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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-09-10 · 37 (10.9.1915) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
37 (10.9.1915)
Date
1915-09-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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L>eite 682 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 37 Alexander MHar. Aus Budapest wird uns geschrieben: Der ausgezeichnete junge Bassist Alexander Bi har (Bachmann), der bei Kriegsausbruch als Fähnrich, eingcrückt und seit dem 'Herbst spurlos verschwunden war, ist, wie nian erst jetzt erfährt, schon am 20. September vorigen Jahres als russischer Gefangener im Spital von Zolkiew einem am 11. September bei Rawaruska erhaltenen Lugenschuß erlegen. Sein Mitgefangener, der ihn behandelnde Regimentsarzt Dr. Josef Badasz, vermochte die Familie erst jetzt aus Sibirien davon zu verständigen. Mit Alexander B i h a r verliert die ungarische Opernkunst eine ihrer stärksten Hoffnungen. Als Sohn des ehemaligen berühmten Oberkantors der Synagoge in der Rombachgasse iir Budapest Jakob Bach mann war er mit Glücksgütern nicht übermäßig reich gesegnet. Nach Beendigung seiner Studien in Berlin wurde er an die eben eröf'snete Budapester Bolksoper verpflichtet, als deren hervorragendstes und verwendbarstes Mitglied er galt. Er schien stets mit seinen Aufgaben zu wachsen und errang seinen unstreitbar hervorragendsten Erfolg als „Gnruemanz" in „Parsifal". Er erhielt gerade einen Engagementsantrag an die Dresdner Hosoper, als es unserem königlichen Opernhause gelang, den ausgezeichneten und darstellerisch hervorragend begabten jungen Künstler zu verpflichten. Bevor er jedochseine Tätigkeit an der neuen Stätte hätte ausnehmen können, brach der Krieg aus, der ihn so rasch zum Opfer forderte. Viele seiner Freunde und Bewunderer werden seiner schönen Zukunft noch inniger nachtrauern, als seiner kurzen, wenn auch an Ehren reichen künstlerischen Vergangenheit. Die Tragödie des Alexander Bihar ist ein Stück-aus der Tragödie des jüdischen Volkes. Sein Vater Jakob B a chm a n n war ein russischer Jude, kam aus Odessa nach Budapest, wo er in dankbarem Patriotismus seine Kinder ganz im patriotischen Geiste seiner neuen Heimat erzog. And nun zog sein Sohn als überzeugter treuer Ungar mit seinen Kameraden in den Krieg zur Bekämpfung des russischen Barbarismus, unter welchene seine Eltern einst so schwer geseufzt haben. Und in diesem Heldenkriege fand der Nachkomme des russischen Chasans den Heldentod im Kampfe für die Befreiung der Unterdrückten. lleber die Tragödie einer jüdischen Familie, welches eines der traurigsten glänzenden Blätter der Geschichte der ungarischen Juden in diesem Weltkriege darstcllt, berichtet der „Egyenlöseg". Vier Brüder P n j z s zogen in den Krieg. Ihr Vater, der ehemalige Bahnhofrestaurateur in Lipto-Szt. Miklos, ist unter tragischen Umständen, als er von dem im Wochenbette erfolgten Tode seiner Tochter erfahren hatte, plötzlich gestorben. Die von ihrer Hände Arbeit sich nur mühsam erhaltende Witwe blieb mit ihren vier Söhnen zurück, deren ältester A r p a d damals 19 Jahre alt war. Arpad P a j z s kam nach Budapest mit der glühenden Sehnsucht im Herzen zu lernen und zu arbeiten. Gr wurde Bankbeamter, unterstützte von seinem Anfangsgehalt seine Mutter und Geschwister. Mit unermüdlicher Energie, ohne Aussehen, bemühte er sich um die wirtschaftliche und soziale Verbesserung der Lage seiner Berufsgenossen. Er wurde bald Sekretär des Landesverbandes der Bankangestellten und später Direktionsmitglied des Franz Josefs-kaufmännischen Spitales Von seinen ausgedehnten nationalökonomischen und sozialpolitischen Kenntnissen zeugen seine in den Tagesblättern erschienenen Artikeln, sowie' das unter seiner Redaktion erschienene national-ökonomische Wochenblatt. Sein Einkommen wurde trotz dieser vielseitigen Arbeit wohl noch immer nicht übermäßig groß, nichtsdestoweniger teilte er dasselbe mit seinen beiden im Jahre 1913 zu gleicher Zeit als Einjährig-Freiwillige eingerückten Brüder. Mit stolzer Freude erfüllte es ihm, als er vor zwei Jahren in Budapest sich so einrichten konnte, um mit seiner geliebten Mutter beisammen leben zu können. Aber das Schicksal war ihm nicht gnädig. Rach kurzem dreimonatigem Beisammensein ist die arme, alte Frau, welche, wie es scheint, den neuen Lebensbedingungen in Budapest nicht gewachsen war, gestorben. Villeicht war es eine Gnade Gottes für sie, denn der furchtbare Schlag, daß drei ihrer Söhne auf dem Kriegsschauplätze den Heldentod gefunden haben, hätte ihr Herz einige Monate später in tausend Stücke gerissen. Im vorigen Jahre verbrachte Arpad P a j z s seine Ferien in den Balkanländern. Als er in Konstantinopel von den gespannten diplomatischen Beziehungen erfuhr, eilte er nachhause, denn er fühlte es, daß das Vaterland auch seiner bedürfen werde, und kam einen Tag vor Einstellung der diplomatischen Beziehungen unter vielen Schwierigkeiten aus Belgrad nach Budapest. Am Tage der Mobilisierung rückte er als Reserveleutnant ein und kurze Zeit darauf, am 27. August 1914, beschloß er im Alter von 28 Jahren bei Lublin mit dem Heldentod sein junges, arbeitsreiches Leben. Einige Monate später fiel sein Bruder Armin P a j z s, Prioatbeamter, gleichfalls Reserveleutnant. Der dritte Bruder, Eugen P a j z s, ein künstlerisch äußerst begabter junger Mann, opferte als Reservekadett auf dem italienischen Kriegsschauplätze sein edles Leben in der hciligen Verteidigung des Vaterlandes. Der vierte Bruder Robert sieht irgendwo auf dem nördlichen Kriegsschauplätze stündlich dem Tode ins Gesicht. Eine positive Nachricht über sein Befinden liegt gegenwärtig nicht vor. Mit Recht schließt , Egyenlöseg" seine Mitteilung mit der Bemerkung, daß dieser Fall ein traurig-stolzes Beispiel der aufopfernden jüdischen Vaterlandsliebe ist. Vier tapfere ungarische Juden zogen in den Krieg und drei von (ihnen opferten ihr Leben für das ewige Leben des Vaterlandes und für dessen schönere Zukunft. _ Ein Ieldpostörief. Galizien, 4. August 1915. Meine Lieben! Freut Euch mit mir: Ich habe als Auszeichnung für mein tapferes Verhalten vor dem Feinde in den Junikämpfen vor Lemberg die silberne Tapferkeitsmedaille erhalten! Gelt, Ihr könnt Euch meine Ricsenfreude denken, als gestern am frühen Morgen mein Hauptmann mir persönlich die Botschaft überbrachte und urir herzlichst gratulierte. Den ganzen gestrigen Tag wurde ich, von Kameraden und meinen Soldaten auf alle mögliche Arten gefeiert und abends gab es beim Kompagniekömmandanten, meinem Hauptinann, ein gemütliches Beisammensein bis 121/* Uhr morgens. Also, lvir bummeln direkt im Schützengraben. Viele Küsse und auf frohes Wiedersehen! Euer treuer Richard Jerusalem, Kadett-Offiziersstellvertreter im 94. österr. Infanterieregiment. Schreiber dieses '(Jude) ist in seinem Zivilverhältnis ing. cand. der Prager deutschen technischen Hochschule und stammt aus Reichenberg in Böhmen. Vor: seinen vier Brüdern stehen noch weitere drei im Felde. Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. Bisher wurden 3815 mitgeteilt, in der vorliegenden Nummer 85, zusammen 3900. Eisernes Kreuz 2. Klaffe am weiß-schwarzen Bande. Dr. Alfred Berliner, längere Zeit in der deutschen Zivilverwaltung in Belgien tätig, Mitglied des Aufsichtsrates der Siemens und Halske A.-E. Eisernes Kreuz 2. Klaffe Altdorf (Baden). Unteroffizier Siegfried Wertheimer. Arnswalde. Kriegsfreiwilliger, Gefreiter Bruno Abraham. Baumholder a. Nahe. Kriegsfreiwilliger Juda V o o ß, beim Infanterieregiment Nr. 65, auch mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Berlin. Julius B a l l i n, Leutnant und Adjutant in einem Landwehr-Ersatzbataillon, dipl. Ingenieur; Mar Flat an; Jul. Goldfinger, Leutnant in einem Infanterieregiment; Erich Graumann, Unteroffizier d. R. in einem Infanterieregiment; Fritz Hahn, Leutnant d. R. (gefallen); Dr. Adolf H e r z s e l d, Leutnant d. R., Beamter der Dresdener Bank; Siegfried Heymann, Kriegsfreiwilliger, Landsturmmann, Kaufmann; Doktor

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