Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 37 (10.9.1915)
- Date
- 1915-09-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Se'te 684 Dr. Bloch's Wochenschrift st?. 3 Jer IkugapparaL in der attzüdischen Sage. Der Wahrsager Bileam, der besonders durch seine redende Eselin bekannt geworden ist, spielt im vierten Buch Mosis (Kapitel 22 bis 24) eine hervorragende Rolle. Die soll dort auf Betreiben der Feinde der Kinder Israels diese verfluchen; er tut dies aber nicht, sondern segnet sie. Die altjüdische Sage weiß uns aber noch weit mehr von Bileam zu erzählen; dieser soll auch bereits einen Flugapparat erfunden und konstruiert haben, mit dessen Hilfe es ihm gelungen fei, aus einer belagerten Festung zu entfliehen. Im „Sepher Hajaschar", einem der ältesten erzählenden Werke des jüdischen Schrifttums, wird darüber folgendes berichtet: Der König von Aethiopien Kikonos war an der Spitze eines großen Heeres gegen den Feind ausgezogen und hatte Bileam sowie dessen beiden Söhnen die Bewachung der Hauptstadt überlassen. Dem ränkevollen und ehrgeizigen Bileam gelang es während der Abwesenheit des Königs, die Bevölkerung der Stadt auf seine Seite zu bringen und sie zu veranlassen, ihn zum König auszurufen. Als der rechtmäßige König aus dem Feldzuge heimkehrte, mußte er seine eigene Stadt belagern. Er starb während der Belagerung. Nun kam Moses, der sich auf der Flucht aus Aegypten befand, zufällig in diese Gegend, und er gab den Belagerern gute Ratschläge, wie sie die Festung wieder zurückerobern könnten. Sobald Bileam merkte, daß die Sache für ihn verloren sein könnte, baute er sich einen Flugapparat, über dessen Konstruktion leider die Sage nichts mitteilt. Als nun das Belagerungsheer in Verfolgung der Vorschläge Mosis die Stadt einnahm, setzte sich Bileam mit seinen beiden Söhnen auf den Flugapparat und alle drei verließen im kühnen Fluge durch die Luft die Stadt. Bileam lenkte seine Flugmaschine nach Aegypten und gelangte dort an den Hof Pharaos, wo er mit seinen Söhnen in der Schar jener Zeichendeuter und Bilderschriftkundigen Aufnahme fand, die sich bemühten, die Wunder des Moses und des Aaron nachzuahmen. Moses aber wurde König jener äthiopischen Stadt und regierte dort mehrere Jahre. Dann aber wurde er des Königstums überdrüssig und begab sich von neuem auf die Wanderschaft, die ihn nach allerlei Fahrten schließlich nach Midjan führte, wo er erst seine eigentliche biblische Mission aufnahm. Man sieht, daß das Flugproblem nicht nur die alten Griechen beschäftigt hat, wie die Sage von Dädakus und Ikarus zeigt, (sondern jdaß Man ihm etwa zu derselben Zeit oder vielleicht schon erheblich früher, auch bei den alten Juden, Beachtung geschenkt haben muß. Korrespondenzen. Palästina-Hilfskommiffion. Wir erhalten folgende Zuschrift: Wien, 5. September 1915. Sehr geehrter Herr Redakteur! Die in Ihrer letzten Nummer im Berichte über die Sitzung des Landeskomitees für Palästina enthaltene Mitteilung über die Annahme eines von mir als „Präsidenten" des jüdischen Kolonisationsvereines schriftlich gestellten Antrages beruht offenbar auf einen Irrtum. Ich habe wohl eine Anregung gegeben und scheint diese vom Landeskomitee günstig ausgenommen worden zu sein, aber die Stellung eines Antrages betreffs des ferneren Bestandes des jüdischen Kolonisatiousvereines, worüber einfach in der Hilfskommission ab gestimmt wird, lag nicht in meinen Intentionen, kroch hatte ich hiezu die erforderliche Legitimation. Ich zweifle nicht daran, daß es im Interesse der Sache gelingen wird, meiner Anregung entsprechend, eine geeignete Form zu finden, den jüdischen KolouisaLiousverein mit all seinen Mitteln in die jetzige großzügige Hilfsaktion einzubeziehen und das umso mehr, als ja die hervorragenden führenden Persönlichkeiten der Hrlfskommission dem Vorstande des jüdischen Kolonisationsvereines, dessen Präsident übrigens Herr kais. Rat Leopold Sachs Edler von Sachsenhall ist, angehören. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Dr. Bela Taussig. Nachschrift der Redaktion: In der Tat ist die Stilisierung unseres Herrn Berichterstatters nicht ganz genau. Herr Dr. Grünmald fjat lediglich das Schreiben des Herrn Dr. Bela Taussig, Vizepräsidenten des jüdischen Kolonisationsvereines, zur Kenntnis gebrachtjunddie in dem Schreiben gegebene.An - r e g u n g wurde im Landeskomitee mit großem Beifall begrüßt. _ Kaiserfeier im Kaiser Iran; Zosef-IerienHeim in Tischnowih. In erhebender Weise beging das k. u. k. Rekonvaleszentenhaus, das der Verein „Ferienheim" m Wien in seiner Besitzung in Vorkloster-Tischuowitz eingerichtet hat, das Geburtsfest Seiner Majestät des Kaisers. Am Vorabend war ein von den Patienten veranstalteter Zapfenstreich mit Lampionumzug und patriotischem Gesang. Den Festtag selbst leitete ein feierlicher Gottesdienst ein, bei welchem Baronesse Praschak am Harmonium, begleitet von Fräulein Paula R o t h, der Tochter des Professors Dr. Wilhelm R o t h, das Ave Maria von Schubert sang. Nach einer schwungvollen Ansprache des Kommandanten und dem Absingen der Kaiserhymne wurde ein begeistertes Hoch auf Seine Majestät ausgebracht. Ein Festmahl beschloß in würdiger Weise die Feier, welche durch ihr schönes Gelingen den reichsten Lohn und herzliche Worte der Anerkennung von Seiten der Festgäste und Soldaten für die mühevolle Tätigkeit der Hausmutter Frau Emma Zinn er brachte. In Vertretung des Vereines waren für die abwesende Präsidentin Frau Sofie Grünfeld Herr und Frau Vizepräsident Porges erschienen. Unter den Festgästen bemerkte man den Bezirkshauptinann und den Bürgermeister mit den Gemeinderäten, welche unter die hundert verlvundeten Soldaten eine namhafte Geldspende zur Verteilung brachten. Oberleutnant Austerlitz erhöhte durch eine Spende von mehreren Fässern Bier die Stimmung der Patienten. Vor einiger Zeit inspizierte Gräfin 'S e r e n y, Statthalterin von Brünn, das Rekonvaleszentenhaus. Sie fand Worte der Anerkennung über die hygienischen und sanitärer: Einrichtungen, welche der Verein bei der Umwandlung des Heimes in ein Spital aus eigenen Mitteln bestritten hat. Kofrat Adam Früher. Ein Festgrutz zum 80. Geburtstag. Kürzlich beging einer der treuesten Leser unseres Blattes bei seiner nahezu hundertjährigen Tante und Schwiegermutter in Budapest seinen 80. Geburtstag. Fast übermenschliches an Arbeitsleistung hat Politzer als Arzt, Lehrer und Forscher zur Ehre seiner zweiten Heimat und zum Heile der Ohrenheilkunde vollbracht, während er einsiedlerisch unter den, als seine einzige Zerstreuung gesammelten reichen Kunstschätzen lebt, die teilweise, wie seine Bibliothek und so manches Bild in unseren öffentlichen Sammlungen wieder der Allgemeinheit zugeslossen sind. Der Gelehrte wurde in Alberti als