Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 39 (28.9.1915)
- Date
- 1915-09-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 39 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 721 München. (Ich hatt' einen Kameraden.) In den Februarkämpsen an der Marne fiel der jüdische Unteroffizier Flaum, Sohn des Bäckermeisters Flaum in Uffenheim (Bayern). Die Soldaten seiner Korporalschaft sandten dem Vater einen Trostbrief, der in seiner schlichten Ausdrucksform gleich ehrend für den Toten wie für seine treuen Kameraden ist. Er lautet: „Im Aufträge der Korporalschaft Ihres verstorbenen Sohnes will ich, Karl Faulhabe r, unser Beileid aussprechen. In Wahrheit war er uns stets ein guter Führer und besorgt für seine Leute. Auch jeden Tag verrichtete er sein Gebet nach seinem Ritus, was ein großer Trost ist. Noch kurz vor seinem Hinscheiden und des traurigen Augenblickes der Tat hatte er, wie gewöhnlich, sein Morgengebet verrichtet. . . . Dann ging er im Laufgraben hin und her von der Deckung zum Beobachtungsstand, wo ich ihm Platz machte, um in Deckung zu gehen. Ein Schlag — und um Hilfe rufend eilte man herbei. Ein Granaten-Volltrefser schlug in die Deckung vor dem Stand Ihres Sohnes ein. Er war durch Splitter an Fuß, Hüfte und Schenkel verletzt und litt schwer. Sein Zustand verschlimmerte sich, und kurz vor 2 Uhr stöhnte er und starrte mich an, ohne zu sprechen. Ich betete, obschon ich Katholik bin. Wir beten ja zu demselben Gott tute Sie. So ist er ruhig verschiedet:. Er mag in Frieden ruhen! Er ist begrabet: auf dem Friedhof der Gemeinde Cernay im Departement Chalon-sur-Marne. Auf der Karte iverden Sie es..genau finden. Es schließt n:it tiefer Sympathie für Ihr Schicksal, das Sie betroffen: K. Fa ul Hab er, Reservist. Reservist Wilhelm Meier; Gefreiter S ch w e i n f u r t h; Wilhelm Heinrich Höhn; Anton Schäfer: Wehrmann Johann Quirn« b a ch; Andreas G a r r e r: Ersatzreservist Willi Scheidt: B. Kohlbek; Walter Braun." Die deutsche Verwaltung in Warschau. In die Warschauer Zivilverwaltung hat die deutsche Reichsregierung den Reichstagsabgeordneten Rechtsanwalt Dr. Ludwig H a a s aus Königsberg berufen. Dr. Haas bekennt sich als treuer Jude, ist Präsident der Karl Friedrich-Loge und Vorstandsmitglied des Landesverbandes deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Pie Juden unter der Kussenherrschast. In dem Leitartikel des „berühmten" Professors Dr. Stan. Grabski in der von demselben während der Russenherrschaft it: Lemberg herausgegebenen Zeitschrift „Zjednoczenie" fand sich folgende Stelle: „Es kann wohl niemand sich an die jeweiligen Verhältnisse besser anpassen, als die Inden. Und doch kämpfen sie auf dem ganzen Gebiete der polnischen Länder mit allen Mitteln fanatisch gegen Ruß- 1 and. Ihre Freiheit, ihr Vermögen, sogar ihr Leben a u f s S p i e l setzend, spionieren sie unausgesetzt zugunsten Deutschlands und Oesterreichs; wie und wo sie nur können, schadet: sie der russischen Verwaltung und Armee." (Nr. 2 vom 22. März 1915, Seite 4.) Jie jüdischen „Geiseln" in Htußkand. Entgegen der Nachricht der russischen Blätter, daß die aus Galizien verschleppten Juden wieder in ihre Heimat §urückbefördert werden, erhalten die jüdischen Wohltätigkeitskomitees Mitteilungen, aus denen hervorgeht, daß fünfhundert jüdische Familie::, die nach Rußland verschickt wurden, sich nunmehr auf den: Wege nach Nishnij Nowgorod befinden. Eine große Zahljüdisch-galizischer Familien wird gleichzeitig nach Tschernigow abgeschoben; es ist diese:: bedauernswerten „Geiseln" nicht gestattet, während der Fahrt die Waggons auch nur für einige Minuten zu verlassen ut:d sich nach Lebensmitteln umzusehen. Den aus der Zwangsreise erkrankten jüdischen Frauen und Kindern wird unbarmherzig jede ärztliche Hilfe versagt. Vielen dieser Reisenden wurden die Geldmittel, über die sie verfügen, abgenommen. Der Lemberger Universitätsrektor Dr. Beck und der Vizepräsident des israelitischen Kultusgemeindevorstandes in Lemberg Tr. Jakob Diamond wurden gleichfalls von Kiew nach Nishnij Nowgorod fortgeschafft. Per Käme Narstlai. Wien, 19. Sept. 1915. Ich ersuche die geehrte Redaktion der „Wochenschrift", in Beziehung des Namens „Bazillai" meinen aufklärenden Zeilen auch gütigst Raum zu geben, diese beruhen auf meinen eigenen Erfahrungen. Es tvar in beit Jahren 1860—1875, da führtet: mich meitte Geschäftsverbindungen oft nach Italien und ich tvar hochbefreundet mit einer Firma Gabrielle Barsilai in Padua. Da tvar ein alter Herr, der bald darauf starb, ebenso ein Sohn Teilhaber der Firma. Ter Sohn, Gabrielle, blieb allein Chef dieser bedeutenden Firma. Die Mutter, eine gemütliche, sehr liebe, gebildete, alte Dame, eine fromme Israelitin aus dem Elsaß, hörte von meiner Anwesenheit in Padua ut:d lud mich, als Freund ihres Sohnes, zum Titter. Ich wurde recht warm etttpfangen mit den Worten: „Ich höre. Sie speiset: bei Bulafsio (jüdische Restauration). Nun bei mir ist alles recht koscher im Hause, so wie ich es auch bei meinen seligen Eltern sah; auch der Gabrielle ist zu Hause religiös, gewiß nur zuliebe: aber auswärts leider keine Spur von Religion. Er ist sehr wohltätig und zahlt alle jüdischen Auflagen. Wir sind von Triest hieher übersiedelt. Dort haben sich mehrere Verwandte meines sel. Mannes taufet: lassen und nennen sich seitdem Barzilai. Mein Sohn wird dies nicht tun und Jude bleiben." lWie dies auch geschah.) Die Barzilai sind in vielen Städten Italiens ansässig und Juden. Tie neue Exzellenz Barzilai, die für die Kulturliaa arbeitet, dürste selbst oder schon der Vater die Taufe genommen haben. Aufsehen erregt es nur, wie zwei gute Menschen, ob Jude oder nicht, Barzilai und Luzzatti, in: Sit:::e Petrograd Politik machen. Dattke bestens, hochachtend Filipp H o f b a u e r, Privat, Wien, XIV., Arnsteingasse 11. Löbliche 'Redaktion! Mit einigem Befremden lese ich. in Ihrer letzten Nummer Artikel: »Eine neue Entdeckung« die Behauptung, daß der Name Harsilai in nachbiblischer Zeit nicht mehr von Juden verwendet wird Welcher Talmüdist kennt nicht den Man braucht da wahrlich keinen gelehrten Apparat in Bewegung zu setzen, man schlage einfach auf Sehern ha- Gedolimj, Buchstabe n und * Der Herr Hofrat scheint doch im‘ Rechte zu sein, ohne daß seine gehässige Tendenz in Abrede gestellt werden soll. Hochachtungsvoll Rabb. Kurzweil, Pirnitz bei Iglau. Mit Beziehung auf meinen in Nr. 38 der „Oesterr. Wo-, chenschrift“ (S. 708) erschienenen Aufsatz: Eine neue Entdeckung!, möchte ich mit Rücksicht auf eine an mich gerichtete Zuschrift ergänzend bemerken, daß ich selbstredend die mir von der sehr geehrten Redaktion der „Oestorreiehischen AV'ochenschrift“ gewährte Gastfreundschaft nicht durch zu lange Ausführungen und Belege - namentlich in diesen Zeiten — mißbrauchen wollte, weshalb ich mich so kurz als irgendwie möglich zu fassen glaubte. Selbst da ich scho > wie aus dem Schlüsse meines Aufsatzes hervorgeht, ge-