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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-08-27 · 35 (27.8.1915) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
35 (27.8.1915)
Date
1915-08-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 35 Dr. Bl och's Wochenschrift Stile 647 Der Hauptgottesdienst wurde wegen Platzmangel im Tempel in der Inneren Stadt im Leopoldstädter Tempel abgehalten, an welchem der gesamte Kultusvorstand, unter Führung des Präsidenten Dr. Alfred Stern und des Vizepräsidenten Landesschulrat Dr. Gustav Kohn — der 2. Vizepräsident Hofrat Dr. Benj. Rappaport weilt nicht in Wien —, der Bethausvorstand, die Mitglieder der Bezirkskommissionen, die Beamtenschaft der Kultusgemeinde mit dem Sekretär Dr. Emil Adle r, sowie viele hervorragende Gemeindemitglieder teilnahmen. Es waren des Ferneren Mitglieder des Gemeinderates, der Bezirksvertretung Leopoldstadt und Abordnungen vieler Vereine erschienen. Der Festgottesdienst wurde eingeleitet durch einen von Professor Joseph Sulz er für diese Feier komponierten Psalm Nr. 21. Die Festrede, die einen nachhaltigen Eindruck ans die Anwesenden ansübte, hielt Herr Rabbiner Dr. Mar Grunwald, worauf bei offener Bundeslade das Kaisergebet gesprochen und die Volkshymne gesungen wurde. Oberkantor Morgenstern trug, begleitet vom verstärkten Chor, unter Leitung des Chordirektors Professor Joseph Sulz er, einige Psalmen vor, womit die Feier ihren Abschluß fand. Im Anschlüsse an den Festgottesdienst fand eine zahlreich besuchte öffentliche Festsitzung statt, in welcher der Vorsitzende, Präsident Dr. Alfred Ster n, die nachfolgende Ansprache hielt: „Verehrte Herren! „Es sind jetzt herrliche, herrliche Tage, wir schreiten von einem Triumph zum anderen." Mit diesem schönen Worte unseres Thronfolgers an die ihn begrüßende Budapester Deputation, mit diesem Jubelruf begrüße ich Sie, meine hochverehrten Herren, die wir uns heute an dem Geburtstage unseres erhabenen Monarchen zur Festfeier hier versammeln. Ein Jahr ist es her, da standen wir am Beginne weltgeschichtlicher,Ereignisse, am' Anfänge des großen ^welterschütternden Ringens, welches eine wie aus dem Boden herausgewachsene Koalition von Feinden begonnen hatte, eine Koalition, die seither Unheil und Verwüstung über unser Vaterland, über Europa gebracht hat. Vertrauend auf unseren heißgeliebten Kaiser, der in Seiner Friedensliebe bis an die äußerste Grenze gegangen, von uns, wie von aller Welt als der Friedensfürst gefeiert, überzeugt, daß nur äußerster, unabwendbarer Zwang der Verhältnisse Ihm die Waffe in die Hand drückte, vertrauend auf die Gerechtigkeit unserer Sache, auf die glanzvolle Zukunft unseres Vaterlandes, waren wir Oesterreicher dem Rufe unseres Kaisers gefolgt, entschlossen, Gut und Blut für Ihn, für die Machtstellung der Monarchie, für die Freiheit ihrer Völkerschaften hinzugeben. Wir Oesterreicher, unter ihnen, wahrlich nicht iw letzter Reihe, wir österreichischen Juden. Und heute, da wir im Gotteshause unser tiefinniges Dankgebet an den Allmächtigen richteten, daß er unseren gütigen, weisen, gerechten, heißgeliebten Kaiser den heutigen Tag in voller körperlicher und geistiger Frische erleben ließ, Ihn schauen ließ all die herzlichen Waffentaten Seiner rühm- und siegreichen Armee, da dürfen wir hier erhobenen Hauptes mit Stolz und Genugtuung uns und aller Welt künden, daß wir unser Gelöbnis in Treu' und Ehren gehalten, daß wir es mit dem Blute unserer Besten besiegelt haben, daß unter den Stämmen und Völkern unseres weiten Vaterlandes wir Juden uns den Besten und Opfermutigsten an die Seite stellen dürfen. So haben wir es gehalten und so wollen wir es auch ferner halten. Wenn einst ein Geschichtsschreiber mit gerechtem Sinn der Heldentaten Oesterreich-Ungarns an diesem furchtbaren Weltringen ein geschriebenes Denkmal setzen, wenn er vorurteilsfrei Heldentat an Heldentat fügen, Zeugnisse der Treue zum geliebten Kaiser, zum Vaterland niederlegen wird, so wird und muß er unserer Judenschaft, jener großen Zahl unserer Glaubensbrüder gedenken, welche mit alles überwindbarem Heldenmute, mit wahrer Todesverachtung, mit unserem „Schma Jisroel!" auf den Lippen, in den Tod gingen. Er muß unserer zahllosen Glaubensbrüder gedenken, jener Märtyrer, die lieber alle Erniedrigungen, die grausamsten Qualen erduldeten, ihr Leben aushauchten, als einen Verrat an ihrem Vaterlande, an ihrem Kaiser zu üben. Heute, in dieser öffentlichen, festlichen Versammlung, in der gehobenen Feiertagsstimmung ist es die Stimme des Gewissens, die in mir hallt, erachte ich es als eine mir in meiner Stellung obliegende Gewissens- Pflicht, hinzuweisen auf die pflichtgemäße, ^patriotische Haltung unserer österreichisch-ungarischen Judenschaft, gegenüber hämischen Anrvürfen von gewisser Seite. Ja, wir haben allen Grund, den Geburtstag unseres heißgeliebten Kaisers dankerfüllt und jubelnd zu begehen. Im Norden wird bald, mit Gottes Hilfe, dank unserer sieggewohnten Armee, auch der letzte Feind aus unserem heimatlichen Boden vertrieben sein, während jetzt schon weite Strecken des Feindeslandes von unseren und unseren verbündeten Armeen besetzt sind. Wir wollen und werden durchhalten, durchhalten, bis nach unseres heißgeliebten Kaisers erhabenen Willen, nach Seiner hohen Einsicht ein die Ehre, Würde, die Interessen unseres Vaterlandes vollständig und dauernd wahrender und verbürgender Friede geschlossen wird. Und so, vertrauensvoll aufblickend zu der ehrwürdigen, erhabenen Gestalt unseres Kaisers Franz Josef I., dem festen Hort der Gerechtigkeit, schließe ich mit dem heißen Wunsche, der unser aller Seelen erfüllt, nufer geliebter, gütiger, gerechter Kaiser möge durch die Gnade des Allmächtigen noch viele, viele Jahre als Beschützer aller Völker, und Stämme dieses Reiches das Szepter der ruhmreichen Habsburger führen. Er möge die endgiltigen Siege der glorreichen Heere unseres Vaterlandes erschauen. Er möge nach ehrenvollem Frieden noch lange, lange Jahre, bis an die äußerste Grenze menschlichen Daseins als Leitstern allen Seinen Völkern voranleuchleu. Unser geliebter, gütiger, gerechter Kaiser Franz Josef I. lebe hoch! hoch! hoch?" Nach dieser mit stürmischem Beifall aufgenommeuen Rede, beschloß die Versammlung, an Seine Majestät nachstehendes Huldigungstelegramm abzusenden: „An die Kabinettskanzlei Sr. Majestät des Kaisers. Der nach einem solennen Festgottesdienstc zu einer öffentlichen Festsitzung versammelte Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde bittet ganz ergebenst, Seine kaiserliche und königliche apostolische Majestät geruhe, anläßlich Allerhöchstdesselben 85. Geburtssestes die alleruntertänigsten, herzlichsten Glückwünsche gnädigst entgegenzunehmen. In unerschütterlicher Treue und Ergebenheit an Euer Majestät geheiligte Person nimmt die gesamte Judenschaft des glorreichen Habsburgerreiches freudigst an dem ihrem Friedensfürsten aufgezwungenen Kriege mit Gut und Blut teil. Erfüllt 'von Siegeszuversicht, fleht die Judenschaft ider Monarchie den Segen des Allmächtigen auf das gesalbte Haupt ihres heißgeliebten Kaisers mit dem innigsten Wunsche herab, daß Ihm, dem gütigen, gerechten Vater aller seiner Völker sieggekrönt noch lange, lange Jahre ungetrübten Glückes zum Segen des Vaterlandes Geschieden sein mögen."

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