Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 40 (8.10.1915)
- Date
- 1915-10-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 40 Dr. Bloch’s Jahrgang XXXII Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Judentums. WienHober 1915 r Lrscvetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie«, H/i. Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie«. oc, -üo p A. ft. PostspsrftaffeNÄMt Q Clearing-VerKebr Mr. 810.976. Redaktion und Administration: wir» o Il/i, Praterstraße 9. j Telephon 45.359 <1 oO ■ Oo - — =oö p Vrxugsprris für Srfirrrrirh: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. * Anzeigen: Die 2mal gespally tene Petitzeile 48 Heller. £ oO-.- .- ■ Oo Inhalt: Leitartikel: Die hohen Festtage im Felde. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Das Märchen von der Minderwertigkeit des jüdischen Soldaten. — Auszeichnungen. — Der Kommandobefehl über Hugo Bümos. — Ausgezeichnete Eisenbahner. — — Gefallene Helden. — Feldpostbriefe. — Halachische Disputation im Felde. — Danksagung an das 5. Armee-Etappenkommando. — Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. — Befördert. — Russengreuel in der Bukowina. — Die Not der galizischen Juden in Sibirien. — Ahasver — Sie gehen zurück! — Juden in der englischen Armee. — Korrespon denzen: Was können unsere Kinder für die Armen Palästinas leisten? Die Not der Juden in Zfoczöw. Hilferuf des Vereines der Kinderfreunde für den 16. und 17. Bezirk. Brünn. Olmütz. — Vermischtes. — Feuilleton: Mein schönster Freitag-Abend. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Die hohen Festtage im Felde. .. den 22. September 1915. Ein Feldpostbrief. I. Wir sind in stetem Vormarsche begriffen, unaufhaltsam wird der Feind verfolgt. Es regnet ununterbrochen, es scheint, als wenn die Schleusen des Himmelswie einst in den Tagen Noahs, sich geöffnet hätten. Die Strapazen sind groß, die Wege unpassierbar, die Chausseen haben sich zu einem Kotmeer verwandelt. Unsere tapfere Armee muß auch den Kampf mit den Elementen der Natur aufnehmen. Trotz alledem heißt es immerfort vorwärts, unsere tapferen Soldaten lassen sich von keiner irdischen Macht aufhalten. Wenn sich Hindernisse und Schwierigkeiten in den Weg stellen, so wird mit verdreifachter Energie und Ausdauer gearbeitet) um sich nur den Weg nach vorwärts zu ebnen. Müde und abgespannt von dem heißen und furchtbaren Kampfe mit dem Feinde und mit den unerbittlichen Elementen der Natur haben es unsere braven jüdischen Krieger nicht vergessen, daß sie vor dem Eintritte des Rosch-haschonoh noch den inneren Kampf zu bewältigen haben, um die Gemütsruhe und den inneren Seelenfrieden zu erlangen und würdig für das neue Jahr, für den Tag des Gerichtes vorbereitet zu sein. Schon einige Tage vor dem Eintritte des Roschhaschonohs sind von verschiedenen Regimentern Anfragen gekommen, ob am Neujahrsfeste Gottesdienste abgehalten werden, und ob auch genügend Gebetbücher für die Feiertage vorhanden sind. Ich antwortete, daß alle Vorbereitungen für das Fest getroffen worden sind. Von den höheren Kommandos wurde schon einige Tage vor dem Feste den israelitischer^ Soldaten zugesagt, - daß sie, soweit der Felddienst nicht beeinträchtigt wird, am gemeinsamen Gottesdienste teilnehmen dürfen. Am 8. September l. I., am Rüsttage des Neujahrsfestes, hatten wir einen sehr schweren Tug. Früh morgens begann der Vormarsch. Den ganzen Tag strömte der Regen. Die Wege waren überflutet und fast unzugänglich. Es ist unglaublich, wie es dem Menschen zu Mute wird, bei einem solchen Wetter und bei so furchtbar schlechten Feldwegen den ganzen Tag auf dem Marsche zu sein. Um 6 Uhr abends erreichten wir unseren Bestimmungsort. Es dauerte noch eine geraume Zeit, bis wir unsere Quartiere mit Lehmdielen bezogen. Mit bestem Willen konnten wir nicht am Vorabende des Festes einen gemeinsamen Gottesdienst abhalten. In dem elenden Neste herrschte eine dichte, ägyptische Finsternis. Ein Zusammenkommen war ausgeschlossen, da der Regen von seiner Heftigkeit noch immer nicht nachgelassen hatte und der Morast über die Knie reichte. Alles war glücklich und zufrieden, daß man einen Zufluchtsort fand, um sich von den Mühseligkeiten des Tages auszuruhen und frische Kraft und Energie für den kommenden Tag zu sammeln. . Am ersten Rosch-haschonohmorgen hatten wir bloß einen kleinen Marsch zurückzulegen. Wenn wir auch einerseits sehr betrübt waren und das Heimweh sich bei uns! sehr fühlbar machte, da wir schon zum zweitenmale im Felde, fern von der Heimat das Fest feiern müssen, so freuten wir uns anderseits über den großen Erfolg unserer hervorragenden Armee, daß unser Heer einen jungfräulichen Boden besetzt hatte, der noch niemals von fremden Truppen berührt wurde. Wir waren noch im Laufe des Vormittags an Ort und Stelle angelangt. Nun aber war die schwierige Frage noch nicht gelöst, wo soll der Gottesdienst abgehalten werden? Im Freien war es unmöglich, da die Felder vom Regen und Kot überschwemmt waren. Im Dorfe waren bloß einige baufällige Bauernhütten mit kleinen Fensterchen, die kaum einige Menschen fassen konnten. Das einzige annehmbare Lokal, in dem Verwundete versorgt wurden, wurde uns auf kurze Zeit zur Verfügung gestellt, um unsere Neujahrsandacht verrichten zu können. Alles Ling sthön vonstatten. Offiziere und jüdische Mannschaft sammelten sich zum Gebete. Wenn auch ferne von der heimatlichen Scholle, ^so waren alle befriedigt, auch im Felde ihre religiösen Pflichten erfüllt zu haben. Vor dem Schofarblasen hielt ich eine Ansprache und erklärte unter anderem, daß Gott heute am „Jom hadin" ntit den Völkern