Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 38 (17.9.1915)
- Date
- 1915-09-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022142-3022181--24487-3049738- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 710 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 38 Im Wohlfahrtshause veranstaltete in Zwei großen Sälen während der hohen Feiertage die israelitische Kultusgemeinde feierliche Gottesdienste, Zu welchen vom Bethausvorstande fast 600 Gratissitze zumeist an Flüchtlinge verteilt wurden. Verein „Ferienheim". Im Anschluß an den Bericht über die Sommeraktion der „Kinderfürsorge", in welchem die Aktionen des Vereines „Ferienheim" Erwähnung fanden, sei noch hinzugefügt, daß der Verein eine weitere Entsendung von 51 Kindern nach Oedenburg, wo dieselben durch vier Wochen bei Pflegeparteien untergebracht waren, veranlaßte. Im ganzen hat der Verein „Ferienheim", trotzdem ' derselbe sein eigenes Heim in VorUoster Tischnowitz der Militärbehörde als Rekonvaleszentenhaus übergeben und dessen Leitung er selbst übernommen hat, 380 Kinder während der Sommermonate entsendet, welche vor Schulbeginn wieder chren Eltern übergeben werden. Wien. (Einstellung der jüdischen „Wiener Morgenzeitung".) Die in Wien seit 1. Januar d. I. erscheinende „Wiener Morgenzeitung" (Tagblatt in jüdischer Sprache) wurde eingestellt. Gegen die Einstellung dieses Blattes wurde Rekurs erhoben. Ausspeisung am Rosch-Haschono im 10. Bezirke. Das Frauen-Hilsskomitee X, welches seit Kriegsbeginn im Restaurant Hahn eine Ausspeisung für galizische Flüchtlinge und Arme des Bezirkes aufrechterhält, hat seine Fürsorge auch aus die in großer Anzahl sich im Bezirke befindenden jüdischen Soldaten ausgedehnt und gibt ihnen an den hohen Festtagen gratis einen warmen Mittagstisch. Da die Mittel des Komitees jedoch beschränkte sind, kann nur eine bestimmte Anzahl Karten ausgegeben werden, und nur der besonderen Güte und Hochherzigkeit des Herrn Max Bestermann ist es zu danken, daß alten Soldaten, welche am Rosch- Haschono dort zu essen wünschten, ein Festmahl verabreicht werden konnte. Eine besondere Geld- und Zigarettenspende des Herrn B. hob die ohnedies freudige Stimmung unserer lieben Soldaten und sie werden wohl noch lange gerne der angenehmen Mittagsstunde gedenken. Vierzigjähriges Amtsjubilänm und siebzigjähriges Geburtstagsfest des Kantors Philipp Bassel. Dienstag, den 23. September d. I., am ersten Tage Sukkoth, begeht Herr Philipp Bassel, Kantor im Kaiser Franz Joses Regierungs-Jubiläumstempel, 5. Bez., Siebenbrunnengasse 1 a, des Israel. Tempelvereines Wien-Margareten in Wien die seltene Feier seiner vierzigjährigen Amtstätigkeit in dem Dienste dieses Vereines und gleichzeitig sein 70. Geburtssest. Ein Muster wahrer, inniger Frömmigkeit und Bescheidenheit, erfüllte der Jubilar feine Funktionen als Kantor während dieser langen Reihe von Jahren in mustergiltiger, die Herzen der Andächtigen erhebenden Weise. Der Jubilar, der auch Vorstandsmitglied des Wiener Kantorenvereines und Schächter im Dienste der Kultusgemeinde ist, erfreut sich ob seines biederen Charakters und seiner Rechtlichkeit, hohen Ansehens und herzlicher Zuneigung aller. Ein Muster an Pflichttreue, fehlte er während dieser 40 Jahre fast nie bei seinen Funktionen. Sein friedfertiger, seelenguter Charakter tragt wesentlich dazu bei, die Eintracht und das gut» Einvernehmen im Kreise der Funktionäre stetig zu erhalten. Trotz seiner bescheidenen Verhältnisse war und ist er ein Wohltäter in stiller, geräuschloser Weise, der Bedürftigen oft weit über seine Mittel zur Seite steht. . In 42jähriger glücklicher Ehe mit seiner, von gleichem frommen Geiste erfüllten Gattin Julie verbunden, hat Kantor Bassel vier treffliche Söhne in geachteter Lebensstellung, welche derzeit alle im Kriegsdienste stehen. Mit Rücksicht auf die ernste, schwere Zeit, hat der Jubilar wohl ersucht, von jeder Feier abzusehen, doch erachtete es der Vorstand als feine Pflicht, diesen seltenen Festtags seines bewährten -Kantors, den zahlreichen Freunden und Verehrern des Jubilars ebenfalls bekanntzugeben und dem Jubilar am vorgenannten Festtage an der Stätte seiner Wirksamkeit, beim Frühgottesdienste in geeigneter Weise zu ehren. Albert Mandelbaum. In unseren vom Kriegsgetümmel erfüllten, vom verheerend wirkenden Kanonendonner erdröhnenden, die furchtbaren Leiden unserer unglücklichen Brüder im Reiche des nunmehr jüngsten Generalissimus und des hoffentlich bald vollständig niedergerungenen und seine vielfachen Sünden dann ganz und erbarmungslos büßenden russischen Despotismus uns abermals so bekundenden Tagen ist es für die aufgeregten und aufgepeilschten Nerven ein überaus angenehmes Moment, eines wahrhaft guten Menschen zu gedenken, dem ein glückliches Schicksal es beschieden hat, am heiligsten Tage, am Tage der Versöhnung, das Licht der Welt erblicken gekonnt zu haben und der mit dem Neilagebet des diesjährigen Festtages das siebente Dezennium vollendet haben wird. »Was die Zeit unserer Jahre betrifft, mögen es siebenzig sein, oder, wenn man hei Kräften ist, wohl auch achtzig«, heißt es im Psalm 90, diese sinnreichen Worte, die als Verheißung erklingen, wollen wir unserem verehrten Jubilar Herrn Albert Mandelbaum als Festgruß zurufen und ihm auf seinem Wege, in das gottbegnadete achtzigste Jahr widmen. Emil Jelinek Wir veröffentlichen eine Reihe uns bekanntgegebener Adressen von Feldrabbinern, denen Liebesgaben für die Soldaten zugesendet werden mögen: Feldrabbiner Adler (Etappenkommando, Feldpost 99); Feldrabbiner Defiderius Fisch. (2. Armee-Etappenkommando, Feldpost 201); Feldrabbiner Dr. Eolinski, (Feldpost 186); Feldrabbiner Dr. Grünfeld (Sanitätsanstalt, Feldpost 100): Feldrabbrner Dr. Michael Halberstam (S. Armee-Etappenkom» mando, Feldpost 81); Feldrabbiner Dr. Karpelis (Divisionsseelsorger, Feldpost 52); Feldrabbiner Dr. Lemberger (Feldpost 70); Feldrabbiner Ignaz Löwy (Etappenkommando, Feldpost 56); Feldrabbiner Dr. Schweiger (Divisionsseelsorger, Feldpost 26); Feldrabbiner Dr. M. Tauber (Divisionsseelsorger, Feldpost 6); Feldrabbiner Dr. Templer (Dvisionsseelsorger, Feldpost 86); Feldrabbiner Dr. L. Weinsberg, Feldpost 186. Als Liebesgaben sind vor allem Zigaretten, Zigarren, Schokolade, Kakes, Seife, Hand- und Taschentücher, ferner jüdische Zeitschriften erwünscht. Spenden, können , entweder direkt als Muster ohne Wert (bis 350 Gramm) abgesendet oder der Frau Rabbiner Dr. Grunwald, Wien, 2. Bezirk, Ferdinandsstratze 23, behufs Weiterleitung übergeben werden. _ Erster Zionistischer Kinderhort für Flüchtlinge, Wien, 2. Bezirk, Malzgasse 16. Seine k. k. Apostolische Majestät haben die von der Gründerin obigen Hortes Frau Erna Patak unterbreitete Mappe mit dem Huldigungsgedichte „Unserem geliebten Kaiser — die Flüchtlingskinder aus Galizien und der Bukowina" huldvollst entgegenzunehmen geruht und die k. k. Kabinettskanzlei beauftragt, für diese kunstvoll, von Maler Wilh. Wachtel ausgeführte Widmung und die in schöner poetischer Form (von Frau Melzer- Pomeranz) dargebrachten Glückwünsche den Allerhöchsten Dank bekanntzugeben. Diesem Allerhöchsten Auftrag wurde mit dem Beifügen entsprochen, daß die erwähnte Mappe über Allerhöchste Anordnung der k. k. Familien- Fideikommißbibliothek einverleibt wird. Dr. Lazar Zipser gestorben. Heute ist hier der bekanrrte Landesädvokat aus Kolomea Dr. Lazar Zipser nach langer und schwerer Krankheit gestorben. Der Verblichene nahm in seiner Vaterstadt regen Anteil am öffentlichen Leben. Er war seit vielen Jahren Mitglied des dortigen Gemeinderates, des -Bezirksausschusses, des Bezirksschulrates und der israel. Kultusgemeinde, Vorsteher des israel. Schülerheimes sowie Mitglied vieler humanitärer Vereine. Er erfreute sich allgemeiner Beliebtheit bei der gesamten Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession. Jüdische Angelegenheiten fanden in ihn einen eifrigen Verteidiger. Er. hinterläßt eine Frau und zwei Kinder, eine verheiratete Tochter und einen Sohn (Juristen). Das Leichenbegängnis findet am Freitag, den 17. d. Mts., um Voll Uhr vormittags, vom Zenträlfriedhof (israel. Mt.) statt.