Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 36 (3.9.1915)
- Date
- 1915-09-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3022142-3022179--24434-3049683- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ni'. 36 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 659 AUFRUF'. Unsere Glaubensbrüder im Heiligen Lande sind infolge des Krieges und einer verheerenden Heuschreckenplage in die bitterste Not geraten. Besonders hart sind Tausende österreichischer und ungarischer Juden betroffen, denen ihre Heimat (Galizien, Bukowina und Marmaros) gegenwärtig, da selbst hart mitgenommen, keine Unterstützung gewähren kann. In erster Reihe diesen Aermsten der Armen rasche Hilfe zu bringen, hat sich die unterfertigte SC Hilfskommission für Palästina "MI zur Aufgabe gemacht. 25.000 Kronen, in Anbetracht jenes Elends nur ein bescheidener Anfang, haben wir bereits durch das hohe k. k. Ministerium des Aeussern nach Palästina gesandt und durch unsere Vertrauensmänner an Ort und Stelle verteilen lassen. Wir bedürfen dringend weiterer Mittel und bitten alle Glaubensbrüder, bei den Spenden vor der Sefertora, besonders an den hohen Festen ♦*!!£' D? ♦IWfi VdN 7ND Auch unsere Hilfskommission für Palästina zu bedenken. Gott lohne jede, auch die bescheidenste Gabe! Mit voizüglicher Hochachtung Für die Hilfskommission 1915 für Palästina: Kais. Rat Adolf Schramek Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Gustav Kohn Wien. Vizepräsident der israel. Kultusgemeinde Wien. Rabbiner^Dr. Max tirnnwald. Sitzung des österreichischen Landeskomitees für Palästina und Vollversammlung der Hilfskommission 1915 fiir Palästina. Die Präsidien beider Komitees hatten ihre Mitglieder und Gäste für Dienstag, den 24. v. M., nachmittags, in den großer: Saal des Hotel Corttinental, Wien, 2. Bezirk, schriftlich eingeladen. Um 3 Uhr eröffnete der Präsident Dr. Gustav K o h r: die Sitzung des Landeskomitees. Er begrüßte als Gäste die Herren Ministerialsekretür Dr. Lederer und Herrn Dr. S z a b o l e s i aus Budapest, sorvie den Vertreter der deutsch-holländischen Palüstinaverwaltung Herrn Rabbiner Horowitz aus Jerusalem, zurzeit Frankfurt am Main. Der Vorsitzende betonte, daß seiner Meinung nach ein Zusammengehen mit Deutschland einerseits und Ungarn andererseits im Sinne eines Vorschlages, den Herr Doktor Lederer in: Namen einer ungarischen Gruppe vorgelegt hatte, zu erstreben sei. Hiernach soll die Selbständigkeit den^ drei Gruppen Oesterreich, Ungarn und Deutschland gewahrt bleiben, hingegen sei bei wichtigeren Angelegenheiten (vorgeschlagen wurde: bei Projekten über 50.000 Kronen erfordernd) ein gemeinsamer Beschluß von Delegierten der drei Landsmannschaften herbeizuführen. Auf Grund dieses Vorschlages würde in jedem der drei Länder ein Pälästinahilfswerk ins Leben zu rufen sein. Der Verband würde den Namen „Zentraleuropäisches Palästina-Hilfswerk" zu tragen haben. Herr Dr. Grunw a l d berichtete über den bisherigen Erfolg der Sammlungen des Landeskomitees, die den Betrag von 27.000 Kronen bei minimalen Betriebskosten überstiegen haben, und legte den schriftlichen Antrag des Präsidenten des Oesterreichischen Kolonisationsvereines Herrn Dr. Bela T a u s s i g vor, den genannten Verein in das Landeskomitee aufgehen zu lassen. Die Versammelten erklärten sich mit diesem Antrag einverstanden. Herr Doktor Lederer dankte für die Begrüßung und versprach eifrige Mitarbeit in Ungarn. Die dort gesammelten Beträge sollen, iuie die des Landeskomitees, an das Bankhaus Rothschild auf ein besonderes Konto eingezahlt und nach den: Ermessen der ungarischen Leitung den Zwecken der österreichischen Aktion von Fall zu Fall zugeführt werden. Herr Rabbiner Horovies erklärte sich bereit, in Verbindung mit zwei anderen Vertrauensmännern die Verteilung sowohl der Sendungen des Landeskomitees als auch der ungarischen Aktion an Ort und Stelle übernehmen zu wollen. Die journalistische Propaganda in Ungarn will Herr Redakteur Dr. Szab o l e s i in die Wege leiten. Mit einem Danke an die Erschienenen schloß der Vorsitzende die Beratung. Um halb 6 Uhr tagte unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Gustav Kohn das Exekutivkomitee der Hilfskommission 1915 für Palästina. Dr. Grunwald gab einen Ueberblick über die bisherigen Leistungen der Kornmission und bezifferte die bisherigen Eingänge mit weit über 50.000 Kronen. Mit den österreichischen und ungarischen Landsmannschaften (Kaulelim) in Palästina sind Verhandlungen gepflogen worden, die zu dem Ergebnis führten, daß sich zunächst die anwesenden Vertreter der drei Kaulelim Ottynja (Bukowina, Marmaros), Wißniee und Kossow der Hilfskommission durch eigenhürrdige ,Unterschrift beizutreten verpflichteten. An Mitglieder dieser Kaulelim in Palästina sind bis jetzt durch die Kommission 25.000 Kronen dank Vermittlung des k. k. Ministeriums des Aeußern verteilt worden. Um einer Katastrophe, wie sie gegenwärtig die jüdische Siedlung in Palästina heimgesucht hat, nach Möglichkeit vorzubeugen, soll durch einen aus der Kommission zu schaffenden Verein nach Möglichkeit vorgebeugt werden. Es wurden nämlich an sämtliche im Unionkalender verzeichneten Gemeindevorstände und Rabbinate der Monarchie Aufforderungen gesendet, das Einverständnis mit diesem Plane einer die Monarchie umfassenden Hilfsaktion auf di' Grundlage des von der Hilfskommission ausgearbeiteten Programmes zu erklären. Dieses Programm sieht die Gründung einer Vorschußkassa, Sanierung der Wohnungsverhältnisse und Industrialisierung der städtischen Bevölkerung von Palästina vor, beschränkt sich aber zunächst uns die Angehörigen der genannten drei Kaulelinr, da vorläufig nur diese drei sich der Aktion angeschlossen haben. Feldrabbiner David Schreiber als Kurator des Drohobyezer Kaulel hatte sein Erscheinen bei den Beratungen der Hilfskommission zugesagt und ließ, dienstlich verhindert, durch seinen Vertreter Schenker eine Liste derjenigen vorlegen, die er in den Arbeitsausschuß der Hilfskommission gewählt wissen wollte.