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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-09-10 · 37 (10.9.1915) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
37 (10.9.1915)
Date
1915-09-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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dir. 37 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 687 volle Pflege angedeihen läßt. Stürme roehen durch das Land, das Grabmal verschwindet und der fleißige Landmann pflügt darüber, unbewußt, daß hier eine geheiligte Stätte ist. Vergebens suchen dann die Angehörigen das Grab ihres teuren Toten. Um diesen Uebelständen entgegenzuireten, hat sich unsere Landwehr-Insanterie-Truppepdtvision um die Errichtung einer würdigen Militärgrabstätte große Verdienste erworben, dadurch, daß sie angeordnet hat, daß hinter der Front ein würdiger Friedhof für gefallene Helden angelegt wird. In ..... auf einer Wiese ist dieser errichtet, mit weizen Birtenstämmen und Aesten schön geziert und umzäunt. Neben dem Eingänge fällt einem jeden sofort in die Augen die in Holz geschnittene Inschrift: Heldengräber der Landwehr-Infanterie-Truppendivision zur Erinnerung an den Kampf beim Uebergange über den .... Die feierliche Einweihung des genannten Friedhofes ging am 8. August 1915 von statten in Anwesenheit des Divisionärs, des Eeneralstabes, sämtlicher Offiziere des Kommandos und der k. u. f, Divisionssanitätsanstalt, sowie der dienstfreien Mannschaft. Nach der feierlichen Feldmesse hielt der Dioisionspsarrer Kucharski eine schöne Rede. Nachher gingen sämtliche Seelsorger der Division in das Innere des Friedhofes, damit jeder nach seinem Ritus den Akt der Einweihung vollziehe. Zuletzt stellte ich mich zur Reihe, in der sich das Grab eines gefallenen, jüdischen Helden befindet und nach vollzogener Ansprache schloß ich mit einem Gebete für das Heil und Wohl Seiner Majestät unseres geliebten Kaisers und für das unserer tapferen Armee und der Verbündeten. Die Militärkapelle intonierte sodann weihevoll die Kaiferhymne. Nach der Friedhofsweihe richtete unser Divisionär zündende Worte an di; versammelten Offiziere und Mannschaft und forderte alle zum wahren Patriotismus und zur Pietät gegen die gefallenen Helden auf. Jedoch die Unterschiede der Konfessionen zeigten sich bloß während der Einweihung des Friedhofes, wie überhaupt nur während einer religiösen Feier ein Unterschied unter den Geistlichen besteht,- sonst leben wir innig und brüderlich beisammen. (Meines Erachtens ist dieses Thema bereits in Ihrem Blatte behandelt worden.) Ohne Unterschied der Religion besuchen, trösten und laben die christlichen Geistlichen die jüdischen Kranken und Verwundeten und wieder umgekehrt. Beispielsweise mein Amtskollege, der griechisch-orthodore Feldkurat D a r i c z u k aus der Bukowina, der die Sprache der Ostjuden gut versteht und mit ihnen umzugehen weiß, hat nicht einmal während unseres Vormarsches in Galizien verunglückte und verwaiste galizische Juden durch schöne und zu Herzen gehende Worte getröstet und beruhigt. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Einheit und die Verbrüderung unter den Geistlichen der Division das Verdienst des Stabsarztes Dr. Hahn ist, des Kommandanten der Dioifionssanitätsanstalt, welcher die Geistlichkeit zur Dienstleistung zugsteilt ist, der gerecht in wunderbarer und taktvoller Weise sein verantwortungsvolles Amt vorzüglich zu leiten versteht. Jetzt wäre noch zu wünschen, daß dieser furchtbare und schreckliche Weltkrieg, der so viele Blutopser fordert, auch diese edlen Früchte zeitigen möge, baß sich die Menschen einmal schätzen Knd würdigen lernen sollen, neben- und miteinander jeder nach seiner Art und Ueberzeugung friedlich und verbrüdert zu leben. Dann können wir uns der frohen Hoffnung hingeben, daß ein neues starkes Oesterreich erblühen wird und kein Feind fernerhin es wagen darf, dieses vereinigte, verbrüderte und starke Reich anzugreifen. Im Felde, den 23. August 1915. Dr. Albert Schweiger k. u. k. Feldrabbiner Prnsidcntemmihl in der israelitischen Neligionsgeuu'indc Poszony. Der hochgeachtete verdienstvolle Präses dieser Gemeinde, Herr königl. Rat Dr. Wilhelm L ö v i n g e r, welcher seit nunmehr fast zlvei Dezennien die Agenden dieses Ehrenamtes mit Tatkraft und Umsicht versah, abdizierte infolge seiner Erwählung zum Präsidenten des ersten israelitischen Gemeindedistriktes von seiner Stelle. Die am 20. August l. I. abgehaltene außerordentliche Generalversammlung der isr. Religionsgemeinde nahm daher mit tiefem Bedauern von diesem unumstößlichen Entschlüsse Kenntnis und akklamierte den Herrn königl. Rat Dr. Wilhelm L ö v i n g e r in Erwägung seiner Verdienste um die Gemeinde und um seine wertvolle Tätigkeit für dieselbe weiter aufrecht zu erhalten, zum Ehrenpräses derselben. Auf die erledigte Präsesstelle wurde hierauf von der Generalversammlung der bisherige Vizepräses Herr Sigmund Fischer, Ritter des Franz Josef-Ordens, und auf die Vizepräsesstelle Herr sDr. Eugen L i ch. t n e r gewählt. .In Herrn Sigmund Fis ch e r besitzt die Gemeinde eilt seit drei Jahrzehnten unermüdlich rastlos schaffendes, hervorragendes Gemeindemitglied, dessen in unzähligen Ehrenämtern der Gemeinde ersprießliche Tätigkeit in dieser Erwählung zum höchsten Ehrenamte der Gemeinde nunmehr die Anerkennung der Gemeinde fand. Die Entwicklung und das Emporblüheu der Gemeinde ist an den Namen Sigmund Fischer geknüpft, der Tempel- und Schulbau ist in erster Linie sein Werk, die Beamten und Angestellten der Gemeinde haben an ihm stets einen wohlwollenden Vorgesetzten. Es ist noch in lebhafter Erinnerung, daß der Vater des Erwählten, weil. Herr Josef Fischer sen., Mitbegründer dieser Gemeinde, ebenfalls eine lange Reihe von Jahren hindurch Präses dieser Gemeinde war. Kriegelager in Palästina. Palästina spielt eine nicht unbedeutende Rolle in diesem Kriege. Es liegt gerade im Mittelpunkte des eigenartigen geographischen Gebildes, das die asiatische Türkei ausmacht: außerdem besindet es sich am östlichere Ende des Mittelmeeres und in der Nachbarschaft des Suezkanals. Kein Wunder also, daß auch Palästina in hen großen Krieg hineingezogen wurde, zumal es, als „heiliges Land", längst viele begehrliche Blicke auf sich gezogen hat. Vor Monaten brach bekanntlich das Heer Dschemal Paschas auf der alten Erzväterstraße nach dem Kanal auf. 10.000 Kamele und ein gewaltiger Troß sollen die Begleitung gebildet haben: die Geschütze mußten von den Mannschaften 200 Kilometer weit durch den Wüstensand gezogen werden. Es gelang auch, bis in die Näh? des Kanals vorzudringen und einige englisch? Dampfer im Kanal durch Granaten zu versenken. Aber es war eitle schwierige Aufgabe, genügend schwere Ar tillerie durch die Wüsten zu bringen, um den schweren Schiffsgeschützen der Engländer entgegentreten zu können, ulld so kehrte die türkische Hauptmacht schon im März wieder nach Palästina zurück. Durch das Land hin )chim mern jetzt die weißen Zelte der türkischen Kriegslager. Um die stolzen Höhen der alten israelitischen Königsstadt Samaria herrscht ein bewegtes Lagerleben. Vor Jerusalem flattert die rote Fahne mit dem weißen Halb ntonb über weitausgedehnte Zeltgassen. In der Gegend von Golgatha und am Oelberg dröhnt der Schritt exerzierender türkischer Krieger. In der Stadt Jerusalem sind alle französischen, englischen, russischen Klöster und Hospize in Kasernen verwandelt. So bieten sich in Palästina ungewohnte Kriegsbilder. Viel Staunen erregte die noch nie gesehene feldgrüne Uniform, die in dem orientalischen Farbengewirr doppelt auffallen mußte. Ueberhaupt gibt cs vielerlei Neues: Flieger in den Lüften, Kriegsautomobile, von Büffeln gezogene Munitions karren, mächtige Kamelkarawanen, schlanke, schnellfüßige Eildromedare und sehr vieles andere. Alles scheint diesmal zu klappen, wie man es bisher in der Türkei nicht gewohnt war. Im ganzen Lande wird auch von der bürgerlichen Verwaltungsbehörde gut Ordnung gehalten. In den zahllosen türkischen Kriegslage nc wird auf Sauberkeit und Ordnung gesehen: für die Soldaten, für ihre Gesundheit und Verpflegung wird in noch nie gekannter Weise gesorgt. Das Rätsel dieser Umwandlung löst sich beim .Klange des Offiziersnamen: sie lauten sehr vertraut, denn die meisten dieser .Paschas" sind gute Deutsche! Das hatte allerlei - Folgen. In Jerusalem sorgen Straßenpolizisten für Ordnung und Reinlichkeit. In der Davidstraße, die die alten Herodestürme mit dem ehemaligen Tempelplatz verbindet, sind auf höheren Befehl sogar alle Türme und Fensterläden mit grüner Oelfarbe gestrichen worden. In den Kaufläden für Lebensmittel müssen Schutzvorrichtungen gegen Verunreinigung

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