristen zum Feldwebel beförderte Ri i ch a e l Schönberger wurde, ebenso wie sein Kamerad, nut der goldenen Tapferkeitsmedaille — der höchsten Mannschastsauszeichilll!lg vor dem Feinde — dekoriert und nun fand die ttebergabe dieses Tapferkeitszeichens an den jungen Helden im Rahmen einer Festivität statt. Ehrend für den Ausgezeichneten waren zu diesem schönen Feste auch Obergespan und Regierung-kommisiär Aurel v. Bartal in Begleitung seiner Gemahlin, der Präiidentin des Soldatenfürsorge-Bereines Frau v. Bartal, und dessen Tochter Lilly erschienen. Eine nicht mindere Ehre fand das Fest durch das Erscheinen der Präsidentin des Stadtaus'chusses des Roten Kreuzes Erzellenz Gräfin Fried. Pongracz. Zur Einleitung dieses Festes intonierte in einem festlich dekorierten ebenerdigen Saale die Streichmusik des 72. Infanterie-Ersatzbataillons den Hymnus. Indessen erschienen noch in dem bis auf das letzte Plätzchen gefüllten Saale u. a.: Bon Seite der Stadtgemeinde Magistratsrat Richard K a n y a, in Vertretung der freiw. Feuerwehr Zugskommandant und Depotchef Baron Alerius C l a u e r, von Seite des Militärs, als Vertreter des Sanitätschefs des Riilitär- Kommandos und des Garnisonsspitales Nr. 19 der Hauptmann der k. u. k. Sanitätsabteilung Nr. 19 B e r e g h und der Spitals- Jnsprkäonsoff'zier Oberleutnant Doktor S ch w a r c z, außerdem mehrere Deputationen hiesiger Vereine und _ Korporationen. An der Spitze der aufopfernden Damen der freiwilligen 'Pflegerinnen stand der Leiter dieses fürsorglichen Krregsspitales und Oberarzt desselben, der Primarius des k. u. Elisabeth-Universitätsspitales Dr. Jakob Fischer und dessen Gemahlin. Die schöne Feier eröffnete der Präsident der orth. isr. Religionsgemeinde Gestettner mit einer ergreifenden ungarischen Ansprache, in der er den Grund der Feier erläuterte, die hohen Gäste willkommen hieß und mit einem dreifachen Eljen auf unseren erlauchten Monarchen schloß. Hierauf heftete Hauptmann B e r e g h als Vertreter des Militärs in einer kurzen, echt soldatischen Ansprache das schöne Ehrenzeichen an die Heldenbrust des tapferen Feldwebels. Nach vollzogener Dekorierung gratulierten der Obergespan, dessen Gemahlin und Tochter, Gräfin Pongracz, Magistratsrat K a n y a, Oberrabbiner Akiba Schreiber und alle anwesenden Honoratioren dem jungen Helden unter den Klängen der Hymne von Haydn und des Hymnus. Ebenso gratulierten die genannten Zelebrierten den anwesenden Eltern des Ausgezeichneten. Nach der Dekorationsfeier wurden die Pfleglinge des Kriegsfpitales mit einer ausgezeichneten Jause bedacht und abends gab es ein ganz erquisites Nachtmahl. Den Schluß der Festivität bildete ein gelungener Ilnterhaltungsabend. Auszeichnungen gefallener (dfirziere und Hlnlerofff ziere. Seine Majestät der Kaiser hat verliehen: das Mili tärverdienftkrenz dritter Klaffe mit der Kriegsdekoration für tapferes Verhalten den vor dem Feinde gefallenen Oberleutnants d. R. Dr. Salomon Alle r tz a n d, In fanterieregiment Nr. 13, und Albert K a tz, Landw. Regi ment Nr. 9; den Leutnants d. R. Simon Markstein und Samuel Glück, ungar. Landsturmregiment Nr. 17; Geza Freih. G u t m a n n von Gels e, Husarenregiment Nr. 1s ans demselben Anlasse das silberne Verdienst kreuz mit der Krone am Bande der Tapserkeitsmedaille dem einer Kriegsseuche erlegenen Rechnungsunteroffizier Geza B a r a n, Infanterieregiment Nr. 32. Im Kriege gefallen. Der Disponent der Firma Moritz Löwtz Karl Wert Heini, Sohn des Schriftstellers Abr. Werrheim, hat im Norden den Heldentod erlitten. Am nördlichen Kriegsschauplatz siel nn 14. S?p tember der Leutnant Leo Bloch des Infanterie regiments, Besitzer des Signum landis, nach dreizehn-