Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-09-03 · 36 (3.9.1915) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
36 (3.9.1915)
Date
1915-09-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022179--24444-3049693
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 36 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 669 Abend fand eine Festsitzung statt, in welcher Herr Vorstand Leopold Abel es namens der hiesigen Judenschaft eine Huldigungs- und Ergebenheitsdepesche an Seine Majestät absandte. Das Arrangement lag in den Händen des Herrn Fl e i s chm a n u aus Wien. Marienbad. Ein Festgottesdienst von eigentümlichem Rcize fand heute hier im großen Saale des Hotel National (Besitzer David Leitner) statt. An der Ostseite des Saales prangte das Bild des Kaisers von Kränzen umgeben und mit einer Blumenkrone gekrönt. Auch sonst war der Saal zweckentsprechend hergerichtet und dekoriert. Schon vor der bestimmten Zeit strömten viele hundert Flüchtlinge, feiertäglich gekleidet, in den zum Gotteshause umgewandelten Raum. Auch viele Kurgäste waren anwesend. Der Saal konnte nicht alle fassen und viele Erschienene mutzten die Predigt in Nebenräumen anhören. Verschiedene Ehassidim-Rabbis (sog. Wunderrabbiner) und alle hier weilenden Rabbiner aus Galizien nahmen an dem Gottesdienste teil. ,Die hohen Behörden waren durch den Vertreter der Bezirkshauptmannschast Herrn Doktor Lehrmann und den Bürgermeister der Stadt Marienbad Herrn Johann Rubritius vertreten. Der Vizebürgermeister von Krakau, Hosrat Care, war als Ehrengast anwesend. Das Amt des Festpredigers versah auf Ersuchen des Flüchtlingskomitees der zur Kur hier anwesende Distriktsrabbiner von Regensburg Dr. S, Meyer. Nachdem Kantor Maier Berger aus Rawaruska mit seinem improvisierten Chor den Königspsalm (Psalm 21) stimmungsvoll zu Gehör gebracht hatte, bestieg der Rabbiner die Kanzel und hielt eine begeisterte Festpredigt, die auf alle den tiefsten Eindruck machte. Nach dem Gebete für den. allerhöchsten Landesherrn, für die Soldaten im Felde, für einen baldigen glorreichen'Frieden und nach einem besonderen Segen für alle Kriegsteilnehmer, folgten die Schlußgebete und die Kaiserhymne. Herr Dr. Lehrmann und Herr Bürgermeister R u b r i t i u s sprachen Herrn Distriktsrabbiner Dr. Meyer ihre hohe Befriedigung aus. Nachdem der Gottesdienst beendigt war und die Vertreter der Behörden den Saal verlassen halten, blieben die meisten Anwesenden noch beisammen. Herr kaiserl. Rat Reichsratsabgeordneter Hirsch aus Klausenburg, der als Kurgast hier weilt, und der verdienstvolle Vorsitzende des Komitees Herr Bankier Fritz B u X b a u m von hier, richteten an die Flüchtlinge herzliche Worte der Aufmunterung, datz sie, wenn sie demnächst in ihre Heimat zurückkehren, mit Energie an den Wiederaufbau ihrer Existenz gehen möchten, wozu ihnen Gott beistehen möge. Mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser, in das die Anwesenden begeistert einstimmten, schloß die Versammlung. Witkowitz. Hier wurde der Festgottesdienst in besonders feierlicher Weise begangen. Unter den anwesenden zahlreichen Gästen bemerkte man Generaldirektor Dr. Schuster mit seinem Beamtenstabe, Bürgermeister Schmidthammer mit Herren der Stadtvertretung und der städtischen Beamten. Oberkantor Heinrich G r o tz leitete vorzüglich den gesanglichen Teil, Herr Rabbiner Dr. .Jakob S p i r a aus Mähr.-Ostrau hielt eine eindrucksvolle patriotische Festrede, die viele Anerkennung fand. Mit einem herzinnigen Gebet für Kaiser und Vaterland schloß der Redner. Die Herren Funktionäre ernteten vielen Beifall für ihre Leistungen. Prießnitzthal. In der Kuranstalt Prießnitzthal fand am 18. August ein schönes Kaiserfest statt, welches durch Vorträge eingeleitet wurde, die alle großen Beifall fanden. Frl. Manfred glänzte mit einem Prolog und Kriegsgedichten, ferner Professor K op a c z i n s k y mit feinpointierten Klaviervorträgen. Mit herrlicher Stimme sang Frau Doktor. Bauer einige Lieder, desgleichen Frl. S w o b o d a; als Beschluß Kuplets von Otto B u r i a n mit gewohnter Wirkung, dazwischen eigene Kompositionen und patriotische Klaviervorträge des Herrn Moriz Welisch. Mit einem reizenden kleinen Gedichtchen gelang es dem kleinen.Fräulein Thea Welisch, das Publikum zu veranlassen, einen namhaften Betrag für das Rote Kreuz zu spenden. Die Begleitung der Lieder besorgte in vorzüglicher Weise Frau Doktor Welisch. Bei dem anschließenden Bankett im herrlich dekorierten Speisesaal brachte der Besitzter, kaiserl. Rat Dr. Josef Weiß, nach einer Festrede das Hoch auf den Kaiser aus. Unter den Anwesenden bemerkte man Statthaltereirat Fuchs und viele andere Rotabilitäten. Die schöne, erhebende, von wärmster patriotischer Gesinnung zeugende Feier wird allen Anwesenden noch lange in Erinnerung bleiben. „Am 18. August fand im israelitischen Tempel in K. auf russischem Boden anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers ein Militärgottesdienst statt, an welchem nebst den Offizieren und Mannschaften der in K. weilenden Kommanden und Anstalten auch die überaus zahlreich erschienene Zivilbevölkerung jüdischen Glaubens teilnahm. Die Feier wurde durch einige Psalmen eingeleitet, welche Herr Oberkantor M e i s l aus Karlstadt, derzeit Einjährig-Freiwilliger des Landsturm-Bataillons Nr. 505, mit seiner wunderschönen und umfangreichen Tenorstimme in wirkungsvollster Weise zu Gehör brachte. Hierauf hielt Sr. Ehrwürden Herr Feldrabbiner Dr. Ignaz Löwy. die Festpredigt. In tiefempfundenen, von wahrhaft patriotischer Begeisterung durchglühten Worten hob Dr. Löwy die historische Denkwürdigkeit des Tages hervor, an welchem es den siegreichen Truppen der verbündeten Heere vergönnt sei, das Wiegenfest des heißgeliebten Allerhöchsten Kriegsherrn im Feindeslande zu begehen; insbesondere aber die Juden seien berechtigt und verpflichtet, in erster Reihe Gott dem Allmächtigen mit heißer Inbrunst und aus tiefstem Herzen dafür zu danken, daß Habsburgs Banner über russischen Landen wehe, da gerade sie so viele Jahrhunderte hindurch unter der blutigen Geißelr der russ.shen Bedrücker geschmachtet chatten. Mit einem bei geöffneter Bundeslade gesprochenen Kaisergebete und der von Herrn Oberkantor M e i s l intonierten Volkshymne, welche von allen Offizieren und Maimschaften milgesungen wurde, fand sodann die windige Feier ihren Abschluß. Von den anwesenden militärischen Funktionären, die nach Beendigung des Gottesdienstes Herrn Feldrabbiner Dr. Löwy zu seiner „wahrhaft patriotischen und gottesfürchtigen Kriegsrede" herzlich beglückwünschten, seien besonders erwähnt: Platzkomman dant Oberstleutnant von Berg, Etappen-Stat-onskommandant Hauptmann Graf T a r i s, Oberst S t e c z i n k, Oberintendant K a n tz k y, evang. Feldkurat G r e g u ß, griech.-orient. Feldkurat K o k i c, sowie Vertreter des Feldgerichtes und der Militäcrechnungsabteilung. In Mödling haben bei dem Vorsteher Ferdinayd D i am a n t in dem festlich geschmückten Tempel veranstalteten Festgottesdienste die Spitzen der Behörden, des Militärs, der Stadt- und Kultusgemeinde, sowie ein zahlreiches Publikum teilgenommen. Oberkantor Ignaz Falk sang mit Harmoniumbegleitung Psalm 21. Herr Rabbiner Dr. Bardowicz hielt eine patriotische Festrede und ein Gebet für Kaiser und Reich. Es folgten noch mehrere Chöre und Soi: des wohlgefchulten Damenchores unter der bewährten Leitung des Musikdirektors E. Niswizski aus Wien. Volkshymne und „Heil dir im Siegerkranz" beschlossen die schöne und wohlgelungene Feier. In M i t r o v i c a hielt der neugewählte Oberrabbiner Hirsch L e b o v i c s eine kroatische und deutsche Ansprache bei der Festseier im Tempel, an welcher die Spitzen der Behörden und hohe Militärs anwesend waren. Zu dem vom Offizierskorps veranstalteten Festmahl wurde auch der Herr Oberrabbiner eingeladen, bei welcher Gelegenheit der Herr Oberst dem ehrwürdigen Herrn Oberrabbiner für seine schöne patriotische Rede den Dank aussprach. Gleichzeitig gratulierte er dem Herrn Oberrabbiner zu seiner Ernennung als Feldseelsorger. Wien. Im Beihause „Tesilath Jeschurun", II.. Prater, Ausstellungsstraße 53, fand die Festfeier in Anwesenheit des Gesamtvorstandes und eines zahlreichen Publ kums statt. Den gesanglichen Teil leitete Oberkantor B a l o g h, der auch eine patriotische Ansprache hielt. Vielen Beifall fand die Festrede des Herrn Jakob Hirschfeld, eines Kultusvorstehers aus Przemysl. Palästina-Spenden an Stelle von Seelenlichtern. Wien, am 26. August 1015. An die löbl. Redaktion der „Dr. Bloch's Oesterreich ische Wochenschrift" Wien. Sehr geschätzter Herr Doktor! Ich gestatte mir, der nachstehenden Anregutlg Ausdruck zu verleihen und bitte Sie um Veröffentlichung in Ihrem geschätzten Blatte. Es ist eine unserer alten Sitten, in den Tempeln und Bethäusern zu den hohen Feiertagen, besonders am Versöhnungstage, Kerzen anzuzünden, die gespendet werden und natürlich, in all den vielen tausend Gemeinden zusammengerechnet, ein immenses Geld kosten. Es möge also in diesem außergewöhnlichen Jahre von allen Kanzeln, in allen Bethäusern und in jeder Gemeinde von den Rabbinern verkündet werden, in diesem Jahre feine Kerzen zu spenden, den entfallenden Betrag aber deul Hilfswerk für unsere Glaubensbrüder in Paläftirla zuzuführen. Ich bin überzeugt, daß die auf diese Weise gesammelte Summe eine sehr ansehnliche wäre, unseren Glaubensbrüdern in Palästina die notwendige Hilfe bringen würde und schließlich, bei aller Achtung für den hehren Zweck des Anzündens von Kerzen, wäre das Geld denn doch nützlicher verwendet als in dem Aufgehen in Flammen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.