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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-10-08 · 40 (8.10.1915) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
40 (8.10.1915)
Date
1915-10-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Bloch's Wochenschrift Leite 743 Auf dem südlichen Kriegsschauplatz im Kampfe gegen Italien fiel Heinrich schmutz er, Sohn des Herrn Samuel S ch m u tz e r in Slatina, ein junger Mann von vielfacher Begabuna, der zu den größten Hoffnungen berechtigte. Heinrich S ch m utzer absolvierte das Real- Gymnasium in Esseg, imachte mit besonderer Auszeichnung die Maturitätsprüfung, war Jurist im 2. Jahrgang und befaßte sich neben seinen Universitätsstudien auch mit Malerei, und einige sehr gelungene Arbeiten gaben Zeugnis von seinetn Talent; ebenso war er musikalisch veranlagt und beherrschte mehrere fremde Sprachen. Im Oktober vorigen Jahres ist er als Einjährig-Freiwilliger zürn Heeresdienst eingerückt. In kürzester Zeit zum Kadett des 53. Infanterieregiments Agram ausgemustert, marschierte er Mitte Mai in die Front gegen Italien. Uncrschrockett und tapfer kämpfte er besonders bei den großen Stürmen vom 19. bis 21. August mit hoher Bravour. Am 22. August, halb 4 Uhr früh, wurde er von einer Granate getroffen und fiel auf der Stelle tot zusammen. Seine Leiche wurde unter allen militärischen Ehren und als Held in einem Sarg auf einem Friedhof nächst Scta. Lucia beerdigt. Zum Fähnrich mit besonderer Auszeichnung vorgcschlagcn, langte die Ernennung schon nach dem Tode ein. Iekdpostöriefe. Heinrich S o m m e r, in Zivil Kontorist bei der Firma S ch a p r i n g e. r tnrd Weil in Wien, feit einigen Monaten xm Felde, schreibt an feine Eltern in Welka bei Straßnitz, Mähren: Im Felde, 19. September 1915. Vielgeliebte Eltern'. Ich will Euch den Verlauf de? gestrigen Versöhnungstages schildern. Wir — ungefähr 14 Israeliten — erhielten von unserem Herrn .Hauptmann Freitag nachmittags und gestern den ganzen Tag dienstfrei. Wir versammelten uns gemüisam und verrichteten einen Gottesd'ensi, wobei ich als Vvröeter fungierte; drei konnten das Seelengebrt nach ihren verstorbenen Angehörigen abhalten. Die Gebete sind mit größter Andacht verrichtet worden. Wir fasteten bis Mittag, da wir heute einen großen Marsch uuternchnren und nun auch bald ins Gefecht kommen. Jedenfalls wird es eine lange Zeit nicht möglich sein, Euch zu schreiben. Bor dem Fasttag atzen wir Tee mit Butterbrod und Kartoffeln. Meine Gedanken, überhaupt auch von meinen Kollegen, waren oft bei unseren Lieben. Ich kann mir's denken, datz Ihr auch an uns gedacht habt. Hoffentlich hattet Ihr ebenfalls einen sehr guten Fatztag. Euch vielmals grützend und küssend, Euer dankschuldiger -ohn Heinrich. Regimentsarzt Dr. Heim vom 2-1. Infanterieregiment, der bereits das goldene Verdienstkreuz mit der Krone besitzt, erhielt neuerdings das sigimm laurtis. Er schreibt an seinen ehemaligen Religionsprofessor Rabbiner Dr. Bauer: .... 17. September 19 l 5. Lieber Herr Professor! Da wir Rosch-ha-schonoh im Gefechte »tauben, batten wir nicht Gelegenheit zu beten; heute aber ist jAuhe; nur Artilleriekamps; da wollen wir denn heute unser Koluidre sagen; zwar fern von unseren Lieben, aber unserem Gotte nahe, der wieder unsere Waffen mit Sieg und Ehre krönte. Mit ruhigem Herzen können wir heute vor Gottes Altar treten — wir haben auch eine Thora — denn wir haben fürwahr dem Judentums keine Schande gemacht; genug der sichtbaren Zeichen von unseres Kaisers Huld prangen auf unserer Brust und noch mehr braver Kameraden werden wir heute gedenken, die im Kampfe fürs Vaterland ihr junges Leben ließen. Möge der Allmächtige unser Gebet erhören, datz wir unserem Vaterlande einen ehrenvollen Frieden erkämpfen und datz unsere Namen ehrenvoll in der Geschichte unseres Volkes dastehen. Ihnen, Herr Professor, danke ich, datz Sie mich gelehrt haben, durch ein wenig Kenntnis te. Wort •$ ' 'tr? heute, in diesen heiligen Stund m, einigen Volksgenossen Führer, Berater und Tröster zu sein. Gott erhalte Sie! Ihr dankbarer Schüler Dr. H e,> i m. Satachische Disputation im Aekde. Der Oberrabbiner von Nyiregvhaza erhielt von dem Feldrabbiner Dr. Samuel Lemberg er die Mitteilung, daß der Honved Martin Fried man n aus Myircgyhaza den Heldentod gefunden hat. Dem Briefe entllehrnen wir die folgende interessante Stelle: Tiefe Rührung und aufrichtige Trauer erfüllt mein Herz, datz dieser wackere, hervorragende, als Mensch, als Soldat und als Jude gleich ausgezeichnete Kamerad nicht mehr mit uns, unter uns ist. Ls war eine wahre Herzensfreude, mit ihm zu sprechen und über theologische Fragen zu oisputieren. Ich wurde mit ihm zuerst anläßlich eines Gottesdienstes bekannt. Bald entwickelte sich zwischen uns ein kleiner talmudischer Disput. Die Jahrhunderte al.en Bäume der Horrisoner Wälder mochten wohl gestaunt haben, als inmitten von Geschützdonner und Gewehrgeknatter über!m!m!ilsti,e Fragen disputiert und eine Deziion des o (laffam> i'. ht ans dem 6. Bande seiner Respons.n, welche sich aus den Krieg bezieht, zitiert wird von Menschen, die noch vor einer halben Stunde im Schützengraben lagen. F r i e d m a nn hat am liebsten talmudische Zeitschriften zur Iteklüre gewählt, in den freien Minuten, die er im Schützengraben hatte, las er gerne in ihnen. Ich hatte schon immer eine Freude, wenn ich zu den Aeltern zur Abhaltung eines Gottesdienstes kam und ihn wieder sehen und mit ihm sprechen konnte. Seine Borgesetzten lobten immer sein Pfiichtbewutztsnn, seine Ausdauer, seine Tapferkeit und seinen Heldenmut. Jüngst wurde er auch für die Tapserkeitsmedaille in Vorschlag gebracht. Feldrabbiner Dr. Lemberger tritt schließlich mit, daß er dem gefallenen talrnndisch-festen Helden mit seinem besten Freunde und Kriegskameraden, dem gleichfalls im.Heldentode gefallenen Honved Moritz Ackermann, in einem getneinsamen Grabe nach altem jüdischen Ritus zur ewigen Ruhe bestattet habe. Danksagung an das 5. Arrnee-Klappenkommando. Lobt. Redaktion! . . . ., im September 1915. Ich fühle mich veranlaßt, den jüdischen Gemeinden durch Ihr wertes Blatt bekanntzugeben, mit welcher Um ficht das Armee Etappenkommandv gesorgt hat, daß wir Soldaten jüdischen Glaubens die höhere Feiertage im Felde begehen können, wodurch vielen Hunderten Gelegenheit geboten war, nufer übervolles Herz tu inbrünstigen Gebeten zum Allmächtigen/zu senden. Es lvurde den Juden von feiten des Korn marrdos dienstfrei gewährt, uni an den Gottesdiensten beiwohrren zu können, denen Herr Feldrabbiner B. H e r f ch k o v i c s beiwohnte. Als Vorbeter fungierte unter anderem Herr Oberkantor Siegfried Reiz in aus Kolin iMähren), der zurzeit ebenfalls als Krieger im Felde steht und uns durch seinen herrlichen Gesang den schönen Gottesdienst stimmungsvoller ruachle. Die notwendigen (Machierl) Feftgebetbücher hatte uns auch das 5. Armee-Etappenkommando zur Verfügung gestellt, welcher Urnstand uns Juden besonders freute, und fühlen wir uns daher veranlaßt, diesem Kommando j ms«ww«.

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