Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 38 (17.9.1915)
- Date
- 1915-09-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3020846-3022142-3022181--24478-3049729- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 38 701 2)r: Bloch's Wochenschrift San.-Unteroffizier Martin Schön, Infanterieregiment Nr. 101; Vormeister Ignaz Lederer, Feldhaubrtzenregiment Nr. 13; Einj.-Freiw. Zugsführer Karl Goldfinger, Gebirgsartillerieregiment Nr. 12; Einj.-Freiwilliger Kadettaspirant Emmerich Weinberg er, Feldkanonenregiment Nr. 35. In dieser Nummer sind ausgewiesen: 1 Militärverdienstkreuz 3. Kl., 19 Signum laudis, 8 goldene Verdienstkreuze mit der Krone, 1 goldenes Verdienstkreuz, 7 silberne Verdienstkreuze mit der Krone, 2 silberne Verdienstkreuze, 3 goldene Tapferkeitsmedaillen, 23 silberne Tapferkeitsmedaillen 1. Kl., 38 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Klasse, 21 bronzene Tapferkeitsmedaillen, zusammen 119 Auszeichnungen; darunter 42 an Offiziere und Kadetten des Soldatenstandes, 13 an Auditore und Militärärzte, 64 an Personen des Mannfchaftsstandes. _ Beförderungen. Zum Oberleutnant d. R. der Leutnant Dr. Motel G i n g o l d, Landw.-Jnfantericregiment Nr. 22; zum Leutnant d. R. der Fähnrich Arie Horowitz recte Verständig, Landw.-Jnfanterieregiment Nr. 32; zum Medikamentenoffizial der Akzefsist Julius Popiel. Wekovigung. K. u. k. J.-R. Nr. 39. Korp. Singer. Auszug aus dem Regimentskommando-Tagesbefehl am 1. August 1915. Belobende A n e r k e n n u n g. Ich spreche für schneidiges, erfolgreiches Wirken als Nachrichten-Patrouillekommandanten, bezw. Patrouilleur und Führer unter schwierigen Verhältnissen die belobende Anerkennung des Regimentskommandos aus: dem Feldwebel Josef Kiß, den Korporalen Alexander Kirüly und Ernst Singer, sämtliche bei der 12. Feldkompagnie. Hiltl m. p., Oberst. Für die richtige Abschrift: Standort, am 3. August 1915. Alfred H ö l z l, Major, Kommandant des 3. Feldbataillons. Iie Kekdenlal eines Kheltokindes. Michael Schönberger ist erst 20 Jahre alt. Als Sohn eines armen Tempeldieners wuchs er in den uralten Gassen des Preßburger Judenviertels in Verhältnissen auf, die keineswegs geeignet erscheinen, der Jugend soldatische Tugenden einzuimpfen. Alß Kind mochte er wohl die blanken Uniformen durchmarschierender Truppen angestaunt haben, aber ein Bal-Milchome war ihm sicher wie den anderen Ghettokindern ein Wesen aus einer anderen Welt. Da kam die Zeit, da das Vaterland auch an die Jungen mit seinem Rufe herantrat, da wurde Michael selbst einer von den „Kriegsknechten" und, wie sich nun herausstellte, keiner von den letzten, denn die Verhältnisse erzogen ihn zum Helden. Nachdem ihm das Bein, das im wochenlang andauernden Stehen im verschneiten Schützengraben eingefroren war, durch die aufgewandte Pflege wieder gebrauchsfähig wurde, kehrte er neuerdings zur Front zurück. Diesmal kam er in die heißesten Frühjahrskämpfe hinein. Und an einem dieser schauerlich-schönen Tage, die unsere Truppen von Graben zu Graben unaufhaltsam vorwärts führten, kam das Heldenhafte, das sich in der Erzählung so schlicht und einfach gibt, als wäre es die gleichgiltigste Wiedergabe einer alltäglichen Episode, zum Vorschein. Der Graben der Unsrigen lag am Fuße eines Hügels, auf dessen Höhe der russische aufgeworfen war. Michael Schönberger, das Kind der Judengasfe, war während einer Gefechtspaufe mit einem Kameraden in den rechts an den Graben anschließenden Wald gegangen, wie die ahnungslose Seele nachträglich angab, Erdbeeren zu sammeln. Diese angenehme, aber unter den obwaltenden Umständen nicht ganz gefahrlose Beschäftigung nahm die zwei Suchenden doch nicht so ganz tit Anspruch, daß sie nicht wahrnehmen konnten, daß sie dem russischen Schützengraben unbemerkt in die Flanke gekommen waren. Das sekundenlange Aufblitzen ihrer Augen verriet den in zwei Köpfen zu gleicher Zeit auftauchenden Gedanken: Die Gewehre von den Schultern gerissen, schießen die zwei in rascher Aufeinanderfolge im Einzelfeuer auf die Insassen des Grabens. Die in vollständiger Ahnungslosigkeit befangenen Russen verwirrt das plötzliche, unerklärliche Seitenfeuer derartig, daß sie in Verkennung der Zahl ihrer' Angreifer die Mützen und die Hände in die Höhe werfen und aus dem wildbeschossenen Graben herausspringen. Die zwei Blaujacken stoßen nun die waffenlosen achtzig Russen mit den Kolbenenden der Gewehre den Abhang des Hügels herunter, wo sie von den verständnislos dreinblickenden Soldaten in Empfang genommen werden. Trotzdem das ganze Gelände unter ständigem Artilleriefeuer der Unsrigen stand, kehrte Michael Schönberger nochmals in den nun leerstehenden russischen Graben zurück, holte das von den Russen daselbst zurückgelassene Maschinengewehr und erstattete nach vollbrachter Tat die Meldung: „Melde gehorsamst. . . ." Michael Schönberger und sein Kamerad wurden mit der goldenen Tapferkeitsmedaille dekoriert und vom Infanteristen zum Feldwebel ernannt. Ter Regimentsbefehl des 72. Infanterieregiments hebt ihre vorbildliche Haltung besonders hervor. Der arme Junge liegt jetzt an einer nachträglich empfangenen schwer zu behebenden Schußwunde im Spital der Chewra-Kadischa zu Preßburg. Ein Ghettokind! F r e i st a d t B e n ö. Adolf Koyn aus Meu-Sandez. Die in Hof in Mähren untergebrachte Rekonvaleszentenabteilung des Landwehr-Infanterieregimentes 32 hatte dieser Tage eine schöne militärische Feier. Bor der gesamten ausgerückten Mannschaft nahm Oberst Altmann die Dekorierung des., sich im Stande der Abteilung befindenden Zugsführers Adolf K o h n vom 32. Landsturm-Infanterieregiment mit der ihm verliehenen Goldenen Tapferkeitsmedaille vor, wobei auch der Tat gedacht wurde, für die der Zugsführer die hohe Auszeichnung erhalten hat. Am 19. Mai befand sich Kohns Bataillon bei Stare Miasto am linken Sanufer und hatte die Aufgabe, die eigene Flanke zu sichern Am anderen Sanufer befanden sich starke russische Kräfte. Da wurde Korporal Kohn mit 16 Mann als Beobachtungspatrouille hart an das Ufer beordert. Er verbarg seine Leute im Schilfrohr und hielt gute Wacht. Beim ersten Morgengrauen, kaum daß sich die Nebelschwaden zu zerteilen begannen, bemerkte er, daß ein ganzes r u s s isches Infanterieregiment, zirka 3000 Mann stark, Anstalten zur Uebersetzung des San traf. Mit seinen sechzehn Gewehren konnte der Korporal zwar das Vorhaben des Feindes nicht verhindern, doch eröffnete er aus feiner gedeckten Stellung ein Schnellfeuer auf die Gegner, das in den dichten Massen der auf Flößen herüberrudernden, ahnungslosen Russen arge Verwirrung hervorrief und zugleich die eigene Kompagnie alarmierte. Unter namhaften Verlusten konnten die Russen