Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 36 (3.9.1915)
- Date
- 1915-09-03
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 36 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 675 Der rationell denkende Bibelkenner Ben-Sew hat nun in seiner Einleitung zu Daniel sehr richtig festgestellt, daß sich das kleine, aus zwölf Kapiteln bestehende Buch iu zwei Abschnitte, die in Sprache, Einteilung, Inhalt und Form verschieden sind, teilt. Kapitel 1—6 sind der eine, Kapitel 7 bis Ende der andere Abschnitt. «Dennoch ist es sichtbarlich, daß die Kapitel 2 und 7 eine Wiederholung bilden, die in gleicher Weise auf die endgiltige Erlösungszeit Israels und der Welt Hinweisen. In beiden finden sich die vier Weltreiche abgezeichnet und der Uebergang von dem letzten schrecklichen, auf die Entstehung der endgiltigen Herrschaft des Friedensreiches. In beiden wiederholen sich Einzelheiten — wenn auch in variierter Darstellung —, die sich gegenseitig decken. In dem einen sind es die Zehen der Füße mit der Zehnzahl, in dem anderen die zehn Hörner; in dem einen ist es der Stein, der sich loshöst und der Berg, der die tönernen Füße des ehernen Kolosses trifft und denselben in Trümmer schlägt; in dem andern ist es das kleine Horn, das diese Aufgabe erfüllt. In dem 7. Kapitel kommt noch das Bild des Alten der Tage, dem ein junges Menschenkind sich zur Besitznahme des Friederlsweltreiches zur Seite setzt, während das zweite Kapitel eine Doppelvision vorstellt, und zwar einesteils auf das Reich Nebukadnezars und seiner folgenden Weltbeherrscher hinweift, und andernteils das Weltbild der Zukunft, das A «li r i tli - h u j a m i in beinhaltet, das mehr der Deutung Spielraum frei läßt. Am 18. August machte ich nun zur Kaiserfeier im Tempel zu Baden das 7. Kapitel zum Gegenstände meiner Darstellung vom voraussichtlichen Ende des Weltkrieges, wie ich es bereits beim Beginne desselben in der „Oesterreichischen Wochenschrift", mit Heranziehung des Sohar und der im Jahre 1864 vom Gelehrten M a l b i m gegebenen Erklärung, ausgeführt habe. Bei dem Militärgottesdienste im Bereinsbethause zu B ö s l a u, an welchem auch außer den Soldaten und Kurgästen Galizianer in stattlicher Zahl sich beteiligt harten, nahm ich das Kapitel 2 vonr Buche Daniel zur Vorlage der gleichen Auseinandersetzung. Bei derselben sollte das bekannte geflügelte Wort, welches Rußland als den eh e r wen Kol oß. auf tönernen Füßen bezeichnet, als aus diesem Kapitel hervorgehend dargestellt werden. Kaum jedoch, daß ich diesen Traum Nebukadnezars von dem Bilde — dessen Kopf aus Gold, dessen Brust und Arme aus Silber, dessen "Leib und Schenkel aus Erz, dessen Füße fedoch aus Eisen, gemischt mit Ton — anführte und der Deutung mit dem losgelösten Steine vom Berge, der das ganze große Standbild zerschlug, mich zuwandte, erhob sich ein Herr von großer Statur und würdevollem Aussehen, wie von einer starken Nervosität erfaßt, so daß seine ganze Umgebung ihre Aufmerksamkeit auf ihn richtete. Als die Rede sich dem Ende näherte, eilte er erregt aus dem Bethause, und noch ehe der Gottesdienst abgeschlossen war, kam er schweißtriefend zurück, in den Händen eine Rolle, mit der er zu mir eilte und mich bat, sofort das in derselben abgezeichnete Bild einer genauen Betrachtung zu unterziehen. Es war die künstlerisch abgezeichnete Vision aus dem 2. Kapitel von Daniel. Das Bild wirkte überraschend. „Sehen Sie," sprach er zu mir. .chiefes Bild habe ich nach meiner Anordnung abzeichnen lassen, während ich als Geisel in russischer Gefangenschaft durch zehn Monate schmachtete. Mit der Darstellung der Prophetie des Daniel habe ich mich während dieser schweren. Zeit geistig beschäftigt und als ich die gleichartige Darstellung von ihnen vernahm, duldete es mich nicht und ich eilte nach Hause, um es zu holen und ihnen die bibelkritischen Bemerkungen und Auseinandersetzungen hiezu, die ich auf Grund talmudischer, midraschischer und hebräischwissenschaftlicher Werke gesammelt habe, mündlich vorzutragen." In der großen Versammlung, die uns umgab, machte ich ihn aufmerksam, daß dies da, an diesem Orte, nicht leicht möglich sei, und bestellte ihn zu einer Zusammenkunft in meine Wohnung. Bei derselben lernte ich diesen Mann näher kennen; derselbe ist intelligent, von Beruf Kaufmann, Mehlgroßhändler, hat jüdisches Wissen, heißt P eis fach Th an (aus S t a n i s l a u) und harre die schwere Zeit der Internierung bei den Russen mitgemacht: dort entstand sein Bildwerk von Nebukadnezars Traum. Er trägt sich mit dem schönen Gedanken, dieses Bild in Szene zu setzen und es zu einer Kino-Vorstellung verarbeiten zu lassen, welche geeignet ist, den religiösen Sinn zu erwecken und die von vor 2300 Jahren gegebene Prophetie in ihrer überraschenden und packenden Verwirklichung in diesem Weltkriege als Vorläufer der Welterlösung darzustellen. Diese Episode aus dem Kaisertage des diesmaligen 18. August möge daher als vorbereitende Voranzeige des begeisterten und begeisternden Unternehmens dieses nach jeder Hinsicht interessanten Mannes dienen. gttarahtir. Jüdisches Kriegsarchiv. Wien, 2. Bez., Zirkusgasse 33. Das gefertigte Komitee richtet an die jüdischen Mitbürger di: dringende Bitte, seine hochwichtige Arbeit zu fördern. Im Interesse der Arbeit an der militärischen Abte lung wird um Bekanntgabe der Namen gefallener oder ausgezeichneter Verwandter, Freunde und Bekannter ersucht. D e Angaben so.len möglichst erschöpfend sein. (Vor- und Zuname, Truppenkröper, biographische Daten, Grund der Auszeichnung usw.) Auch um Ueberlassung interessanter Feldpostbriefe wird gebeten. Sie werden über Wunsch zuversichtlich retourniert. Wer sich dieser geringfügigen Arbeit unterzieht, erw ist der jüdischen Gemeinschaft einen großen Dienst! Für das Komitee „Jüdisches Kriegsarchiv": Ing. Robert Stricker, Obmann. Lamms Jüdische Feldbücherei. Nr. 6. Felvbibel für den Völkerkrieg 1914/15. Eine Zusammenstellung aus Tora, Propheten und Hagiographen, die dem Zweck dieser Veröffentlichung trefflich dient. Festschrift zur Einweihung des reuen Krankenhauses der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. Histor. Teil von Dr. W. Hanauer, Baubeschreibung von den Architekten und Aerzten des Krankenhauses. Frankfurt a. M. 1914. Mk. 2.—. Eine Festschrift, die sich schon durch die überaus gediegene Ausstattung dem Auge empfiehlt. Sie überschreitet den Rahmen einer Gelegenheilsschrift durch den Ueberblick über die Geschäfte des jüdischen Krankenhauses im allgemeinen aus der Feder Hanauers, dessen Name schon für die meisterhafte Ausführung der Ausgabe bürgt. _ Kriefkasten. B. in M. Die Nachricht der Petersburger Börsenzeitung, die russische Regierung wolle den Juden Freizügigkeit gewähren, kann — gesetzt der Fall, daß die Nachricht wahr ist — nur ein schlechter Scherz der Regierung genannt werden, denn der größte Teil des jüdischen Ansiedlungsrayons ist doch jetzt in den Händen der Zentralmächte. G. S. in Sz. Für uns ungeeignet. R., Wien. Daß Herr Dr. Fried in den „Blättern für Zwischenstaatliche Organisation" Nr. 6, S. 226, in der Eingabe des „Bundes der Landwirte" und verwandter Vereine an die deutsche Reichsregierung „eine talmudische Verdrehung" entdeckt, wird dem genannten Bunde und seinen Gesinnungsgenossen gewiß eine Ileberraschung bieten.