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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-08-27 · 35 (27.8.1915) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
35 (27.8.1915)
Date
1915-08-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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'Ji 35 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 645 Sonstige Auszeichnungen. Alzey. Reservist Salli Strauß wurde mit der Hessischen Tapserkeitsmedaille ausgezeichnet. Angenrad (Oberh). Gefreiter Willy Spei er erwarb sich die Hessische Tapferkeilsmedaille. Berlin. Das Lippe-Detmold'sche Kriegsverdienstkreuz am weißen Bande erwarb sich B. M a n a s s e, Kommerzienrat. Cöln. Dem Unteroffizier Willy E u t m a n n bei einem Armeeoberkommando, ist die Sachsen-Meiningensche Ehrenmedaille verliehen worden. Frankfurt a. M. Bataillonsarzt Dr. Heinrich Ellern erhielt das Hessische Sanitätskreuz. Hardheim (Baden). Gefreiter Anselm Wertheimer erwarb sich die Eroßherzoglich Badische Friedrich-Verdienstmedaille. Heinsheim a. M. Gefreiter Bernhard Maas erhielt die Große Badische Verdienstmedaille am Bande der Karl Friedrich-Medaille. Heldenberzen. Berthold Strauß, Vizefeldwebel und Verpflegungsoffizier im Infanterieregiment Nr. 365, verdiente sich die Hessische Tapferkeitsmedaille. Memmelsdorf. Assistenzarzt der Reserve Dr. Isi Herm. E u nzen h ä u s e r, Inhaber des Eisernen Kreuzes, erhielt unter Beförderung zum Oberarzt den Bayerischen Verdienstorden vierter Klasse mit Krone und Schwertern. Ulm. August Nathan, Leutnant im Infanterieregiment 120, ist mit dem Württembergischen Ritterkreuz zweiter Klasse des Friedrichs-Ordens mit Schwertern ausgezeichnet worden. H'oünjche Juden. Aus der Schilderung eines aus der russischen Gefangenschaft entkommenen österreichischen Wachtmeisters sei hier folgende Stelle wiedergegeben: Diese Reise belehrte mich, wie die Juden ihre kleinen Pferde behandeln und wie sie ohne Zuhilfenahme einer Peitsche alle Hindernisse der Straße bewältigen. Vor einer starken Steigung ließen sie immer hallen und gönnten den armen Tieren eine kurze Ruhepause, dann holten sie aus dem Hinterteil des Wagens eine Handvoll Heu und ließen die Pferde fressen; manchmal auch aus einem mitgeführten Eimer trinken. Dann aber feuerten sie die Tiere an mit Ueberredung und Gestikulationen und rannten vorwärts, indem sie an ihren armseligen Stricken mitzogen, — und immer nahmen die kleinen Pferdchen die Berge und Hügel glattwegs. Auszeichnungen russischer Juden. Obgleich die russische Presse nach wie vor über Auftrag der Regierung die Auszeichnungen jüdischer Soldaten unterdrückt, erfährt man doch, daß die 'jüdischen Soldaten in der russischen Armee sich durch Tapferkeit auszeichnen. So erhielt der Direktor der Gesellschaft fürdrahtlose Telegraphie in Petersburg Simon E i s e n st a d t eine besondere Auszeichnung und wurde vom Zar zun: Staatsrat ernannt, und zwar in Anerkennung seiner Verdienste um die Armee. Ferner erhielten der Militärarzt Dr. Schapira den Annenorden dritter Klasse, während der Freiwillige Gerson B l o z k i n wegen besonderer Tapferkeit, wie ausdrücklich hervorgehoben lvird, schon die dritte Auszeichnung erhielt. Blozkin hat die letzte Auszeichnung dafür erhalten, daß er seinem Kommandanten unter Gefährdung seines eigenen Lebens vom sicheren Tode errettet hat. In Petersburger Blättern war es zu lesen, daß ein jüdischer Arzt — den Namen desselben hat die Zensur bezeichnender Weise gestrichen — nicht weniger als fünf hohe Orden mit den Schwertern für sein heldenmütiges Verhalten auf dem Kriegsschauplätze erhalten hat. Ueberaus groß ist die Zahl solcher jüdischer Soldaten, welche mit dem Georgsorden ausgezeichnet wurden. Wie Wrest-<Morvsk Jestung wurde. Wie Brest-Litowsk Festung wurde, darüber berichtet anschaulich Pauline Wengerow in ihren „Memoiren einer Großmutter", die 1908 im Verlag von M. Poppe l a u e r erschienen sind. Justizrat Ludwig C h e d - ziesner schreibt darüber in der „Vossischen Zeitung" folgendes: Es war an einem schönen Sommertage des Jahres 1831. Da hielt Kaiser Nikolaus I. mit einem glänzenden Gefolge auf dem sogenannten Tatarischen Berge vor Brest-Litowsk. An seiner Seite befand sich der Kronprinz, der damals erst 17 Jahre alte Alexander II. Staunend stand die Menge ringsum. Der Zar zeigte in seiner lebhaften Art mit der Rechten bald hier-, bald dorthin. Generale und Adjutanten sprengten im Galopp über den Wiesenplan und erstatteten Meldungen. Das Volk erging sich in allerlei Mutmaßungen, die Erregung und die Neugier wuchsen aufs höchste. Endlich wurde bekannt, daß der Kaiser das ganze Gelände der alten Stadt Brest für eine Festung erster Klasse bestimmt hatte. Wenige Monate vergingen, da erschien ein Ukas, wonach alle Häuser geräumt werden und die Einwohner sich auf einem, etwa vier Werst von der Altstadt entfernten Gebiete von neuem anbauen sollten. Freilich sollte jeder Eigentümer reichlich entschädigt werden. Trotzdem verbreitete dieser Befehl Schrecken, Ahnten doch diese Unglücklichen, was ihnen bevorstand; wußten sie doch, was sie von den Versprechungen der Regierung zu halten hatten! Es wurde eine Abschätznngskommission gebildet, aber sie brachte nichts zustande. Die Regierung machte kurzen Prozeß. Jeder Hauseigentümer mußte sein Haus binnen einer karg bemessenen Frist selber abbrechen und sich anderweit Unterkunft beschaffen. Im übrigen wurde er auf den Rechtsweg verwiesen, auf den russischen Rechtsweg. Vorläufig erhielt er keine Kopeke für sein Hab und Gut; er mochte sehen, wie er weiter kam. Wer Geld auftreiben konnte, suchte sich eine neue Wohnung zu beschaffen. Das gelang aber nur sehr wenigen, die meisten blieben ohne Obdach. Viele würden zu Bettlern, viele verkamen oder wand^'rten aus. Die Entschädigungsprozesse wurden erst nach 15 Jahren entschieden. Die Frist war verstrichen. Wer sein Haus nicht geräumt hatte, wurde auf die Straße gesetzt" Die Polizei kannte kein Erbarmen. Furchtbare Szenen spielten sich dabei ab, wenn die Aermsten der Armen mit ihren Gerätschaften ins Elend zogen. De«! Zuge des Elends folgte der Zug des Todes. Auch der jüdische Friedhof mit seinen uralten Gedenksteinen und Tafeln sollte geräumt werden. Da half kein Flehen, kein Beten der Gemeinde und ihres Rabbiners, die Stätte zu schonen, in der seit Jahrhunderten die Gebeine ihrcr Väter ruhten. Der schrecklichste Fluch der Juden lautet: „Die Erde soll deine Gebeine herauswerfen!" Diesen Fluch sahen die Unglücklichen ohne jegliche Schuld mit Grausen an ihren Angehörigen erfüllt. Der Tag des Schreckens erschien, alles fastete, jung und alt, reich und arm. In der Synagoge wurde die Heilige Schrift verlesen, die Gemeinde betete inbrünstig und begab sich mit Säckchen aus grauer Leinwand nach dem alten Gottesäcker. „Und diese kleinen Säckchen," erzählt Pauline Wengerow, „genügten vollkommen, den ganzen Menschen zu bergen, der einst im Leben so stolz, so unersättlich im Wünschen und Begehren war. Die ganze Gemeinde beteiligte sich daran, den Inhalt der aufgeschaufelten Gräber in die Säckchen zu schütten, mit einem dicken Bindfaden zu verschnüren und auf die bereitstehenden Wagen zu schichten. Die ganze Volksmenge war bei dieser Handlung tief ergriffen. Hier trauerte nicht eine Familie um einen Angehörigen, sondern eine ganze Bevölkerung um ihre geschändeten Toten." Russische Ankeiheöedürfnisse. Die Regelung der Judenfrage als Preis. Aus Kopenhagen wird berichtet: Wie aus Petersburg gemeldet wird, verhandelte die Finanzkommission des russischen Reichsrates über die wirtschaftliche Lage

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