Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 35 (27.8.1915)
- Date
- 1915-08-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 35 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 643 der ersten Kriegsanleihe schrieb er seinen in Budapest wohnenden Eltern, daß sie von seinen Bezügen (er war Beamter der Firma Ohrenstein und Koppel) Kriegsanleihe zeichnen mögen. Und als die zweite Kriegsanleihe kam, trug er seinen Eltern auf, sein ganzes erspartes Geld und auch die vom Kriegsschauplatz nach Hanse zu sendenden Beträge zur Kriegsanleihe zu verwenden. In einem am 18. Mai datierten Briese schrieb er, vielleicht von Todesahnung befallen, zum erstenmale von der Möglichkeit seines Todes auf dem Schlachtfelde. „Wenn ich den heiligen Tod sterbe," so schrieb er. „bitte ich, mein kleines Vermögen in solchen Institutionen anzulegen, welche die Angehörigen der Kämpfer 51t beglücken berufen sind." Am 24. schreibt schon sein Hauptmann seinen Eltern: „Mein ausgezeichneter Kamerad Eugen Zoltan, der edelmütige junge Fähnrich, ist von einer feindlichen Kugel in der Stirne getroffen, mitten im Kampfe den Heldentod gestorben. Den Heldentod — den heiligen Tod!" __ („Egyenlöseg.") Ingenieur Anselm G 0 r g e, zu Leipnik in Mähren geboren, hat seit Kriegsbeginn als Leutnant d. Res. des Infanterieregiments Nr. 54 am nördlichen Kriegsschauplätze gekämpft. Für tapferes Verhalten vor dem Feinde wurde ihm das Militär-Verdienstkreuz dritter Klasse mit der Kriegsdekoration verliehen. Im Winter leicht verwundet, kehrte er nach baldiger Genesung sofort an die Front zurück. Zum Oberleutnant befördert, unternahm er an der Spitze seiner Kompagnie am 19. Juni 1915 bei Koropiec am Dnjester einen Sturmangriff, bei dem er den Heldentod fand. Mit allerhöchster Entschließung vom 3. August 1915 wurde dem wackeren Offizier der Orden der Eisernen Krone dritter Klasse mit der Kriegsdekoration verliehen. Ein jüngerer Bruder, Leutnant Josef Gorge, kämpft am südlichen Kriegsschauplatz, der älteste Bruder, Leutnant-Ingenieur Josef G 0 r g e, ist seit vielen Mo naten gefangen in Rußland. Leutnant i. d. R. Paul Müller des Feldjägerbataillons Nr. 21, der das Militürverdienstkrenz mit der Kriegsdekoration seinerzeit erhalten und am nördlichen Kriegsschauplatz den Heldentod gefunden hat, ist Dienstag, den 17. August, unter militärischen Ehren in dem Heldengrabe des Zentralfriedhofes, isr. Abtei lung, bestattet worden. Feldrabbiner Dr. Frankfurt e r sprach herzliche Worte des Abschiedes im Namen der Eltern und Angehörigen. Leutnant Paul Müll e r war der Sohn des Herrn Moritz M ü l l e r, Vorsteher des Döblinger Tempelvereines. Am 6. Juli starb an den Folgen eines Oberschenkelschusses Leutnant Paul Pisk des Landwehr-Infanterieregiments Nr. 14, Sohn des Kultuspräsidenten von Nikolsburg Herrn Gustav Pisk, dessen Familie sich alle Teilnahme zuwendet. Der junge, ungemein sympathische, hoffnungsvolle Mann, der, erst 25 jährig, den Heldentod für Kaiser und Vaterland starb, war Jurist. Sein Hauptmann schreibt dem tiefgebeugten Vater: „Ihr Sohn worein tapferer, beispielgebender, pflichtbewußter Offizier und sehr beliebter Kamerad. Er hat als Held gekämpft und in treuester Pflichterfüllung für Kaiser und Reich den Heldentod gefunden. Sie können stolz sein auf Ihren Sohn und darin wenigstens etwas Trost finden. Wir verloren einen braven Offizier und treuen Kameraden." In tiefgedrücktem Schmerze erhielten die Schüler der zweiten k. k. Oberrealschule in Lemberg Nachricht von dem tückischen Tode des in Lemberg im 28. Lebensjahre verstorbenen Kunstmalers und Professors an der genannten Realschule Herrn Markus Klein. Dev in allen Schülerkreisen geliebte Meister fiel als Opfer des schrecklichen Weltkrieges. Sein Andenken sei gesegnet! Die Schüler der 2. k. k. Oberrealschule in Lemberg. Feldpostbrief. Herr Sandor W einer erhielt von seinem lm Felde stehenden Neffen, Arpad H 0 r 0 w i tz, Leutnant im Infanterieregiment Nr. 68, folgendes Schreiben: ., 19. August 1915. Von meiner ersten Verwundung in den Karpathen habe ich mich im Winter recht gut erholt. Meine Wunde war nicht sehr arg, obwohl man sich es recht schwerer Natur vorstellte: Das erstemal erhielt ich in beiden Schenkeln je einen Gewehrschutz, wovon ich mich bald erholt hatte. Das zweitemal einen Bauchschutz, der mir die Lunge durchbohrte und zwischen zwei Rippen flog die Kugel davon. Das drittemal einen Armschutz. Endlich bin ich seit 24. April wieder in Felde und bin glücklich, nicht mehr im Rekonvaleszentenheime herumzulungern, Seitdem ich im Felde stehe, bin ich dreimal ausgezeihnet worden. Zuerst wurde ich Fähnrich, dann erhielt ich die grotze silberne Tapserkeitsmedaille mit dem rot-weitzen Bande und nun bin ich Leutnant. Herrlich ist es hier im Felde. Es gibt kein schöneres Vergnügen, als mit UngeduHo die so selten herüberirrenden Kanonenschüsse der Russen hier aufzulösen, denn vom Tressen ist keine Rede. Wir lassen uns von den Geschossen verschiedene Andenken machen: Ringe, Briefbeschwerer, Zündhölzerhälter rc. Beste Grütze A r p a d. Vormeister Alfred Horner, Sohn des Mißlitzer Viehhändlers B. H 0 r n e r, wurde im Juli bei Görz verwundet und liegt im Reservespital in der Mariahilserstraße 87. Er mußte sich einer Zehenoperation unterwerfen. Sein kommandierender Hauptmann oon der schweren Haubitzendivision Nr. 14, Herr L 0 s k 0 w i tz, übersandte ihm einen Brief mit der Ernennung zum Korporal folgenden Inhalts: .,19. August 1915. Lieber Horner! Vor Ihrer Abreise aus Görz hatte ich leider nicht mehr Gelegenheit, Sie noch persönlich zu begrützen und Ihnen meine Anerkennung und den Dank für die der Batterie geleisteten Dienste auszusprechen. Wir alle haben das Unglück, das Sie betroffen, sehr bedauert, umsomehr, als die Batterie an Ihnen einen braven, tüchtigen Unteroffizier und allgemein geschätzten Kameraden verloren hat. Nehmen Sie das Stück des Rohres, welches Ihr Unglück verursachte, als Andenken an die Marsch-Batterie s. H. 14 und seien Sie versichert, datz Ihnen Pie Batterie stets ein ehrendes Andenken bewahren wird. Das Andenken, welches der Herr Hauptmann aus einem Kanonerohr verfertigen lietz, ist eine schöne Zierde für Zimmerdekoration mit der Inschrift: Mtinem braven Vormeister Alfred Horner, Isonzoschlacht, am 13. Juli 1915, Marsch-Batterie d. k. u. k. s. H. 14. — Mit den besten Grützen und ebensolchen Wünschen für die Zukunft bleibe ich Ihr Hauptmann Leskowitz m. p. Die Erfindung des Ingenieurs Ariedmann. Hermann F rieb m ä rr n, leitender Ingenieur der Automobilabteilung der Raaber Waggonfabrik, hat viereinhalb Monate hindurch im Feldzug gegen die Serben gekämpft, bis er schwer verwundet wurde. Nach seiner LGenesung kam er nach Neusatz und später nach Kn schau zur Automobilabteilung und hat dort der Heeresleitung eine erfolgreiche Erfindung zur Verfügung gestellt. Wie „Egyenlöseg" meldet, hat Ingenieur F r i e d m a n n ein tragbares und auf ein kleines Maß zusammenlegbares Krankenbett erfunden, von welchem auf jedes Automobil zwei Stück anfmontiert werden können. Der Kranke kann in diesem Bette bequem liegen und sogar während der Fahrt ruhig operiert werden. Die Heeresleitung hat diese ausgezeichnete Erfindung auch sofort für den Sanitätsdienst verwendet, und der Protektor des Roten Kreuzes, Erzherzog Franz Salvator, sprach in Ungvar dem Ingenieur Friedmann sein Lob aus. Der hervorragende Ingenieur arbeitet jetzt wieder als Kommandant einer Automobilabteilung auf dem nördlichen Kriegsschauplätze.