Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 38 (17.9.1915)
- Date
- 1915-09-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr 38 Dr. Bloch's Wochenschrift Bäte 703 Liebe oft und mitten im feindlichen Feuer geschaufelt hat, sind Zum größten Teile unbezeichnet. Taufende von Familien im Hinterlande haben den sehnlichsten Wunsch, festzustellen, wo ihre Lieben, welche für ihr Vaterland das Leben opferten, eine Ruhestätte gefunden haben. Viele haben auch den Wunsch, die teuren sterblichen Ueberreste nach Friedensschluß heimzubringen, und im heimatlichen Boden zur ewigen Ruhe zu bestatten. Da ist es von Interesse, zu erfahren, auf welche Weife die ungarische Regierung in dieser Richtung, soweit das ungarische Schlachtgebiet in Betracht kommt, Verfügungen getroffen hat. Wie uns nämlich aus Budapest berichtet wird, hat der ungarische Minister des Innern an die Komitate Bereg, Marmaros, Saros, Ung und Zemplen eine Verordnung gerichtet, die es den Gemeindevorstehungen ans Herz legt, die Gräber der bei der Verteidigung des Vaterlandes gefallenen Helden aufzusuchen, mit den Namen der Gefallenen zu bezeichnen und pietätvoll zu pflegen. „Die Angehörigen der gefallenen Helden — heißt es unter anderem in der Verordnung — besuchen jetzt in großer Anzahl die letzte Ruhestätte ihrer Lieben. Wir müssen ihnen beweisen, daß das Andenken der Helden, die den Heldentod gefunden, uns heilig ist. Liebevoll müssen wir die frischen Grabhügel Pflegen, denn sie, die mit ihrem Blute ihren Namen in das Buch der Geschichte eingetragen, dürfen nicht in unbezeichneten, ungeschmückten Gräbern ruhen. Der Munizipien der Komitate harrt nun die pietätvolle Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die Gräber der Helden gepflegt und geschmückt werden. Mit den Kirchenbehörden gemeinsam mögen die Gemeindevorstehungen nach den Gräbern forschen, nach Möglichkeit feststellen, wer in den Gräbern ruht, die noch nicht bezeichneten Gräber mit den übrigen Zeichen der Pietät und, wenn möglich, mit den Namen der Gefallenen versehen. Alle Friedhöfe, in denen gefallene Helden ihren letzten Schlaf schlafen, sollen gepflegt, die auf den Feldern und in Wäldern, befindlichen Gräber umzäunt und ebenfalls bezeichnet werden." Der Minister gibt schließlich feiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die Munizipien die Idee warm aufnehmen werden, damit jene, die aus der Ferne zu den Gräbern ihrer gefallenen Lieben pilgern, auch in ihrem Schmerze mit wohltuendem Gefühle sehen, daß das Andenken ihrer Lieben mit patriotischer Pietät bewahrt wird. Gleichzeitig hat der Kültus- und Unterrichtsminister die Kirchenbehörden aller Konfessionen ersucht, die Gemeindevorstehungen bei dieser pietätvollen Arbeit zu unterstützen. Er war ein Kett über den Ketten. 22. August hielt die israelitische Kultusgemeinde itt Sasd in Ungarn einen Trauergottesdienst zum Andenken an düs Gemeindemitglied, den k. u. k. Oberleutnant der Reserve Edmund Honig, welcher am 11. Juni in der Schlacht bei Zidacow, von drei feindlichen Kugeln getroffen, den Heldentod gefunden hat. An der Trauerfeier nahmen außer sämtlichen Gemeindemitgliedern Vertreter der Stadtgemeinde und der staatlichen Behörden sowie eine überaus große Anzahl aus der christlichen Bevölkerung teil. Die Trauerrede hielt der Magocser Oberrabbiner Josef Lebowics. Welch' großen Verlust der Heldentod dieses jüdischen Offiziers für unsere Armee bedeutet, geht aus dem Schreiben hervor, welches die Frau dieses Helden anläßlich seines Ablebens erhielt, und welches, wie „Egyenlöseg" mitteilt, folgendermaßen.lautet: . . . ., 15. Juni 1915. Gnädige Frau! Am ersten Tage der Ruhe beeile ich mich, meine traurige Pflicht zu erfüllen, die traurigste Pflicht, welche mir während der langen 11 Monate des Krieges zufiel, Ihnen mein tiefempfundenes Beileid auszudrücken. Mit unaussprechlichem Schmerze erfuhren wir am 11. dieses Monates die furchtbare Nachricht, und ungefähr eine Stunde später hat die blutigste Schlacht ihren Abschluß gefunden, welche unser Regiment auf dem nördlichen Kriegsschauplätze ausgesochten hat. Mein erster Weg war zu den Stellungen der elften Kompagnie, wo ich nach kurzem Suchen auf den Leichnam unseres heldenmütigsten Kameraden stieg. Mein Schluchzen, das ich nicht zu unterdrücken vermochte, meine Tränen, welche ich über ihn vergoß — die ersten Tränen seit 11 Monaten — mögen Zeugenschast oblegen dafür, wie sehr wir ihn liebten, achteten, schätzten, bewunderten und wie sehr wir um ihn trauern. Ich weiß es, daß in diesen schweren Tagen der Trost keinen Eingang findet in Ihr großen Prüfungen ausgesetztes Herz. Ich weiß es, daß Ihnen und Ihren Kindern niemand und nichts in diesem Leben den zu ersetzen vermag, den Sie verloren haben. Kannten wir ihn doch und wissen daher, daß sein Fallen nicht jener Heldentod ist, welcher Tausenden zuteil wird, sondern nur einzelnen, den auserlesenen, den währen Helden. Er war das glänzendste Musterbild der Pflichterfüllung. Und bleibt auch ewig die Trauer, welche Sie für ihn im Herzen tragen werden, der Schmerz, der Ihr Herz überwältigt, wird beim Vernehmen der Nachricht gemildert, abgestumpft, und dann möge Ihnen, wenn auch nicht Trost, so doch einige Beruhigung das Bewußtsein bieten, daß derjenige, um den Sie trauern, ein Held war über den Helden, die Zierde, der Stolz seines Regimentes und ganz besonders uns, den Reserveoffizieren, und ebenso die Ueberzeugung, daß Sie Ihre Trauer stolzerhobencn Hauptes tragen können, und schließlich auch das Bewußtsein, daß derjenige, den Sie beklagen, zusammen mit Ihnen von allen beklagt und betrauert wird, die ihn kannten und liebten. Seien Sie stark, gnädige Frau! Wollen Sie sich in das Unabänderliche fügen und wollen Sie leben für Ihr Kind, die Waise des Helden. Empfangen Sie, gnädige Frau, nochmals den Ausdruck meines aufrichtig empfundenen Beileides, es küßt Ihnen die Hände Ihr Sie hochachtender. Karl G u n d e l, Oberleutnant. Oberleutnant Edmund Honig war der Besitzer.des Signum laudis, des br.onzenen und silbernen Verdienstkreuzes. Die Auszeichnung erhielt er dafür, daß er mit zwei Kompagnien 3600 Russen gefangennahm. Im bürgerlichen Leben war er Bureauchef der Firma Brüder Slrohbentz, eine Aktiengesellschaft in Budapest. Nikolaus Kroß. Nikolaus G r o ß, Kadett des 6. Infanterieregimentes, ist am 6. Juni auf dem nördlichen Kriegsschauplätze im heldenmütigen Kampfe gefallen. Im August vorigen Jahres ist er als Freiwilliger eingerückt. Er war Beamter der Volkswirtschaft des Grafen Mikes. Der Vater des 'Verblichenen, Ladislaus Groß, wurde durch das folgende Schreiben, welches wir dem „Egyenlöseg" entnehmen, von dem Leldentode des Sohnes verständigt: Geehrter Herr! Ich erlaube mir, Euer Hochwohlgeboren die betrübende Nachricht zu geben, daß Ihr Sohn Nikolaus am 6. Juni 1915 in Krukienice (Galizien, Zamborer Gegendß schwer verwundet wurde und behufs Rettung auf den Hilfsplatz gebracht wurde. Leider war menschliche Hilfe nicht mehr möglich — er starb leider an seinen Wunden — und wurde in der Mitte des Ortes Krukienice begraben und seine Grabstätte mit einem Kreuz bezeichnet. Es fällt mir außerordentlich schwer, Euer Hochwohlgeboren diese Trauerbotschaft zu übermitteln. Worte des Trostes zu sagen bei dem unsagbar großen Opfer, das Ihr blutendes Vaterherz dem Vaterlande bringen mußte, ist wohl schwer. Ein Trost möge es Ihnen immerhin sein» daß Ihr Sohn als leuchtendes Vorbild seinen Untergebenen stets gedient hat. seine Tapferkeit und sein Heldenmut von allen Kameraden bewundert wurde. Seine Heldentat wurde auch vom Regimentskommando dahin gewürdigt, daß er für eine Allerhöchste Auszeichnung beantragt wurde, welche dann seinerzeit Euer Hochwohlgeboren zugestellt werden wird. Das Offizierkorps des Regimentes betrauert einen tüchtigen und braven jungen Kameraden, der durch sein vergossenes Heldenblut den Ruhm des Regimentes erneuern half, und wird sein Heldenname in der Geschichte des Regimentes ewig fortleben. Das Offizierkorps spricht Euer Hochwohlgeboren zu dem schweren Verlust sein innigstes Beileid aus. Mit dem Ausdrucke besonderer Wertschätzung Ihr ergebener P a u l i n e ck, Hauptmann, Reg.-Adjutant.