Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 38 (17.9.1915)
- Date
- 1915-09-17
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 7i2 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 38 unserer Waffen bei, an denen unser Regiment reichlich Anteil nahm; insbesondere auf den bereits aus den Kämpfen des Vorjahres rühmlich bekannten Schlachtfeldern in der Nähe von Krasuik, als auch bei Erkämpfung der wichtigen Eisenbahnlinie Lublin—Jwangorod. Auch die Aussicht auf eine baldige siegreiche Beendigung des Feldzuges war durch die Nachricht von der Eroberung der Festungszentrale Warschau, mit deren monatelanger Belagerung man rechnete, bedeutend nähergerückt. Als ich nun eines Tages in meinem Zelte erwachte, machte mir mein Diener die Mitteilung, daß um 9 Uhr für die israelitischen Soldaten Gottesdienst abgehalten werden solle. Ich war über diese unvermutete Nachricht begreiflicherweise sehr. erstaunt, blätterte im Kalender nach, ohne einen jüdischen Feiertag ait diesenr Tage konstatieren zu können, vermutete daher, daß es sich um eine Vorfeier anläßlich der herannahenden hohen Feiertage handle, da cs nicht sicher war, ob an den.Feiertagen selbst die Abhaltung des Gottesdienstes möglich sein werde, eine Annahme, welche durch meine Erhebungen bestätigt erschien. Nun, eine jüdische gottesdienstliche Feier im Felde hatte ich noch nicht mitgemacht, die einzige religiöse Zeremonie war ein von uus jüdischen Regimcntsangehörigen, einem kleinen Häuflein, in unserer Winterstellung am Dutiajec veranstalteter einfacher, aber zu Herzeit gehender Seder. Auch diesmal fanden sich sämtliche ehemaligen Sederteilnehmer zusammen, bis auf einen Offizier, der inzwischen schwer verwuirdet worden war, und einen anderen, der gerade aus Urlaub In der Heimat weilte. Mit noch anderen jüdischen Offizieren und Unteroffizieren, welche seither mit den einzelnen Marschkompagnicn zum Regimcnte gestoßen waren, versammelten wir uns. kurz vor der angesagteir Stunde in dem uns zugewiesenen Garten eines verlassenen litauischen Dorfes. Dort trafen wir bereits über 100 jüdische Soldaten eines ostgalizischen Regimentes, sowie etwa 50 Mann eines ungarischen Jägerbataillons an. Bald nach 9 Uhr langte der Feldrabbiner Herr Dr. Tauber mittels Wagen an, im schwarzen Priestergewande, mit der dem Hauptnrannsrange entsprechenden Dminklion (drei goldene Bortenaus den Acrmeln. Er verteilte an die Soldaten eine größere Anzahl der von der Wiener Kultusaemeinde hinansgegebencn Feldgebetbücher, an die ungarischen Soldaten kleine Gebetbücher mit ungarischer Uebersetzung, und der Gottesdienst konnte beginnen. Das Morgengebet wurde verrichtet und hierauf aus einer kleinen Thorarollc ein Abschnitt verlesen, wobei Oberleutnant H. assistierte. Ein Kohen, Levi und Israel wurden aufgerufen und biebei ein Talles abwechselnd benützt. Die hebräischen Gebete machten tiefen Eindruck ans die anwesenden Krieger, erinnerten sie doch einen jeden an Kindheit, Heimat und Familie. Auf manchen wettergebräunten Antlitzen sah man Tränen, trotzdem viele Tapferkeitsmedaillen von der Unerschrockenheit der jüdischen Soldaten beredtes Zeugnis ablcgten. Jeder gedachte seiner in weiter Ferne lveilenden Lieben, mit denen er auch heuer nicht die Feiertage iit gewohnter Weise wird verleben können. Leider war auch in so manche Familie durch den unerbittlichen Krieg eine klaffende Lücke gerissen worden! Das Kaisergebet wurde verrichtet, mit der Einschaltwitg: „Gott segne unser tapferes, siegreiches Heer!" Fürwahr, das war unser aller Wunsch, zum Heile des Vaterlandes, aber auch zur Erlösung unserer durch den Krieg doppelt hart bedrängten russischen Glaubensbrüder. Wir selbst waren einmal Zeugen einer herzzerreißenden Szene. Hunderte russische Juden, Greise, Frauen und Kinder, welche von den ^Russen auf shrem Rüchzuge mitgcschleppt worden waren, wurden von ihnen, aller Habe beraubt und aller Mittel entblößt, als Ballast zurückgelassen. Verängstigt, ins tiefste Elend gestürzt, kehrten diese Unglücklichen in ihre Wohnstätten zurück, ohne zu wissen, ob und wie sie. dort ihr kümmerliches Dasein weiter fristen werden. 'Diese Rechtlosigkeit muß ein Ende nehmen und unser greiser, heißgeliebter Monarch, der seit jeher zum Schutze und zur Erweiterung der Rechte der Armen und Bedrängten gewirkt hat, wird auch diese Aermsten der Armen unter seine gnädige Obhut nehmen. Und in eine Huldigung für Seine Majestät klang auch die ebenso formvollendete als gedankenreiche Ansprache des Feldrabbiners aus, des Schlußaktes unseres Gottesdienstes. Er wies darauf hin, daß dieser Friedensfürst, der trotz seines sehnlichsten Wunsches zufolge der Habgier und Tücke seiner bösen Nachbarn seinen Völkern den Frieden nicht erhalten konnte, berufen ist, einen dauernden Frieden für Europa Zu bringen, beit Frieden des messianischen Zeitalters, dessen stürmische, blutige Vorwehen wir jetzt mitzumachen haben. Kriefkasterr. G. E., Budapest. Das Recht Grundbesitz zu erwerben, haben die Juden in Oesterreich erst unter der Negierung des Kaisers Franz Joseph I. erlangt. M. K. Wie uns zuverlässig bekannt ist, wird sich in Ungar n mit der Notstandsaktion für Palästina nicht die „Hilfskom- Mission 1915", sondern das Komitee befassen, welches Herr Ministerialsekretär Dr. Lederer ins Leben zu rufen im Begriffe steht. Anläßlich des Jahreswechsel s entbieten ihren Verwandten und Freunden herzlichste Glückwünsche: nilD Htt-TlPl Restaurateur Wilhelm Wilder, und Frau II., Große Scbiffamtsgasse 20 „Zum schwarzen Bären“. Städtischer Theatersefcretär Gustav Bon dt Brünn Prediger der israelitischen Kultusgemeinde Drohobycz Dr. Bernhard Schreier und Frau derzeit Karlsbad. Selchwaren 'TTCTüt ■' £ Koscher Selchwarenfabrik und Fleischs £ verschleiss Gesellschaft m. b. H. s ■' Eigene Fleischbank, II., Im Werd Nr. 1. l'm Wien, XX, Klosterneuburgerstraße Nr, 60. «" Fabrik mit elektrischem Betriebe, modernsten Kühlanlagen *■ Erstklassige Erzeugnisse sämtlicher SeLh- und Wurstwaren. ■■ I" Man verlange unsere Erzeugnisse über -11 unter der Marke UB ■" „Winea“. 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